Nitzschia ist eine nach Christian Ludwig Nitzsch benannte Gattung der Kieselalgen (Bacillariophyta) mit etwa 600 Arten, die im Süß- und im Meerwasser vorkommen. Als Erstbeschreiber gilt Arthur Hill Hassall (1845). Diese Kieselalgengattung ist zu unterscheiden von der Plattwurm-Gattung Nitzschia , 1826

Merkmale mini|hochkant=0.6|Nitzschia sp. Die Vertreter sind einzellige, langgestreckte Kieselalgen. Die Zellen haben die für Kieselalgen typische Schale aus zwei Theken. Die Schale ist in Seitenansicht zumeist rechteckig, selten auch sigmoid. In Schalenansicht ist sie schiffchenförmig oder linealisch, kann in der Mitte auch leicht eingeschnürt sein. Im Querschnitt sind die Zellen rautenförmig. Die Raphen verlaufen – unüblich für pennate Kieselalgen – nicht in der Mitte der Schale, sondern zum Rand versetzt. Die Raphen von Ober- und Unterschale sind dabei diagonal entgegengesetzt. Die Zellen enthalten ein oder zwei langgestreckte, seitenständige Plastiden, die durch Fucoxanthin goldbraun gefärbt sind. Die Plastiden reichen von der Seite her in beide Schalenebenen. Die Zellen sind 30 bis 500 Mikrometer lang.

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt durch die typische Zweiteilung der Kieselalgen. Geschlechtliche Fortpflanzung erfolgt durch Anisogamie, wobei pro Zelle zwei Gameten, selten nur einer, gebildet werden. Im Anschluss erfolgt während der Auxosporenbildung die Zellvergrößerung.

Vorkommen Die Vertreter der Gattung Nitzschia leben auf verschiedenen Substraten in fließenden und stehenden Gewässern, auch in Brackwasser und Meerwasser. Einige Arten leben auch als Plankton.

Heterotrophe Arten Als Ausnahme innerhalb der Kieselalgen umfasst die Gattung eine Reihe von Arten, die die Fähigkeit zur Photosynthese sekundär aufgegeben haben. Diese „apochloritischen“ Arten sind also auf organische Kohlenstoffquellen angewiesen, ihre Ernährung ist heterotroph. Die apochloritischen Arten besitzen weiterhin Plastiden, diese sind allerdings nicht mehr grün gefärbt, sondern farblos. Die Arten wurden auf verrottendem Seegras und Algen, meist in Mangrovensümpfen, gefunden. Obwohl die Befunde darauf hindeuten, dass der Verlust der Photosynthesefähigkeit innerhalb der Gattung nur einmal stattgefunden hat, sind die Ergebnisse nicht eindeutig. Rein heterotrophe Kieselalgen sind auf einige Arten der Gattung Nitzschia und eine einzige Art der verwandten Gattung Hantzschia beschränkt, zahlreiche andere Arten sind allerdings mixotroph.Anastasiia Onyshchenko, Elizabeth C. Ruck, Teofil Nakov, Andrew J. Alverson (2019): A single loss of photosynthesis in the diatom order Bacillariales (Bacillariophyta). American Journal of Botany (early view, preprint) doi:10.1002/ajb2.1267

Mikrofossilien mini|Ein Mikrofossil von Nitzschia kerguelensis† im marinen Sediment. Die von E. O’Meara 1876 als Terebraria kerguelensis beschriebenen Mikrofossilien wurden von Grethe Rytter Hasle 1965 ebenfalls in die Gattung Nitzschia gestellt; diese Zuordnung ist jedoch nicht allgemein akzeptiert.

Systematik Arten mit der Fähigkeit Ketten von sich überlappenden Zellen zu bilden, wurden in die gattung Pseudo-nitzschia überführt. Die hier angegebene Artenliste folgt – wo nicht anders angegeben – dem (WoRMS), es sind nur die auch in der Taxonomie des (NCBI) gelisteten Arten angegeben:

Gattung Nitzschia nom. cons. Nitzschia amphibia Nitzschia annewillemsiana bzw. Nitzschia asteropeae in et al., 2019 Nitzschia bilobata Nitzschia biundulata et al. 2019 bzw. [Nitzschia sp. JZi-2018a] Nitzschia bizertensis [Nitzschia sp. 1 MVG-2013] Nitzschia capitellata Nitzschia commutata Nitzschia dentatum [Nitzschia sp. SuS-2017c] Nitzschia dubia [Homoeocladia dubia] Nitzschia dubiiformis Nitzschia filiformis Nitzschia fonticola Nitzschia frustulum Nitzschia gobbii in et al., 2021 [Nitzschia sp. SGui-2021a] Nitzschia hantanense in et al., 2020 [Nitzschia sp. LTan-2019a] Nitzschia heuflerania Nitzschia johorensis [Nitzschia sp. SuS-2017a] Nitzschia liebethruthii [Nitzschia liebetruthii] Nitzschia linearis Nitzschia longissima , dazu: Nitzschia longissima var. reversa Grunow, 1880 Nitzschia lorenziana Nitzschia microcephala Nitzschia nanodissipata in et al., 2016 Nitzschia navis-varingica Nitzschia ovalis Nitzschia palea [Homoeocladia palea, Synedra palea] Nitzschia paleacea [Nitzschia subtilis var. paleacea ] (nicht bei WoRMS) Nitzschia pellucida Nitzschia perminuta Nitzschia pusilla Nitzschia putrida Nitzschia recta ex Nitzschia reversa , 1853 Stamm KT30, Fundort Inagenohama, Chiba, Bucht von Tokio Stamm CBac2020007, Fundort: Nordost-China(?) Isolat AGSB0348, Fundort: Canada: Sandy Cove Monitoring, Ketch Harbour, Halifax Regional Municipality, Nova Scotia Isolat MEG012, Fundort: Südkorea(?) Nitzschia schefterae in et al., 2019 Nitzschia sigmaformis Nitzschia sigmoidea [Nitzschia elongata , nom. illeg., 1845Namensgleichheit von ] (Typusart) Nitzschia taygeteae in et al., 2019 Nitzschia thermalis Nitzschia volvendirostrata in et al., 2016

Fossil (unsicher): Nitzschia kerguelensis † syn. Terebraria kerguelensis †

Bildergalerie

Viren mini|hochkant=1.1|Infektion von N. reversa Stamm KT30 mit NitRevRNAV. C: LM-Ansicht von intakten Zellen; D: LM-Ansicht von NitRevRNAV-infizierten Zellen 60 Stunden nach der Inokulation. mini|hochkant=1.1|Negativ-Bild vom NitRevRNAV-Partikeln. Balken: 50 nm. Im Jahr 2019 gaben Kensuke Toyoda et al. die Entdeckung eines ssRNA-Virus mit positiver Polarität bekannt, das den Stamm N. reversa KT30 infiziert. Das bislang vom noch unbestätigte Virus (Stand 1. Januar 2025) mit Bezeichnung „Nitzschia reversa RNA virus“ (NitRevRNAV) ist unbehüllt, sein Kapsid hat ikosaedrische Symmetrie mit einer Größe von 30 nm. Sein Genom hat eine Größe von etwa 9.000 nt (Nukleotiden) und es gibt zwei Offene Leserahmen (). Diese Merkmale ähneln stark denen der bisher bekannten Kieselalgen-RNA-Viren, so dass NitRevRNAV von den Autoren vorläufig als neues Mitglied der Gattung Bacillarnavirus in der Familie Marnaviridae (Ordnung Picornavirales) angesehen wurde.

Marine Kieselalgenviren wie NitRevRNAV können die kann die Artenvielfalt (Diversität) dieser Algengruppe in ihrer natürlichen Umgebung stark beeinflussen. Sie sind daher von besonderem Interesse der multidisziplinären Forschung geweckt.

Anmerkungen

Weblinks

Nitzschia auf AlgaeBase (algaebase.org).

Belege Literatur Karl-Heinz Linne von Berg, Michael Melkonian u. a.: Der Kosmos-Algenführer. Die wichtigsten Süßwasseralgen im Mikroskop. Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09719-6, S. 224.

Einzelnachweise NCBI Taxonomy Browser: Nitzschia (genus), Details: Nitzschia Hassall, 1845: 435 (genus). Graphisch: Nitzschia. Lifemap, NCBI Version. NCBI Nucleotide: Nitzschia reversa CBac2020007. Accession: ON015002 & OL78040. NCBI Nucleotide: Nitzschia reversa isolate AGSB0348 …, Accession: PQ645498. NCBI Nucleotide: Nitzschia reversa isolate MEG012 …, Accession: OR418055. WoRMS: Nitzschia A.H. Hassall, 1845 (Genus). WoRMS: Nitzschia kerguelensis (O’Meara) Hasle, 1965 (Species) – uncertain > unassessed. Accepted Name: Terebraria kerguelensis E.O’Meara, 1876 †. WoRMS: Nitzschia Baer, 1826 (Genus). AlgaeBase: Nitzschia, Details: Nitzschia Hassall, 1845, nom. cons. (Genus). AlgaeBase: Search: Nitzschia reversa. AlgaeBase: Nitzschia paleacea (Grunow) Grunow 1881 (species).

Grethe Rytter Hasle: Pseudo-nitzschia as a genus distinct from Nitzschia (Bacillariophyceae). In: Journal of Phycology. 30. Jahrgang, Nr. 6, Dezember 1994, S. 1036–1039, doi:10.1111/j.0022-3646.1994.01036.x (). E. O’Meara: Contributions to the Botany of H.M.S. ‘Challenger.’ XXVIII. On the Diatomaceous Gatherings made at Kerguelen's Land by H. N. Moseley, M.A., H.M.S. ‘Challenger.’. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Band 15, Nr. 82, März 1876, S. 55–59; doi:10.1111/j.1095-8339.1876.tb00222.x, Epub 5. Januar 2009. Mohammadreza Sadeghi, Yuji Tomaru, Tero Ahola: RNA Viruses in Aquatic Unicellular Eukaryotes. In: MDPI: Viruses, Band 13, Nr. 3, 25. Februar 2021, S. 362; , , PMID 33668994 (). Kensuke Toyoda, Kei Kimura, Keigo Osada, David M Williams, Tomoko Adachi, Katsumasa Yamada, Yuji Tomaru: Novel marine diatom ssRNA virus NitRevRNAV infecting Nitzschia reversa. In: Plant Ecology and Evolution, Band 152, Nr. 2, 9. Juli 2019, S. 178–187; , ResearchGate:334329754, Epub 26. Oktober 2019 ().

Kategorie:Kieselalgen Kategorie:Bacillariophyta