mini|Front des Hauses in der Franziskanerstraße

Das Haus zum Walfisch ist ein spätgotisches Bürgerhaus in der Altstadt von Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg). Es steht unter Denkmalschutz und ist Teil eines Ensembles aus ehemals 17 Einzelgebäuden,Michael Schulte-Höping: Gang durch die Jahrhunderte in: Badische Zeitung vom 1. Dezember 2006 das von der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau genutzt wird. Die Frontseite des Hauses befindet sich an der Franziskanerstraße, die Rückseite an der Gauchstraße mit dem gegenüberliegenden Platz, dem Kartoffelmarkt.

Geschichte Am Ort des heutigen Hauses zum Walfisch gab es drei Hofstätten der Größe 100 × 50 Fuß (ca. 30 × 15 m),Frank Löbbecke, Und soll jegliche Hofstätte sein hundert Schuh lang und fünfzig breit, Schauinsland 126, 7, 2007 die mit den Häusern Zum Blattfuß, Zum Sampson und Zum OfenhausHans Sigmund, Dieter Hensle: Das Haus „Zum Walfisch“. S. 231–240 in: Schau-ins-Land 104, Freiburg im Breisgau 1985 bebaut waren. Hier in der Barfüßergasse (heute Franziskanerstraße) besaß Jakob Villinger von Schönenberg (um 1480–1529) seit 1506 ein Haus.Hans Schadek: Der Kaiser und seine Stadt. Maximilian I. und seine Beziehung zu Freiburg, in: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt, Maximilian I. und der Reichstag in Freiburg, Freiburg 1998, S. 217–273, hier S. 227–229 Jakob Villinger stammte aus Schlettstadt im Elsass oder aus Freiburg selbst und bekleidete seit 1510 das Amt des Generalschatzmeisters Maximilians I. Nachdem Jakob Villinger 1511 das Freiburger Bürgerrecht erworben hatte, richtete er ein Gesuch an den Stadtrat, aus seinem .Hans Schadek: Der Kaiser und seine Stadt. Maximilian I. und seine Beziehung zu Freiburg, in: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt, Maximilian I. und der Reichstag in Freiburg, Freiburg 1998, S. 217–273, hier S. 228 Nachdem Ludwig Villinger, womöglich ein Bruder Jakobs,Der in der Literatur bei Sigmund/Hensle und Löw genannte „Franz Villinger“ hat nie existiert, der Name beruht auf einer fehlerhaften Lesung des Freiburger Historikers Hermann Flamm: Hans Schadek: Der Kaiser und seine Stadt. Maximilian I. und seine Beziehung zu Freiburg, in: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt, Maximilian I. und der Reichstag in Freiburg. Freiburg 1998, S. 217–273, hier S. 264, Anm. 94Corinna Löw: Jakob Villinger im Dienste Kaiser Maximilians I. Dissertation an der Universität Graz, Graz 1987, S. 11 ff.Sigmund/Hensle, S. 234. die Nachbargebäude 1514 erworben und sie im Hinblick auf die Errichtung des „namhaften Baus“ hatte abreißen lassen, erteilte der Stadtrat erst 1516 die Baugenehmigung: .Hans Schadek: Der Kaiser und seine Stadt. Maximilian I. und seine Beziehung zu Freiburg. In: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt, Maximilian I. und der Reichstag in Freiburg. Freiburg 1998, S. 217–273, hier S. 288 Erst 1517 konnte das an Stelle der ursprünglichen Häuser errichtete Haus zum Walfisch bezogen werden. Bestehende Mauerzüge waren in den Neubau einbezogen worden.Peter Kalchthaler, Bauten, S. 114 ff. Im selben Jahr erlaubte der Stadtrat Villinger, weil er einen , seinen Grundbesitz um weitere Hofstätten in der Gauchstraße an der Rückseite des Hauses zum Walfisch zu erweitern mit der Auflage, gegenüber der Schiffstraße wieder zu bauen. Auf dem übrigen Grund dürfe er einen errichten.Hans Schadek: Der Kaiser und seine Stadt. Maximilian I. und seine Beziehung zu Freiburg, in: Hans Schadek (Hrsg.): Der Kaiser in seiner Stadt, Maximilian I. und der Reichstag in Freiburg. Freiburg 1998, S. 217–273, hier S. 228 Der Name „Zum Walfisch“ ist seit 1565 im Herrschaftsrechtsbuch belegt,Berent Schwineköper: Der „Sparkassenblock“ in Freiburg (Begrenzung: Kaiser-Josef-Straße, Franziskanerstraße, Merianstraße, Gauchstraße). Einführung zu einer Ausstellung der Öffentlichen Sparkasse Freiburg im Sparkassengebäude in der Zeit vom 22. Mai bis 14. Juni 1985 gezeigt. In: Schau-ins-Land 1985 während Hausnummern in Freiburg erst 1806 eingeführt wurden.Ingeborg Krummer-Schroth: Bilder aus der Geschichte Freiburgs. Bürgerhäuser. Freiburg 1968, ISBN 3-921340-01-2, S. 15.Freiburger Zeitung Nr. 277 Der Freiburger Historiker Peter Kalchthaler vermutet beim Hausnamen eine Verbindung zur biblischen Geschichte von Jona und dem Wal.Mündliche Auskunft im Juni 2009 mini|hochkant|Sog. Sparkassenblock mit anfänglicher Ausdehnung (rot) des Hauses

mini|hochkant|Gedenktafel für Erasmus von Rotterdam Wie auf einer in der Fassade eingelassenen Steintafel zu lesen ist, lebte der Humanist Erasmus von Rotterdam nach seiner Flucht aus Basel im Hause Villingers, das bei seinem Einzug zu Weihnachten 1529 noch „unvollendet“ war.Brief von Erasmus von Rotterdam an Willibald Pirckheimer. In: Walther Köhler: Erasmus von Rotterdam. Briefe. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1938, S. 462. Erasmus berichtete in einem Brief an Johann Coler († vor 1538)Günter Hägele: Koler in: Augsburger Stadtlexikon, 25. August 2010, Zugriff am 6. September 2010 im Frühjahr 1531, dass der Rat der Stadt ihm das Haus überlassen hatte, nachdem er dem Rat durch den damaligen römisch-deutschen König und späteren Kaiser Ferdinand I. empfohlen worden war. Zur selben Zeit wie Erasmus wohnten dort auch die Humanisten und Münsterprediger Otmar Nachtgall und Augustin Marius (1485–1543). Beide zogen bald aus, Nachtgall blockierte jedoch das Erdgeschoss des Hauses,Die Städtische Sparkasse zu Freiburg im Breisgau. In: Deutsche Bauzeitung. XLVII. Jg., No. 1–2, Berlin 4. Januar 1913 für das er den Schlüssel besaß. Die Situation verkomplizierte sich, als der Stadtrat durch Heinrich Glarean mit Erasmus Mietverhandlungen begann. Erasmus hatte bis dahin angenommen, die Stadt habe ihn mietfrei wohnen lassen, ihr jedoch aus Höflichkeit fünf Kronen für sich und weitere vier für Marius bezahlt. Einen Mietvertrag mit Ursula, der Witwe Villingers, wollte er jedoch nur abschließen, wenn er das komplette Haus allein bewohnen hätte dürfenBrief von Erasmus von Rotterdam an Johann Choler. In: Walther Köhler: Erasmus von Rotterdam. Briefe. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1938, S. 509 ff. und nicht nur das Obergeschoss.

Ursulas zweiter Ehemann war seit 1530 Johann Loeble von Greinburg († um 1544), der Hofpfennigmeister Ferdinands.Katharina Sieh-Burens: Adler, Philipp. In: Augsburger Stadtlexikon. 16. August 2010, Zugriff am 25. April 2010 Das Paar residierte im Castellschen Palais in Augsburg, das zuvor Ursulas Vater Philipp Adler (1461–1532) gehört hatte.Stadt Augsburg: , S. 15. (PDF-Datei; 9,0 MB) Daher wollten sie das Haus im fernen Freiburg verkaufen. Nachdem Ferdinand sich zwar für Erasmus als Käufer eingesetzt hatte, dieser jedoch nicht auf das Kaufangebot eingegangen war, wurde ihm im März zum 24. Juni 1531 gekündigt. Der Stadtrat forderte von Erasmus nachträglich 30 Gulden als Miete für die komplette Zeit, obwohl Nachtgall sich Erasmus gegenüber als Eigentümer ausgegeben hatte. Erasmus bezog schließlich das von ihm erworbene Haus zum Kind Jesu in der nahe gelegenen Schiffstraße, in dem er bis 1535 wohnte. Dort wurde später die Brauerei Ganter gegründet. Das Haus zum Walfisch sollte indes für ein Jahr an Jakob Stürtzel, einen Neffen des Kanzlers Konrad Stürtzel, vermietet werden, der es anschließend zu kaufen beabsichtigte.Schadek, S. 132.

Der Schwendische Hof Im Jahre 1536 verkaufte Ursula jedoch im Einvernehmen mit ihrem zweiten Gemahl und ihrem minderjährigen Sohn Karl die geerbten elsässischen Ortschaften Heiligkreuz, Nambsheim und Logelheim zusammen mit Villingers Besitz in Colmar und dem Haus zum Walfisch an die Stadt Colmar.Auguste Scherlen: Perles d’Alsace. Bilder aus der elsässischen Vergangenheit. Alsatia, Colmar 1929, S. 165 f. Colmar überließ das Haus zum Walfisch 1542 dem Magdeburger Dompropst Wilhelm Böcklin von Böcklinsau († 1585), der es mit dem Weinzehnten von Pfaffenheim bezahlte. Böcklin hatte das Haus bereits einige Jahre zuvor unentgeltlich oder auch zur Miete bewohnt. Anlässlich eines Landtages, den der Kaiser nach Freiburg einberufen hatte, wohnte Ferdinand I. vom 23. Dezember 1562 bis 7. Januar 1563 als Gast Böcklins im Haus zum Walfisch. Man ließ dem Kaiser einen gedeckten Gang vom zweiten Stock des Hauses zur nahe gelegenen Klosterkirche St. Martin errichten, damit er während der Weihnachtsfeiertage die Gottesdienste ungestört besuchen konnte.Dieter Speck, Kleine Geschichte Vorderösterreichs, G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010, Seite 120 Im Jahr 1571 kaufte Böcklin das Haus zur weißen Lilie dazu. Am 20. Mai 1573 nahm Ferdinands Sohn, Erzherzog Ferdinand II., ebenfalls in Böcklins Haus Quartier.Peter Paul Albert, S. 8 ff.

Böcklins Tochter Anna war ungefähr ab 1552 in erster Ehe mit dem kaiserlichen Feldoberst Lazarus von Schwendi (1522–1583) verheiratet. Wilhelm Böcklin von Böcklinsau überlebte beide,Hermann Kopf: Ritter Wilhelm Böcklin von Böcklinsau, Hofmarschall – Dompropst – Stifter von Freiburg. Schau-ins-Land 29, Freiburg im Breisgau 1972, S. 5–68. hatte das Eigentum am Haus aber vermutlich an seine Tochter († 1571) abgetreten. Nach dem Tod seiner Eltern erbte es ihr Sohn Hans-Wilhelm von Schwendi. Dessen Tochter Helene Eleonore heiratete in erster Ehe Jakob Ludwig von Fürstenberg (1592–1627; Sohn von Friedrich V. von Fürstenberg-Heiligenberg)Familysearch.org: und brachte das Anwesen damit in den Besitz der Grafen von Fürstenberg. Am 19. Juli 1682 endete mit dem Tod von deren Sohn Franz Karl in Donaueschingen die dortige Linie von Fürstenberg, da er unverheiratet und kinderlos geblieben war.Fürstenberg. In: Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge, Band 51, Brockhaus, Leipzig 1850, S 495, Helene Eleonore hatte in zweiter Ehe mit Philipp Nikolaus von Leyen († 1656)Adolf Futterer: Die Freiherren von Garnier auf der Herrschaft Lichteneck und deren Beziehungen zum Flecken Riegel. 1941 ihren Sohn Ignaz Wilhelm Kasimir von Leyen geboren.Christian von Stramburg, Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius, welcher die wichtigsten und angenehmsten geographischen, historischen und politischen Merkwürdigkeiten des ganzen Rheinstroms, von seinem Ausflusse in das Meer bis zu seinem Ursprunge darstellt. Mittelrhein. Der 2. Abteilung 16. Band, Koblenz 1869, S. 130 Dieser verstarb 1695 und hinterließ zwei unmündige Töchter, geboren in den Jahren 1691 und 1692.