Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 war von 1808 bis 1919 ein Verband der Württembergischen Armee. mini|hochkant|Denkmal für das Regiment in Ulm (Wilhelmsburg)

Geschichte Name Das Regiment wurde 1808 als Infanterie-Regiment Prinz Friedrich aufgestellt aus dem Musketier-Bataillon von Lilienberg (zu diesem seit 1804 bestehenden Bataillon kam ein zweites dazu). 1811 wurde es umbenannt in Infanterie-Regiment Prinz Friedrich Nr. 5. Mit der Militärreform 1817 fiel der Zusatz weg und das Regiment hieß ab 31. März 1817 2. Infanterie-Regiment.

Nach Abschluss der Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870 erhielt es wie alle württembergischen Truppenteile zur Unterscheidung von Truppenteilen anderer deutscher Staaten am 2. Oktober 1871 den entsprechenden Zusatz 2. Württembergisches Infanterie-Regiment. Am 3. März 1871 wurde Kaiser Wilhelm I. Chef des Regiments, das ab diesem Zeitpunkt 2. Württembergisches Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen hieß. Am 18. Dezember 1871 erhielten alle württembergischen Regimenter zusätzliche Nummern. Diese entsprachen der fortlaufenden Nummerierung aller Regimenter des deutschen Bundesheeres, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem der Kontingente, das Regiment erhielt die Nummer 120: 2. Württembergisches Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120. Alle Truppenteile erhielten am 14. Dezember 1874 die Namen in der endgültigen Schreibweise und Nummerierung: Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen (2. Württembergisches) Nr. 120.

Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr die 12. Kompanie des 13. (Württ.) Infanterie-Regiments.

Garnisonen mini|Garnison und Kaserne in Weingarten 1807: Ludwigsburg 1817: Stuttgart 1833: Ludwigsburg„Nach österreichischem Vorbild wechselten die Regimenter 1833 und 1842 ihre Garnisonen, um einer festen Verwurzelung der Kader in den Städten vorzubeugen.“ Zitiert nach Harder, Seite 66 1834: Ulm 1849: Ludwigsburg 1846: Stuttgart 1868: Weingarten 1898: Ulm

Gefechtskalender 1809 auf Seiten Frankreichs gegen Österreich in der Division Vandamme. 1814 gegen Frankreich in der Böhmischen Armee, Stärke 1.469 Mann.

Das Regiment nahm an den Feldzügen 1812 und 1813 nicht teil. 1815 gegen Frankreich in der Böhmischen Armee, Stärke rund 1.250 Mann. 1848 im Land und in Baden gegen Revolutionäre. 1849 in Schleswig-Holstein und in Baden, Stärke rund 1.800 Mann. Keine Kampfhandlungen. 1866 gegen Preußen, Stärke 35 Offiziere und Fähnriche, 966 Unteroffiziere und Mannschaften. Das Regiment kämpfte bei Tauberbischofsheim und Gerchsheim. Verluste: 28 Gefallene, 34 Verwundete, 28 Gefangene. 1870/1871 gegen Frankreich. Das Regiment rückte in einer Stärke von 44 Offizieren und 2.121 Unteroffizieren und Mannschaften aus mit der württembergischen Division in der 3. Armee. Verluste: 85 Gefallene, 195 Verwundete, 1 Gefangener. 1900 am zweiten internationalen Expeditionskorps in China nahmen Soldaten des Regiments in nicht bekannter Stärke teil. Dort fiel ein Offizier. 1904/1906 am Kampf gegen die Herero nahmen 3 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 41 Mann des Regiments teil. Verluste: 1 Verwundeter Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment immer innerhalb der 27. Infanterie-Division nur im Westen. Das XIII. Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen. Am 7. Oktober 1914 wurde die 27. Infanterie-Division dem XVI. preußischen Armee-Korps unterstellt und blieb in den Argonnen. Im Juni 1915 eroberte die Division die französischen Werke „Cimitère“ und „Bagatelle“. Im Herbst kämpfte die aus je einem Bataillon der Regimenter 120, 123 und 124 zusammengestellte „Kampfgruppe Lägeler“ im Rahmen der 21. preußischen Division. Im Dezember wurde die Division nach Flandern verlegt und trat zum XIII. Armee-Korps zurück. Ab 1. Juli 1916 kämpfte die Division in der Schlacht an der Somme. Ab März 1917 war die Division „selbstständig“. Am 11. April 1917 schlug sie in der Schlacht von Arras bei Bullecourt am 11. April 1917 einen Angriff australischer Truppen zurück, nahm dabei 28 Offiziere und 1.150 Mann gefangen und erbeutete 80 Maschinengewehre.Moser, Seite 75 Sie hielt bis zum 5. Mai ihre Stellung gegen 3 englische Divisionen. Auch in der zweiten und dritten Flandernschlacht war die Division eingesetzt. Während der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 stieß sie in der Operation Michael bis Aveluy vor. In den Rückzugskämpfen ging sie auf die Antwerpen-Maas-Stellung zurück, von wo sie nach dem Waffenstillstand von Compiègne zu Fuß den Rückmarsch nach Württemberg antrat.

Die Verluste betrugen 3.340 Gefallene, 718 Vermisste und 8.913 Verwundete. Am 9. August 1918 hatte das Regiment noch eine Gefechtsstärke von 250 Mann.

Auftrag Das Regiment hatte den Auftrag, den infanteristischen Feuerkampf zu führen. Im Frieden wurden die Soldaten hierzu an entsprechenden Waffen sowie als Krankenträger ausgebildet.

Organisation Verbandszugehörigkeit Bis 1816 gab es in Württemberg im Frieden keine Großverbände. Solche wurden nur für einzelne Feldzüge zusammengestellt.

Mit der grundlegenden Neuorganisation 1817 wurde das württembergische Heer erstmals auch im Frieden in Großverbände gegliedert. Das Regiment bildete zusammen mit dem 1. Infanterie-Regiment die 1. Brigade in der 1. Division. Im Juli 1849 wurde wieder eine Neugliederung der württembergischen Armee befohlen. Die Infanterie wurde in nur einer Division (ohne Nummer) zusammengefasst.

Von 1871 bis 1914 gehörte das Regiment zur 53. Infanterie-Brigade (3. Königlich Württembergische) in Ulm, (27. Division (2. Königlich Württembergische), XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps, 5. Armee).

Im Ersten Weltkrieg blieb die Friedensgliederung zunächst bestehen. Im Dezember wurde die 27. Division mit dem XIII. Armee-Korps der 4. Armee Herzog Albrecht von Württemberg in Flandern unterstellt. Ab März 1917Im März 1917 wurden die Generalkommandos der Armee-Korps in sogenannte Gruppenkommandos umgewandelt. Diesen waren keine Truppenteile mehr fest unterstellt, sondern sie wurden ihnen wechselnd zeitweise durch die Oberste Heeresleitung zugeteilt. war die 27. Division (wie alle deutschen Divisionen) selbstständig, blieb aber zunächst beim neuen XIII. Generalkommando. Im April 1917 wurde sie dem XIV. Reserve-Korps unterstellt.

Gliederung Bis 1871 bestand das Regiment aus zwei Bataillonen.

Am 31. Oktober 1873 wurde als drittes Bataillon das Füsilier-Bataillon mit vier Kompanien aufgestellt: die 9. Kompanie aus der 3. Kompanie Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123, die 10. Kompanie aus der 8. Kompanie Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 und die 11. Kompanie aus der 18. Kompanie Infanterie-Regiment „Großherzog Friedrich von Baden“ (8. Württembergisches) Nr. 126.

Am 2. Oktober 1893 kam das IV. Bataillon aus dem Regiment selbst hinzu.

Abgaben des Regiments:

Abgaben Am 31. Oktober 1872 wurde die 8. Kompanie zur Aufstellung des III. Bataillons des Infanterie-Regiments „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 abgegeben. Am 1. Oktober 1874 wurde die 12. Kompanie zur Aufstellung des III. Bataillons des Infanterie-Regiments „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württembergisches) Nr. 125 abgegeben. Am 1. Oktober 1913 wurde die 6. Kompanie zur Aufstellung des III. Bataillons des 9. Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 127 abgegeben

Alle diese Abgaben wurden aus dem Regiment wieder aufgestellt. Am 1. April 1897 kam das IV. Halb-Bataillon zur Aufstellung des 9. Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 127 als dortiges II. Bataillon.

Kommandeure Nr. Name Beginn der Berufung Bemerkungen1. Oberst Wilhelm Karl Friedrich von NettelhorstEinfaches „von“ im Namen bedeutet persönlicher Adel, der jedem Offizier ab Major verliehen wurde.4. September 18082. Oberst Heinrich Constantin Franz von DernbachJuli 1811anschließend Kommandeur 1. Inf.-Regt.3. Oberst Rudolf von Bünau6. Februar 1812 Kommandanten von Ludwigsburg4.Generalmajor Friedrich von Doering 18121814 Kommandeur 8. Inf.-Regt.5.Oberst Johann Ludwig von Cornotte3. Februar 18136.Oberst Christian von Kellenbach3. Februar 18137.Oberst Rudolph von Bünau 1813später Hofmarschall8.Oberst Christian Alexander von Stumpe1. Januar 18149.Oberst Fidel von König30. Juli 181710.Oberst Christian von Kellenbach31. Dezember 181911.Oberst Eugen Heinrich Georg von Klinkowström1828anschließend Kommandeur 4. Inf.-Brig.12.Oberst Clemens von Haya183713.Oberst Ferdinand Friedrich Freiherr Schilling von Cannstatt185014.Oberst Ludwig von Glaser11. Juni 186015.Oberst Wilhelm Graf von Reischach186716.Oberst Albert von Ringler20. Juli 187017.Oberst Karl Freiherr von Stetten-Buchenbach6. April 187418.Oberst Karl von Grävenitz22. November 1875anschließend Kommandeur 53. Inf.-Brig.19.Oberst August von Reinhardt21. Mai 188420.Oberst Eduard von Alberti16. August 1885anschließend Kommandeur 62. Inf.-Brig.21.Oberst Daniel Krummacher20. Oktober 188922.Oberst Oskar Freiherr von Seckendorf5. März 189223.Oberst Paul von Fragstein und Niemsdorff14. Mai 1894anschließend Kommandeur 11. Inf.-Brig.24.Oberst Adolf von Schempp20. Juli 189725.Oberst Joseph von Schmitt18. Mai 1901anschließend Kommandeur 52. Inf.-Brig.26.Oberst Hermann von Rampacher24. April 1904 bis 20. März 1908anschließend Kommandeur 31. Inf.-Brig.27.Oberst Friedrich von Auwärter21. März 1908anschließend Kommandeur 54. Inf.-Brig.28. Oberst Georg von Körbling21. März 1912anschließend Kommandeur 53. Inf.-Brig29.Oberst Theodor Renner12. Dezember 1914anschließend Chef des Generalstabs VIII. Armee-Korps30.Georg von KörblingFebruar 191531.Oberst Alfred Breyer6. April 1915anschließend Kommandeur 407. Inf.-Brig.32.Oberst Gerold von Gleich6. Januar 1917vom Dragoner-Regiment „König“ (2. württembergisches) Nr. 26anschließend Kommandeur 18. Res.-Inf.-Brig.33.Major Wilhelm BaderMai 1917später Kommandeur 51. Landw.-Inf.-Brig.34.Oberstleutnant ScupinApril 1918

Regimentschefs 3. September 1808 Prinz Friedrich von Württembergbis 22. April 1817 3. März 1871 Kaiser Wilhelm I. 22. Juni 1880 Kaiser Wilhelm II.

Bewaffnung und Ausrüstung Hauptbewaffnung 1831 wurden Gewehre mit Perkussionsschloss eingeführt, 1851 das Miniégewehr, ab 1871 das Mauser-Gewehr M71 und ab 1898 der Karabiner 98. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte jedes Infanterie-Regiment 6 schwere Maschinengewehre, Ende 1917 36 schwere und 72 leichte Maschinengewehre.

Uniform 1808: Geschlossener dunkelblauer Rock bis zur Taille mit hellblauen Kragen, Aufschlägen, Rabatten und Achselklappen. Weißes Bandolier und weißes Koppel. Weiße Tuchhosen, schwarze Gamaschen und Schuhe. Kaskett mit schwarzer Raupe, gelben Beschlägen und Messingschild mit königlichem Wappen. 1817: Dienstrock in den Monaten November bis April eine königsblaue Kutka (bis ein Zoll oberhalb der Kniescheibe), in den Monaten Mai bis Oktober königsblauer Spenzer (bis an die Hüften), ohne Knöpfe, mit geschlossenem blauem Kragen und polnischen Ärmelaufschlägen. Gelbe Metall-Epauletten mit silbernem Halbmond und gelbem Futter aus Tuch mit weißer Kompanienummer. Schwarzes Halsband. Königsblaue, halbweite Hosen (im Sommer weiße Hosen und Gamaschen). Schwarzer Tschako aus Filz mit ledernem Deckel, vorn metallenes Schild mit Regimentsnummer und schwarz-rote Kokarde. Schwarze Bundschuhe (ab 1820 kurze schwarze Gamaschen und Schuhe). Das Lederzeug (unter den Epauletten getragen) war weiß. Hellgrauer Mantel. 1821: Königsblaues Colett mit zwei Reihen Knöpfen (mit Regimentsnummer) vorn, blauem rot paspilliertem geschlossenem Kragen und blauen polnischen Aufschlägen mit roter Biese. Blaue Hosen mit roter Biese. Rote Aufschläge, Epauletten rot mit rotem Futter. 1849: Einreihiger blauer Waffenrock mit weißen Knüpfen und rotem Kragen. Rote Achselklappen mit weißer mit Regimentsnummer.