mini|Kirche des Klösterleins Zelle, Ausgangspunkt für die Besiedlung des Auer Talkessels

Die Geschichte der Stadt Aue beginnt bereits vor der urkundlichen Ersterwähnung, Spuren aus der Ur- und Frühgeschichte sind allerdings rar. Aue entwickelte sich aus dem 1173 gegründeten Klösterlein Zelle an der Zwickauer Mulde. Eine Ersterwähnung des Ortes als Awe, was auf die fruchtbaren Wiesen(auen) im Tal des Zusammenflusses der Mulde und des Schwarzwassers zurückgeht, ist erst 1286 nachweisbar. Die Bewohner blieben Jahrhunderte Waldbauern, erst mit der Entdeckung, dem Abbau und der Weiterverarbeitung von Eisen-, später auch von Zinn- und Kobalterzen gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Anzahl der Einwohner des Ortes blieb trotz durchziehender Heerscharen, Hunger, Krankheiten und Naturkatastrophen mehrere Jahrhunderte relativ konstant. Erst ab zirka 1840 entwickelte sich Aue durch den Bau von Eisenbahnstrecken, auf denen Güter und Personen befördert werden konnten, die Eingemeindungen umliegender Siedlungen und zahlreiche Fabrikgründungen zu einer bedeutenden Industriestadt mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Textil- und Blechverarbeitung. Zwischen 1946 und 1980 erlebte Aue noch einmal einen Entwicklungsschub durch den Uranerzbergbau, der 1991 eingestellt wurde. Einige der früheren Großbetriebe konnten erfolgreich in die Marktwirtschaft übergeleitet werden. Außerdem setzt die Stadtverwaltung auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor. Zum 1. Januar 2019 gab die Stadt Aue ihre Selbstständigkeit auf und fusionierte mit Bad Schlema zur Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema.

Vom Kloster zum Marktflecken – Erste Besiedlung ab 1173 bis zum 15. Jahrhundert Es gibt keine Funde, die auf eine sehr frühe Besiedlung des fruchtbaren Tales schließen lassen. Dagegen dienen eine 1919 im Auer Tal beim Straßenbau gefundene Steinaxt neben einer Spitzhaue und Keramikscherben als Belege dafür, dass in der Jungsteinzeit Menschen das Gebiet auf ihren Wegen ins Böhmische Becken durchstreiften.Siegfried Sieber: Um Aue, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt, Akademie-Verlag Berlin, 1974, S. 12.

In einer kaiserlichen Urkunde vom 7. Mai 1173 wird die Gründung der Augustiner-Chorherren-Propstei Zelle an der Mulde, also ein Kloster, wie folgt bestätigt:

Dieses Datum gilt als Ursprung der späteren Stadt Aue, da Zelle am Ende des 19. Jahrhunderts eingegliedert wurde. Es ist der Bezugspunkt für Jubiläen. Das Kloster, auf einer Fläche von 60 Hufen (etwa 20 Hektar) angelegt, wurde dem heiligen Andreas und der heiligen Dreifaltigkeit geweiht, die Kirche der Jungfrau Maria. Es unterstand dem Stift St. Moritz zu Naumburg und hatte als Schirmvögte die Herrschaft auf Wildenfels. In der Nachbarschaft des Klosters siedelten sich Bauern an, die aus Oberfranken und der Oberpfalz stammten.Aue, Mosaiksteine der Geschichte, S. 10 ff.

Der Name Awe, der sich von der Bezeichnung für die Wiese am Zusammenfluss von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde ableitet, wurde erstmals 1286 in der Naumburger Bistumsmatrikel erwähnt.Codex diplomaticus Saxoniae regiae (CDS) S. 196. Dass Bertoldus prepositus de Owa, der 1219 in einer Urkunde als Zeuge im Zusammenhang mit einer Klosterstiftung genannt wird,Codex diplomaticus Saxoniae regiae (CDS) I 3 S. 194–197 Nr. 266, hier S. 196 (Zeile 34). tatsächlich Propst des Zeller Klosters war und das dortige Aue gemeint ist, wird zwar häufig zitiert, ist aber nicht gesichert. Vermutlich wurde Aue daher erst 1460/62 im Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner zum ersten Mal urkundlich erwähnt.Ernst Költzsch: Gesamtverzeichnis zum Liber benefactorum im Stadtarchiv Zwickau. Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner, 1996 (Schriftenreihe der AMF, 18).

Die Landschaft des Auer Talkessels gehörte im 13. Jahrhundert zur Herrschaft Schwarzenberg. Dann kam sie an die Grafschaft Hohnstein, die den Wettiner Markgrafen unterstellt waren. Im 16. Jahrhundert kaufte Kurfürst Johann Friedrich I. diese Herrschaft, so dass Aue bis 1691 zum Kurfürstenamt gehörte. Dann wurde das Obererzgebirgische Creyß-Ambt Schwarzenberg gebildet, dem Aue viele Jahre verwaltungstechnisch unterstand.Stadtverwaltung Aue (Hrsg.): Aue. Mosaiksteine der Geschichte, Verlag Mike Rockstroh, Aue 1997; S. 23 f.

Aue entwickelte sich in den ersten drei Jahrhunderten langsam als kleines Waldbauerndorf und als Marktflecken, da es an den Handelswegen zwischen Böhmen und der norddeutschen Hanse lag. Bis zur Etablierung des Bergbaus blieb es ohne größere wirtschaftliche Bedeutung. Eine Stadtbefestigung gab es nicht. Die Einwohnerzahlen bewegten sich um 350 Personen.

Vom Ende des Mittelalters bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts Bergbaubeginn Im gesamten Erzgebirge wurden im 12. Jahrhundert bereits Silber und Zinngraupen aus den Flussläufen gewaschen und genutzt. Auch aus den felsigen Berghängen wurden metallhaltige Erze herausgebrochen und verarbeitet. In der dicht bewaldeten Umgebung von Aue wurden anfangs keine Erze gefunden, so dass erst zufällige Zinnfunde im Jahr 1479 eine intensive Suche nach weiteren Erzen im Geröll der Bäche und Flüsse oder im Gestein der Berge auslösten. Der zuständige Landesherr erteilte nach der Entdeckung einiger abbauwürdiger Eisenerzgänge an den Hängen des Brünlasberges das Bergbenutzungsrecht. Nun entstanden die ersten Eisenerzgruben oder Stollen mit den Namen Rauhs Glück und Vertrau auf Gott. Für die Weiterverarbeitung erbauten die Bergwerksbesitzer Pochwerke, Schmelzhütten und Hammerwerke. Die Berufe des Knappen oder Bergmanns, des Hammerwerkers, des Markscheiders und des Schmelzers bildeten sich heraus. Im Jahr 1526 wurde der Auer Hammer, später Eisenwerk und Ortsteil von Aue, erstmals urkundlich erwähnt. Das aus den Eisenerzen gewonnene Roheisen wurde in den Hammerwerken vor allem zu Blechen weiterverarbeitet. Durch die Veredlung mit Zinn entstand das erzgebirgische Weißblech, das zu einem wichtigen Wirtschaftsgut wurde. Die Hersteller der Bleche schlossen sich zur Erzgebirgischen Blechkompanie zusammen, um noch erfolgreicher verkaufen zu können. Zum Antrieb der Hammerwerke wurden Wassermühlen gebaut, gleichzeitig konnte mit ihnen der Wasserfluss durch das Anlegen von Rückstaubecken reguliert werden. Zwischen 1556 und 1559 wurde der Floßgraben oberhalb von Aue angelegt, auf dem die an den Berghängen gefällten und für den Grubenbau und die Schmelzhütten benötigten Baumstämme kostengünstig transportiert werden konnten. Das umgeleitete Grabenwasser diente auch zum Antrieb der Wasserkünste und der Mühlen. Der Floßgraben beginnt an der Mulde bei Bockau, umgibt Aue auf 15,3 Kilometer Länge am Hang und endet bei Oberschlema, wobei die Bauingenieure an einigen Stellen Taleinschnitte durch künstliche Rinnen überbrückten, die sich auch zum Fluten des Grabens verwenden ließen. Der Floßgraben ist als technisches Denkmal bis heute erhalten. – Die Beschaffung und Verarbeitung von Grubenholz sowie von Holzkohle für die Schmelzhütten bot ein weiteres Betätigungsfeld; Waldarbeiter, Köhler und Pechsieder wurden neue Berufe. Aus den Gebieten Böhmen und Bayern kamen neue Arbeitskräfte, die auch ihre Kultur, Bauweisen und religiösen Traditionen mitbrachten. Außer Bauern gab es nun Lohnarbeiter im Erzbergbau. Mit den neuen Erwerbsmöglichkeiten war ein erster wirtschaftlichen Aufschwung des Dorfes Aue und umgebender Ortschaften zu verzeichnen.

Im Jahr 1470 wurde in Aue Melchior Lotter der Ältere geboren (Buchdrucker und Verleger, u. a. von Luthers 95 Thesen).

Neue Herrschaft, Kriege und Krankheiten Im Jahr 1485 wechselte die Herrschaft über das Gebiet um Aue, weil infolge der Leipziger Teilung die Wettiner ihr Gebiet auf die Brüder Ernst und Albert in das Ernestiner Sachsen und das Albertiner Sachsen aufteilten. Aue gehörte fortan zum Albertiner Gebiet im Herzogtum Sachsen, das im 16. Jahrhundert zu einem Kurfürstentum und später zum Königreich Sachsen wurde. (siehe auch Wettiner Linien und Fürstentümer 1485–1918)

Im Ergebnis der Reformation im 16. Jahrhundert wurde das Kloster Zelle zunächst verwüstet und als Kloster aufgelöst, die Kirche blieb jedoch erhalten. Aus den restlichen Gebäuden wurde ein Rittergut mit der Bezeichnung Gut Klösterlein. Aus dem Besitz der für das Kloster arbeitenden Bauern, die ihre Höfe am Zeller Berg angelegt hatten, entstand das Dorf Zelle.

Im Zuge der ersten Kirchenvisitationen in Sachsen nach dem Beginn der Reformation wurde zwischen 12. Januar und 1. Februar 1529 auch Aue visitiert. Im Bericht der Visitatoren, der im Hauptstaatsarchiv Dresden liegt, wird beschrieben, dass in Aue ein Kirchengebäude vorhanden war und drei Pastoren ihren Dienst verrichteten. Kirchlich zu Aue gehörten auch die benachbarten Dörfer Bockau und Lauter, die zwar eigene Kirchenbauten hatten, deren Bewohner aber von den Auer Geistlichen betreut wurden.Karl August Hugo Burkhardt: Geschichte der sächsischen Kirchen- und Schulvisitatitionen von 1524 bis 1529, Neudruck der Ausgabe Leipzig 1879, Scientia-Verlag, Aalen 1981, S. 24f.

Ein Stadtschreiber, der seine Amtsstube in einem Wirtshaus am Altmarkt hatte, kümmerte sich um die Angelegenheiten der wenigen Einwohner. Dieses Haus erhielt ab 1592 den Status eines Rathauses, für dessen Ausstattung mit einem Uhrentürmchen der Kurfürst einen Geldbetrag stiftete.Aue, Mosaiksteine der Geschichte, S. 23. Im Jahr 1581 errichtete Aue ein Spital, eine Hilfseinrichtung für Pilger, Kranke und Arme. Kriegerische Auseinandersetzungen verschiedener Länder in diesem Gebiet des Erzgebirges (Lützowsches Freikorps, Schwarze Schar) führten zu Rückschlägen sowohl bei der Anzahl der Einwohner als auch bei der Wirtschaftskraft. Auch Krankheiten und Hungersnöte taten das Ihre. Die kirchlichen Chroniken berichten von Pestwellen in den Jahren 1599, 1607, 1624–1627 und 1633, von denen auch Aue betroffen wurde. In den beiden erstgenannten Jahren „wurde eine größere Anzahl von Bewohnern ein Opfer der Seuche“. Im Jahr 1633 starben in Aue 62 Personen und in den zum gleichen Kirchspiel gehörenden Dörfern Bockau 108 und Lauter 71 Personen an der Pest. Außerdem hatten die Auer 1624 und 1627 unter ansteckenden Krankheiten wie der Ruhr und den Blattern zu leiden.Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Schneeberg, S. 219ff.

Stadtrecht um 1630 und Dreißigjähriger Krieg mini|hochkant=2|Auer Talkessel: Im Vordergrund links die Mulde, in der Bildmitte die Pfarrkirche der Stadt; Zeichnung von Dilich 1628

Kurfürst Johann Georg I. verlieh Aue im Jahr 1627 das Marktrecht für einen Jahrmarkt zu Bartholomäus (27. August) am heutigen Altmarkt, im Jahr 1632 für einen zweiten, den Katharinenmarkt (25. November) am Kirchplatz (dem heutigen Neumarkt). Mit der Vergabe der Marktrechte wurde Aue faktisch zur Stadt und wird seit 1635 in Urkunden und im Wappen als Stadt bezeichnet. Der im Auftrag des sächsischen Kurfürsten tätige Zeichner Wilhelm Dilich hielt Aue 1629 als Stadt fest.Vgl. Wilhelm Dilichs Federzeichnungen kursächsischer und meissnischer Ortschaften aus den Jahren 1626–1629, hrsg. von Paul Emil Richter u. Christian Krollmann. Dresden: Meinhold, 1907. Der lateinische Originaltitel der ersten Ausgabe lautet: Urbium et oppidorum et arcium aliquot septemviratus saxonici et misniae tiypi ac desriptionum isagoges Wilhelmi Dilichii. A.S. M.DC.XXIIX.

Während des Dreißigjährigen Krieges streiften Söldner des Wallenstein-Heeres durch das Westerzgebirge. Anfang August 1633 brannten Soldaten des Generals Holk das Auer Rathaus mit allen Archivalien nieder. In einem zeitgenössischen Bericht des Chronisten Christian LehmannChristian Lehmann: Die Kriegschronik – Sachsen mit Erzgebirge. HuF-Verlag 1998, S. 64, ISBN 3-9805904-6-1. heißt es: