Sim Tower (jap. Originaltitel The Tower) ist ein Computerspiel der japanischen Firma OPeNBook, die das Spiel im Juli 1994 in Japan für den Macintosh veröffentlicht hat. Das grundlegende Spielprinzip, die Organisation eines komplexen Aufzugssystems, wurde 1993 vom Entwickler Yutaka „Yoot“ Saito erdacht. Der US-amerikanische Spieleentwickler Maxis erwarb im Anschluss daran die Lizenz am Spiel und veröffentlichte im November 1994 die lokalisierte Windows-Portierung des Spiels.
Inhalt des Spiels ist es, ein Hochhaus zu entwerfen, das sowohl seine Bewohner zufriedenstellt als auch wirtschaftlich ist. Wesentlich für das Wachstum des Hochhauses ist dabei ein funktionierendes Transportsystem. Auszeichnung für die Bemühungen erhält der Spieler in Form von Sternen, die die Auswahl an Einrichtungen vergrößern.
Der Spieler erweitert das Gebäude um Einrichtungen wie Büros und Wohnungen sowie Hotelzimmer und Einkaufsbereiche. Im Untergeschoss kann er beispielsweise Parkplätze und eine U-Bahn-Station errichten. Eine Reihe von unerwarteten Ereignissen, wie etwa eine Bombendrohung oder ein Brand, beeinflussen den Spielverlauf. Des Weiteren muss der Spieler eine Transportregulierung konzipieren, um die Wartezeiten an Fahrstühlen so gering wie möglich zu halten.
Im März 1996 erschien das Spiel in Japan auf der Plattform 3DO in einer teilweise veränderten Fassung. 1998 veröffentlichten Sega und Yoot Saito den inoffiziellen Nachfolger Yoot Tower. 2004 wurde der Klon Tower Mogul für den Pocket PC auf den Markt gebracht.Spielbeschreibung von Tower Mogul bei esoft interactive. Abgerufen am 26. Mai 2008 Das Original wurde unter dem Namen The Tower SP 2005 in Japan und 2006 in den USA nochmals für den Handheld Game Boy Advance aufgelegt. Im Juni 2008 ist eine Neuauflage des Spiels, unter dem Namen The Tower DS, in leicht veränderter Form für den Nintendo DS erschienen. digitoys.tv; abgerufen am 28. Februar 2009.
Grundidee und Entwicklung Die Idee, eine Hochhaus-Simulation zu entwickeln, entstand zunächst aus dem Wunsch, komplexe Aufzugsysteme verstehen zu können. So ging der Erfinder und Entwickler Yoot Saito Anfang der 1990er Jahre der Frage nach, wie Aufzüge funktionieren und in einem Zeitplan miteinander kombiniert werden können. Yoot Saito zur Entstehung der Grundidee:
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Yoot Saito fand Gefallen am zuvor erschienenen Städtebau-Simulator SimCity. Er selbst beschreibt sich als Simulations-Fan, der wenig Interesse an Actionspielen habe. Wichtiger seien für ihn Spiele, in deren Mittelpunkt nicht ein einzelner Held, sondern eine große Zahl von Menschen ständen.. Abgerufen am 26. Mai 2008
Des Weiteren dachte der Entwickler dem Spiel eine Art „Vermittlungsrolle“ zwischen dem Westen und Japan zu, um Konflikte und Missverständnisse zwischen diesen beiden Teilen der Erde zu beseitigen. Veraltete Klischees und Vorurteile, wie die abwertende Bezeichnung von Japanern als „Samurai“ oder „Kamikaze-Helden“, sollten auf diesem Weg ausgeräumt werden und das wahre Gesicht des Landes zeigen.Maxis: Sim Tower, das vertikale Imperium, Benutzerhandbuch, 1994, Seite 8
Sim Tower stellt eines der vielen Spiele dar, das im Rahmen der bekannten Sim-Reihe (auch Sim-Line) von Maxis veröffentlicht wurde. Den Anfang machte 1989 SimCity, das eine Vielzahl von Fans begeistern konnte.. Abgerufen am 28. Mai 2008 In den folgenden Jahren wurden weitere Simulationen entwickelt, darunter auch SimEarth (1990), SimAnt (1991) und SimCity 2000 (1993). Im Jahr 1994 wurden die Spiele Sim Tower und SimHealth in den Handel gebracht.
Sim Tower selbst blieb in der Sim-Reihe eine Einzelerscheinung und wurde nicht wie andere Spiele (SimCity oder Die Sims) mehrere Male neu aufgelegt oder erweitert.
Grafik und Sound Zur Anwendung kommt eine zweidimensionale Rastergrafik mit SVGA-Grafik im 256-Farben-Modus. Als eines der wenigen kommerziellen Spiele nutzt es die Grafik-Schnittstelle WinG.Trivia-Angabe von MobyGames. Abgerufen am 27. Mai 2008 Die Benutzeroberfläche besteht aus der eigentlichen Spielfläche, der Werkzeugleiste, dem Info-Fenster sowie dem Dropdown-Menü. Ferner lassen sich verschiedene Fenster, wie Budget oder Aufzugssteuerung, einblenden. Ein Tiefeneindruck entsteht durch die entsprechende Gestaltung der Bauobjekte und durch die Überlagerung mit Aufzügen und (Roll-)Treppen. Im Hintergrund des Hochhauses befindet sich eine Hochhaus-Skyline sowie der Himmel.
Der Spiel-Sound besteht aus einer Hintergrundmusik und einzelnen Spiel-Geräuschen. Letztere wurden so gewählt, dass ein möglichst realistisches Geräusch abgespielt wird. Beide wurden unverändert aus der japanischen Version übernommen. Eine Besonderheit stellt das Glockenläuten am Ende eines Jahres dar, wobei es sich um das gleiche Glockenläuten wie in dem Film Lichter der Großstadt mit Charlie Chaplin handelt.
Spielablauf
Spielziel Das Spiel besitzt kein fest definiertes Spielziel. Der Spieler konzentriert sich darauf, die Herausforderungen des Spielablaufs zu bewältigen und die Bewohner des Hochhauses zufriedenzustellen. Kommt der Spieler diesen Aufgaben nach und erweitert er die Ausstattung des Hochhauses entsprechend, so können zusätzliche Auszeichnungen in Form von Sternen erworben werden.
Je nach Einwohnerzahl und vorhandenen Einrichtungen können vom Spieler unterschiedliche Auszeichnungen erworben werden. Einmal erhaltene Auszeichnungen verfallen nicht. Nachfolgende Tabelle stellt die fünf möglichen Auszeichnungen dar:
20pxEin Stern Zu Beginn des Spiels erhält jedes Hochhaus einen Stern. Damit sind grundlegende Einrichtungen verfügbar und ermöglichen das Errichten eines kleinen Hochhauses. 20px20pxZwei Sterne Zwei Sterne können erworben werden, wenn das Hochhaus 300 Einwohner erreicht. Anschließend kann der Spieler das Hochhaus um Hotelzimmer und Service-Einrichtungen erweitern. 20px20px20pxDrei Sterne Drei Sterne werden vergeben, wenn die Bewohnerzahl 1.000 überschreitet und sich mindestens ein Überwachungsraum im Hochhaus befindet. Die Auswahl an Einrichtungen wird unter anderem um Läden, Restaurants und ein Parkhaus ergänzt. 20px20px20px20pxVier Sterne Ist die Bewohnerzahl auf über 5.000 gestiegen und sind die Einrichtungen Hotel-Suite, Recycling-Center und Arztpraxis im Hochhaus untergebracht, können vier Sterne vergeben werden. Des Weiteren ist eine positive Bewertung eines zufriedenen VIPs notwendig. 20px20px20px20px20pxFünf Sterne Die Auszeichnung mit fünf Sternen setzt das Vorhandensein einer U-Bahn-Station und 10.000 Bewohner voraus. Der Spieler hat zusätzlich die Möglichkeit, auf der Spitze des Hochhauses (100. Stockwerk) eine Kapelle zu errichten.
Die höchste Auszeichnung „Tower“ setzt 15.000 Bewohner (während eines Gottesdienstes) voraus.
Spieleinrichtungen Dem Spieler stehen eine Reihe von Spieleinrichtungen zur Auswahl, die er im Hochhaus einfügen kann. Voraussetzung dafür sind ausreichende finanzielle Mittel und die Verfügbarkeit der Einrichtung durch eine entsprechende Auszeichnung. Einige Einrichtungen sind in ihrer Anzahl begrenzt oder können nach dem Einbau nicht mehr entfernt werden.
Lobbys und Sky-Lobbys
Grundlegend für den horizontalen und vertikalen Verkehr im Hochhaus sind die Transporteinrichtungen. Basis des Hochhauses bildet die Lobby, die als Eingangshalle dient. Sie erstreckt sich standardmäßig über eine Ebene. Es lassen sich aber auch großzügige Lobbys über zwei oder drei Etagen errichten, indem beim Bau des ersten Lobby-Segments die Control- beziehungsweise Shift-Control-Taste gedrückt gehalten wird. Da die Höhe der Lobby über die gesamte Turmbreite einheitlich bleibt, sollte dabei beachtet werden, dass höhere Lobbys auch doppelte beziehungsweise dreifache Bau- und Unterhaltskosten nach sich ziehen.
Weiterhin lassen sich sogenannte Sky-Lobbys in jedem 15. Stockwerk als Umsteigemöglichkeit errichten.
Treppen und Rolltreppen Treppen und Rolltreppen eignen sich aufgrund ihrer geringen Betriebskosten für kurze Beförderungswege. Für den gesamten Turm besteht ein Limit von zusammen 64 Treppen und Rolltreppen.
Während sich Treppen zwischen beliebigen Etagen platzieren lassen, sind Rolltreppen offiziell nur für Lobbys und kommerziell genutzte Einrichtungen (Shops, Restaurants etc.) möglich. Durch einen Trick (oder Bug) können aber beliebige Einrichtungen (auch Büros, Eigentumswohnungen und Hotels) in den Genuss von Rolltreppen kommen. Die Rolltreppe muss hierfür zuerst (auf den leeren Flur) platziert werden. Das Spiel unterbindet den anschließenden Bau von Büros, Eigentumswohnungen oder Hotelzimmern an bereits bestehenden Rolltreppen nicht (sehr wohl aber umgekehrt).
Aufzüge Aufzüge sind das wichtigste Transportmittel im Spiel und nach Rolltreppen die zweitbevorzugte Lösung, mit der sich die Bewohner zwischen den Etagen bewegen. Die Bewohner warten an Aufzügen auf die nächste freie Kabine und werden umso gestresster, je länger sie warten müssen.
Es gibt drei Arten an Aufzügen: Standard-Aufzüge und Express-Aufzüge dienen den Bewohnern zum Wechsel zwischen Etagen. Service-Aufzüge werden ausschließlich vom Service- und Reinigungspersonal verwendet. Die Bewohner können sie nicht nutzen. Allen Aufzügen ist gemeinsam, dass sie mittels einer komplexen Steuerung den Mobilitätsbedürfnissen angepasst werden können. Ebenso können bei allen Aufzugtypen bis zu 8 Kabinen gleichzeitig im selben Schacht fahren.
Jede Aufzugkabine hat eine zugewiesene und änderbare Warte-Etage. Das ist diejenige Etage, zu der die Kabine bei Nichtbenutzung automatisch zurückkehrt, um auf weitere Fahrgäste zu warten. Es kann auch mehrere Kabinen dieselbe Warte-Etage zugewiesen werden. Ruft ein Bewohner den Aufzug, wird zuerst geprüft, ob bereits eine andere Kabine in die gewünschte Beförderungsrichtung unterwegs ist. Befindet sich eine solche innerhalb der Etagenzahl, die in der Einstellung "Wartende Kabine spricht an" (englisch "Waiting Car Response") gewählt ist, dann übernimmt diese fahrende Kabine die Beförderung der wartenden Passagiere. Andernfalls wird eine neue freie Kabine zu den wartenden Fahrgästen losgeschickt. Ein ankommender Aufzug wartet zudem die "Standardabfahrzeit" ("Standard Floor Departure") ab, um weitere Fahrgäste mitzunehmen, bevor er die Fahrt fortsetzt.
Die Einstellungen der Aufzüge lassen sich getrennt nach Wochentag und Wochenende konfigurieren. Zusätzlich werden einzelne Zeitfenster unterschieden: 07:00 bis 12:00 Uhr (Büroangestellte auf dem Weg zur Arbeit, abreisende Hotelgäste), 12:00 bis 12:30 Uhr (Büroangestellte auf dem Weg zum Schnellimbiss während der Mittagspause, auswärtige Gäste auf dem Weg zu Schnellimbissen), 12:30 bis 13:00 Uhr (Büroangestellte auf dem Rückweg von der Mittagspause ins Büro), 13:00 bis 17:00 Uhr (Nachmittagsbetrieb), 17:00 bis 21:00 Uhr (Büroangestellte haben Feierabend, Hotelgäste reisen an), sowie 21:00 bis 07:00 Uhr (Nachtzeitraum).
Standard- und Service-Aufzüge befördern maximal 21 Personen pro Kabine und sind auf eine Maximallänge von 30 Etagen beschränkt. Da sich die erste Lobby auf Etage 1 befindet, kann ein Standard-Aufzug deshalb von Etage 1 bis 30 reichen, aber oberhalb davon beispielsweise von der Sky-Lobby auf Etage 15 aus nur bis Etage 44, und nicht bis zur Sky-Lobby auf Etage 45.
Express-Aufzüge sind erst ab einer 3-Sterne-Bewertung des Turms möglich. Sie verfügen über die doppelte Kapazität, halten aber nur an Lobbys und Sky-Lobbys sowie in allen unterirdischen Etagen. Sie sind in ihrer Länge nicht beschränkt.
Büros
Büros sind die Arbeitsplätze der Bewohner. Büroangestellte fühlen sich durch den Lärm benachbarter Unterhaltungseinrichtungen (z. B. Kino, Party-Saal) gestört. Umgekehrt erzeugen Büroräume auch selbst Lärm, der Nachbarn in Eigentumswohnungen oder Hotelzimmern unter Stress setzt. Büroräume sollten deshalb vorzugsweise zu Bürokomplexen gebündelt werden, was aber hohe Anforderungen an das Aufzugssystem stellt.