Die 25. Vierschanzentournee 1976/77, ein deutsch-österreichischer Skisprungwettbewerb fand vom 30. Dezember 1976 bis zum 6. Januar 1977 statt. Die Veranstaltungsorte waren Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen in Deutschland sowie Innsbruck und Bischofshofen in Österreich. Die Tournee wurde von Jochen Danneberg aus der DDR gewonnen.
Teilnehmer 1976/77 Rücktritte und Neubeginn Nach der Olympiasaison 1975/76 und vor den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 1978 im finnischen Lahti wurde die 25. Ausgabe der Vierschanzentournee von nicht wenigen Trainern eher als Zwischenschritt in der Trainingsbelastung gesehen. Ausdruck dessen war die erstmals seit Jahren wieder sinkende Beteiligung, so dass letztlich nur 74 Springer aus 14 Teams an den Start gingen. Innerhalb der Teams war das Teilnehmerfeld zudem teilweise massiv abgerüstet worden, so schickten die Schweden statt acht Athleten wie im Vorjahr nur noch drei Springer nach Mitteleuropa. Naturgemäß bot eine Zwischensaison wie 1976/77 viel Raum zum Experimentieren und das Heranführen neuer Athleten an das Wettkampfgeschehen. So entsandte der bundesdeutsche DSV nach jahrelanger Stagnation mit insgesamt neun Athleten erstmals wieder eine größere Auswahl zu Tournee. In der DDR-Auswahl gab es nach den Olympischen Spielen einen enormen Umbruch. Olympiasieger und Tourneegewinner Hans-Georg Aschenbach hatte sich nach anhaltenden Knieproblemen zum Rücktritt vom Leistungssport entschieden.Neue Zeit. 23. November 1976, S. 6. Rainer Schmidt, für Olympia 1976 nicht berücksichtigt, nahm daraufhin auch seinen Abschied.Berliner Zeitung. 5. April 1976, S. 6. Auswahltrainer Dieter Neuendorf wurde vom nicht minder erfolgreichen Gotthard Trommler abgelöst, der bis dahin für die Erfolge der Nordischen Kombinierer um Ulrich Wehling verantwortlich war. In der Folge wurden Heinz Wosipiwo, Dietmar Aschenbach, Dietrich Kampf und Martin Weber in der DDR-Auswahl nicht mehr berücksichtigt,Berliner Zeitung. 20. November 1976, S. 4. wobei sich Weber wieder ins Aufgebot zurück kämpfen konnte. Um den Vorjahressieger Danneberg und den Bronzemedaillengewinner von Innsbruck Henry Glaß wurden nun Talente wie Duschek, Weißpflog, Buse oder Meisinger geschart, wobei Duschek im Vorfeld mit seinen Leistungen für die größten Erwartungshaltungen gesorgt hatte. Eine ähnliche Verjüngung war bei der tschechoslowakischen Mannschaft zu beobachten, wo mit Rudolf Höhnl der letzte Athlet der großen Springergeneration um Jiří Raška aufgehört hatte.
Favoritenkreis Zum erweiterten Favoritenkreis war unbedingt der Schweizer Walter Steiner zu zählen, der allerdings auf seinen leistungsstarken Kollegen Hans Schmid verletzungsbedingt verzichten musste. Bei den Norwegern, die die Talente Ruud und Bergerud mitbrachten, war vor allem Johan Sætre zu beachten; die Polen hatten mit Stanisław Bobak einen Spitzenspringer am Start. Die Gastgeber der WM 1978 brachten mit Pentti Kokkonen nur ein Talent mit nach Mitteleuropa, es gab keine Anzeichen dafür, dass die Finnen bei ihrer Heim-WM eine große Rolle spielen könnten. Durch die Umwälzungen vor allem bei der DDR-Auswahl blieb letztlich eine Auswahl in der absoluten Favoritenrolle: Die Auswahl des ÖSV. Zwar konnte man in Innsbruck einen Olympiasieg feiern, aber der tragisch zu nennende Verlauf der Vorjahrestournee steckte den Österreichern noch in den Knochen und war nicht vergessen. Ausnahmetalent Toni Innauer verlor trotz dreier Tagessiege durch einen verpatzten Sprung am Bergisel die Gesamtwertung, letztlich reichte es nicht mal für einen Podestplatz. Glücklicher Sieger war Jochen Danneberg, der als einziger DDR-Springer den Austria-Adlern Paroli bieten konnte. Hinzu kamen die Vorgänge an der Olympiaschanze in Innsbruck, als jeden DDR-Springer ein gellendes Pfeifkonzert begleitete. Letzten Endes hatten die Österreicher bei der Tournee noch eine Rechnung offen und ein Sieg Innauers war eigentlich fest eingeplant. Nicht gänzlich erledigt waren auch die Materialdiskussionen. Immer wieder gab es neue Anzugmodelle, und die Genehmigungsmodalitäten der FIS waren nicht immer nachvollziehbar.
Der Fall Tuchscherer Zu allem Überfluss kam auch noch die Politik ins Spiel. Der DDR-Kombinierer Claus Tuchscherer hatte der Liebe wegen bei den Olympischen Spielen die DDR-Delegation verlassen und war in Österreich verblieben. Nach anfänglichen Ideen, um ihn herum eine Kombinierer-Auswahl für Österreich aufzubauen, wechselte Tuchscherer zu Trainer Baldur Preiml und den Spezialspringern. Anders als bei sogenannten Republikfluchten in die Bundesrepublik gab sich die DDR gegenüber dem neutralen Österreich wesentlich konzilllianter, zumal die Sportbeziehungen beider Länder als sehr gut zu bezeichnen waren. Trotzdem war ein Tourneestart Tuchscherers bis kurz vor Beginn des Auftaktspringens noch nicht klar, da die neue, junge DLSV-Führung insistierte und monierte, dass ein Athlet nicht innerhalb einer Saison für zwei Nationalverbände springen durfte, da Tuchscherer und der ÖSV nicht fristgemäß ordentlich abgemeldet hatten. Formaljuristisch, das wurde sogar von österreichischer Seite bestätigt, war der Einwand des DLSV rechtens.
Nation Athleten Alfred Grosche, Manfred Runge, Rudi Tusch, Dirk Kramer, Frank Rombach, Christoph Schwarz, Hans Schmid, Peter Leitner, Sepp Schwinghammer Henry Glaß, Jochen Danneberg, Martin Weber, Harald Duschek, Thomas Meisinger, Falko Weißpflog, Matthias Buse, Jürgen Thomas Reinhold Bachler, Willi Pürstl, Hans Millonig, Karl Schnabl, Toni Innauer, Rudi Wanner, Walter Schwabl, Walter Habersatter jr., Hans Wallner, Rupert Gürtler, Alois Lipburger, Claus Tuchscherer, Edi Federer Jouko Törmänen, Tapio Räisänen, Pekka Hyvärinen, Pentti Kokkonen Leos de Crignis, Ivano Wegher, Lido Tomasi Manabu Ono, Yūji Kawamura, Takao Itō Branko Dolhar, Janez Lostrek, Jose Demsar, Bogdan Norčič Johan Sætre, Per Bergerud, Bjarne Naes, Roger Ruud Henryk Tajner, Stanisław Bobak, Janusz Waluś Lennart Elimä, Odd Brandsegg, Seppo Reijonen Ernst von Grünigen, Robert Mösching, Walter Steiner, Jean Luc Ungricht, Hansjörg Sumi Alexei Borowitin, Alexander Karapusow, Juri Iwanow, Sergei Saitschik, Leonid Komarow Leoš Škoda, Jaroslav Balcar, František Novák, Josef Samek, Ján Tánczos Chris McNeill, Ron Steele, Jim Maki, Jim Denney
Oberstdorf
Datum: 30. Dezember 1976 Land: Schanze: Schattenbergschanze Zuschauer: 20.000 Nachdem am 29. Dezember das offizielle Training bei Kältegraden und wechselnden Winden absolviert war, herrschte gewisse Ernüchterung im ÖSV-Lager. Während die DDR-Springer regelmäßig Weiten über 100 m sprangen, schafften es bei den Österreichern nur wenige Springer, mitzuhalten. Zwar wurden Toni Innauer weiterhin Siegchancen eingeräumt, aber die Euphorie erhielt einen ziemlichen Dämpfer. Außerdem hatten der Schweizer Steiner (107 m) sowie der Pole Bobak nachhaltig unter Beweis gestellt, das mit ihnen zu rechnen war.Doch beim Auftaktspringen sah die Welt ganz anders aus. Zunächst bestätigten aber die DDR-Vertreter ihre starken Trainingsleistungen. Jochen Danneberg stellte mit 110 m den Schanzenrekord ein, Neuling Harald Duschek folgte danach mit 109 m. Erst dahinter reihte sich Innauer ein. Doch im zweiten Durchgang flatterten vor allem Duschek etwas die Nerven, während Innauer sich mit 109,5 m um 5 m verbesserte und letztlich sogar noch an Danneberg vorbeizog. Obwohl im Vorfeld als Topfavorit genannt, war Innauer angesichts der Trainingsleistungen fassungslos über den für ihn überraschenden Tagessieg. Durch einen 109-m-Satz schob sich Walter Steiner noch auf Rang drei und verdrängte so den Tourneeneuling Harald Duschek noch vom Podest. Mit Platz Fünf rundete Henry Glaß den starken Auftritt der DDR-Mannschaft ab. Die Österreicher strahlten hingegen nicht mehr die ganz große Dominanz aus, zweitbester Springer war der bis dahin eher unauffällige Lipburger. Olympiasieger Karl Schnabl experimentierte mit den Sprunganzügen und kam nur auf dem 43. Platz ein. Der erst 18-jährige Tschechoslowake Novak war neben Duschek die zweite Überraschung in den Top Ten.
Pos. Springer Land Punkte 1 Anton Innauer 255,6 2 Jochen Danneberg 253,7 3 Walter Steiner 252,3 4 Harald Duschek 248,2 5 Henry Glaß 239,4 6 Alois Lipburger 236,6 7 Jouko Törmänen 235,3 8 František Novák 232,5 9 Reinhold Bachler 230,9 10 Johan Sætre 229,8
Garmisch-Partenkirchen
Datum: 1. Januar 1977 Land: Schanze: Große Olympiaschanze Zuschauer:30.000 Das Neujahrsspringen vor großer Kulisse sah erneut den Zweikampf Danneberg-Innauer. Danach sah es allerdings nach dem ersten Durchgang noch gar nicht aus. Während Danneberg bereits im Training mit Rekordweiten von 98 und 99,5 m seine sehr gute Form bestätigt hatte, kam Leichtgewicht Innauer mit der infolge eines Föhneinbruchs langsamer gewordenen Anlaufspur nicht zurecht. Im Schnitt waren die DDR-Springer 1,4 bis 2,6 km/h schneller als die Österreicher. So belegten mit Danneberg und Duschek auch zwei DDR-Vertreter nach Durchgang Eins die ersten beiden Plätze, während Innauer sieben Meter kürzer sprang und mit über neun Punkten Rückstand Platz Sechs belegte. Mit einer Energieleistung gelang dem Österreicher mit der zweitgrößten Weite des zweiten Durchgangs von 90 m noch der Sprung aufs Treppchen, er verdrängte sogar noch Harald Duschek auf den dritten Platz. Das Maß der Dinge war an dem Tag aber Jochen Danneberg, der mit 94 m im zweiten Durchgang noch einen halben Meter weiter sprang und letztlich mit 12,9 Punkten Vorsprung souverän das Neujahrsspringen für sich entschied. Neben Innauer platzierte sich erneut sein Kollege Alois Lipburger und erstmals auch Alfred Pungg in den Top Ten, während Olympiasieger Schnabl weiterhin hinterhersprang. Neben Routinier Henry Glaß platzierten sich aus dem DDR-Team erstmals die Neulinge Weber und Thomas in den Top Ten. Damit trat die DDR-Mannschaft trotz vieler Neulinge wieder mit einer Stärke an, wie man sie zuletzt in der WM-Saison 1973/74 erlebt hatte.Neues Deutschland. 3. Januar 1977, S. 7. In der Gesamtwertung hatten sich die Führenden abgewechselt, Vorjahressieger Danneberg führte nun mit 11 Punkten Vorsprung vor Innauer. Neuling Harald Duschek belegte einen hervorragenden dritten Platz. Etwas unerwartet war Alois Lipburger der zweitstärkste Österreicher auf Rang Sechs. Zwischenstand nach 2 Springen Pos. Springer Punkte1.Danneberg 488,92.Innauer477,93.Duschek468,34.Steiner465,05.Glaß458,76.Lipburger448,5
Pos. Springer Land Punkte 1 Jochen Danneberg 235,2 2 Anton Innauer 222,3 3 Harald Duschek 235,2 4 Henry Glaß 219,3 5 Johan Sætre 213,5 6 Walter Steiner 212,7 7 Alois Lipburger 211,9 8 Alfred Pungg 209,4 9 Jürgen Thomas 208,6 10 Martin Weber 208,3
Innsbruck
mini|Henry Glaß
Datum: 4. Januar 1977 Land: Schanze: Bergiselschanze