U 172 war ein deutsches U-Boot vom Typ IX C, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurde. Es versenkte auf seinen sechs Unternehmungen 26 Schiffe mit 152.777 BRT, wobei insgesamt 466 Menschen starben, und wurde selbst am 13. Dezember 1943 im Mittelatlantik versenkt, wobei von den 59 Besatzungsmitgliedern 13 starben und 46 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft gerieten.

Technik und Geschichte U 172 war ein Tauchboot für ozeanische Verwendung. Es war ein U-Boot vom Zweihüllentyp und hatte eine Wasserverdrängung von 1120 t über und 1232 t unter Wasser. Es hatte eine Länge von 76,76 m, eine Breite von 6,76 m und einen Tiefgang von 4,70 m. Mit den beiden 2200 PS MAN-Neunzylinder-Viertakt Dieselmotoren M 9 V 40/46 mit Aufladung konnte eine Höchstgeschwindigkeit über Wasser von 18,3 kn erreicht werden. Bei 10 kn Fahrt konnten 12.000 Seemeilen zurückgelegt werden. Die beiden 500 PS SSM-Doppel-E-Maschinen GU 345/34 hatten 62×62 Akku-Zellen AFA Typ 44 MAL 740 W. Es konnte eine Höchstgeschwindigkeit unter Wasser von 7,3 kn erreicht werden. Bei 4 kn Fahrt konnte eine Strecke von 64 Seemeilen zurückgelegt werden. Aus 4 Bug- und 2 Hecktorpedorohren konnten 22 Torpedos oder bis zu 44 TMA- oder 66 TMB-Minen ausgestoßen werden. Die Tauchtiefe betrug 100–200 m. Die Schnelltauchzeit betrug 35 Sekunden. Es hatte ein 10,5-cm Utof L/45 Geschütz mit 180 Schuss und 1× 3,7-cm Fla-Waffe mit 2625 Schuss, 1× 2-cm-Fla-Waffe mit 4250 Schuss. Ab 1943/44 erfolgte bei diesem Bootstyp der Ausbau der 10,5-cm-Kanone und Einbau von 4× 2-cm-Zwillings-Fla-Geschützen mit 8500 Schuss. Die Besatzungsstärke konnte aus vier Offizieren und 44 Mannschaften bestehen. Die Kosten für den Bau betrugen 6.448.000 Reichsmark.

Der Auftrag für das Boot wurde am 23. Dezember 1939 an die AG Weser in Bremen vergeben. Die Kiellegung erfolgte am 11. Dezember 1940, der Stapellauf am 31. Juli 1941, die Indienststellung unter Kapitänleutnant Carl Emmermann fand schließlich am 5. November 1941 statt.

U 172 gehörte vom 5. November 1941 bis zum 30. April 1942 als Ausbildungsboot der 4. U-Flottille in Stettin, und vom 1. Mai 1942 bis zu seiner Versenkung am 13. Dezember 1943 als Frontboot der 10. U-Flottille in Lorient an.

Es absolvierte sechs Feindfahrten, auf denen 26 Schiffe mit 152.777 BRT versenkt werden konnten. U 172 wurde am 13. Dezember 1943 im Mittelatlantik westlich der Kanarischen Inseln von US-amerikanischen Trägerflugzeugen versenkt. 13 Mann kamen dabei ums Leben, 46 wurden gerettet.

Kommandanten mini|hochkant|Carl Emmermann, ca. 1943

Carl Emmermann

Hermann Hoffmann Hermann Hoffmann wurde am 27. April 1921 in Hannover geboren. Er trat am 16. September 1939 als Offiziersanwärter in die Kriegsmarine ein und gehörte zur Crew X/39. Vom 16. September 1939 bis zum 4. November 1941 absolvierte er die Grund- und Bordausbildung, durchlief die einzelnen Fähnrichslehrgänge und legte anschließend seine Offiziershauptprüfung ab. In dieser Zeit absolvierte er auch die U-Bootausbildung und nahm an der Baubelehrung für U 172 bei der 6. Kriegsschiffbaulehrabteilung in Bremen teil. Ab 5. November 1942 wurde er II. und ab Januar 1943 I. Wachoffizier auf diesem U-Boot. Nach fünf sehr erfolgreichen Feindfahrten unter Carl Emmermann, übernahm er, nach einem Kommandantenlehrgang vom September bis Oktober 1943, am 1. November 1943 das Kommando über U 172. Nach nur einer erfolglosen Unternehmung wurde das Boot im Mittelatlantik versenkt und Hoffmann geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er am 8. Mai 1946 entlassen wurde. Hermann Hoffmann starb am 1. November 1982 im Alter von 61 Jahren. Sein letzter Dienstgrad war Oberleutnant zur See (1. Oktober 1943).

Einsatzstatistik

Erste Unternehmung Das Boot lief am 22. April 1942 um 7.00 Uhr von Kiel aus. Zur Brennstoffergänzung lief das Boot am 23. April 1942 in Kristiansand ein, um am 24. April 1942 von dort seine erste Unternehmung anzutreten. Die Fahrt ging über die Nordsee, den Nordatlantik und die Biscaya zu seinem neuen Stützpunkt in Lorient, wo es am 3. Mai 1942 um 9.00 Uhr nach zwölf Tagen auf See und einer zurückgelegten Strecke von 2.496,5 sm über und 100 sm unter Wasser festmachte. Das Boot konnte auf seiner ersten Unternehmung keine Schiffe versenken oder beschädigen.

Zweite Unternehmung Das Boot lief am 11. Mai 1942 um 20.00 Uhr von Lorient aus. Nach Schwierigkeiten mit dem Kompass, lief es am 12. Mai 1942 um 8.08 Uhr wieder in Lorient ein.

Nach der Reparatur lief U 172 noch am gleichen Tag um 19.54 Uhr wieder aus. Die Fahrt ging über die Biscaya, den Nordatlantik, den Westatlantik in die Karibik. Das Boot operierte in der Mona-Passage, vor den Kleinen Antillen, vor Colón und bei Haiti und Jamaika.

Am 27. Mai 1942 wurde der britische Tanker Athelknight () mit 8.940 BRT durch zwei Torpedos sowie Artilleriebeschuss versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Barry nach Curaçao. Dabei wurden neun Mann getötet, 43 überlebten. Am 3. Juni 1942 sichtete U 172 im Mittelatlantik den US-amerikanischen Dampfer City of Alma () mit 5.446 BRT, der 7.400 t Manganerz geladen hatte und auf dem Weg von Port Everglades (Florida) nach Nuevitas war. Emmermann versenkte das Schiff mit einem Torpedo. Dabei starben 39 Mann, zehn konnten sich retten. Am 5. Juni 1942, versenkte U 172 den US-amerikanischen Dampfer Delfina () mit 3.480 BRT. Er hatte Rohzucker geladen und befand sich auf dem Weg von Aruba nach San Juan. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Vier Mann fanden den Tod, 27 konnten sich retten. Drei Tage später wurde das US-amerikanische Motorschiff Sicilien versenkt () mit 1.654 BRT. Es hatte Stückgut sowie Zucker geladen und war auf dem Weg von Kingston nach San Juan (Puerto Rico). U 172 versenkte das Schiff mit einem Torpedo. 46 Menschen fanden den Tod, 31 konnten sich retten.

Nach Umladen der restlichen Torpedos vom Oberdeck am 9. Juni 1942 operierte das Boot weiter in der Karibik.

Am 14. Juni 1942 versenkte es den US-amerikanischen Dampfer Lebore () mit 8.229 BRT. Das Schiff hatte 10.145 t Kohle geladen und befand sich auf dem Weg von Newport News über den Panamakanal nach Cruz Grande in Chile. Der Dampfer wurde mit drei Torpedos und der 10,5-cm-Kanone versenkt. Ein Mann starb, 45 konnten sich retten. Am 15. Juni 1942 wurde der norwegische Dampfer Bennestvet () mit 2.438 BRT versenkt. Seine Ladung bestand aus Kriegsmaterial, das er von New Orleans nach Cristóbal bringen sollte. Das Schiff wurde durch einen Torpedo versenkt. Dabei kamen 12 Mann ums Leben, 23 konnten sich retten. Am 18. Juni 1942, traf es den US-amerikanischen Tanker Motorex () mit 1.958 BRT. Er hatte 20.000 Barrel Dieselöl geladen und befand sich auf dem Weg von Corpus Christi nach Cristobal. Der kleine Tanker wurde mit 40 Schuss aus der 10,5-cm-Kanone versenkt. Dabei starb ein Mann, 20 konnten sich retten. Am 23. Juni 1942 wurde das kolumbianische Segelschiff Resolute () mit 35 BRT angehalten und mit Handgranaten versenkt. Kurs und Ladung des Schiffes blieben unbekannt. Es starben sechs Mann, vier konnten sich retten. Am 24. Juni 1942 wurde der Rückmarsch angetreten, auf dem am 9. Juli 1942 als letztes Schiff dieser Unternehmung der US-amerikanische Dampfer Santa Rita mit 8.379 BRT versenkt werden konnte. Er hatte 8.600 t Stückgut geladen inklusive 5.000 t Chromerz und befand sich auf dem Weg von Kapstadt nach Charleston. Das Schiff wurde durch einen Torpedo beschädigt und anschließend durch ein Sprengkommando mit Sprengladungen versenkt. Drei Mann starben, 57 konnten gerettet werden.

Nach dem Rückmarsch über den Nordatlantik und die Biscaya lief U 172 nach 77 Tagen auf See und einer zurückgelegten Strecke von 11.433 sm über und 214 sm unter Wasser am 21. Juli 1942 um 16.00 Uhr in die Bunkerbox A 2 in Lorient ein. Es hatte auf dieser Unternehmung neun Schiffe mit 40.619 BRT versenkt.

Dritte Unternehmung Das Boot lief am 19. August 1942 um 19.00 Uhr von Lorient aus. U 172 bildete zusammen mit den Booten U 459, U 504, U 156 und U 68 die U-Bootgruppe Eisbär, die vor Kapstadt operieren sollte. Der Weg dorthin führte das Boot über die Biscaya, den Nordatlantik, den Mittelatlantik und den Südatlantik nach Kapstadt. Am 22. September 1942 wurde U 172 vom Versorgungsboot U 459 mit 107 m³ Brennstoff und Proviant versorgt. Am 4. Oktober 1942 wurde der Leuchtturm von Cap Columbia gesichtet. Zwei Tages später stand das Boot vor der Reede von Kapstadt.

Am 7. Oktober 1942, versenkte das Boot im Südatlantik seine ersten beiden Schiffe. Das erste war der US-amerikanische Dampfer Chickasaw City () mit 6196 BRT. Er wurde durch zwei Torpedos getroffen. Das Schiff hatte 1.400 t Chromerz, 200 t Felle sowie 400 Sack Kaffee geladen und wollte von Kapstadt nach Port of Spain. Sieben Mann wurden getötet, 42 konnten sich retten. Das zweite Schiff war das panamaische Motorschiff Firethorn mit 4.700 BRT, es wurde ebenfalls durch zwei Torpedos versenkt. Es hatte Kriegsgüter geladen und befand sich auf dem Weg von New York über Trinidad und die Tafelbucht nach Suez. Zwölf Mann wurden getötet, 49 gerettet. Am 8. Oktober 1942, traf es den griechischen Dampfer Pantelis () mit 3.845 BRT. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Beirut über Aden und die Tafelbucht nach Buenos Aires. Er wurde durch einen Torpedo versenkt. Es gab 28 Tote und fünf Überlebende. Am 10. Oktober 1942 wurde 280 sm nordwestlich von Kapstadt, der britische Dampfer Orcades () mit 23.456 BRT versenkt. Er fuhr im Auftrag der britischen Marine. An Bord befanden sich 711 Passagiere sowie 3.000 t Stückgut. Das Schiff war auf dem Weg von Suez nach Kapstadt. Das große Schiff wurde durch sechs Torpedos versenkt. 28 Besatzungsmitglieder, zwei Kanoniere und 18 Passagiere kamen ums Leben, 299 Besatzungsmitglieder und 693 Passagiere konnten gerettet werden. Am 30. Oktober 1942 trat U 172 den Rückmarsch an. Einen Tag später, am 31. Oktober 1942, lief im Südatlantik westlich von Port Nolloth das britische Motorschiff Aldinton Court () mit 4.891 BRT vor die Rohre von U 172. Es hatte 6.614 t Stückgut inklusive Kohle, Benzin, Traktoren sowie Bier geladen und befand sich auf dem Weg von Philadelphia über Trinidad und die Saldanha Bay nach Alexandria. Das Schiff wurde durch zwei Torpedos versenkt. 34 Mann starben, zehn konnten gerettet werden. Am 2. November wurde der britische Dampfer Llandilo () mit 4.966 BRT versenkt. Er hatte 9.024 t amerikanische Militärgüter geladen und befand sich auf dem Weg von New York über Trinidad und die Saldanha Bay und Durban nach Bombay. Das Schiff wurde durch einen Torpedo versenkt. Es gab 24 Tote und 20 Überlebende. Am 23. November 1942 traf es, 750 sm östlich des Amazonas River, den britischen Dampfer Benlomond () mit 6.630 BRT. Er fuhr in Ballast und wollte von Port Said und Kapstadt nach Paramaribo und New York. Bei der Versenkung kam die gesamte Besatzung von 55 Mann bis auf den Steward Poon Lim, der nach 133 Tagen gerettet wurde, ums Leben. Am 28. November 1942 versenkte U 172 als letztes Schiff dieser Unternehmung im Mittelatlantik den US-amerikanischen Dampfer Alaskan () mit 5.364 BRT. Er hatte 800 t Chromerz sowie Lastkraftwagen geladen und war auf der Reise von Kapstadt nach New York. Er wurde durch einen Torpedo und Artillerie versenkt. Bei dieser letzten Versenkung kamen fünf Seeleute ums Leben, 41 konnten sich retten.

Auf dem weiteren Rückmarsch nach Frankreich wurde das Boot nochmals am 9. Dezember 1942, im Mittelatlantik, vom deutschen Versorgungsboot U 461 mit 55 m³ Brennstoff versorgt, bevor das Boot über den Nordatlantik und der Biscaya, nach 131 Tagen auf See und zurückgelegten 19.943,5 sm über und 606,5 sm unter Wasser, am 27. Dezember 1942 um 12.00 Uhr in Lorient einlief. Es hatte auf dieser Unternehmung acht Schiffe mit 60.048 BRT versenkt.

Vierte Unternehmung