Die North-Hollywood-Schießerei war eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den schwerbewaffneten und mit Schutzwesten ausgerüsteten Bankräubern Larry Eugene Phillips und Emil Matasareanu auf der einen und Polizeistreifen und SWAT-Spezialeinheiten des Los Angeles Police Department auf der anderen Seite in North Hollywood, einem Stadtteil von Los Angeles, am 28. Februar 1997.
Das Feuergefecht von North Hollywood gilt als ein einschneidendes Ereignis in der US-amerikanischen Polizeigeschichtehttp://www.popmatters.com/pm/tv/reviews/44893/44-minutes/From the Archives: The 1997 North Hollywood Shootout, NBC 4 Los Angeles vom 28. Februar 2021. und erreichte außerordentliche Bekanntheit. Dies lag insbesondere am von den Tätern eingesetzten außergewöhnlich schweren Waffenarsenal, der langen Dauer der Schießerei, in deren Verlauf die Räuber mehr als 1100 Schuss abgaben, sowie der ungewöhnlichen Vorgehensweise der Täter, die die Polizei direkt und offen angriffen.
Zur Schießerei kam es, als Phillips und Matasareanu unmittelbar nach Verlassen der von ihnen ausgeraubten Bank of America von eingetroffenen Polizisten gestellt wurden. Die beiden Räuber eröffneten daraufhin das Feuer und versuchten, mit Waffengewalt einen Fluchtweg zu erkämpfen. Im Laufe des Feuergefechts wurden zehn Polizisten und sieben Zivilisten verletzt. Einer der Täter, Larry Phillips, richtete schließlich seine 9-Millimeter-Waffe gegen sich selbst und starb durch Suizid. Sein Komplize Matasareanu lieferte sich noch eine weitere Schießerei mit der Polizeieliteeinheit SWAT und erlag wenig später seinen Schussverletzungen. Seine Angehörigen warfen der Polizei später vor, sie habe ihn vorsätzlich sterben lassen und medizinische Hilfe verweigert, auch nachdem er sich bereits ergeben hatte.Shootout! The History Channel, abgerufen am 8. Juli 2008. Die beiden Täter hatten bereits zuvor mehrere Banken ausgeraubt und waren schon damals durch schwere Bewaffnung aufgefallen.
Phillips und Matasareanu hatten automatische Gewehre mit Munition, die zum Durchdringen von Polizei-Schutzwesten in der Lage war, und trugen selbst ballistische Schutzwesten. Polizeistreifen in Los Angeles waren damals typischerweise mit einer 9-mm-Pistole oder .38-Special-Revolver bewaffnet, einige hatten auch eine Kaliber-12-Schrotflinte in ihrem Auto. Die Polizei war mit ihrer Ausrüstung den Bankräubern daher zunächst unterlegen. Da die Handfeuerwaffen der Polizei die Westen der Bankräuber nicht durchdringen konnten, waren ihre Bemühungen, die Täter zu stoppen, vorerst ineffektiv. Schließlich erreichten SWAT-Teams den Tatort mit Waffen, die den Körperschutz durchdringen konnten. Die Polizisten requirierten auch einige halbautomatische Gewehre bei einem nahegelegenen Waffenhändler.
Der Vorfall löste eine Debatte über eine angemessene Ausstattung der Polizei für ähnliche Situationen in der Zukunft aus.
Hintergründe Täter Larry Phillips Jr. (* 1970) und Emil Matasareanu (* 1966) trafen sich 1989 zum ersten Mal im Gold’s Gym in Venice, einem Stadtteil von Los Angeles. Sie hatten ein gemeinsames Interesse an Gewichtheben und Bodybuilding, aber bald entwickelte sich auch ein gemeinsames Interesse am Geldverdienen durch Kriminalität.
Philips stammte aus Los Angeles. Seine Eltern waren mehrmals in Konflikt mit dem Gesetz gekommen. Spätestens 1989 wurde auch er selbst kriminell, als er Gegenstände im Wert von 400 Dollar aus einem Geschäft stahl und dafür verurteilt wurde.http://articles.latimes.com/1997-03-10/news/mn-36719_1_phillips-sr Später importierte er Stahlkernmunition für seine illegal modifizierten Sturmgewehre, und erwarb Aramidgewebe, um Schutzwesten anzufertigen.National Geographic Cannel: Critical Situation. 2007; Robinson: Would You Convict? 1999, S. 10.
Emil Matasareanu () kam aus einer Familie von rumänischen Einwanderern aus Timișoara. Er war im Kindesalter mit seinen Eltern vor dem Ceaușescu-Regime von Rumänien in die USA geflohen und erwarb später in den Vereinigten Staaten einen Hochschulabschluss in Elektrotechnik.http://community.seattletimes.nwsource.com/archive/?date=19970303&slug=2526849 Er versuchte, sich mit einer eigenen Firma selbständig zu machen, geriet aber bald in finanzielle Schwierigkeiten.http://articles.latimes.com/1997-03-03/news/mn-39639_1_bank-robbers 1990 heiratete er und wurde kurz darauf Vater eines Sohnes. Seit einer Kopfverletzung 1994 war er gesundheitlich schwer angeschlagen. Seine Frau verließ ihn sechs Monate vor den Ereignissen in North Hollywood mit den Kindern. Matasareanu war depressiv und äußerte gegenüber seinen Eltern mehrmals den Wunsch zu sterben.http://www.thefreelibrary.com/WHY+DID+HE+DO+IT%3F+%3A+MOTHER+SAYS+ROBBER+IN+WITH+BAD+CROWD.-a083858153 Als treibende Kraft bei dem Überfall wurde später Larry Phillips beschrieben.
Kriminelle Vorgeschichte 1993 setzte das Duo seinen Plan, einen Raubüberfall durchzuführen, in die Tat um. Am 20. Juli 1993 überfiel es einen Geldtransporter vor einer Bank in Littleton, Colorado und konnte unerkannt fliehen.
Im Oktober 1993 wurden Phillips und Matasareanu in Glendale nordwestlich von Los Angeles wegen einer Geschwindigkeitsübertretung verhaftet.Robinson: Would You Convict? 1999, S. 3. Das Fahrzeug wurde daraufhin durchsucht, da Phillips mit einer versteckt getragenen Waffe verhaftet wurde. Es wurden zwei halbautomatische Gewehre, zwei Handfeuerwaffen, über 1600 Schuss 7,62-mm-Gewehrmunition, mehr als 1200 Schuss von 9-mm- und .45-ACP-Pistolenmunition, Funkscanner, Rauchbomben, improvisierte Sprengmittel, Körperschutzwesten und drei verschiedene kalifornische Kraftfahrzeugkennzeichen gefunden.Rehder, Dillow: Where the Money Is. 2003, S. 255–256; Robinson: Would You Convict? 1999, S. 4–5. Obwohl sie ursprünglich der Verschwörung zur Begehung eines Raubes beschuldigt wurden,Robinson: Would You Convict? 1999, S. 11–12. saß keiner von ihnen länger als 100 Tage im Gefängnis, sie bekamen aber drei Jahre auf Bewährung.Rehder, Dillow: Where the Money Is. 2003, S. 257. Nach ihrer Freilassung wurde ihnen, bis auf die konfiszierten Waffen, das meiste beschlagnahmte Eigentum zurückgegeben.Rehder, Dillow: Where the Money Is 2003, S. 257; Robinson: Would You Convict? 1999, S. 12. Eine Verbindung zum Überfall in Littleton wurde nicht hergestellt.
Im Juni 1995 überfiel das Duo einen Geldtransporter von Brink’s und tötete dabei einen Wachmann. Im Mai 1996 beraubten sie zwei Filialen der Bank of America im San Fernando Valley bei Los Angeles und erbeuteten dabei etwa 1,5 Millionen US-Dollar.Rehder, Dillow: Where the Money Is 2003, S. 258–259; Robinson: Would You Convict? 1999, S. 12. Beide Male konnten sie unerkannt flüchten.
Phillips und Matasareanu verwendeten während der Überfälle stets äußerst schwere Bewaffnung, weshalb sie von der Polizei mit dem Spitznamen High Incident Bandits versehen wurden.National Geographic Cannel: Critical Situation. 2007.
Verlauf mini|Bank of America
Der Überfall geschah am Morgen des 28. Februar 1997. Ihm waren Monate der Erkundung des Zieles – der Filiale der Bank of America an der Kreuzung Laurel Canyon Boulevard und Archwood Street – vorausgegangen. Phillips und Matasareanu standen fünf illegal geänderte vollautomatische Gewehre zur Verfügung: drei 7,62 × 39 mm Typ 56 Sturmgewehre (eine AK-47-Kopie), ein modifiziertes HK91 und ein .223-caliber Bushmaster rifle (Model XM15-ES2), ein AR-15-Klon. Sie besaßen auch zwei 9 mm-Beretta-92F-Pistolen, einen Revolver Kaliber .38, sowie rund 3300 Schuss Munition in Stangen- und Trommelmagazinen.
Sie nutzten für den Weg von ihrer Wohnung zur Bank einen weißen Chevrolet Celebrity und kamen an der Filiale um 9:17 Uhr an. Sie waren maskiert und trugen ihre selbstgemachten Rumpfrüstungen einschließlich Metall-Traumaplatten als Schockabsorber zum Schutz von lebenswichtigen Organen. Bevor sie die Bank betraten, nahmen sie Phenobarbital zur Beruhigung ein.National Geographic Cannel: Critical Situation. 2007; Robinson: Would You Convict? 1999, S. 13. Sie stellten die Timer ihrer Uhren auf acht Minuten, die geschätzte Reaktionszeit der Polizei. Phillips hatte diese Zeit mit Hilfe eines Funkscanners aus dem Polizeifunk ermittelt. Sie wurden jedoch bereits beim Betreten der Bank von einem den Laurel Canyon entlangfahrenden LAPD-Streifenwagen entdeckt; die Beamten im Auto meldeten einen möglichen bewaffneten Raub.National Geographic Cannel: Critical Situation. 2007; Hays, Sjoquist: Los Angeles Police Department. 2005, S. 124.
Innerhalb der Bank zwangen Phillips und Matasareanu den Assistant Manager, den Safe zu öffnen. Sie feuerten mindestens 100 Schuss ab, um die etwa 30 anwesenden Bankmitarbeiter und Kunden einzuschüchtern und möglichem Widerstand vorzubeugen. Dies wurde von draußen wartenden Polizisten gehört, die weitere Verstärkung anforderten und das Gebäude umstellten. Die beiden Räuber erbeuteten nur 303.305 statt der erwarteten 750.000 US-Dollar, da die Bank den Lieferplan für das Geld verändert hatte. Zudem brauchten sie in der Bank wesentlich mehr Zeit als geplant. Um 9:32 Uhr verließ Phillips kurz das Gebäude, bemerkte die dort bereits eingetroffenen Polizisten und zog sich wieder zurück. Im Inneren beschlossen die beiden offenbar, sich mit Gewalt einen Fluchtweg zu erkämpfen.
Um 9:38 Uhr verließ Phillips die Bank durch den Nordeingang und Matasareanu durch den Südeingang. Beide sahen sich Dutzenden von Polizisten des LAPD gegenüber, die zur Verstärkung eingetroffen waren. Sie begannen sofort, die Polizisten zu beschießen. Hubschrauber von Nachrichtensendern trafen aufgrund der gleichen Funkmeldung Minuten später ein und berichteten, obwohl die Räuber auch auf sie schossen. Die SWAT-Kommandeure verwendeten die Live-Sendungen der Hubschrauber, um wichtige zeitnahe Informationen an die Beamten vor Ort weiterzugeben.
Phillips und Matasareanu schossen mit panzerbrechenden Geschossen auf die Streifenfahrzeuge, die auf dem Laurel Canyon Boulevard vor der Bank abgestellt worden waren. Die Streifenpolizisten besaßen nur leichte Bewaffnung, 9 mm-Standardpistolen vom Typ Beretta 92 und Kaliber-.38-Revolver, einige waren auch mit Vorderschaftrepetierflinten ausgestattet. Die von Phillips und Matasareanu getragene Körperrüstung war stark genug, um diesen standzuhalten. Die beiden Täter lieferten sich ein 7 bis 8 Minuten langes Feuergefecht mit der Polizei, bis es Matasareanu gelang, das Fluchtfahrzeug zu erreichen. Phillips blieb außerhalb des Fahrzeugs. Er benutzte den Wagen als Deckung, um weiter auf die Polizei zu feuern, und stieg auch dann nicht ein, als ihn sein Komplize mehrfach dazu aufforderte. Ein TAC (taktischer Alarm) wurde ausgelöst, und 18 Minuten nach Beginn der Schießerei traf ein mit automatischen Waffen ausgerüstetes SWAT-Team ein. Ein Sonderschutzfahrzeug half den Beamten, die Verletzten zu bergen.
mini|links|600px|Maßstäbliche Karte der Gegend rund um Bank of America ($), Orte des Todes von Phillips (P) und Matasareanu (M). Straßen: A: Laurel Canyon Boulevard – B: Agnes Avenue – C: Ben Avenue – D: Gentry Avenue – E: Radford Avenue – F: Morella Avenue – 1: Archwood Street – 2 : Lemay Street – 3: Kittridge Street
Um 9:51 Uhr trennte sich Phillips von Matasareanu und marschierte nach Osten in die Archwood Street, wobei er die Polizei weiter aus seinem AKMS-Sturmgewehr beschoss., Emernet Emergency, 28. Februar 1997, abgerufen am 19. Juni 2007. Er hatte es gerade mit einem 100-Schuss-Trommelmagazin nachgeladen, als er am linken Daumen getroffen wurde. Dies mag ihn daran gehindert haben, eine Patronenhülse zu entfernen, die eine Ladehemmung verursacht hatte. Er legte das Sturmgewehr ab, zog eine Beretta-Pistole und feuerte mit der unverletzten rechten Hand weiter auf die Polizei. Er wurde dann auch in die rechte Hand getroffen und ließ die Pistole fallen. Anschließend hob er sie wieder auf und erschoss sich selbst mit einem Schuss unter das Kinn; gleichzeitig wurde er von einem Polizeibeamten an der Wirbelsäule getroffen.Peter Prengaman: , ABC News, 1. März 2007