mini|hochkant|Dirk Müller (2012) mini|Dirk Müller Anfang 2008 (links sitzend, telefonierend) Dirk Müller (* 25. Oktober 1968 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Sachbuchautor, Fondsmanager und ehemaliger Börsenmakler. Um die Jahrtausendwende wurde er im deutschen Fernsehen häufig an seinem damaligen Arbeitsplatz in der Frankfurter Börse gezeigt und galt als das „Gesicht“ der Frankfurter Börse. Von 2009 bis 2018 gelangen ihm mit seinen vier Sachbüchern zum Finanzmarkt jeweils Bestseller. Sein 2015 aufgelegter Aktienfonds Dirk Müller Premium Aktien (seit 2025 DM Premium Strategie defensiv) erwirtschaftete jedoch bisher nur im Krisenjahr 2018 Gewinn und konnte trotz seiner Fixierung auf den „großen Krach“ auch in der coronabedingten Wirtschaftskrise 2020 keine nachhaltig positive Entwicklung erzielen, während ein von Müller 2022 aufgelegter, offensiv ausgerichteter Fond ab 2024 deutliche Gewinne erzielte. Während Müllers Markenkern die Warnung vor dem großen Crash ist, empfahl er selbst noch kurz vor dem Auffliegen des milliardenschweren Kapitalanlagebetruges bei Wirecard diese Aktie nach angeblich sorgfältiger Prüfung. Von Kritikern wird Müller aufgrund seiner Thesen zum Wirtschafts- und Währungssystem die Verbreitung von Verschwörungstheorien vorgeworfen.Holger Rust: Fauler Zahlenzauber: Fiktionen über Fakten in Wirtschaft und Management. Springer Gabler, 2014, ISBN 978-3-658-02517-5, S. 82–84.

Leben Müller stammt aus Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis), wo er auch heute noch lebt. Nach seinem Abitur am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Hockenheim begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann/Finanzassistenten bei der Deutschen Bank in Mannheim.WDR . Abgerufen am 5. Juli 2014.

1993 absolvierte er die Börsenhändlerprüfung und arbeitete von 1993 bis 1997 als Makler bei Finacor-Rabe&Partner, von 1997 bis 1998 bei Cantor Fitzgerald International und von 1998 bis 2008 als amtlich vereidigter Börsenmakler in der Frankfurter Wertpapierbörse für die ICF AG.

Sein Arbeitsplatz an der Frankfurter Börse befand sich unterhalb der DAX-Kurstafel am Eingang der Handelsschranke, d. h. am Eingang zu den Tischen, an denen die Skontroführer saßen. Am 11. März 1999 reagierte die Börse positiv auf Oskar Lafontaines Rücktritt als Bundesfinanzminister. Den darauf folgenden Kursanstieg dokumentierten die Zeitungen erstmals mit Dirk Müllers Konterfei. Ab diesem Zeitpunkt wurde er wiederholt fotografiert, um den DAX-Stand zu personifizieren.

Obwohl der Parketthandel im Jahre 2008 aufgrund der elektronischen Handelsplattform Xetra gemeinhin als tot angesehen wurde, arbeitete Müller weiterhin in der Börse. Als Skontroführer legte er dabei die Kurse fest, zu denen gekauft und verkauft wird. Dabei sieht er das Tempo und die Anonymität des elektronischen Handels skeptisch.

2008 wechselte Müller zur mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG, wo er bis 2010 tätig war. Seit 2009 ist er Inhaber und Geschäftsführer der Gesellschaft Finanzethos GmbH, die die Website cashkurs.com betreibt und Börsenbriefe verlegt.

2009 erschien sein erstes Buch Crashkurs, das er anlässlich der 2007 begonnenen Finanzkrise schrieb. Das Buch verkaufte sich erfolgreich und verhalf ihm damit zu größerer Bekanntheit. 2011 erschien sein zweites Buch Cashkurs, das bereits kurz nach Erscheinen Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste erreichte.

In einer Ausschusssitzung des Deutschen Bundestages am 27. Juni 2011 zum Thema Spekulation mit agrarischen Rohstoffen verhindern war er als Vertreter der Finanzethos GmbH einer von acht eingeladenen Sachverständigen. Ebenso war Müller am 16. Januar 2013 stellvertretend für die Finanzethos GmbH einer der geladenen Sachverständigen zum Thema Hochfrequenzhandel in einer öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags.Ja zur Einschränkung des Hochfrequenzhandels abgerufen auf bundestag.de am 5. Juli 2014. Am 28. April 2013 war er Gast in der Polit-Talkshow Absolute Mehrheit.Absolute Mehrheit, Gäste aus der Sendung vom 28. April 2013; prosieben.de, abgerufen am 29. April 2013.

Müller ist verheiratet und hat einen Sohn.Interview über Persönliches. In: Focus, Nr. 13/2008.

Aktienfonds

Der Fonds Dirk Müller Premium Aktien (ISIN DE000A111ZF1) verfolgt seit seiner Auflage am 17. April 2015 eine vorsichtige, stark abgesicherte Anlagestrategie. In schwachen Börsenphasen konnte er damit punktuell positiv auffallen. Langfristig blieb seine Wertentwicklung jedoch deutlich hinter breiten Marktindizes wie dem MSCI World zurück.

Müller begründet die verhaltene Performance mit ethischen Auswahlkriterien und einer systematischen Absicherung über Derivate. Während dieser Ansatz in Krisenzeiten schützen kann, führt er in Aufschwungphasen regelmäßig zu verpassten Chancen. Die Welt am Sonntag kommentierte: „Die Strategie ist heikel: Steigt die Börse bei voller Absicherung, produzieren die Futures Verluste, die den Gesamtertrag schmälern oder auch den ganzen Fonds ins Minus ziehen“.Stefan Beutelsbacher, Daniel Eckert, Holger Zschäpitz: Sieger und Verlierer, Welt am Sonntag, Nr. 46, 18. November 2018, Seite 43.

2022 wurde der Fonds in Dirk Müller Premium Aktien defensiv umbenannt und durch einen offensiveren Schwesterfonds ergänzt, der auf kostspielige Absicherungen weitgehend verzichtet.

Kritik kam unter anderem von der Stiftung Warentest, die auf eine deutliche Unterrendite im Vergleich zu Indexfonds verwies. Branchenexperte Ali Masarwah von Morningstar Deutschland kommentierte: „Wenn ein Fonds nur darauf ausgerichtet ist, in einem Crash zu performen, dann kann das kurzfristig gut gehen. Ob das langfristig glücklich macht und das eigene Geld vermehrt, wage ich aber zu bezweifeln.“ Zudem warf er Müller und anderen Crash-Propheten vor, mit ihren pessimistischen Prognosen „Handelsreisende in eigener Sache“ zu sein, was „ihre Qualifikation als Retter der Anlegerschaft prinzipiell in Frage“ stelle.

Das Schweizer Finanzportal Cash bezeichnete Müllers Strategie als „durchaus durchdacht und legitim“, wies aber darauf hin, dass dadurch „aber auch viele Chancen verpasst“ wurden. Die Süddeutsche Zeitung sah in der Fixierung auf den Crash als „Endpunkt der Geschichte“ einen grundlegenden Konstruktionsfehler solcher Fonds.

Im Herbst 2025 strich Müller dann seinen eigenen Namen aus der Bezeichnung des defensiven Fonds. Dafür wurden rein technische Gründe geltend gemacht: In vielen Datenbanken sei die volle Bezeichnung oft abgeschnitten worden, was für Verwirrung gesorgt habe, so dass man jetzt nur mehr das Kürzel „DM“ verwende.

Positionen Ratingagenturen Müller kritisiert die Rolle der Ratingagenturen und sieht seit 2010 einen konzertierten Angriff auf den Euro, ausgehend von der amerikanischen Regierung und/oder der Wall Street, die die Ratingagenturen instrumentalisierten, um eigene politische und finanzielle Interessen zu verfolgen.

Eurokrise Anlässlich der Eurokrise vertritt Müller die Meinung, dass das gegenwärtige Finanzsystem „am Ende“ sei und alle Jahre „neu gestartet“ werden müsse. Dies wird von ihm selbst als „Reset“ beschrieben. In einem Artikel für die rechtspopulistische Zeitschrift Compact behauptete Müller 2011, die Wall Street fahre mit dem Ziel dieses Resets seit Jahren massive gesteuerte Angriffe gegen Europa, und prognostizierte einen Krieg im Iran als logischen nächsten Schritt, den „wir 2012 aller Wahrscheinlichkeit nach auch erleben“.Dirk Müller: Narrenschiff Europa und Kurs auf Iran-Krieg. In: Compact. Ausgabe 12/2011. Er glaubt des Weiteren nicht, dass der Euro allen Deutschen nütze und die europäische Einigung begünstige. Seiner Meinung nach sei die Euro-Einführung zu früh gekommen und ein „kardinaler Fehler“ gewesen. Für Deutschland sei nicht nur eine DM, sondern auch ein „Kerneuro“ vorstellbar. Eine Umschuldung Griechenlands und der letztendliche Ausstieg aus dem Euro für das Land seien unausweichlich. Müller kritisiert dabei die angebliche Inkompetenz der Politik. So äußerte er: „Die meisten [Politiker] haben überhaupt keine Ahnung, was passiert“, und „Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erkennen eine Rezession noch nicht einmal dann, wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt“.

Griechische Staatsschuldenkrise Im Zusammenhang mit der griechischen Staatsschuldenkrise vertrat Müller 2011 die Auffassung, dass die Banken nicht mehr in der Lage seien, ihre Funktion für die Realwirtschaft zu erfüllen, da sie aus der ersten Finanzkrise nichts gelernt hätten. Den Politikern warf Müller vor, in der Krise nur zu lavieren und Probleme zu verschleppen, um das Unabwendbare hinauszuzögern. Er forderte, die Politik müsse sich von den Banken emanzipieren. Die Steuerzahler dürften nicht für die Fehler der Banken gerade stehen.

Geldsystem Das Grundproblem von solchen Krisen liegt nach Müllers Meinung am Zinseszins und in der Geldschöpfung durch private Banken als Schuldgeld. Er schlägt eine komplette Neustrukturierung des gegenwärtigen Währungssystems durch ein Vollgeldsystem vor. Andere Verbesserungen bzw. Alternativen sieht er im Trennbankensystem, im Regiogeld (Chiemgauer) und in der steuerlichen Bevorzugung von Arbeitsentgelt und Risikokapital.

Russischer Krieg in der Ukraine Bezüglich des russischen Kriegs in der Ukraine bezog er 2014 Position für die Politik des russischen Präsidenten Putin und übte Kritik an der Politik der USA und der EU gegenüber Russland. Julian Staib warf ihm in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in diesem Zusammenhang „Lust an einfachen Deutungen“ und die „Rechtfertigung der Annexion der Krim“ vor.Julian Staib:

VW-Abgasskandal Beim Aufkommen des VW-Abgasskandals schrieb Müller: „Ist es nicht ein bemerkenswerter Zufall, dass dieses Thema just an jenem Tag in den USA hochkommt, an dem VW dort seinen lang erwarteten neuen Passat vorstellt?“ Für den Kommunikationswissenschaftler Tobias Jaecker bediente Müller damit das falsche und die eigentlichen Probleme verdeckende Weltbild, dass „hinter dem entfesselten Kapitalismus, der Auflösung gesellschaftlicher Strukturen und anderen ungeliebten Begleiterscheinungen der Moderne Amerika steckt und ‚wir‘ in Deutschland nur die Opfer sind“.Tobias Jaecker: Querfront durch die Mitte. In: liberal - Debatten zur Freiheit. Ausgabe 2/2016, S. 51.

Wirecard Kurz vor dem Bilanzskandal und dem Insolvenzantrag von Wirecard empfahl Müller die Aktie des Unternehmens. Er wies Vorwürfe gegen das Unternehmen zurück und gab an, in intensiven eigenen Analysen das Unternehmen „bis ins letzte Detail überprüft zu haben“ mit dem Ergebnis, dass Wirecard „sauber“ sei.

Publikationen und Rezeption Crashkurs, 2009 Das Handelsblatt schrieb anlässlich Müllers ersten Buches Crashkurs: „Seine Aussagen sind deutlich, gehen allerdings nicht allzu weit ins Detail. Aber Müller hat einen großen Vorteil: Auch Börsenlaien verstehen, was er sagen will“. Streitbar seien „auch so manche Verschwörungstheorien. Die Rolle der US-Börsenaufsicht SEC, die Abhängigkeiten der Ratingagenturen und eine ,Machthydra'. Manches davon scheint nachvollziehbar, anderes weit hergeholt und vieles wird nur gestreift anstatt näher belegt“.

Showdown, 2013 Für Spiegel Online „strotzt“ sein drittes Buch Showdown „nur so vor abenteuerlichen Verschwörungstheorien“. So sei „die Krise in Griechenland […] womöglich bewusst durch die USA ausgelöst worden. Die Amerikaner wollten das Land vom Rest der EU abspalten und sich die angeblich riesigen Öl- und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer sichern. Ach ja, und außerdem wollten sie die Euro-Zone destabilisieren, um den Aufstieg des Euro zur weltweiten Leitwährung zu verhindern.“ Müller mache „aus fast jedem Konjunktiv eine Tatsachenbehauptung.“