Das Personal im KZ Majdanek arbeitete zur Zeit des Nationalsozialismus im Konzentrations- bzw. Vernichtungs-/Todeslager Majdanek. Die personelle Aufteilung war für alle Konzentrationslager einheitlich vorgegeben durch die SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL). In Majdanek gab es fünf Abteilungen, die unterschiedliche lagerbezogene Aufgaben wahrnahmen. Die Struktur der KZ im Aufbau der Abteilungen richtete sich jedoch nach der Größe der KZ. Somit besaßen nicht alle Konzentrationslager diese für das KZ Majdanek aufgelistete Zusammenstellung der Abteilungen.

Umfang und Zusammensetzung des Lagerpersonals Das Lagerpersonal umfasste Ende 1943 1.258 Personen, darunter 261 Angehörige der Lagerkommandantur, 881 bei den Wachmannschaften, 19 Aufseherinnen und 97 Wachmänner aus Litauen. In den Wachmannschaften waren mehrheitlich sogenannte Volksdeutsche aus Rumänien und Jugoslawien eingesetzt, nur zu einem Fünftel sogenannte Reichsdeutsche. Überwiegend waren diese Männer jünger als 40 Jahre, von den Herkunftsberufen Landarbeiter oder Arbeiter, und wurden umgehend nach ihrer Einziehung zur Waffen-SS in Majdanek eingesetzt.Vgl. Tomasz Kranz: Lublin-Majdanek - Stammlager. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 7, S. 43 ff.

Abteilung I: Kommandantur Die Kommandantur war die oberste Instanz, der Lagerkommandant war Befehlshaber des gesamten SS-Personals. Hier war auch die Postzensurstelle. Zur Unterstützung der Lagerkommandanten fungierten die Adjutanten.

Lagerkommandanten

LagerkommandantZeitpunktKarl Otto KochSeptember 1941 bis August 1942Max KoegelAugust 1942 bis November 1942Hermann FlorstedtNovember 1942 bis Oktober 1943Martin Gottfried WeißNovember 1943 bis Mai 1944Arthur LiebehenschelMai 1944 bis Juli 1944

Adjutanten

AdjutantenZeitpunktHerbert HänelSeptember 1941 bis Juli 1942Werner Karl Kurt BerlingshofJuli 1942 bis Dezember 1942Alfred Hermann HeinrichJanuar 1943 bis Mai 1943Karl-Friedrich HöckerMai 1943 bis Mai 1944Rudolf WalterMai 1944 bis Juli 1944

Abteilung II: Politische Abteilung (Lager-Gestapo) Die Aufgaben der Politischen Abteilung umfassten im Wesentlichen die Bekämpfung der Lagerwiderstandsbewegung, die Verhinderung von Fluchten und Kontakten zur Außenwelt, das Anfertigen und Verwalten von Häftlingskarteien sowie die Korrespondenz mit der Gestapo, Kriminalpolizei und dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA).

Leitung der Politischen Abteilung

NameZeitpunktGeorg Lührbis Dezember 1941Otto KloppmannJanuar 1943 bis Juli 1944

Abteilung III: Schutzhaftlagerführung Der Leiter der Schutzhaftlagerführung war gleichzeitig Stellvertreter des Kommandanten. Er führte in der Regel den amtlichen Schriftverkehr mit über- und untergeordneten Dienststellen. Ihm unterstanden Rapportführer, Blockführer und Kommandoführer. Sie bewachten innerhalb des Lagers und in den Außenkommandos und Nebenlager die Zwangsarbeiten. Sie hatten Befehlsgewalt über Funktionshäftlinge und Häftlinge.

NameFunktionZeitraumHermann HackmannSchutzhaftlagerführerAugust 1941 bis September 1942Sebastian WimmerSchutzhaftlagerführerOktober 1942 bis Februar 1943Anton ThumannSchutzhaftlagerführerFebruar 1943 bis März 1944Ernst KostialSchutzhaftlagerführerApril 1944 bis Juli 1944Arnold Strippelstellvertretender SchutzhaftlagerführerOktober 1941 bis Juni 1943Else EhrichOberaufseherinOktober 1942 bis Mitte 1944Hermine Braunsteiner-RyanRapportführerin und stellvertretende OberaufseherinOktober 1942 bis Januar 1944

Weiteres Personal der Abteilung Schutzhaftlagerführung im KZ Majdanek: Hertha Ehlert, Hildegard Lächert, Emil Laurich, Luise Danz, Alice Orlowski.

Abteilung IV: Verwaltung (SS-Standortverwaltung) An der Spitze stand der SS-Verwaltungsführer. Abteilung IV regelte die Versorgung mit Kleidung und Lebensmitteln. Das beschlagnahmte Eigentum der Häftlinge wurde hier verwaltet. Das Krematoriumskommando, das auch für das Entfernen des Zahngoldes von toten Häftlingen zuständig war, unterstand ebenfalls dieser Abteilung.

Leitung der Standortverwaltung

NameZeitraumHeinrich WorsterSeptember 1941 bis Juni 1944Hermann MichlJuni 1944 bis Juli 1944

Leitung der Krematorien

NameZeitraumErich MußfeldtJuni 1942 bis Juni 1944

Weiteres Personal der Abteilung Standortverwaltung im KZ Majdanek:

Fritz Ritterbusch Friedrich Wilhelm Ruppert

Abteilung V: Sanitätswesen (Standortarzt) Zur Abteilung V (Sanitätswesen) gehörten die KZ-Ärzte und SS-Sanitätsdienstgrade des Krankenreviers. Der Lager- und SS-Standortarzt stellte nach der Ermordung von Häftlingen nachträglich Totenscheine mit natürlicher Todesursache aus. Er veranlasste die unmittelbare Einäscherung der Toten im lagereigenen Krematorium. Für SS-Personal war der Truppenarzt auch oft gleichzeitig der örtliche Standortarzt. In Majdanek waren SS-Sanitätsdienstgrade auch am Massenmord von Häftlingen mit Giftgas beteiligt.

Lagerärzte

NameFunktionZeitraumFranz von BodmannLagerarztAugust 1942 bis April 1943Max Blancke1. LagerarztApril 1943 bis Juli 1944Waldemar HovenLagerarzt1942 bis Anfang 1943Max Popiersch1. Lagerarzt Oktober 1941 bis April 1942Heinrich RindfleischStandortarztAb März 1943Alfred TrzebinskiLagerarztSeptember 1941 bis Februar 1943

Weiteres Personal der Abteilung Sanitätswesen im KZ Majdanek:

Truppenarzt: Heinrich Schmidt SS-Sanitätsdienstgrade: Anton Endres, Hans Perschon Kapos: Ludwig Benden, August Schmuck († 1983)

Abteilung VI: Kulturabteilung Die Kulturabteilung war für die Truppenbetreuung zuständig. Schulungsabende und Filmvorführungen sollten die Weltanschauung des Lagerpersonals prägen.

NameZeitraumAugust Langerbein März 1942 bis 1943Erich Bruno Willi Müller 1943 bis März 1944

Wachkompanie KZ Majdanek Die Truppe bildete die eigentliche Wachmannschaft des KZ. Die Wachkompanie war für die Außensicherung des KZ verantwortlich, wurde teils auch im inneren KZ-Bereich eingesetzt.

Kommandeur der Wachmannschaften

NameFunktionZeitraumWalter Adolf LangleistKommandeur der WachmannschaftApril 1942 bis August 1943Martin Melzer Kommandeur der WachmannschaftAugust 1943 bis Juli 1944

Literatur Elissa Mailänder Koslov: Gewalt im Dienstalltag: Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek 1942–1944, ISBN 3-86854-212-4, Dissertation, 520 Seiten mit 20 Abbildungen, Hamburger Edition, 2009. Interview (ca. 6 Minuten) mit der Autorin im Deutschlandfunk, Studiozeit, aus Kultur- und Sozialwissenschaften, Sendung vom 8. Oktober 2009 . Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 7: Niederhagen/Wewelsburg, Lublin-Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught), Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora. C.H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-52967-2. Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. dtv, München 2004, ISBN 3-423-34085-1. Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Pendo Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-85842-450-1 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0. Claudia Kuretsidis-Haider, Irmgard Nöbauer, Winfried R. Garscha, Siegfried Sanwald, Adrzej Selerowicz (Hrsg.): Das KZ Lublin-Majdanek und die Justiz. Strafverfolgung und verweigerte Gerechtigkeit: Polen, Deutschland und Österreich im Vergleich. Graz 2011, ISBN 978-3-902542-26-7.

Siehe auch Majdanek-Prozesse gegen Personal des KZ Majdanek

Einzelnachweise

Kz Majdanek, Personal