Die Burg Hossingen, Schloss Burtel oder auch Hossenburg genannt, ist der Rest einer Spornburg bei im Tal (Kurzform örtlicher Dialekt: Burtel) 750 Meter südwestlich (Schwäbische Albstraße nach Unterdigisheim) der Kirche von Hossingen, einem Stadtteil von Meßstetten im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Der Name könnte auf das Wappen Mömpelgards, in rot zwei pfahlweis abgekehrte goldene Barben „der Grafen von Württemberg und Mömpelgard“ als Besitzer der Burg seit 1418 zurückgehen. Eine Ableitung von Burgtal hält Heimatforscher Hermann Krauß für naheliegend. Eine handschriftliche Urkunde von 1521 kann als Bardenstein, Burtelstein oder Bartenstein interpretiert werden.Bestand A 28 aBd M 21 auf Landesarchiv-BW.de mini|Altes Wirtenberger Wappen 1459, güldene Barben oft Wirtshausschild
Beschreibung mini|Die Burg ob dem Burtel Bei der Burganlage handelte es sich um eine Spornburg mit Kernburg und vermutlich einem Wohnturm sowie einer Vorburg mit den Maßen von etwa 9 mal 27 Metern. Hinter den beiden Burgen standen laut Burgenforscher Häring die Scheunen des Wirtschaftshofes. Von der Anlage sind noch wenige Mauerreste und zwei Halsgräben erhalten. Die Sperranlagen auf der rechten Talseite sind mit Ausnahme des Wachturms noch vollständig erhalten. Bis ins 20. Jahrhundert war auch die Burg Gräbelesberg eine Hossinger Burg. Das Weiderecht auf dem Burgstall gehörte auch zu Tieringen.
Geschichte mini|Siegel des Rudolf von Hohenberg Die Burg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Die Flurbezeichnungen Hossenbühl und Hossenhalde erinnern an die Ministerialenfamilie. Die Burgherren waren Ministeriale der Grafen von Hohenberg. Für die Grafen von Hohenberg gilt: die reicheren Geschlechter jener Zeit haben, wie einst die Kaiser in ihren Pfalzen, des Öfteren verschiedene Wohnsitze gehabt. Mitte des 12. Jahrhunderts wird in Urkunden des Klosters St. Blasien und des Klosters Reichenbach ein Richard von Dotternhausen und seine Schwester Rilinda von „Husingin“ erwähnt. Für 1296 und 1306 ist Albert der Hosse genannt, der sich in Heinstetten nachweisen lässt. Dieser ist möglicherweise identisch mit Albrecht von Ozingen(=Hossingen), der 1311 in einer Urkunde im Kloster Wald genannt wird. Um 1300 besitzt Graf Friedrich von Zollern Land und Leibeigene in Hossingen.Bestand Ho156 T1 Nr3 auf Landesarchiv-BW.de 1306 verzichtet Graf Friederich von Zollern auf sein Vogteirecht des Hossenguts. Für das Kloster Beuron hatte es Chorherr Berthold von Dürrwangen gekauft. Aus der Familie der Burgherren wirkt ein Burkard von Hossingen 1325 als Laienbruder im Kloster Wald. Berthold und Konrad von Digisheim ebenso, ihre Schwester Mechthild bis 1329 als Äbtissin. In der hohenbergischen Steuerliste von 1384 wird in Unterdigisheim ein Ritter veranlagt. 1486 wirkt ein Buck von Egk in Unterdigisheim.Bestand Dep37T1 Nr. 36 auf Landesarchiv-BW.de Laut der Kreisbeschreibung von 1961 sollen die Inhaber der Burg ursprünglich wohl die Hossen gewesen sein, von denen sich ein Albert 1296 und 1306 in Heinstetten nachweisen lässt. Andere Experten sehen in Hosse einen Bei-, Vornamen oder einen Hinweis auf ein Hossengut des Heinstetter Adels. Dr Walter Stettner erforschte die Urkunden der Adelsfamilie und berichtet vom Verkauf des Hossenguts an einen Beuroner Kanoniker. Die Burg gehörte im 14. Jahrhundert zur Grafschaft Hohenberg, 1345 und 1347 erfolgt ein Verkauf mit Hossingen, Tieringen und Meßstetten an Heinrich von Tierberg. Besitzer war die Haiterbachlinie der Herren von Tierberg.mini|hochkant|Wappen der Herren von Tierberg Damit besitzen die Tierberger alle hoch- und niedergerichtlichen Rechte und werden zu Ortsherren. Sie sind auch Eigentümer der Burg.Bestand Dep 38 T1 Nr. 1351 auf Landesarchiv-BW.de 1418 verkauft Konrad von Hölstein Tieringen, Meßstetten und Hossingen an Württemberg, behält aber sein Haus in Tieringen.Bestand A602 Nr 6627=WR6627 auf Landesarchiv-BW.de Auf mittelalterlichen Baustellen fielen für den Burgherrn keine Transportkosten an. In einem erhaltenen Lagerbuch von 1560 lassen sich die Burgherren von den Untertanen in Hossingen, Oberdigisheim, Meßstetten und weiteren Orten Bretter von der Sägemühle und Baumaterialien kostenlos auf die Schalksburg fahren.Bestand H101/4Band 1 auf Landesarchiv-BW.de Auch die in der Hossinger Burg gehaltenen Hunde müssen nicht von ihren Besitzern gefüttert werden. Meßstetten, Hossingen und Tieringen liefen ersatzweise Futterhaber zur Ablösung der Pflicht die Hunde der Burgherren zu füttern. Herzog Christoph löst die Frondienste 1557 mit drei Schilling Heller Steuer ab. 1565 wird ein Burgsteig von Meßstetten her erwähnt.
Besatzung durch wehrpflichtige Hossinger Bürger Laut der Musterungsliste ab dem Jahre 1521 obliegt den Hossinger Milizsoldaten die Sicherung der Burg. Weitere Sperrwerke im Meßstetter Gebiet befinden sich beim Bschorner Weg (Truppenübungsplatz beim Kählesbühl), Tobelsteige (nach Laufen), Rottweiler Weg (Lochenpass beim Wanderparkplatz) und Eschental (Unter (alte Nebenform Nieder)-Ober-Digisheim). In der letzten erhaltenen Musterungsliste von 1603 stellt Meßstetten mit dem Weiler Hossingen einen Zimmermann, vier Musketenschützen, 49 einfache Schützen, 19 Doppelsöllner (Rüstung), 45 einfache Knechte und einen Fuhrmann mit zwei Raismönchen (Zugtieren) zur Sicherung der verhakten Sperrwerke bei den Burgen Meßstetten und Hossingen. Die Soldaten sind an Sonn- und Feiertagen verpflichtet auf Schießständen zu üben. Im Dreißigjährigen Krieg flüchtete die Bevölkerung in die Mauern der Stadt Ebingen. Dort dienten Soldaten mit Musketen in der Stadtgarde. Der Tageslohn für derlei Arbeiten bestand gewöhnlich in einem Laib Brot. Nesseln und Schnecken bildeten die Ernährungsgrundlage der Bewohner.
Den Salpeter für das Schießpulver stellten Salpetersieder wie der aus Tailfingen stammende Johannes Ammann und Johannes Schempp (Salzsieders Sohn), Kurzform örtlicher Dialekt Salvaiter, in einer Salpeterhütte in Meßstetten her. Spieße wurden auch für Ebingen in Meßstetten angefertigt. Die hohe Kunst Messerstahl für Waffen herzustellen wurde von den Meisten vor Ort beherrscht und galt als wohlgehütetes Berufsgeheimnis.
Die Wohnungen der Burgbesatzung Die Steuerliste von 1525 weist für Hossingen vier Gehöfte aus. Ein Klosterhof wird mit 37 J Ackerland und 10.5 Mm Wiesen wird seit 1342 erwähnt. Ein Hof gehörte dem Heiligen in Meßstetten. Die Knechte wohnten in der hiesigen Gegend in stadtähnlich aneinandergereihten eingeschossigen Seldnerhäusern mit Ettertor auf kleinen zugeteilten Ödlandparzellen. In Oberdigisheim ArmeleuteviertelBestand A44 U 5296 auf Landesarchiv-BW.de in Frommern Granitz genannt. Später erweiterte Seldnerhäuser konnten auf der Eichhalde und in der Talstraße erhalten werden. Somit könnte die in der Sage genannte Stadt Wangen auf die tatsächlich vorhandenen Seldnerhäuser von Lohnwerk verrichtenden Handwerkern und Knechten vom Wirtschaftshof der Burg zurückgehen. Im Herdstättenverzeichnis von 1477 werden in Nüwenghausen 18 Häuser mit Männern und 6 Knechte genannt. Im Staatsarchiv Sigmaringen geht aus einer Urkunde von 1485 hervor: Staimer von Hossingen und Katharina Linsenmann (Linsenma(e)nne) von Margrethausen beurkunden, dass sie mit Zustimmung ihres Junkers Melchior von Tierberg geheiratet haben, dem die Ausstellerin mit Leibeigenschaft verpflichtet und zugehörig ist. Die Aussteller versprechen, dass Katharina Linsenmann und die von ihr geborenen Kinder jeder schriftlichen oder mündlichen Aufforderung ihres Junkers Melchior von Tierberg Folge leisten wird, sich wieder unter seine Herrschaft zu begeben, wie es Leibeigene ihren Leibherren schuldig und pflichtig sind.Bestand Dep. 38 T 1 auf Landesarchiv-BW.de
Wasserversorgung Die Wasserversorgung der Burganlage erfolgte wohl mittels Fässern aus dem Tal. Alte Rechte erlaubten den Viehtrieb von den Weiden am Gräbelesberg in die Täler und die Wassernutzung der stark schüttenden Quellen auf den Gemarkungen Lautlingen und Laufen. Das Regenwasser wurde in einer Zisterne gesammelt. Eine hölzerne Leitung (Deichel) wurde bisher nicht gefunden. Im Umkreis von 700 Metern befinden sich mehrere kleinere Quellen. In der Burgküche wurde zur Zubereitung von Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen, Linsen) oft schwefelhaltiges Quellwasser genutzt. Aus Quellen in Oberdigisheim (Weiler Geyerbad, ) Nusplingen (Wildbad, Mayenbad) und einer Quelle in Egesheim wurde dem heutigen Tuttlinger (Fluor 0,61; Kalzium 222; Magnesium 48,7: Sulfat 577: Hydrogencarbonat 211), Balinger und Haigerlocher Mineralwässern wohl weitgehend identische Wässer in der Burgküche vorgehalten.
Landwirtschaft Die Burgherren betrieben Ackerbau und Viehzucht. Im Ebinger Lagerbuch von 1561 wird ein alter Zoll erwähnt. Die Bewohner der Burg sind als Bürger von Meßstetten vom Zoll befreit. Die Einwohner weiterer Orte erkauften die Zollbefreiung für den Ebinger Markt. Jeder Haushaltsvorstand lieferte ein Viertel Korn, das sogenannte Zollkorn. Die rings um die Schalksburg bezeugte und verbreitete Käseerzeugung hängt mit der dort vermuteten Welschensiedlung des 8. und 9. Jahrhunderts zusammen. Lautlinger Käse erfreute sich einer gewissen Berühmtheit. Von der Ackerfläche lag stets ein Drittel brach und wurde als Weide benutzt. Neben Emmer und Dinkel wurden im folgenden Jahr Hafer, Gerste, Roggen, Hanf, Lein, Linsen und Erbsen angebaut. Als Düngemittel wurde Gesteinsmehl aus ungebranntem Gips benutzt. Neben eher steinigen Ackerflächen gibt es vor Ort auch sehr fruchtbare Böden. Pfarrer Frischlin, Vater von Nicodemus Frischlin, bemerkte 1548 in einem Witzwort, dass es gibt dritthalb Elemente: Luft und Wind im Überfluss, auch zu Feuer Holz genug, aber Wasser gar nicht und statt Erde Steine. Junker Hans von Tierberg streitet mit dem Tieringer Pfarrer Albrecht Baldorff über die Nutzung Hossinger Ackerlandes.Bestand Dep 37 T1 Nr. 34 auf Landesarchiv-BW.de Wegen der Höhenlage kann sich nur beim Michelfeld und im Grund Kaltluft auf den Ackerflächen ansammeln. Aus dem Verkauf in Rottweil, Tuttlingen, Schaffhausen und Zürich wurden ordentliche Erlöse erzielt. Die Märkte in Ebingen, Nusplingen und Mühlheim hatten gegenüber Zürich nur lokale Bedeutung und waren für derart große Mengen nicht aufnahmefähig, wie es aus der Abgabenliste des Herzogs Eberhards II. ersichtlich ist. Die drei Richter Konrad Stier, Martin Eppler und Melchior Witzemann nahmen am Donnerstag vor Okuli (3. Fastensonntag) 1496 10 Pfund Haller (eine Münze aus Schwäbisch Hall) Steuern und 163 Liter Futterhaber für die Ebinger Kellerei auf. Von den zinspflichtigen Lehen 14 Pfund Haller, 7 Malter (Ebinger Meß a 325,05 Liter) Veesen und 5 Malter Haber. 1750 kauft der Eselmüller 130 Scheffel (1 Scheffel=163 Liter) Dinkel aus Meßstetten und Hossingen auf und lässt über die Grenze in die Schweiz schmuggeln. Da auch aus Hechingen 1000 Scheffel aufgekauft und geschmuggelt wurden, kam es zu einem Kornmangel. Ein Warenlager des nächtlichen Schmuggels soll eine Höhle im Meßstetter Tal gewesen sein. Die Schmugglerhöhle () kann über einen schmalen Pfad von der Freithofstraße über Kirchlesfels () und Schreifels () erwandert werden.
Burgkapelle Die Burgkapelle gehörte wie die 1404 erstmals erwähnte Hossinger St. Nikolauskapelle bis zur Reformation zur Ebinger Martinskirche. Dort befand sich längere Zeit der Friedhof für Hossingen. Alle Einwohner, Manns- und Weibspersonen, Junge und Alte, zu Hossingen gehören von alters her tot und lebendig in die Pfarrei Ebingen. Doch werden sie jetzt 1564 von einem Pfarrer zu Meßstetten versehen. Von Heinstetten aus ist der Totenweg heute noch bekannt: Panzerstraße, Burg Meßstetten und Albabstieg Siebenkreuzlesweg. Alte Grabfelder wurden in Hossingen gefunden: Gräber Bohl TK 25 7819, r. 3494230, h. 5339200. Die Fundstelle liegt 75 m nordwestlich der Kirche am Westrand des Ortskernes. Nach einem Bericht