mini|Ernst Bacmeister, um 1938 Ernst Bacmeister – Pseudonym: Felix Montanus – (* 12. November 1874 in Bielefeld; † 11. März 1971 in Singen (Hohentwiel)) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker.
Leben Der Sohn des Verlagsbuchhändlers Johann Bacmeister (* 1841) und der Schriftstellerin, Malerin und Lehrerin Lucie Juliane Müller (1843–1904) wuchs in einer kinderreichen Familie auf, die oft umziehen musste. So besuchte Ernst Bacmeister Schulen in Eisenach und Bernburg und machte 1893 das Abitur in Erfurt. Anschließend studierte er, finanziell unterstützt durch eine Familienstiftung, Philologie an der Universität Leipzig und promovierte dort 1896.
Anschließend bereiste er mehrere Jahre Europa. Er arbeitete dabei zeitweise als Hauslehrer. In diese Zeit fallen seine ersten Veröffentlichungen. Sein auf Anregung von Friedrich Nietzsche unternommener Versuch, sich an der Universität München zu habilitieren und eine Hochschullaufbahn einzuschlagen, scheiterte. Im Jahre 1911 wurde Bacmeister schließlich von seinem als Leiter des Rheinisch-Westfälischen Volkstheaters in Essen tätigen Bruder Hans Ernst August Bacmeister (1872–1935) als Dramaturg an dessen Theater berufen. Nur zwei Jahre später stellte es auf Grund fehlender Mittel den Spielbetrieb ein, und Bacmeister ging zurück zu seiner Familie, die mittlerweile auf dem Schloss und Gehöft Marbach in Wangen auf der Halbinsel Höri lebte.
Nach seinem Einsatz als Landwehroffizier während des Ersten Weltkrieges im Elsass publizierte er ab 1920 zahlreiche Essays und Dramen, die an verschiedenen Theatern aufgeführt wurden.
Im Nationalsozialismus hatte Bacmeister kein Problem, weiter zu veröffentlichen. Das Amt Rosenberg empfahl sein Drama Barbara Stossin von 1922. In seinem Essay Die tragische Bühne als Spielfeld des heroischen GeistesIn: Ernst Bacmeister, Schöpferische Weltbetrachtung, Markkleeberg 1938. unterstützte er 1938 den identitätsstiftenden Nazimythos von der inneren Selbstbefreiungstat propagandistisch als salto vitale.Gaetano Billari: Zuflucht des Geistes? Konservativ-revolutionäre, faschistische und nationalsozialistische Theaterdiskurse in Deutschland und Italien 1900–1944, Tübingen 2001, S. 249. In dem knapp einen Monat nach dem deutschen Überfall auf Polen im November 1939 gehaltenem Vortrag Die Tragödie ohne Schuld und Sühne sprach sich Bacmeister für die Abschaffung der Individualtragik aus, wie sie als Topos für den klassisch-humanistischen Idealismus charakteristisch war, „um die Deutschen vorsorglich von jeglicher Reue ... zu befreien“, wie sie der begonnene Krieg hätte nahelegen können.Gaetano Billari: Zuflucht des Geistes? Konservativ-revolutionäre, faschistische und nationalsozialistische Theaterdiskurse in Deutschland und Italien 1900–1944, Tübingen 2001, S. 249. Seine 1939 unter dem Titel Wuchs und Werk erschienenen Erinnerungen wertet Ernst Klee 2007 als pseudoreligiöse Hitlerverklärung.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 25.
Für Julius Petersen als führendem nationalsozialistischen Germanisten und Theaterwissenschaftler hatte die „zielbewußte Kulturpolitik des Dritten Reichs“ mit Ernst Bacmeister und Erwin Guido Kolbenheyer die besten Vertreter einer neuen Dichtung hervorgebracht.Gaetano Billari: Zuflucht des Geistes? Konservativ-revolutionäre, faschistische und nationalsozialistische Theaterdiskurse in Deutschland und Italien 1900–1944, Tübingen 2001, S. 82, 89.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus verlegte Bacmeister sich auf Natur- und Tierschilderungen.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 25. Seine neuen Werke wie auch Neuauflagen alter Dramen wurden nicht mehr gelesen. Mit Holzverkauf aus seinem Garten sowie ab 1950 mit zeitlosen Radioessays und einzelnen Dramen konnte er sich und seine Familie über Wasser halten. Trotzdem wurde er im Jahre 1965 für sein Lebenswerk mit dem Literaturpreis der Stadt Bielefeld geehrt. Er starb mit 97 Jahren am 11. März 1971 und wurde auf dem Friedhof in Öhningen begraben.
Ernst Bacmeister war verheiratet mit der Malerin Marie Sophie Elsbeth Bosselmann (1873–1960). Sein Sohn Arno Bacmeister, der im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion fiel, war Botaniker gewesen und verheiratet mit Judith Brigitte Finckh, Tochter des Arztes und Schriftstellers Ludwig Finckh. Beide hatten die Tochter Hadamut Ulrike Bacmeister.Genealogische Angaben bei geneanet.org
Auszeichnungen 1930: Preis des Bühnenvolksbundes für sein Drama: Maheli wider Moses 1930: Gabe der Deutschen Schillerstiftung 1940: Kulturpreis der Stadt Düsseldorf 1942: Gaukulturpreis des NSDAP-Gaus Westfalen-Nord, verliehen durch Gauleiter und Reichsstatthalter Alfred MeyerWilhelm Vernekohl: Malerei aus völkischer Wesensart. Grosse Ausstellung des Hilfswerkes für deutsche bildende Kunst in Paderborn. In: Deutsche Zeitung in den Niederlanden Jg. 2. Nr. 309 vom 16. April 1942, o. S. (online bei Delpher). 1965: Literaturpreis der Stadt Bielefeld 1969: Humboldt-Plakette der Humboldt-Gesellschaft als Ehrengabe
Werke (Auswahl) Die Rheintochter. Ein dramatisches Halbmärchen, 1897 Der Graf von Gleichen. Tragödie, 1898 Der Primus. Schülerdrama, 1903 Barbara Stossin. Komödie in vier Akten, 1922. (Ua 1917 Residenz-Theater, Berlin) Innenmächte. Vier Schauspiele, 1922 Überstandene Probleme. Essays, 1923 Arete. Tragödie. 1925 Erlebnisse der Stille, 1927 Maheli wider Moses. Tragödie, 1932 Hauptmann Geutebrück. 1933 Der Kaiser und sein Antichrist. Tragödie, 1934 Kaiser Konstantins Taufe. Religionstragödie, 1937 Schöpferische Weltbetrachtung. Essays, 1938 Wuchs u. Werk. Die Gestalt meines Lebens. 1939 Theseus. Tragödie, 1940 Die Spur. Gesammelte Gedichte, 1942 Der deutsche Typus der Tragödie. Dramaturgisches Fundament, 1943 Der indische Kaiser, 1944 Intuitionen. 1947 (Gesamtwerk von sieben Stücken) Essays. 1948 (Gesamtwerk von acht Essays) Lionardo da Vinci. Tragödie, 1959 Der lichte Sieg. Ein Brevier, 1964 (zus. mit Julius Bahle), Die Entstehung der Tragödie Andreas und die Königin. 1984, (posthum, zus. Mit J. Bahle)
Literatur Manfred Bosch: Art. Bacmeister, Ernst. In: Baden-Württembergische Biographien. Bd. IV. Hrsg. von Fred Ludwig Sepaintner. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2007, S. 6–8 ( als PDF). Manfred Bosch, Bohème am Bodensee. Literarisches Leben am See von 1900 bis 1950. 3. erw. Aufl., Libelle-Verlag, Lengwil 2007, ISBN 978-3-909081-75-2, S. 22–26. Helmut Henschel, 12. April 1942: Der gebürtige Bielefelder Ernst Bacmeister erhält den Kulturpreis des NSDAP-Gaues Westfalen-Nord, online verfügbar
Weblinks
Kurzbiografie auf Leo-bw.de Literatur im Gemeinsamen Verbundkatalog
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Dramaturg Kategorie:Drama Kategorie:Literatur (Deutsch) Ernst Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann