Die Schnecklinge (Hygrophorus) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Schnecklingsverwandten. Der Name Hygrophorus ist zusammengesetzt aus hygro „feucht“ und phorus „tragend“, bedeutet also „Feuchtigkeitsträger“. Das ist unter anderem ein wichtiges Merkmal der Schnecklinge.

Die Typusart ist der Elfenbein-Schneckling (Hygrophorus eburneus).

Merkmale Makroskopische Merkmale Schnecklinge sind fleischig und von mittlerer Größe. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Hut bei Feuchtigkeit schmierig-schleimig. Die überwiegend dicken Lamellen haben eine wachsartige Konsistenz, stehen weit auseinander und laufen ein wenig am Stiel herab. Das Sporenpulver ist bei allen Arten weiß. Der Stiel ist glatt oder fein gerillt, selten genattert oder punktiert. Er kann bei manchen Arten einen Ring tragen. Die Stielspitze ist nie schleimig. Die Farben sind meistens trüb und matt, außer bei reinweißen und leuchtend gelben Arten.

Mikroskopische Merkmale Die Lamellentrama ist bilateral. Die ovalen Sporen sind glatt, haben keinen Keimporus und zeigen keine Jodfarbreaktion.

Ökologie Die Schnecklinge bilden Mykorrhizen mit Laub- und Nadelbäumen. Alle Schnecklingsarten mit Ausnahme des auf morschem Holz wachsenden Seitenstieligen Schnecklings (Hygrophorus pleurotoides) fruktifizieren auf dem Erdboden. Weil einige Arten frostbeständig sind oder tiefe Temperaturen sogar zur Bildung von Fruchtkörpern benötigen, sind die Schnecklinge im Winter dominant gegenüber anderen Gattungen. Man kann aber zu jeder Jahreszeit Schnecklinge finden.

Arten Schnecklinge (Hygrophorus) in Europa  Deutscher Name Wissenschaftlicher Name AutorenzitatOrange-SchnecklingHygrophorus abieticola Hygrophorus agathosmoides Hygrophorus agathosmoides f. albus Hygrophorus agathosmoides f. trabzonensis Wohlriechender Schneckling Hygrophorus agathosmus Hygrophorus agathosmus f. aureofloccosus Mehlstiel-Schneckling Hygrophorus arbustivus Brauner Eichen-Schneckling Hygrophorus arbustivus var. quercetorum Schwarzfaseriger Schneckling Hygrophorus atramentosus Gold-Schneckling Hygrophorus aureus Schönblättriger Schneckling Hygrophorus calophyllus Graubrauner Schneckling Hygrophorus camarophyllus Weinroter Schneckling Hygrophorus capreolarius Fleischgrauer Schneckling Hygrophorus carneogriseus Goldzahn-Schneckling Hygrophorus chrysodon(beschrieben als „crysodon“) Nichtverfärbender Schneckling Hygrophorus cossus Braunscheibiger Schneckling Hygrophorus discoideus Verfärbender Schneckling Hygrophorus discoxanthus Elfenbein-Schneckling Hygrophorus eburneus Hygrophorus exiguus Buchen-Schneckling Hygrophorus fagi Gelblichscheibiger Schneckling Hygrophorus flavodiscus Dunkler Kiefern-Schneckling Hygrophorus fuscoalbus(beschrieben als „fusco-albus“) Schleimigberingter Schneckling Hygrophorus gliocyclus Olivbraungestiefelter Schneckling Hygrophorus glutinifer Dickschleimiger Birken-Schneckling Hygrophorus hedrychii Hyazinthen-Schneckling Hygrophorus hyacinthinus Frost-Schneckling Hygrophorus hypothejus Risspilzverwandter Schneckling Hygrophorus inocybiformis Finnischer Schneckling Hygrophorus korhonenii Großer Kiefern-Schneckling Hygrophorus latitabundus(beschrieben als „latitabundes“) Hasen-Schneckling Hygrophorus leporinus Steineichen-Schneckling Hygrophorus leucophaeo-ilicis Hygrophorus limosus Hellrandiger Schneckling Hygrophorus lindtneri Lärchen-Schneckling Hygrophorus lucorum Orangegelber Lärchen-Schneckling Hygrophorus lucorum var. speciosus März-Schneckling Hygrophorus marzuolus Aprikosenblättriger Schneckling Hygrophorus melizeus Graubrauner Schleimstiel-Schneckling Hygrophorus mesotephrus Hain-Schneckling Hygrophorus nemoreus Rasiger Purpur-SchnecklingHygrophorus neoerubescens Natternstieliger Schneckling Hygrophorus olivaceoalbus(beschrieben als „olivaceo-albus“) Hygrophorus pacificus Hygrophorus penarioides Trockener Schneckling Hygrophorus penarius Hygrophorus penarius var. barbatulus Fichten-Schneckling Hygrophorus piceae Hygrophorus pinophilus Seitenstieliger Schneckling Hygrophorus pleurotoides Isabellrötlicher Schneckling Hygrophorus poetarum Gewichtiger Schneckling Hygrophorus ponderatus Rosabraunscheibiger Schneckling Hygrophorus pseudodiscoideus Bitterlicher Purpur-Schneckling Hygrophorus pudorinus Beschleierter Purpur-Schneckling Hygrophorus purpurascens Schwarzpunktierter Schneckling Hygrophorus pustulatus Rotschuppiger Schneckling Hygrophorus queletii Rosabrauner Schneckling Hygrophorus roseodiscoideus Geflecktblättriger Purpur-Schneckling Hygrophorus russula Wachsgelber Schneckling Hygrophorus secretanii Hygrophorus suaveolens Fälblings-Schneckling Hygrophorus subviscifer Aschgrauer Schneckling Hygrophorus tephroleucus Orangefalber Schneckling Hygrophorus unicolor

Systematik Die Gattung ist hauptsächlich in der temperaten und borealen Zone der Holarktis verbreitet und umfasst weltweit etwa 80 bis 100 Arten, etwa 50 davon kommen in Europa vor. Die Schnecklinge Hygrophorus subgen. Limacium werden in folgende Sektionen unterteilt:

Systematik der Schnecklinge Sektion Discoidei Hut weißlich, zum Rand hin grau-gelb bis fleischfarben und blassbräunlich bis rostbraun zur Mitte hin. Der Stiel hat keine Cortina. Braunscheibiger Schneckling – Hygrophorus discoideus Steineichen-Schneckling – Hygrophorus leucophaeo-ilicis Hellrandiger Schneckling – Hygrophorus lindtneri Hygrophorus pacificus Rosabrauner Schneckling – Hygrophorus roseodiscoideus Wachsgelber Schneckling – Hygrophorus secretanii Orangefalber Schneckling – Hygrophorus unicolor

Sektion Fulventes Mit gelb-braunen, rot-braunen oder rosa Farben, einem trockenen Stiel und einem kaum schmierigen Hut. Die Lamellen und das Fleisch sind weißlich. Das Pigment ist überwiegend vakuolär. Mehlstiel-Schneckling – Hygrophorus arbustivus Brauner Eichen-Schneckling – Hygrophorus arbustivus var. quercetorum Fleischgrauer Schneckling – Hygrophorus carneogriseus Hain-Schneckling – Hygrophorus nemoreus Isabellrötlicher Schneckling – Hygrophorus poetarum Rosabraunscheibiger Schneckling – Hygrophorus pseudodiscoideus Rotschuppiger Schneckling – Hygrophorus queletii Fälblings-Schneckling – Hygrophorus subviscifer

Sektion Fuscocinerei Klein und schlank, klebrig. Ohne oder mit flüchtigem Ring. Hut trüb blass- bis olivgrau, mit deutlich dunklerer Mitte. Hygrophorus adiaphorus Graubrauner Schleimstiel-Schneckling – Hygrophorus mesotephrus Sektion Hygrophorus Arten mit schleimigem Stiel, aber ohne Ring oder Ringzone.

Untersektion Chrysodontini Der Hut ist trocken (zumindest im Alter). Der Rand ist gelb körnig gepunktet. Goldzahn-Schneckling – Hygrophorus chrysodon (beschrieben als H. crysodon)

Untersektion Hygrophorus Weiße oder blass gefärbte Arten, nur die Hutscheibe kann mitunter ein wenig bräunlich gefärbt sein. Nichtverfärbender Schneckling – Hygrophorus cossus Verfärbender Schneckling – Hygrophorus discoxanthus Elfenbein-Schneckling – Hygrophorus eburneus Gelblichscheibiger Schneckling – Hygrophorus flavodiscus Schleimigberingter Schneckling – Hygrophorus gliocyclus Dickschleimiger Birken-Schneckling – Hygrophorus hedrychii Seitenstieliger Schneckling – Hygrophorus pleurotoides Gewichtiger Schneckling – Hygrophorus ponderatus Aschgrauer Schneckling – Hygrophorus tephroleucus

Untersektion Pallidini (= Sektion Clitocyboides nach Bon) Hut kaum schmierig und Stiel trocken. Die Fruchtkörper sind weiß bis creme-rosa gefärbt. Buchen-Schneckling – Hygrophorus fagi Aprikosenblättriger Schneckling – Hygrophorus melizeus Hygrophorus penarioides Trockener Schneckling – Hygrophorus penarius Hygrophorus penarius var. barbatulus Fichten-Schneckling – Hygrophorus piceae

Sektion Limacini Recht groß und kräftig, oft in kleinen Büscheln. Mit dunkel olivbraunem, klebrigem bis schmierigem Hut. Starke KOH-Reaktion. Meist bei Laubbäumen. Olivbraungestiefelter Schneckling – Hygrophorus glutinifer Großer Kiefern-Schneckling – Hygrophorus latitabundus (beschrieben als H. latitabundes) Hygrophorus limacinus Hygrophorus limosus Hygrophorus megasporus Hygrophorus paludosoides Hygrophorus sect. Nudolidi Mittelgroß bis groß. Hut klebrig, gelbbraun bis ockerbraun. Stiel weißlich bis blassrosa oder gelbbraun, ohne Ringzone. Geruch nach rohen Kartoffeln oder Bittermandeln. Bei Nadelbäumen in Nordamerika. Hygrophorus bakerensis Hygrophorus tennesseensis Sektion Olivaceoumbrini Mit olivfarbenen, grauen oder braunen Farbtönen, manchmal sehr dunkel. Der Hut und der Stiel sind schmierig bis schleimig. Die Ringzone ist sehr deutlich und der Ring bildet manchmal eine "Girlande". Hygrophorus canadensis Hygrophorus fuscoalboides Finnischer Schneckling – Hygrophorus korhonenii Hygrophorus marcocontui Natternstieliger Schneckling – Hygrophorus olivaceoalbus (beschrieben als H. olivaceo-albus) Hygrophorus whitei

Sektion Pudorini Hut zumindest in der Mitte farbig.

Untersektion Aurei Arten der Untersektion haben meist oder zumindest teilweise helle Farben von gelb bis orange. Außerdem ist ein schleimiges, schleierartiges Velum (Mykologie) ausgebildet, das eine deutliche Ringzone bildet, die aber bei älteren Exemplaren auch fehlen kann. Die Schnecklinge sind Mykorrhizapartner von verschiedenen Nadelbäumen. Gold-Schneckling – Hygrophorus aureus Frost-Schneckling – Hygrophorus hypothejus Lärchen-Schneckling – Hygrophorus lucorum Orangegelber Lärchen-Schneckling – Hygrophorus lucorum var. speciosus

Untersektion Erubescentes (= Sektion Rubescens) Farben von rosa bis rötlich-braun. Lamellen und Stiel oft rötlich oder weinroten gefleckt. Pigmente meist membrangebunden. Weinroter Schneckling – Hygrophorus capreolarius Rasiger Purpur-Schneckling – Hygrophorus neoerubescens Bitterlicher Purpur-Schneckling – Hygrophorus pudorinus Beschleierter Purpur-Schneckling – Hygrophorus purpurascens Geflecktblättriger Purpur-Schneckling – Hygrophorus russula

Untersektion Pudorini Hut rosa, fleischfarben, morgenrot oder purpurn. Das Fleisch verfärbt sich an der Luft immer mehr oder weniger rosa, purpur oder burgunderrot. Orange-Schneckling – Hygrophorus abieticola Hasen-Schneckling – Hygrophorus leporinus

Sektion Tephroleuci (= Sektion Camarophylli) Trockene oder leicht schmierige Arten mit matten und oft dunkle Farben grau bis schwärzlichen Farben. Der Stiel ist trocken und glatt, bisweilen bereift oder punktiert. Oft mit starkem (süßlichem) Geruch. Hygrophorus agathosmoides Wohlriechender Schneckling – Hygrophorus agathosmus Hygrophorus agathosmus f. aureofloccosus Hygrophorus albofloccosus Schwarzfaseriger Schneckling – Hygrophorus atramentosus Schönblättriger Schneckling – Hygrophorus calophyllus Graubrauner Schneckling – Hygrophorus camarophyllus Hygrophorus exiguus Hyazinthen-Schneckling – Hygrophorus hyacinthinus Risspilzverwandter Schneckling – Hygrophorus inocybiformis März-Schneckling – Hygrophorus marzuolus Hygrophorus odoratus Hygrophorus pinophilus Hygrophorus pustulatoides Schwarzpunktierter Schneckling – Hygrophorus pustulatus Wachsgelber Schneckling – Hygrophorus secretanii Hygrophorus suaveolens

Bedeutung Viele Schnecklingsarten sind essbar, die bekanntesten Speisepilze unter ihnen sind der Frost-Schneckling (Hygrophorus hypothejus) und der März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus); Letzterer ist allerdings in Deutschland durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt und darf nicht gesammelt werden. Andere Arten sind ungenießbar, giftige Arten sind nicht bekannt.

Literatur E. Gerhardt: Pilze. Verlag BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0053-3. E. Horak: Röhrlinge und Blätterpilze in Europa. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Elsevier – Spektrum Akademischer Verlag, München 2005, ISBN 3-8274-1478-4. A. Bollmann, A. Gminder, A., P. Reil: Abbildungsverzeichnis europäischer Großpilze. 4. Auflage. mit Gattungs-CD, Schwarzwälder Pilzlehrschau, Hornberg 2007,