mini|200px|Signatur von Cornelis de Graeff
Cornelis de Graeff, zu seinen Lebzeiten oftmals mit Polsbroek oder de heer van Polsbroek tituliert (* 15. Oktober 1599 in Amsterdam; † 4. Mai 1664 ebenda), war im Goldenen Zeitalter ein einflussreicher Regent und Bürgermeister von Amsterdam, Staatsmann sowie Diplomat von Holland und der Republik der Vereinigten Niederlande.
Er entstammte dem Geschlecht De Graeff, welches im Goldenen Zeitalter gemeinsam mit der verschwägerten Familie Bicker die politische Macht in Amsterdam, Holland und schließlich in der niederländischen Republik innehatte.Biografie über Andries Bicker in der DBNL (nl) Cornelis de Graeff war regierender Bürgermeister von Amsterdam, Mitglied der Generalstaaten sowie Präsident der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC).Biographie (I) über Cornelis de Graeff in dem Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 2 (nl) Er war eine der führenden Persönlichkeiten, die eine Beendigung des Achtzigjährigen Krieges zwischen den Vereinigten Niederlanden und dem Königreich Spanien anstrebten. Dieser vollzog sich 1648 beim Frieden von Münster.Oliver Krause: Die Variabilität frühneuzeitlicher Staatlichkeit. Die niederländische „Staats“-Formierung der Statthaltosen Epoche (1650–1672) als interkontinentales Regiment (Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018)Amsterdam: a brief life of the city. Von Geert Mak, Harvill Press (1999), Seite 123Buitenplaatsen in de Gouden Eeuw: De rijkdom van het buitenleven in de Republik. Herausgegeben von Y. Kuiper, Ben Olde Meierink, Elyze Storms-Smeets, S. 71 (2015) In der darauf folgenden, seitens De Graeff forcierten,The World, von Simon Sebag Montefiore (2022) Ersten Statthalterlosen Periode galt er gemeinsam mit seinem Neffen Johan de Witt als der führende republikanische Protagonist.Life/Death Rhythms of Capitalist Regimes – Debt before Dishonour, Seite 98, von Will Slatyer (2014) Diese progressive Kooperation mit seinem Protegé, Ratspensionär De Witt, war eine wichtige politische Achse, die das politische System innerhalb der Republik ordnete.DeWitt" — an annotation to Thomas Carlyle's "Signs of the Times" Rachel Klotz '13, English 0600J, Brown University, 2010 Bis zu seinem Tod im Jahre 1664 war De Graeff Amsterdams führender Politiker, dem damaligen republikanischen Zentrum der Republik. Er hatte aber nicht nur die Interessen dieser im Sinn, sondern auch die von Holland und den politischen Ausgleich mit den anderen Provinzen.Brugmans, H. (1973) Geschiedenis van Amsterdam. Deel III Bloeitijd, 1621-1697, Seiten 159–167.
Cornelis de Graeff galt als ein umsichtiger und geschickter, liberal gesinnter Staatsmann und Diplomat, der auf den Ausgleich zwischen den religiösen und politischen Fraktionen bedacht war und bei der Bevölkerung in hohem Ansehen stand. (PDF; 2,7 MB) Seine politische Haltung war charakteristisch für die seiner Familie: einerseits Libertin und staatsgesinnt, andererseits, wenn auch nur bedingt, loyal gegenüber dem Haus Oranien. (PDF; 2,7 MB) Nach seinem Tod führte sein jüngerer Bruder Andries de Graeff die Fraktion De Graeff und dessen Politik fort. (PDF; 2,7 MB) Die Gebrüder waren eine der großen Kunstförderer ihrer Zeit gewesen.
Cornelis de Graeff führte die Titel eines Vrijheeren der Hohen Herrlichkeit von Zuid-Polsbroek, Schlossherren von Ilpenstein, Herren des Gutes Soestdijk sowie als Lehensträger der Stadt Amsterdam die eines Ambachtsherren von Sloten, Osdorp, Nieuwer-Amstel und Amstelveen.
Biografie Gesellschaftspolitischer Hintergrund Im Laufe des Goldenen Zeitalters der Niederlande standen die Mitglieder der Familie De Graeff in harscher Kritik zum sich immer mehr ausbreitenden Einfluss des Hauses Oranien-Nassau. Gemeinsam mit den führenden republikanischen Staatsmännern, den Gebrüdern Bicker und den De Witt, waren sie für eine Aufhebung der Statthalterschaft, zumindest in der Provinz Holland. Weiters beanspruchten sie den Erhalt einer (ihrer) vollen Souveränität als Stadtregenten.Pieter C. Vies: (PDF)
Herkunft und Familie
Cornelis war der erstgeborene Sohn des Amsterdamer Bürgermeisters und Regenten Jakob Dircksz de Graeff und Aeltje Boelens Loen, einer Ur-ur-Enkelin des bedeutenden Regenten und Bürgermeisters Andries Boelens (1455–1519). Er wuchs im Stadthaus ‘De Keyzershoedt’ in der Niezel auf. Wegen eines Unfalls in seiner Jugend war sein linker Arm nicht vollständig ausgewachsen.Dudok van Heel, S.A.C. (2002) Kopstukken, Amsterdammers geportretteerd 1600-1800, S. 50. Jakob Dircksz de Graeff war von freidenkender, republikanischer Gesinnung, aber auch für seine Ruhmsüchtigkeit bekannt. Er war einer der führenden Remonstranten und staatsgesinnten RegentenGoogle Buchsuche: Geschiedenis van Holland, Teil 2, Band 2, von Eelco Beukers, war aber trotzdem kein prinzipieller Anti-Orangist (Haus Oranien). Er hielt das Erbe seines Vaters Dirck Jansz Graeff, das diesen freundschaftlich mit Wilhelm dem Schweiger von Oranien verband, in Ehren. Die jungen De Graeffs wurden durch diese antagonistische Haltung ihres Vaters in politischen Fragestellungen beeinflusst. Cornelis de Graeff war als Erstgeborener der Haupterbe seines verstorbenen Vaters, von welchem er nebst der Hohen Herrlichkeit Zuid-Polsbroek, Gründen und Stadthäusern in Amsterdam die Ambachtsherrlichkeit von Sloten, Nieuwer-Amstel, Osdorp und Amstelveen als Amsterdamer Lehen erhielt.
De Graeff heiratete 1633 Geertruid Overlander (1609–1634; auch Overlander van Purmerland), Tochter von Bürgermeister Volkert Overlander, eine Schwester von Maria Overlander van Purmerland, die Bürgermeister Frans Banning Cocq ehelichte.Johan Engelbert Elias, De Vroedschap van Amsterdam, 1578-1795, Deel 1, Seite 274 Als diese schon nach einem Jahr verstarb, verheiratete er sich 1635 mit seiner erst siebzehnjährigen Cousine Catharina Hooft, die ebenfalls eine Cousine seiner ersten Gattin Geertruid und darüber hinaus des Nationaldichters Pieter Corneliszoon Hooft war. Die damaligen Regentengeschlechter waren so eng miteinander verwandt, dass Pieter Corneliszoon Hooft einerseits der Onkel und andererseits der angeheiratete Cousin von Cornelis de Graeff war. Eine durch mehrere Ehen verwobene und politisch bedeutende Verwandtschaft hatten die De Graeff zur Bürgermeisterfamilie Bicker und hierbei vordergründig zu den Gebrüdern Andries Bicker, Cornelis Bicker und Johan Bicker. Auch an das Adelsgeschlecht der Van Hogendorps war er durch Heirat verbunden und Bürgermeister Johan Huydecoper van Maarsseveen war sein Großcousin.Rembrandt's Universe: His Art, His Life, His World, Seite 193, von Gary Schwarz (Thames & Hudson, 2006) Das Ehepaar De Graeff-Hooft hatte zwei Söhne:Dudok van Heel, S.A.C.(1995) Op zoek naar Romulus & Remus. Een zeventiende-eeuws onderzoek naar de oudste magistraten van Amsterdam. Jaarboek Amstelodamum, S. 43–70. Pieter de Graeff (1638-1707), Vrijheer von Zuid-Polsbroek, Purmerland und Ilpendam, Regierungsmitglied von Amsterdam, vertrauter Ratsmann seines Schwagers Johan de Witt sowie einer der Leiter der Niederländischen Ostindien-Kompanie; ehelichte seine Cousine Jacoba Bicker Jacob de Graeff (1642-1690), Vrijheer von Purmerland und Ilpendam, einer der Grundsteinleger des Amsterdamer Stadthaus Op de Dam, Schepen von Amsterdam; ehelichte Maria van der Does
Politisches Erbe 170px|mini|Abstammungen von Andries Boelens. Übersicht über die maßgeblichen Familienbeziehungen der Amsterdamer Oligarchie um die Geschlechter Boelens Loen, De Graeff, Bicker (van Swieten), Witsen sowie Johan de Witt im Goldenen Zeitalter.
Seitens Cornelis de Graeff ist die Aussage überliefert, dass die alten Amsterdamer keine Gewohnheit hatten, genealogische Aufzeichnungen über ihre Familien zu führen, und über die vorherigen Generation nicht mehr wussten als das, was sie von ihren Vätern und Großvätern gelernt haben. Die Daten seiner eigenen Familie in Amsterdam reichen nicht sehr weit zurück: Und zunächst beginne ich mit der Familie der Graven, von der ich väterlicherseits abstamme. Dies ist eine Familie aus Amsterdam, die aus dem Haus 'de Keijser' stammt, das sich am Waeter befand (= jetzt Damrak Nr. 91). Dieses Haus zeigt den Eindruck seines gewölbten Aussehens, im Besitz von Jan Pieters de Graeff und dann von Dirck Jans de Graeff, der dieses Haus auch verkaufte. Auch mein Vater Jacob de Graeff und seine Brüder wurden hier geboren.DBNL, Amsterdamse burgemeesters zonder stamboom. De dichter Vondel en de schilder Colijns vervalsen geschiedenis, by S.A.C. Dudok van Heel, p 146 (1990)
Die Familie De Graeff hat daher nie mit dem Alter ihrer eigenen Familie in Amsterdam geprahlt, aber die Gebrüder Cornelis und Andries de Graeff sahen sich zusammen mit ihren Cousins Andries und Cornelis Bicker als politische Erben der alten Regentenfamilie Boelens an, deren katholisch gebliebene Hauptlinie 1647 in männlicher Linie ausgestorben war. Sie hatten von ihren Boelens-Vorfahren die sehr bedeutsamen Vornamen „Andries“ und „Cornelis“ erhalten. Wie in einer echten Dynastie heirateten im 17. Jahrhundert häufig Mitglieder der Familien Bicker und De Graeff, um ihr politisches und wirtschaftliches Kapital zusammenzuhalten. Cornelis’ großer historischer Vorfahre war Andries Boelens (1455–1519), der einflussreichste mittelalterliche Bürgermeister der Stadt. Beide Familien, De Graeff und Bicker, stammen in weiblicher Linie von Boelens ab. Er durfte fünfzehn Mal das Bürgermeisteramt von Amsterdam bekleiden.DBNL, Amsterdamse burgemeesters zonder stamboom. De dichter Vondel en de schilder Colijns vervalsen geschiedenis, von S.A.C. Dudok van Heel, Seite 147 (1990)
Wappen Cornelis de Graeffs Stammwappen [welches er von seinem Vater erhielt] ist geviert und gliedert sich wie folgt auf: in den Wappenfeldern 1 und 4 eine silberne Schaufel (Spaten) auf rotem Grund der Herren von GrabenIn älteren Quellen wird erwähnt, dass Pieter Graeff (* um 1450/1460) ein Sohn des 1476/1483 in Holland befindlichen Wolfgang von Graben († 1521), entstammend aus dem den Meinhardinern entsprungenem krainischen Uradelsgeschlecht der Von Graben, war.Artikel über das Geschlecht De Graeff in dem Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek (DBNL), Deel 2 Das Geschlecht De Graeff führt noch heutzutage das Graben-Wappen in dem Ihrigen. und in den Wappenfeldern 2 und 4 einen silbernen Falken auf blauem Grund. Der Ursprung des Falken liegt im Besitz des Landgutes Valckeveen (dem späteren Landsitz Valckenburg) in Gooiland.
De Graeffs persönliches Wappen zeigt in den Feldern 2 und 3 anstatt der Falken die silbernen Gänse auf blauem Grund sowie ein Herzschild. Die Gänse stehen für Purmerland, und sein Herzschild zeigt drei silberne Rauten auf rot, und steht für die Hohe Herrlichkeit Zuid-Polsbroek.Google Buchsuche: De werken van Vondel in verband gebracht met zijn leven, en voorzien van … Von Joost van den Vondel. S. 245 und 246
Jugend 1626 unternahm Cornelis de Graeff gemeinsam mit seinem Bruder Dirk de Graeff und Willem Nooms, Herr van Aarlanderveen (dieser war der Vater einer unehelichen Tochter namens Margaretha, welche er gemeinsam mit Cornelis Schwester Wendela de Graeff hatte) eine ausgedehnte Kavaliersreise, welche diese nach Paris, Orléans, Blois, Nantes, La Rochelle, Poitiers und im Jahre 1628 wiederum in die Hauptstadt brachte. Dort wurde er von dem damaligen schwedischen Botschafter Hugo de Groot (latinisiert Hugo Grotius) freundschaftlich empfangen; Cornelis Vater war zeit seiner politischen Tätigkeit ein religiöser und politischer Mitstreiter von Grotius und Oldenbarnevelt gewesen. Noch im selben Jahr kehrten die jungen De Graeffs und ihr Reisegefährte über Flandern in ihre Heimatstadt zurück.
Schritte in die Politik mini|links|De Graeff als Kapitän der Amsterdamer Bürgergarde (1642), gemalt von Jacob Adriaensz. Backer, Rijksmuseum Amsterdam