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Dounreay ist ein britischer Nuklearkomplex nahe der Ortschaft Reay in der ehemaligen Grafschaft Caithness in der Council Area Highland an der Nordküste Schottlands. Der Standort wurde von der United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA) aufgebaut und über mehrere Dekaden verwaltet. Weiterhin nutzen das britische Verteidigungsministerium und die Royal Navy die Anlagen für Entwicklungs- und Erprobungszwecke. Dounreay diente primär zivilen Forschungszielen (schnelle Kernreaktoren, Kernbrennstoffe und Wiederaufarbeitung) sowie militärischen Zwecken (Nuklearantrieb für U-Boote). Drei der Anlagen wurden von der UKAEA bzw. später der AEA Technology bis ca. 2008 betrieben. Aktuell befindet sich die Anlage im Um- und Rückbau durch die Nuclear Decommissioning Authority (NDA). Nahe Dounreay befinden sich auch eine verfallene Burg, genannt Dounreay Castle.

Geschichte

Das Dounreay Nuclear Power Development Establishment (NPDE) wurde – wie auch das Kernkraftwerk Bradwell – neben einem ehemaligen Militärflugplatz eingerichtet. Es wurde in den frühen 1950er Jahren als Zentrum für die Entwicklung des Schnellen Brutreaktors und des zugehörigen Brennstoffkreislaufs (Brennelementfertigung, Wiederaufarbeitung) ausgewählt. Der Standort wurde zum Hauptarbeitgeber der Region und des wirtschaftlichen Aufbruchs der nahe gelegenen Stadt Thurso. Die Stadt ist auch unter dem Namen "Atomic Town" bekannt. Die neuen Einwohner wurden als "Atomics" bezeichnet.

Im Jahr 1988 entschloss sich die Britische Regierung (analog zu den Programmen aus Frankreich und Deutschland) zum Ausstieg aus dem Programm für schnelle Reaktoren (Brutreaktoren). Ab diesem Zeitpunkt waren die öffentlichen Mittel zur Forschung rückgängig und eine Kommerzialisierung wurde angestrebt. Die letztere konnte jedoch nicht erreicht werden.

Im Jahr 2004 bzw. 2009 (nach dem Jahr der Kritikalität des DFR) wurde der Standort Dounreay 50 Jahre alt.

Organisation Der Anlagenkomplex wird von der britischen Atomaufsicht, der Office of Nuclear Regulation (ONR), reguliert.mini|304x304px|Das Gebäude mit dem kurzen Schornstein ist der Prototype Fast Reactor (PFR) (Aufnahme von circa 1979) mini|links|Das kugelförmige Reaktorgehäuse ("Sphere") des von 1961 bis 1977 betriebenen Dounreay Fast Reactors (DFR)Der Standort und die Umgebung wird von der Scottish Environment Protection Agency (SEPA) überwacht.

Die Sicherheit wird von der Civil Nuclear Constabulary, einer Polizeieinheit für Nuklearanlagen in Großbritannien, gewährleistet.

Anlagen

Forschungsreaktor Am Standort gab es den Dounreay Material Test Reaktor (DMTR), einen Forschungsreaktor, der 1958 kritisch wurde.

Schnelle Reaktoren Es existieren zwei Blöcke: Der Dounreay Fast Reactor (DFR) und der Prototype Fast Reactor (PFR). Der Reaktor DFR wurde am 14. November 1959 kritisch, der Reaktor PFR am 1. März 1974. Ihre Stilllegung erfolgte 1977 bzw. 1994.

Militärische Nutzung und Anlagen Das britische Verteidigungsministerium betrieb hier 40 Jahre lang eine Einrichtung mit der Bezeichnung Vulcan NRTE (Vulcan Naval Reactor Test Establishment, umgangssprachlich Vulcan), in der Nuklearantriebe für die Atom-U-Boote der Royal Navy entwickelt wurden. Die Einrichtung ist auch unter dem Namen Admiralty Reactor Test Establishment (ARTE) bekannt.

Weitere Anlagen am Standort Dounreay Außer den drei vor allem aus wirtschaftlichen Gründen (gestrichene Subventionen) stillgelegten Reaktoren (DFR, PFR und MTR) und zahlreichen Einrichtungen zur Abfallbehandlung befinden sich auf dem Gelände auch zwei stillgelegte Wiederaufarbeitungsanlagen:

Die erste Anlage ist die MTR Fuel Reprocessing Plant D1204 zur Rückgewinnung von hoch angereichertem Uran aus abgebrannten Brennelementen in- und ausländischer Materialtestreaktoren (MTR). Unter anderem wurden Brennstoffe aus den MTR-Reaktoren in Dounreay und Harwell wiederaufgearbeitet. Die Anlage war seit 1958 in Betrieb.

Eine zweite Anlage diente zur Wiederaufarbeitung des hoch angereicherten Brennstoffs aus dem Brutreaktor DFR. Die Anlage wurde von 1975 bis 1979 zur Anlage D1206 umgebaut, in der abgebrannter Mischoxid-Brennstoff aus dem Brutreaktor PFR aufgearbeitet wurde.

Ende der 1990er Jahre wurden in Dounreay rund 88 t Natrium des KNK II (Karlsruhe) entsorgt.

Störfälle Am 10. Mai 1977 wurde ein flüssiges Gemisch aus zwei Kilogramm Natrium und Kalium (NaK) in einen 65 Meter tiefen Schacht hinab gelassen. In dem Schacht lagerten unter anderem abgebrannte Brennelemente aus den 1960er Jahren. Diese unterirdische Deponie war zur Abschirmung der radioaktiven Strahlung mit Meerwasser überflutet.St. Galler Tagblatt, 10. Febr. 1998, Artikel „Schnelle Brüter sind derzeit nicht notwendig“ Aus der Chemie ist bekannt, dass reines Natrium und Kalium in flüssiger Form sehr stark mit Wasser reagieren. Es kam zu einer Explosion, durch die radioaktives Material in den Untergrund gelangte und offenbar weithin verbreitet wurde. Die etwa sieben Tonnen schwere Betonabdeckung des Schachts wurde dabei etwa vier Meter weit weg geschleudert, eine Stahlabdeckung mit einem Durchmesser von anderthalb Metern flog etwa zwölf Meter weit. Teile aus dem Schacht flogen bis an den etwa 40 Meter entfernten Strand – andere Teile wurden bis zu 75 Meter entfernt gefunden. Im Küstenvorland wurden seit 1983 jährlich mehr als zehn radioaktive millimetergroße Partikel gefunden, eines davon an einem viel besuchten Strand. Bekannt wurde der Vorfall erst durch einen Bericht einer Kommission des zuständigen Gesundheitsministeriums im Jahr 1995. Das Küstenvorland von Dounreay wurde daraufhin abgesperrt.HOT PARTICLES AT DOUNREAYBlairs Tricks und der Testfall Dounreay. Die Zeit Nr. 25, 1998Dounreay chiefs played down major blast at plant. The Scotsman, 14. Juli 2005 (online)Gewagte Mixtur, Der Spiegel 1/1998, S. 140

Nach der Entdeckung eines kleinen Lecks im Kühlkreislauf bei der Dekommissionierung wurde der Betrieb von D1206 im Oktober 1996 zunächst vorläufig eingestellt. Im Juli 2001 entschied die britische Regierung, den Wiederaufarbeitungsbetrieb definitiv nicht wieder aufzunehmen.

Aktuelle Aktivitäten, Dekommissionierung und Rückbau Die Planungen für den Rückbau der Anlagen wurde im Jahr 2000 begonnen, dazu wurde die Dounreay Site Restoration Ltd (DSRL) am Standort von der Nuclear Decommissioning Authority (NDA) beauftragt.

In Dounreay ist ein Endlager für radioaktive Abfälle vorgesehen, um die Abfälle aufzunehmen, die beim Rückbau der kerntechnischen Anlagen anfallen.

Inzwischen wurde die Verarbeitung von Kernbrennstoffen eingestellt und mit den Rückbauarbeiten begonnen. Am 1. April 2005 ging das Gelände in das Eigentum der Nuclear Decommissioning Authority (NDA) über. Seit 1. April 2008 werden die meisten Anlagen auch von dieser betrieben.

Wegen des Vorkommens radioaktiver Verbindungen aus Uran und Plutonium auf dem gesamten Gelände wird die Anlage als Sicherheitsrisiko angesehen und streng bewacht.

Stand 2019 wurde rund die Hälfte der Brennelemente entfernt.

Die Anlage oder Teile der Anlage Vulcan sind seit 2022 im Gespräch über einen möglichen Rückbau.

Am 1. April 2023 ging Dounreay (bzw. DSRL) in die Magnox Ltd., einem Teil der NDA, über.

Der Abschluss des Rückbauarbeiten (Stand 2013) ist für 2025 oder später geplant. Das Gesamtprogramm war im Jahr 2000 für 60 Jahre geplant. Danach ist eine Pflege- und Wartungsphase geplant, die weitere 300 Jahre andauern soll.

Daten der Reaktorblöcke Das Kernkraftwerk Dounreay hatte drei Reaktoren, davon waren zwei kommerzielle Leistungsreaktoren: Reaktorblock Reaktortyp Netto-leistung Brutto-leistung Baubeginn Netzsyn-chronisation Kommer-zieller Betrieb Abschal-tung Dounreay DFR Schneller Brutreaktor 11 MW 15 MW 01.03.1955 01.10.1962 01.10.1962 01.03.1977Dounreay MTR Forschungsreaktor/Materialtestreaktor n. r. n. r. Ende 1950 n. r. 1958 (Kritikalität) 1969 Dounreay PFR Schneller Brutreaktor 234 MW 250 MW 01.01.1966 10.01.1975 01.07.1976 31.03.1994

Literatur

Berichte und Andere

Fachartikel

Fachbücher

Sachbücher

Weblinks

Artikel, Reporte etc.

Broschüre mit umfangreichen Details und Fotomaterial.

Videos

Webseiten

Der Artikel enthält eine komplette Übersicht über die Anlage von 1954–2023 und allen Änderungen. Dounreay Site Restoration Limited, Betreiber (englisch; Vorgängeradresse war ) Nuclear Decommissioning Authority, Besitzer (englisch; Vorgängeradresse war )

Einzelnachweise

Kategorie:Nuklearforschungszentrum Kategorie:Bauwerk in Highland (Council Area) Dounreay DMTR Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Dounreay Dounreay Kategorie:Militärische kerntechnische Anlage Dounreay Kategorie:Ehemaliges Nuklearforschungszentrum