mini|Ansicht der Westfassade mini|Grundriss der Westminster Abbey Die Westminster-Abtei (, eigentlich Collegiate Church of Saint Peter at Westminster) ist eine Kirche in der britischen Hauptstadt London. Sie befindet sich in der City of Westminster westlich des Palace of Westminster. Der gotische Sakralbau wurde 1245 auf Befehl von Heinrich III. begonnen. Traditionell werden in der Westminster-Abtei die Könige von England (heute: Könige von Großbritannien und Nordirland) gekrönt; bis 1760 wurden die meisten auch hier beigesetzt. Die Stiftskirche des Kollegiatstifts Saint Peter at Westminster gehört zur Church of England, ist aber aufgrund ihrer Funktion keiner Diözese zugehörig, sondern Eigenkirche (royal peculiar) der britischen Monarchie, vergleichbar mit exempten Klöstern in der römisch-katholischen Kirche. Daher wird ihr oberster Geistlicher, der Dekan von Westminster, direkt vom britischen Monarchen berufen. 2025 wurde Westminster Abbey von rund 1,61 Millionen Menschen besucht.

Diese Kirche ist nicht zu verwechseln mit der römisch-katholischen Westminster Cathedral.

Geschichte

Benediktinerabtei und königliches Kollegiatstift mini|hochkant|Eingangsportal am nördlichen Querschiff mini|Blick in den mittelalterlichen Kreuzgang

Am heutigen Standort befand sich ursprünglich die bescheidene Klosterkirche einer um 960 von König Edgar und Dunstan von Canterbury gegründeten Benediktinerabtei.History of Westminster Abbey Analog der St Paul’s Cathedral, dem East Minster, erhielt die Abtei des Apostels Petrus den volkstümlichen Namen West Minster (vgl. Münster).

In den 1040er Jahren verlegte Eduard der Bekenner seine Residenz in die unmittelbare Nähe des Baus und ließ das Kloster zwischen 1045 und 1065 zu einer repräsentativen Abtei im romanischen Stil ausbauen. Die Weihe der Abteikirche fand am 28. Dezember 1065 statt. Der König war bereits zu krank, um den Feierlichkeiten beizuwohnen, und wurde nach seinem Tod hier beigesetzt. Die einzige noch erhaltene Abbildung dieser ersten Abtei findet sich auf dem Teppich von Bayeux.

mini|Ansicht (Stahlstich 1842)

Im Jahr 1245 gab Heinrich III. den Bau der heutigen Kirche im Stil der französischen Hochgotik in Auftrag. Bis 1269 waren Chor, Querhaus und der östliche Teil des Langhauses mit dem benachbarten Kreuzgang und dem Kapitelhaus vollendet. Als Architekt dieses Bauabschnitts ist ein Henry of Reyns überliefert, der, wie die Bauformen bezeugen, von der Kathedrale von Reims kam. Erst einhundert Jahre später wurde in den Jahren 1376–1506 das Langhaus errichtet, ohne dass es dabei zu einer Änderung des Formensystems gekommen ist.Johann Josef Böker: Englische Sakralarchitektur des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984, ISBN 3-534-09542-1, S. 190–200, 284f. Der untere Teil der Westfassade stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die beiden Haupttürme dagegen wurden erst zwischen 1722 und 1745 von Christopher Wren, Nicholas Hawksmoor und John James errichtet, die dabei gleichfalls den gotischen Stil rezipierten. In dieser Hinsicht ist Westminster Abbey der französischste unter den englischen Kirchenbauten der Gotik. Der größte Teil des Steines kam von Caen in Frankreich (Pierre de Caen), der Isle of Portland (Portland) und der Region Pays de la Loire in Frankreich. Purbeck-Marmor wurde für das Mauerwerk und die Böden von Westminster Abbey benutzt, auch wenn die verschiedenen Grabsteine aus unterschiedlichen Marmorarten bestehen. Der Dachstuhl wurde aus Holz errichtet, das aus den großen irischen Eichenwäldern geschlagen wurde, die damals bei Finglas standen, unweit von Dublin.

Der Bau der prachtvollen Lady Chapel Heinrichs VII., eines der schönsten spätgotischen Werke in Europa, wurde 1503–1519 in den reichen Formen des Perpendicular Style ausgeführt.

Im Zuge der englischen Reformation hob Heinrich VIII. die Benediktinerabtei 1540 auf und gab der Kirche den Rang einer Kathedrale der Kirche von England (bis 1550). Nach kurzzeitiger Rückkehr der Benediktiner unter Maria I. errichtete Elisabeth I. 1560 das anglikanische Kollegiatstift St. Peter, das bis heute besteht.

Krönungskirche und Grablege

Seit Wilhelm dem Eroberer wurden alle Könige von England bzw. des Vereinigten Königreichs in Westminster Abbey gekrönt. Traditionell wird die Krönung durch den Erzbischof von Canterbury vorgenommen. Bis zu Georg II. († 1760) wurden auch fast alle Könige hier beigesetzt (siehe Königliche Gräber).

Bau und Ausstattung Westportal Der Haupteingang befindet sich an der Westseite. Das Portal wird von Darstellungen der vier christlichen Tugenden Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friede sowie von zehn Märtyrern des 20. Jahrhunderts gerahmt.

Längsschiff mini|Im Längsschiff der Westminster Abbey Im Mittelschiff liegt das Grab des Unbekannten Soldaten. In Erde von französischen Schlachtfeldern ruht dort ein unbekannter Soldat des Ersten Weltkriegs „inmitten der Könige, weil er seinem Gott und Vaterland gut diente“, wie eine Inschrift auf schwarzem Marmor verkündet. Der Gefallenen beider Weltkriege wird auch in der St.-Georgs-Kapelle gedacht.

Im Längsschiff befinden sich die Gräber des Afrikaforschers David Livingstone, des Dichters Ben Jonson sowie der Premierminister Bonar Law und Chamberlain. Im rechten (südlichen) Querschiff befindet sich Poets’ Corner – deutsch: Dichterecke – mit einem Denkmal für William Shakespeare und den Grabmälern von Geoffrey Chaucer, Alfred Tennyson, 1. Baron Tennyson, Robert Browning, Henry Wadsworth Longfellow, Charles Dickens, Georg Friedrich Händel und vielen anderen.

Querschiffe Im linken (nördlichen) Querschiff sind zahlreiche berühmte britische Staatsmänner bestattet, unter anderem der ältere Pitt, Palmerston, Disraeli und Gladstone.

Vom nördlichen Teil des Querschiffs betritt man die hinter dem Hochaltar gelegene „Kapelle Eduards des Bekenners“. In der Mitte ist der Sarg des 1066 gestorbenen Königs. Dahinter steht der Krönungsstuhl, in dem sich bis 1996 der Stone of Scone befand. Auf diesem Stein wurden jahrhundertelang die schottischen Könige gekrönt, bis ihn Eduard I. im Jahr 1297 den Schotten abnahm. An Weihnachten 1950 wurde der Stein gestohlen und erst nach langem Suchen wiedergefunden. 1996 wurde er offiziell an Schottland zurückgegeben und befindet sich seitdem im Schloss von Edinburgh. Der Stein gilt als ein Symbol für die Einheit der Königreiche England und Schottland. In dieser Kapelle befinden sich die Särge von Heinrich III., Eduard I., Eduard III., Richard II. und Heinrich V.

Orgel mini|Orgel Die Orgel der Westminster Abbey befindet sich auf der nördlichen und südlichen Seite des westlichen Teils des Chorschiffs. Das Instrument wurde 1937 anlässlich der Krönung Georgs VI. von der britischen Orgelbaufirma Harrison & Harrison (Meadowfield) erbaut. Es hatte zunächst 84 Register, verteilt auf 4 Manuale und Pedal. In dem Instrument wurde Pfeifenmaterial aus der Vorgängerorgel wiederverwendet, welche von William Hill im Jahr 1848 erbaut worden war. Die beiden Orgelgehäuse stammen aus dem Jahr 1895. Sie waren für die Hill-Orgel angefertigt worden.

Im Zuge einer umfassenden Überholung im Jahre 1982 wurde die Disposition erweitert, insbesondere die der Choir Organ, die mit einem zusätzlichen, nicht schwellbaren Werk (Lower Choir Organ) ausgestattet wurde.

1986 wurde die ursprünglich viermanualige Orgel um ein Bombardewerk (V. Manual, Bombarde Organ) erweitert, das sich im nördlichen Triforium befindet. Im Jahre 2006 wurde die Setzeranlage auf 516 Speicherplätze verdoppelt, und es wurden zahlreiche Pistons (Spielhilfen) eingerichtet. 2008 wurde das Bombardewerk um den Violone 16′ erweitert.

Das Instrument hat heute folgende Disposition:

I Choir Organ C–c4 Upper Choir Organ (schwellbar)Claribel Flute 8′Stopped Flute 8′Viola da Gamba 8′Gemshorn 4′Flauto Traverso 4′Nason 4′Gemshorn Fifteenth 2′Mixture IICornopean 8′ Lower Choir Organ (nicht schwellbar)Bourdon16'Open Diapson 8′Rohr Flute 8′Principal 4′Open Flute 4′Nazard ′Fifteenth 2′Blockflute 2′Tierce ′Mixture IVCremona 8′Tremulant II Great Organ C–c4Double Geigen 16′Bourdon 16′Open Diapason I 8′Open Diapason II 8′Geigen 8′Hohl Flute 8′Stopped Diapason 8′Octave 4′Geigen Principal 4′Wald Flute 4′Octave Quint ′Super Octave 2′Mixture VHarmonics IVSharp Mixture IIIContra Posaune 16′Posaune 8′Octave Posaune 4′ III Swell Organ C–c4Quintaton 16′Open Diapason 8′Viole d’Amour 8′Salicional 8′Vox Angelica 8′Lieblich Gedeckt 8′Principal 4′Lieblich Flute 4′Harmonic Flute 4′Twelfth'Fifteenth 2′Mixture VContra Oboe16'Oboe 8′Vox Humana 8′TremulantDouble Trumpet 16′Trumpet 8′Clarion 4′ IV Solo Organ C–c4Contra Viole 16′Viole d’Orchestre 8′Viole Céleste 8′Harmonic Flute 8′Viole Octaviante 4′Concert Flute 4′Harmonic Piccolo 2′Cornet de Violes IIIDouble Clarinet 16′Clarinet (aus 16′) 8′Cor Anglais 8′Orchestral Hautboy 8′TremulantFrench Horn 8′Orchestral Trumpet 8′Contra Tuba 16′Tuba (aus 16′) 8′Tuba Mirabilis 8′

V Bombarde Organ C–c4Violone 16′Open Diapason 8′Principal 4′Fifteenth 2′Mixture IV-VIGrand Cornet IV-VBombarde 16′Trumpet 8′Clarion 4′Contra Posaune (G.O.) 16′Posaune (G.O.) 8′Octave Posaune (G.O.) 4′Tuba Mirabilis (Solo O.) 8′ Pedal Organ C–g1Screen SectionOpen Diapason 16′Geigen (G.O.) 16′Bourdon (G.O.) 16′Principal 8′Octave Geigen (aus 16′) 8′Bass Flute (aus 16′) 8′Fifteenth 4′Rohr Flute 4′Open Flute 2′Mixture IVContra Posaune (G.O.) 16′Posaune (G.O.) 8′Octave Posaune (G.O.) 4′Triforium SectionDouble Open Wood 32′Open Wood I 16′Open Wood II (aus 32′) 16′Violone (Bomb. O.)16'Viole (Solo O.) 16′Double Ophecleide 32′Ophecleide (aus 32′) 16′Tuba (Solo O.) 16′Clarinet (Solo O.) 16′Trumpet 8′Clarion (aus 8′) 4′

Koppeln: Normalkoppeln: III/I, IV/I, V/I, Lower I/II, III/II, IV/II, Upper I/III, IV/III, IV/I V/II, V/IV, I/P, II/P, III/P, IV/P, V/P Superoktavkoppeln: III/III, IV/IV, I/P Suboktavkoppeln: III/III, IV/IV Spielhilfen: 512-fache Setzeranlage, Crescendowalze, diverse Pistons

Grabstätten

Königliche Gräber Den östlichen Abschluss bildet die große dreischiffige Kapelle Heinrichs VII. Beachtenswert ist vor allem die herrliche Decke. Am Ende der Kapelle ruhen in einem Marmorsarg seine Gebeine und die seiner Gemahlin Elizabeth of York. Im linken Seitenschiff stehen die Särge Elisabeths I. und Marias I., im rechten Seitenschiff der von Elisabeths Widersacherin, der schottischen Königin Maria Stuart.

Folgende Mitglieder des englischen Königshauses liegen in der Abbey begraben:

Eduard der Bekenner, König von England (um 1004 – 5. Januar 1066) Prinz Richard (1247–1256) – (Sohn von König Heinrich III.) Prinz Johann (1250–1256) – (Sohn von König Heinrich III.) Prinz Heinrich (1256–1257) – (Sohn von König Heinrich III.) Prinzessin Katharina (25. November 1253 – 3. Mai 1257) – (Tochter von König Heinrich III.) Prinzessin Joan (1265 – 7. September 1265) – (Tochter von König Eduard I.) Prinz Johann (Juni oder Juli 1266 – August 1271) – (Sohn von König Eduard I.) Heinrich III., König von England (1. Oktober 1207 – 16. November 1272) Aveline de Forz (20. Januar 1259 – 10. November 1274) – (Gemahlin von Edmund Crouchback, 1. Earl of Lancaster) Prinz Heinrich (13. Juli 1267 – 14. Oktober 1274) – (Sohn von König Eduard I.) Prinzessin Berengaria (1276–1279) – (Tochter von König Eduard I.) Prinzessin Isabella (12. März 1279 – 1279) – (Tochter von König Eduard I.) Prinz Alphonso (24. November 1273 – August 1284) – (Sohn von König Eduard I.) Eleonore von Kastilien, Königin von England (1241 – 28. November 1290) – (Gemahlin von König Eduard I.) Edmund Crouchback, 1. Earl of Lancaster (16. Januar 1245 – 5. Juni 1296) – (Sohn von König Heinrich III.) Eleonore von England (18. Juni 1269 – 29. August 1298) – (Gemahlin von König Alfons III. von Aragón) Eduard I., König von England (17. Juni 1239 – 7. Juli 1307) Edmund, 1. Earl of Kent (5. August 1301 – 19. März 1330) – (Sohn von König Eduard I.) John, Earl of Cornwall (14. August 1316 – 13. September 1336) – (Sohn von König Eduard II.)