mini|Standarte einer Artillerieabteilung der Wehrmacht in Waffenfarbe hochrot Die Artillerietruppe war eine Waffengattung (im Sinne von Truppengattung) des Heeres der deutschen Wehrmacht sowie der Waffen-SS.

mini|Eine sFH 15 cm in Feuerstellung, Frankreich 1940 mini|15 cm s.F.H. 18 bei Kursk, Juni 1942 mini|Richtkanonier (K1) am Rundblickfernrohr einer 17-cm-Kanone, Nordafrika 1943 mini|Munitions- und Ladekanoniere, Sowjetunion 1942 mini|21-cm-Mörser 18 im Feuerkampf, südliche Ostfront im Sommer 1942 mini|Sicherung der Feuerstellung durch Fla-MG mini|Fernsprechtrupp bei der Verbindungsprüfung mini|Munitionskanonier beim Einstellen eines Zünders mini|15-cm schwere Feldhaubitze 37 (t) im Feuerkampf, Griechenland 1941 mini|Feldhaubitzen in Feuerstellung, Afrika 1942 mini|Zum direkten Richten vorgezogene Feldhaubitze, Stalingrad 1942 mini|VB-Trupp: Oberleutnant am Scherenfernrohr, Fernmelder mit Feldtelefon mini|Soldat einer Küstenbatterie mit Entfernungsmesser, vermutlich Frankreich, 1942. mini|Artillerieeinschlag

Überblick 1939/40 umfasste die Artillerie der Wehrmacht nach Mobilmachung fast eine halbe Million Soldaten:Joachim Engelmann, Horst Scheibert: Deutsche Artillerie 1934–1945. Starke Verlag, Limburg 1974.

Offiziere Beamte Unteroffiziere Mannschaften Gesamt Friedensstärke 11.430 1.165 43.036 275.735 331.366 Ersatzheer 2.670 389 10.509 105.238 118.806 Kriegsheer 14.100 1.554 53.545 380.973 450.172

Die Produktion von Geschützen ab Kaliber 7,5 cm betrug: 1940 1941 1942 1943 1944 6.100 7.200 12.000 27.250 41.500

Schießende Artillerie Rohrartillerie Feldartillerie Eine Infanterie-Division verfügte über ein Artillerieregiment mit drei leichten – deren Anzahl richtete sich nach den zu unterstützenden Infanterieregimentern der Division – und einer schweren Abteilung zu je drei Batterien.nach dem Friedensvertrag von Versailles war der Reichswehr Artillerie über 10,5 cm untersagt – durch die mangelnde Rüstungswirtschaft war es nicht möglich die Artillerie einheitlich auszurüsten, um den Kampf in die Tiefe führen zu können, wurde daher nur eine weitere schwere Artillerieabteilung mit 15-cm-Haubitzen ausgerüstet Davon abweichend verfügten die Jäger-Divisionen mit zwei Jäger-Regimentern nur über zwei leichte Artillerie-Abteilungen und keine schwere Artillerie-Abteilung.

Eine Batterie der Feldartillerie bestand typischerweise aus dem Batterie-Trupp mit dem Batteriechef im Rang Hauptmann, einem Leutnant als Beobachtungsoffizier und dem Rechentrupp, der Nachrichtenstaffel für Einrichtung und Betrieb der taktischen Fernmeldenetze (Fernsprech-/Feldkabelbautrupp, Funktrupps), der Geschützstaffel mit vier Feldhaubitzen (A-, B-, C- und D-Geschütz), geführt von einem Leutnant als Batterieoffizier und einem Oberwachtmeister (der Wachtmeister entsprach in der Artillerie dem Dienstgrad Feldwebel), zwei Geschützzügen mit je zwei Geschützgruppen, dem Fliegerabwehrtrupp mit Fla-MG, dem Rechentrupp, einem Melder und einem Sanitäter, der Munitionsstaffel, dem Gefechtstross unter dem Batterie-Wachtmeister mit dem Schirrmeister, dem Waffen- und Geräte-Unteroffizier, einem Feldküchentrupp und dem Gepäcktross mit Rechnungsführer, Schuhmacher, Schneider und Sattler.

Erkundung des Einsatzraums Nach dem Erhalt des Einsatzbefehls durch seine Abteilung (das Artillerie-Regiment einer Infanterie-Division der 1. Aufstellungswelle verfügte über drei leichte und eine schwere Artillerie-Abteilung, jede Abteilung über drei Batterien) nahm der Batteriechef Verbindung zum Kommandeur des ihm zugewiesenen Kampftruppenverbandes – meist einem Infanterie-Bataillon – auf, übernahm dort die Aufgabe des Artillerie-Verbindungsoffiziers und traf die notwendigen Absprachen, um anschließend seinen Unterführern die notwendigen Erkundungs- und Einsatzaufträge zu erteilen.

Der Vorgeschobene Beobachter (VB) auf der Batterie-Beobachtungs-Stelle (B-Stelle) galt als Auge der Artillerie. Die Erkundung der B-Stelle übernahm der Batterie-Chef daher meist selbst in enger Anlehnung an die zu unterstützende Kampftruppe. Wichtig war eine beherrschende Sicht über die Hauptkampflinie in die Tiefe des feindlichen Stellungsraums sowie gute Tarnung, um nicht selbst entdeckt zu werden.

Die Feuerstellung wurde durch den Batterieoffizier mit einem seiner Zugführer erkundet. Dabei galten folgende Vorgaben: Möglichst ebene etwa 100 bis 150 m breite Stellung (bei schweren Batterien 130 bis 180 m). Anmarschweg und Stellung der direkten Feindeinsicht entzogen, möglichst Hinterhanglage. Unregelmäßig gestaffelte Aufstellung der Geschütze. Freies Schussfeld von ca. 500 m in Grundrichtung.

Zu erkunden waren außerdem: Die Nah-B-Stelle zur Bekämpfung durchgebrochener Feindkräfte. Die Alarmstellung für die infanteristische Nahverteidigung durch die Kanoniere. Stellung der Fliegerabwehr-MGs flankierend zu den Geschützen. Munitionsablageplatz ca. 200 m hinter der Feuerstellung mit gedeckten Wegen für die reibungslose Anschlussversorgung. Wechselfeuerstellung. Stellung des Arbeitsgeschützes, ca. 300 m von der Hauptfeuerstellung entfernt.

In Sichtbereich der Geschütze wurde der Richtkreis aufgebaut und nach Lage und Richtung für das spätere Einrichten der Geschütze vermessen. Die Positionen der einzelnen Geschütze wurden durch das Erkundungskommando mit in Grundrichtung ausgerichteten Geschützflaggen markiert.

Der Hauptwachtmeister erkundete mit dem Munitionsstaffelführer die Protzenstellung für die Abstellung der Zug- und Versorgungsfahrzeuge oder -pferde, den Batterietross und den Aufbau der Feldküche.

Herstellen der Wirkungsbereitschaft Rasche Herstellung der Wirkungsbereitschaft galt als entscheidend: „Die sicherste Grundlage des Erfolges ist der Vorsprung in der Gefechtsbereitschaft. Die Artillerie muss schneller feuerbereit sein als die feindliche“HDv 200/5: Die Führung der Artillerie.

Bis zur Eröffnung des Feuerkampfes galt aus Tarnungsgründen meist Funkverbot.

Unmittelbar nach der Erkundung begann daher der Fernsprechtrupp mit dem Aufbau der überlebenswichtigen Feldkabelverbindung zwischen B-Stelle und Batterie, zum Gefechtsstand der Infanterie und dem Abteilungsgefechtsstand der Artillerie.

Der VB-Trupp nahm Verbindung zum örtlichen Führer der Kampftruppe auf, bezog gedeckt die befohlene B-Stelle, baute das Scherenfernrohr auf und richtete es ein. Dann wurde die Stellung getarnt, Wirkungsbereitschaft hergestellt und eine Geländeorientierung vorgenommen. Dabei erfasste er die markantesten Geländepunkte auf der mit einem Koordinaten-Gitter versehenen Schießkarte (1:25.000 oder 1:50.000), fertigte eine Beobachtungs-Skizze an, meldete per Handskizze die nicht eingesehenen Räume an die Abteilung zur weiteren Beurteilung, für welche Geländeabschnitte zusätzliche Maßnahmen zur Überwachung befohlen werden mussten und erkundete eine oder mehrere Wechsel-B-Stellen.

Zur Zielortung und Leitung des Feuerkampfes verfügte der VB über Schießkarte 1:50.000 Schießbesteck (metallener Schießhaken mit Winkelmesser in Strich und Entfernungslineal). Fernglas mit Stricheinteilung, Scherenfernrohr und binokularen Entfernungsmesser. Kompass Stoppuhr Signalpistole Feldfernsprecher und Funkgerät Handwaffen (Maschinenpistole, Karabiner, später Sturmgewehr 44 und Panzerfaust) zur Nahverteidigung

Die Geschützstaffel bezog nun die erkundete Feuerstellung:

Die Geschütze wurden von den Abholern des Erkundungstrupps in Empfang genommen, an den markierten Positionen „abgeprotzt“ und im Mannschaftszug in Stellung gebracht, durch die Geschützmannschaften grob in Grundrichtung ausgerichtet und durch die Ladekanoniere (K3, K4) mit Hilfe der Erdsporne festgelegt.

Die Richtkanoniere (K1, K2) richteten Rohr und Richtanlage mit der Libelle zunächst ebenerdig aus, dann richtete der K1 das Rundblickfernrohr auf den Richtkreis und die Ladekanoniere (K3, K4) klappten die Erdsporne der Geschütze ab. Dann eilte der Ladekanonier (K3) zum Richtkreis, um von dort die für sein Geschütz gemessenen Richtungswerte (Richtkreiszahl) zu notieren, während der zweite Ladekanonier (K4) die rot-weiß markierten Richtungsstangen für die spätere Festlegung des Geschützes auspflockte und Rohrwischer und Ladeansetzer bereitlegte. Die Munitionskanoniere (K5, K6) entluden die Munitionsprotzen und legten etwa 10 bis 20 m hinter dem Geschütz die Treibladungen sowie die Granaten und Zünder bereit. Danach verließen die Protzen die Geschützstaffel und bezogen die Protzenstellung. Der Geschützführer überprüfte die Einrichtung des Geschützes und meldete die Wirkungsbereitschaft. Anschließend ließ er Geschütz und Marschspuren tarnen.

Sobald das erste Geschütz eingerichtet und die Fernmeldeverbindung aufgebaut war, meldete der Batterieoffizier „Wirkungsbereitschaft“.

Führung des Feuerkampfes Der Operationsplan der Artillerie war der Feuerplan; typische Gefechtsaufträge an die Artillerie waren im Rahmen des Feuerplans: Das Überwachen (übw) von Geländeabschnitten durch Beobachtung und Feuer. Das allgemeine Bekämpfen (bek) erkannter Feindziele. Das Abriegeln (abr) vorstoßender feindlicher Angriffsverbände. Das Stören (stö) von Transport- und Nachschublinien durch unregelmäßige Feuerüberfälle. Das Niederhalten (ndl) oder Blenden (ble) feindlicher Kräfte in Absprache mit der Kampftruppe über einen vorgegebenen Zeitraum. Das Zerschlagen (zsl) von feindlichen Feuerstellungen, Truppenansammlungen oder Angriffsbereitstellungen unter höchstem Munitionseinsatz. Das Beleuchten (bel) von Geländeräumen selten Geländepunkten als Angriffszielen bei Nacht insbesondere beim Angriff feindlicher Kräfte. Das Ausschalten feindlicher Beobachtungs-Stellen mit Brisanz- oder Nebelgranaten sowie das Nebeln (nbl) feindlicher Kräfte im Angriff oder feindlicher Stellungen bei eigenem Angriff. Das Zerstören von Bunkern, Feldbefestigungen oder anderen Punktzielen.

Nach der Freigabe des Feuerplans mit Vorgaben für Feueraufträge, Zielpunkte und Sperrfeuer durch Abteilungskommandeur oder Batteriechef begann der VB nun das Einschießen der Batterie. Er ortete dabei die Einschießpunkte oder Feindziele nach Lage, Höhe und Beobachtungsrichtung und übermittelte die Daten als Feuerbefehl an die Geschützstellung.

Der Feuerbefehl enthielt: Beobachtungsrichtung (Sehstreifen), Koordinaten (Planzeiger), Zielhöhe, Zielbeschreibung, Munitionseinsatz (in Schuss oder Gruppen), Munitionsart (meist Spreng-, Brand-, Nebelgranaten), Zünderart (Aufschlag- oder Zeit-/Doppelzünder), Feuerart (Einzelschuss, Feuerschlag oder Salve). Beispiel eines Feuerbefehls: „Sehstreifen 16-4-5, Planzeiger 5-4-0-5-9-2, Höhe 165, Zielpunkt Wegekreuzung, ein Schuss, Feuerbereitschaft und Flugzeit melden!“

Bei wichtigen Zielen konnte der VB nicht nur das Feuer seiner Batterie, sondern auch Feuerzusammenfassungen der Abteilung oder des Regiments abrufen. Munitions- und Zündereinsatz wählte er nach taktischem Ermessen. Geschosse wurde meist mit Aufschlag-, seltener mit Zeitzündern versehen. Sollte Minenwirkung gegen Bunker und Feldbefestigungen erzielt werden, ließ der VB „Aufschlagzünder mit Verzögerung“ schießen; hierbei gelangte die Granate erst Sekundenbruchteile nach dem Aufschlag zur Detonation. Besonders wirkungsvoll gegen ungepanzerte Ziele war bei flacher Flugbahn und hartem (gefrorenen) Boden das Erzielen von „Abprallern“ durch Verzögerungszünder; die Detonation der Sprenggranate kurz über dem Boden verursachte eine verheerende Sprengkraft und Splitterwirkung. Bei Nacht wurden zudem mit großer Erhöhung Leuchtgranaten verschossen, deren brennende Magnesiumladung am Fallschirm langsam über dem Gefechtsfeld herabschwebte und das Gelände zur genauen Zielortung und Bekämpfung ausleuchtete.