Neuses (früher auch Neuses bei Ornbau, fränkisch: NajsäsR. Schuh: Gunzenhausen, S. 198. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „naęsęs“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Merkendorf im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Neuses liegt in der Gemarkung Hirschlach.

Geografie Unmittelbar südwestlich des Dorfes entspringt der Tränkgraben, ein linker Zufluss des Bankertsgrabens, der wiederum ein linker Zufluss der Altmühl ist. Im Norden liegt das Ochsenfeld, im Osten der Hammersberg, im Süden das Hirtenfeld und 0,5 km westlich das Galgenfeld. Gemeindeverbindungsstraßen führen zur Staatsstraße 2411 bei Ornbau (1,1 km südwestlich), nach Triesdorf Bahnhof zur Bundesstraße 13 (1,6 km nordöstlich), nach Hirschlach zur Kreisstraße AN 59 (1,3 km südlich) und zur Staatsstraße 2220, die dort eine Anschlussstelle an die B 13 hat (1,4 km nördlich).

Geschichte Der sehr häufige Ortsname „Neuses“ (= zum neuen Sitz) macht es schwierig, historische Dokumente zweifelsfrei dem jeweiligen Neuses zuzuordnen. Die folgenden Belege beziehen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den heutigen Merkendorfer Gemeindeteil.

1275 verkaufte Graf Konrad von Oettingen mit Zustimmung seiner Gattin Agnes unter anderem den Nürnberger Bürgern Konrad Vorhtlin und Hermann Steiner alle seine Besitzungen in mehreren Orten, darunter auch seinen Besitz in „Nuwesez“. Gräfin Agnes von Oettingen bestätigte ihrerseits den Verkauf ihrer Widem-Güter unter anderem in „Niusez“. 1282 bestätigte ein Schiedsgericht dem Kloster Heilsbronn und den beiden Nürnbergern den Erwerb von 1275. Ein Beleg von circa 1300 sagt aus, dass der Zehent dem Bischof von Eichstätt gehört. 1334 verkaufte ein Konrad Toms den Teil seines Gutes im Dorf, den er von den Herren von Muhr erworben hatte, an das Kloster Heilsbronn. 1363 überließ ein Konrad Amman von Weidenbach der Deutschordenskommende Nürnberg sein Gut zu Biederbach tauschweise gegen ein Lehen zu „Newsaez“. 1402 sind sieben Untertanen zu „Newseß“ dem Kloster Heilsbronn abgabepflichtig, 1407 zwei Untertanen dem eichstättisch-bischöflichen Amt Arberg und 1423 von einem Untertan an das Stadtvogteiamt Eschenbach. 1432 verschrieb ein Friedlein Witzmann sein eigenes Gütlein im Ort dem Bischof von Eichstätt, wofür ihn dieser in seinen Schutz und Schirm nahm. Anfang des 16. Jahrhunderts zinsten nur noch fünf Untertanen an das Amt Merkendorf des Klosters Heilsbronn. 1551 war ein Untertan der Herrschaft Altenmuhr abgabepflichtig. Für 1616 liegt folgende Besitzbeschreibung vor: Von den insgesamt zehn Untertanen im Dorf gehörten vier zum Amt Merkendorf, zwei waren lentersheimisch, zwei eichstättisch und dem Amt Ornbau unterstehend, und zwei zinsten nunmehr an den Deutschen Orden in Eschenbach. Daneben gab es ein Hirtenhaus. 1665 unterstanden sechs Untertanen dem markgräflichen Amt Merkendorf, je zwei Untertanen gehörten unverändert den bereits 1616 aufgeführten drei weiteren Grundherrschaften. Auch das (gemeindliche, abgabenfreie) Hirtenhaus ist wieder erwähnt.

1732 hat sich die grundherrliche Struktur wie folgt gewandelt: vier Halbhöfe und ein Gut gehören zum markgräflichen Verwalteramt Merkendorf, zwei Untertanen sind lentersheimisch, ein Untertan zinst an das Kastenamt Wassertrüdingen, je zwei Untertanen Zinsen nach Ornbau und nach Eschenbach; es gibt weiterhin das Gemeindehirtenhaus. Die Untertanen des Verwalteramtes Merkendorf sind in die evangelische Pfarrei Merkendorf, die übrigen in die katholische Pfarrei Ornbau gepfarrt. Die Gemeindeherrschaft lag beim Amt Ornbau, während die Fraisch inner Ettern der jeweilige Grundherr über seine Hintersassen ausübte und die hohe Fraisch vom markgräflichen Oberamt Windsbach wahrgenommen wurde.Alle Angaben nach R. Schuh: Gunzenhausen, S. 198f.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neuses 12 Anwesen und 1 Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das eichstättische Kasten- und Stadtvogteiamt Ornbau. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (Verwalteramt Merkendorf: 1 Hof, 3 Halbhöfe, 1 Viertelhof; Kastenamt Wassertrüdingen: 1 Wirtsgütlein), das Hochstift Eichstätt (Kastenamt Arberg-Ornbau: 1 Gut; Kasten- und Stadtvogteiamt Ornbau: 1 Halbhof), der Deutsche Orden (Stadtvogteiamt Eschenbach: 1 Halbhof; Pfarr- und Pfründestiftung Eschenbach: 1 Halbhof) und Rittergut Altenmuhr (1 Hof, 1 Halbhof).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 892f.

Bis zum Ende des Alten Reiches änderte sich an den grundherrlichen Besitzungen nichts mehr. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 995f. Die Zahl der Anwesen blieb unverändert.Hiernach sollen von den 12 Untertansfamilien, 8 ansbachisch gewesen sein.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 775f.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Neuses dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Hirschlach und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Hirschlach zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963.

Ab 1812 besuchten die Kinder von Neuses die Schule in Hirschlach; seit der Auflösung der dortigen Schule pendelten sie nach Merkendorf. 1912 wurde Neuses mit Hirschlach an das Stromnetz des Fränkischen Überlandwerkes angeschlossen. 1970 baute man in Neuses die Kanalisation. Im gleichen Jahr wurde das leerstehende Gemeindehaus abgebrochen und an seiner Stelle ein Feuerwehrhaus mit gemeindlicher Maschinenhalle errichtet. 1975 wurde das Dorf mit Hirschlach an die Fernwasserleitung der Reckenberggruppe angeschlossen; das Abwasser wird seit 2006 zur Kläranlage Merkendorf gepumpt.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 33ff.

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam die Gemeinde Hirschlach und mit ihr Neuses am 1. Juli 1972 vom aufgelösten Landkreis Gunzenhausen in den Landkreis Ansbach und wurde zum 1. Mai 1978 in die Stadt Merkendorf eingemeindet.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 996.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 37.

2002 bis 2007 ließ die Stadt Merkendorf in Neuses die Dorferneuerung durchführen; hierbei wurde am ehemaligen Löschwasserteich ein Dorfplatz mit Brunnen neu angelegt und ein neues Buswartehäuschen mit Glocken-Dachreiter errichtet.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 101–106. 2008 bestand das Dorf aus 24 Hausnummern.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 165–187. Im Dorf gibt es eine Biogasanlage, die von einem Privatmann betrieben wird.

Baudenkmal Haus-Nr. 1, eine massive Scheune des 19. Jahrhunderts

Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 1991 2010 2020Einwohner 60 54 78 84 89 92 86 101 73 74 60 73 109 114 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 8 15 17 18 17 16 16 18 Quelle Karl Huber: Gemeindedaten zum 1. Januar 1991. In: Festschrift zur Einweihung des Rathauses und des Krautbrunnens - Stadt Merkendorf - 25. Oktober 1991. Merkendorf 1991, S. 22. Daten aus den Bürgerversammlungen vom 24. und 25.11.2020 / Präsentation (PDF) S. 6 auf merkendorf.de, abgerufen am 3. Dezember 2020

Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Jakobus (Ornbau) gepfarrt.

Regelmäßige Veranstaltungen Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hirschlach veranstaltet jährlich in den Sommermonaten ein „Gemeindefest“ für Hirschlach und Neuses um die St.-Johannis-Kirche Hirschlach.

Literatur

Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Die ehemalige Gemeinde Hirschlach. In: Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 342–344.

Heinz Walter (Hrsg.): 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008. Herausgeber: Stadt Merkendorf. Merkendorf 2008.

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Merkendorf, Mittelfranken)