Breitenwiesen ist ein Weiler in der Gemarkung Knoden der Gemeinde Lautertal im südhessischen Landkreis Bergstraße. Auch heute noch ist der kleine Ort durch landwirtschaftliche Betriebe geprägt.
Geographische Lage Breitenwiesen liegt im Vorderen Odenwald im Quellgebiet eines Baches in einer als flache Mulde ausgeformten landwirtschaftlich genutzten Hochfläche und südöstlich der Kerngemeinde Reichenbach. Der Weiler besteht im Wesentlichen aus einigen Bauernhöfen.
Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Nordwesten Reichenbach, im Norden Raidelbach, im Nordosten Kolmbach, im Südosten Glattbach und im Süden Schannenbach und Seidenbuch.
Geschichte Ortsgeschichte Breitenwiesen entstand im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim, die einen Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten Mark Heppenheim, dem Reichskloster Lorsch. Nach langen Streitigkeiten konnten sich die Kurpfalz und das Erzbistum Mainz Anfang des 14. Jahrhunderts über das Erbe aus der Lorscher Abtei einigen und die pfälzer Teile wurden durch die Amtsvogtei Lindenfels verwaltet.
Die erste Erwähnung des Ortes findet der Ort unter dem Namen Breydenwisen 1398, als Pfalzgraf Ruprecht I. dem Schenken Eberhard von Erbach mit einem halben Hof in Breitenwiesen belehnt.Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, Seite 85 Der Pfälzer Ort war also zu dieser Zeit bereits ein Lehen an die Schenken von Erbacher. Da es im Grenzgebiet zwischen der Kurpfalz und der Grafschaft Erbach mehrere Vorfälle durch die unübersichtliche Gebietszugehörigkeit gab, einigten sich am 4. Juni 1561 der Pfälzer Kurfürst Friedrich III. mit den Brüdern Georg, Eberhard und Valentin, Grafen von Erbach, über einen Gebietstausch. Dadurch kamen die zu pfälzer Thalzent gehörigen Dörfer Lautern, Gadernheim und Reidelbach, sowie der Anteil an Reichenbach an die Grafschaft Erbach und die erbachischen Dörfer Mittershausen, Mitlechtern, Scheuerberg, Schannenbach, Knoden, Breitenwiesen sowie Oberlaudenbach an die Pfalz. Dort bildeten sie die Neu-Zent des Amts Lindenfels. Bis 1737 unterstand Lindenfels dem Oberamt Heidelberg, danach wurde Lindenfels ein selbständiges Oberamt der „Pfalzgrafschaft bei Rhein“ (im „Kurfürstentum Pfalzbayern“ ab 1777).
Die Gerichtsbarkeit über Breitenwiesen lag anfangs in Heppenheim, wo die Hohe Gerichtsbarkeit über „Diebstahl, Mordgeschrei, Steinwurf, Räuber und Ketzerei“ bis 1714 blieb. Dagegen wird durch Urkunden bewiesen, dass die Neu-Zent bereits 1613 bestand und dass 1665 Rechtssachen an das Zentgericht in Mittershausen und von da an das kurpfälzische Hofgericht appelliert wurden.
1613 hatte Breitenwiesen »4 Hausgesäße und 6 Huben 4 Männer und 3 Weiber als Leibeigne.« Im Jahr 1784 wird Breitenwiesen als ein Weiler von drei Häusern beschrieben. Die Gemarkung enthielt nur 117 Morgen Landes. Der hier aus drei Brunnquellen entspringende Bach wurde Thalbach genannt (der heutige Schlierbach), nach dem die im Nachbarort Glattbach beginnende Thal-Zent ihren Namen hatte. Den großen Zehnten bezogen das Domkapitel zu Mainz zwei und der Herr von Dalberg ein Teil. Vom kleinen Zehnten erhielten diese ein Drittel und der Pfarrer zu Reichenbach zwei Drittel.
Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachten Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. Durch diese Neuordnung und Auflösung der Kurpfalz kam das Oberamt Lindenfels und mit ihm Breitenwiesen zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird Breitenbach als ein Teil der Gemarkung Knoden geführt.
Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. August 1972 die Gemeinde Knoden mit der Siedlung Breitenwiesen in die Gemeinde Lautertal eingegliedert.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Breitenwiesen angehört(e):
vor 1561: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach ab 1561: Heiliges Römisches Reich, Pfalzgrafschaft bei Rhein, Oberamt Heidelberg, Amt Lindenfels, Neue Zent ab 1737: Heiliges Römisches Reich, Pfalzgrafschaft bei Rhein, Oberamt Lindenfels, Neue Zent ab 1777: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Pfalzbayern, Pfalzgrafschaft bei Rhein, Oberamt Lindenfels, Neue Zent ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lindenfels ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Lindenfels ab 1812: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Bensheim zum weiteren Verlauf siehe Knoden
Historische Beschreibungen Im Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine findet sich 1786 über Breitenwiesen:
Über dieser gemeinsame Recht der Nutzung des Bensheimer Markwaldes schreibt C.F.M.L. Marchand:
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Breitenwiesen:
Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 heißt es:
Verkehr In hundert Meter Entfernung nördlich an Breitenwiesen vorbei geht die Kreisstraße K 55, die bei Gadernheim von der als Nibelungenstraße bekannten Bundesstraße 47 abzweigt und nach Knoden und Schannenbach führt.
Literatur Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine. Band 1, Leipzig 1786–1788. (Online bei Hathi Trust, digital library) Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1, Oktober 1829.
Otto Wagner: Heimatbuch Fürth i. Odw: mit den Ortsteilen Fürth, Brombach, Ellenbach, Erlenbach, Fahrenbach, Krökkelbach, Krumbach, Linnenbach, Lörzenbach, Seidenbach, Steinbach, Weschnitz, Gemeinde Fürth i. Odw. 1994, ISBN 3-7657-1110-1
Weblinks
Ortsteil Knoden mit Breitenwiesen. In: Webauftritt der Gemeinde Lautertal.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bergstraße Kategorie:Geographie (Lautertal (Odenwald)) Kategorie:Ersterwähnung 1398