Die Morro Castle (II) war ein 1930 in Dienst gestelltes Luxus-Kreuzfahrtschiff der US-amerikanischen Reederei Ward Line, das in den frühen 1930er Jahren im regelmäßigen Liniendienst von New York City nach Havanna (Kuba) eingesetzt wurde. Die Morro Castle gehörte zu den damals modernsten und luxuriösesten Passagierschiffen ihrer Zeit und war bei zahlungskräftigen Kunden sehr beliebt, da sie die Strecke New York–Havanna in nur 59 Stunden zurücklegen konnte.

In den frühen Morgenstunden des 8. September 1934 brach auf der Morro Castle, die sich auf dem Rückweg nach New York befand, ein Feuer aus, das das Schiff völlig zerstörte und 137 Menschenleben forderte. Zahlreiche weitere Passagiere wurden durch Feuer, Rauch, den Sprung vom Schiff und stundenlangen Aufenthalt im Wasser zum Teil schwer verletzt. Der Vorfall auf der Morro Castle sorgte für die Verbesserung von Sicherheitsbestimmungen und Vorsorgemaßnahmen zur Brandbekämpfung auf modernen Passagierschiffen. Die hinterher eingeführte Verwendung von schwer entflammbaren Materialien, feuersicheren Türen und Feueralarmübungen ist ein direktes Resultat der Morro-Castle-Katastrophe.

Bau, Ausstattung und Inbetriebnahme 1928 genehmigte der Kongress der Vereinigten Staaten einen „Merchant Marine Act“, durch den ein 250 Millionen US-Dollar schwerer Schiffsbaufonds geschaffen wurde. Aus diesem Fonds konnten sich amerikanische Schiffbauer Anleihen entnehmen, um ihre veralteten Schiffe auszurangieren und gegen neue, moderne einzutauschen. Diese Anleihen, die den Bau eines Schiffes um bis zu 75 % subventionierten, sollten über einen Zeitraum von 20 Jahren bei einer sehr niedrigen Zinsrate zurückgezahlt werden. Eine der ersten Schifffahrtsgesellschaften, die diese Gelegenheit nutzten, war die Ward Line (eigentlich „New York and Cuba Mail Steamship Company“), eine in New York ansässige Reederei, die seit 1841 Passagiere, Fracht und Post zwischen New York und verschiedenen Häfen in der Karibik wie Nassau oder Havanna transportierte. Die erste Morro Castle (6.004 BRT) der Ward Line war 1900 in Dienst gestellt und 1926 abgewrackt worden.

Die Ward Line beauftragte die Werft Newport News Shipbuilding in Newport News (Virginia) mit der Konstruktion von zwei baugleichen Schwesterschiffen. Das Ergebnis waren die Morro Castle (Baunummer 337) und die Oriente (Baunummer 338). Der Bau der beiden Schiffe begann im Januar 1929; am 5. März 1930 lief die Morro Castle als erstes der beiden Schiffe vom Stapel. Ruth Eleanor Mooney, Tochter des Präsidenten der Ward Line, Franklin D. Mooney, taufte das Schiff auf den Namen Morro Castle. Benannt wurde das Schiff nach der gleichnamigen Festung am Eingang zur Bucht von Havanna, Castillo de los Tres Reyes del Morro, verkürzt El Morro und im Englischen Morro Castle genannt. Der Stapellauf der Oriente folgte am 15. Mai 1930. Beide Schiffe waren 155 m lang, maßen 11.520 BRT und fuhren bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 20 Knoten. Sie waren die größten und kommerziell erfolgreichsten Schiffe, die die Ward Line je baute; beide hatten je 5,5 Millionen US-Dollar gekostet. Die 12 Rettungsboote boten genug Kapazität, um über 800 Personen aufzunehmen.

Die Morro Castle bot 16 Suiten und 142 Kabinen, die auf fünf Decks (A bis E) verteilt waren und insgesamt 532 Passagiere (437 Erste Klasse, 95 Touristenklasse) aufnehmen konnten. Im Gegensatz zum damals auf Kreuzfahrtschiffen vorherrschenden schlichten und eher praktischen Stil waren die Passagierunterkünfte und die öffentlichen Räume auf der Morro Castle elegant und komfortabel ausgestattet. Das Schiff verfügte über Kabinentelefone, Aufzüge und modernste Heizungs- und Lüftungsanlagen. Die Aufenthaltsräume auf den verschiedenen Decks waren in unterschiedlichen Stilrichtungen gehalten. Der größte Raum war der in Pastellfarben gehaltene Speisesaal, der sich über zwei Decks erstreckte und teilweise mit Blattgold ausgekleidet war.

Ein weiteres Herzstück war die ebenfalls zweigeschossige, holzvertäfelte First Class Lounge, die mit korinthischen Säulen, einem Kamin, einem Piano und Perlmuttintarsien ausgestattet war. Der Dampfer verfügte darüber hinaus auch über einen Kindergarten, einen Fitnessraum, verglaste Promenadendecks, eine große Bordbibliothek und mehrere Bars. Von der Presse bekamen die beiden Schwesterschiffe schnell den Beinamen „Millionärsyachten“ verliehen.

Dienstzeit Am 23. August 1930 lief die Morro Castle in New York unter dem Kommando von Kapitän Joseph Jones zu ihrer Jungfernfahrt aus. Das moderne Schiff sorgte von Anfang an für sehr viel Publicity für die Ward Line und entwickelte sich schnell zu einem Publikumsmagneten. Als das Schiff am Ende seiner Jungfernfahrt zum ersten Mal in Havanna einlief, fand an Bord ein großes Bankett statt, an dem auch Gerardo Machado, der amtierende Präsident Kubas, teilnahm.

In ihren vier Dienstjahren erwies sich die Morro Castle als zuverlässiges und populäres Schiff, das seinen regulären Fahrplan selten unterbrach und zahlreiche Stammkunden an sich binden konnte. Mehrere Faktoren sorgten dafür, dass die Morro Castle auf fast jeder Fahrt ausgebucht war: Die Weltwirtschaftskrise und die Alkoholprohibition trieben die US-Amerikaner ins Ausland und waren Auslöser für große Reisewellen nach Kuba und auf die Bahamas, wo preiswert und in großen Mengen Alkohol erworben werden konnte. Außerdem wurde auf den Schiffen, die die Reisenden in die Karibik brachten, Alkohol ausgeschenkt. Zur selben Zeit trat ein als „Wanderlust“ bezeichnetes Phänomen auf. Durch die fortschreitende Erschließung der Erde durch Eisenbahn, Dampfschiffe und inzwischen auch durch kommerzielle Flüge wurde es immer größeren Gesellschaftsschichten möglich, zu reisen. Die immer weiter sinkenden Preise für Ozeanüberquerungen und Kreuzfahrten trugen ihr Übriges dazu bei.

In ihrer aktiven Dienstzeit sorgte die Morro Castle aber auch für Negativschlagzeilen. Im Lauf der Zeit mehrten sich Gerüchte über Drogen- und Waffenschmuggel von und nach Kuba, auch vom Transport illegaler Einwanderer und kubanischer Revoluzzer wurde berichtet. Der ausschweifende Alkoholkonsum, Glücksspiel und die Anwesenheit von Call Girls in den Hochsaisons sorgten dafür, dass die Morro Castle bei den zuständigen Ordnungs- und Hafenbehörden als „schwimmendes Freudenhaus“ bezeichnet wurde.

Im September 1933 geriet der Dampfer in einen schweren Sturm und wurde von einer Monsterwelle getroffen. Die Welle verursachte eine ernsthafte Schlagseite nach Backbord, ließ mehrere Abteilungen des Schiffs volllaufen und riss den Funkmast mit sich, wodurch die Morro Castle von der Außenwelt abgeschnitten war und nicht um Hilfe rufen konnte. Über 70 Menschen wurden verletzt. Die Morro Castle erreichte New York am 18. September mit zwei Tagen Verspätung. Da das Schiff über 48 Stunden nicht erreicht werden konnte, kamen bereits Gerüchte auf, dass es möglicherweise gesunken war.

Im November desselben Jahres geriet die Morro Castle im Hafen von Havanna in feindliche Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und dem kubanischen Militär. Die Festung Atarea eröffnete plötzlich das Feuer auf zwei bewaffnete Boote im Hafenbecken, auf der sich Mitglieder der rebellischen ABC-Truppen befanden. Die Morro Castle befand sich in der Schusslinie und ließ sofort den Anker lichten, um zu entkommen. Teile der achteren Kommandobrücke und der Takelage wurden weggeschossen, die Decksaufbauten wurden durch zahlreiche Geschosse beschädigt. Die Passagiere wurden in die Lounge beordert, wo das Bordorchester Happy Days Are Here Again zu spielen begann, um den Gefechtslärm zu übertönen.

Die letzte Rundfahrt Am Sonnabend, dem 1. September 1934 legte die Morro Castle von Pier 13 in New York zu einer Labor-Day-Kreuzfahrt nach Havanna ab. Es war ihre insgesamt 174. Fahrt. Neben 231 Besatzungsmitgliedern waren 259 Passagiere an Bord. Nach dem Passieren der amerikanischen Ostküste und kurzem Aufenthalt in Havanna begann die Morro Castle um 05:15 Uhr morgens am Mittwoch, dem 5. September 1934 ihre Rückfahrt nach New York, wo sie gegen 7 Uhr morgens am 8. September einlaufen sollte. Das Schiff befand sich unter dem Kommando des 55-jährigen Kapitäns Robert Renison Willmott, der seit 31 Jahren für die Ward Line tätig war. Er kommandierte die Morro Castle seit ihrer elften Fahrt. In Havanna waren weitere 59 Passagiere zugestiegen, daher befanden sich nun insgesamt 549 Menschen (318 Passagiere und 231 Besatzungsmitglieder) an Bord.

Passagiere Unter den 318 Passagieren, die sich an Bord befanden, als die Morro Castle am 5. September 1934 den Hafen von Havanna verließ, war eine große Anzahl an Frauen und Kindern. Die Zahl der Fahrgäste schöpfte nicht die gesamte Kapazität des Schiffs aus, aber es waren deutlich mehr Reisende als bei den vorangegangenen Fahrten. Die meisten waren US-Amerikaner, aber auch eine größere Zahl Kubaner war an Bord. Ein Großteil der Passagiere kam aus dem Großraum New York und den angrenzenden Bundesstaaten New Jersey und Pennsylvania.

Die Summe der Reisenden setzte sich aus den damals für eine Kreuzfahrt üblichen Gesellschaftsschichten und -gruppen zusammen. Zahlreiche Passagiere waren amerikanische Touristen, die sich auf dem Heimweg befanden, Studenten, die den Sommer in der Karibik verbracht hatten und zu ihrem Studium zurückkehrten, Ehepaare im Ruhestandsalter, Hochzeitsreisende, eine Gruppe von Mitgliedern des Concordia-Gesangsvereins aus East New York, eine Anzahl von Ärzten und Chirurgen zum Teil mit Familie, mehrere Geistliche, aber auch Geschäftsreisende wie Bankiers, Anwälte und Unternehmer.

Zu den Passagieren auf dieser Reise gehörten unter anderem:

Reuben A. Holden, amerikanischer Profitennisspieler (überlebte, verlor seine Frau) Abraham Cohen, Manager des Grand Department Store in Hartford, Connecticut (überlebte) Anthony Lione, Versicherungskaufmann und Architekt aus Sunnyside (Queens) (kam ums Leben) Herman H. Torborg, ehemaliger Senator des Bundesstaats New York (überlebte) Dr. Gouverneur Morris Phelps, prominenter New Yorker Chirurg (überlebte) Dr. Charles Stites Cochrane, Abteilungsleiter im Kings County Hospital von Brooklyn, New York (überlebte, verlor seine Schwester) Dr. Theodore Luther Vosseler, New Yorker Arzt und Physiker (überlebte) Dr. Francois Busquet, Chefradiologe des Emergency and Polyclinic Hospital in Havanna (kam ums Leben) Renée Méndez Capote, Tochter des Vize-Präsidenten von Kuba, Brigadegeneral Domingo Méndez Capote (überlebte) Father Raymond A. Egan, Pfarrer der St. Mary’s Roman Catholic Church in der Bronx (überlebte) Rev. Hiram Richard Hulse, Bischof der Protestant Episcopal Church in Havanna (überlebte) Agnes M. Prince, Gesellschaftsreporterin für die Zeitschrift The Pottstown Mercury (überlebte) Camilla E. Conroy, Sekretärin des Staatsanwalts und Politikers Herbert O’Conor (kam ums Leben) Eleanor C. Brennan, leitende Einkäuferin für die Hauptfiliale von Macy’s am New Yorker Herald Square (kam ums Leben) Dolly Davidson, Bühnen- und Leinwandschauspielerin und Model (The Enchanted Garden, Ziegfeld Follies, Doin’ Things) (überlebte) Matthew L. McElhenny, Geschäftsführer der New York and Long Branch Railroad (überlebte)

Besatzungsmitglieder

Julius Maus, Liftboy, ehem. deutscher Radsportler

Die Überfahrt