Dieser Artikel beschreibt die markanten Bauwerke in der Stadt Münchberg im Landkreis Hof in Oberfranken.

Sakralbauten Evangelisch-lutherische Stadtkirche Peter und Paul mini|hochkant|Stadtkirche in Münchberg Die 1867–1872 von Karl Kaufmann als neugotischer Sandsteinquaderbau errichtete evangelisch-lutherische Stadtkirche Peter und Paul ist der sechste Bau an diesem Standort. Da Münchberg bereits im Jahre 1308 einen ersten Geistlichen erhielt,Arbeitskreis Stadtgeschichte: 700 Jahre Kirche in Münchberg (= Beiträge zur Münchberger Stadtgeschichte. Band 10). S. 5. kann man davon ausgehen, dass damals bereits eine Kirche oder Kapelle bestand. Mulzer vermutet, dass erst nach Gründung des Marktes Münchberg eine kleine Kapelle errichtet wurde.Hans Mulzer: Der Landkreis Münchberg – kirchengeschichtlich gesehen (= Zwischen Waldstein und Döbraberg. Band 6). S. 14. Karl Dietel geht sogar so weit, dass schon im 12. Jahrhundert ein Gotteshaus existierte, um die dort ansässigen Christen versorgen zu können, und bezieht sich dabei auf die Gründung der Pfarrei um 1240.Karl Dietel: Münchberg-Chronik einer Amts- und Industriestadt. S. 92. Urkundlich ist erstmals im Jahr 1388 von einer Kirche die Rede, als ein Marienaltar für das Münchberger Gotteshaus erwähnt wurde.Karl Dietel: Münchberg-Chronik einer Amts- und Industriestadt. S. 95. Diese Kirche wurde beim Hussitenstum 1430 beschädigt. Der Nachfolgebau wurde beim Stadtbrand 1534 zerstört, allerdings bis 1537 weitgehend wieder aufgebaut. Im Jahr 1562 drohte der Turm einzustürzen, woran später ein Steinblock am Turm erinnerte. Von 1702 bis 1709 folgte ein kompletter Neubau der Stadtkirche, der allerdings im Jahre 1729 dem nächsten Brand zum Opfer fiel. 1731 wurde unter Markgraf Georg Friedrich Karl wiederum mit einem Neubau begonnen, der 1734 vollendet war. Der mit einem Umlauf versehene, weiß getünchte Zwiebelturm brannte 1837 ab und im Jahre 1842 begann man mit dem Neubau des Turmes an der Westfassade. Die Bauarbeiten wurden ein Jahr später eingestellt, da sich die Fundamentierung als unzureichend erwiesen hatte. 1864 begann der Abbruch des gesamten Gotteshauses. 1867 wurde der Grundstein der heutigen Kirche gelegt.Tilmann Breuer: Landkreis Münchberg (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 13). S. 25.Karl Dietel: Münchberg-Chronik einer Amts- und Industriestadt. S. 276.Hans Mulzer: Der Landkreis Münchberg – kirchengeschichtlich gesehen (= Zwischen Waldstein und Döbraberg. Band 6). S. 70–80.

Die neue Stadtkirche wurde nach den Vorgaben Kirchenneubau in OberfrankenHelmuth Meißner: Evangelischer Kirchenbau in Oberfranken im 19. Jahrhundert (= CHW-Monographien. Band 2). S. Münchberg. geplant und ausgeführt. Die Kirche besitzt sieben Eingänge; am Haupteingang befindet sich die 1933 errichtete Taufkapelle. Vom 1837 abgebrannten Vorgängerbau wurden der Engel am Chorraumbogen und der Taufengel übernommen. Der 1931 mit Hilfe einer Stiftung erworbene neugotische Altar ist eine Nachbildung eines Werkes von Veit Stoß. Die Kanzel wurde zweimal versetzt, was an den Spuren am Mittelpfeiler der Kirche erkennbar ist.MünchBürger e.V.: Historische Gebäude in Münchberg. S. 6.

Ursprünglich war die Sakristei nicht ausgeführt worden: Bis zu ihrer Errichtung zu Beginn des 20. JahrhundertsArbeitskreis Stadtgeschichte: 700 Jahre Kirche in Münchberg (= Beiträge zur Münchberger Stadtgeschichte. Band 10). S. 26. wurde das Treppenhaus an der Nordostseite dafür benutzt. Über den Seitenschiffen wurden Dachfenster angebracht und in die Mauern Lichtschächte gebrochen, damit das Sonnenlicht in die Kirche einfallen konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Schächte zugemauert, weil sie undicht geworden waren; die Dachfenster sind noch vorhanden. Das ursprüngliche Steingewölbe der Decke musste wegen statischer Probleme 1893/1884 durch ein leichteres Holzbalkengewölbe ersetzt werden.

Wegen falsch zugehauener Steinquadern und eines fehlerhaften Fundaments, das das Gewicht des Turmes angeblich nicht hätte tragen können, wurden die Arbeiten am 70 Meter hohen Turm längere Zeit eingestellt, bis er 1872 ohne Verstärkung des Fundaments fertig gestellt wurde. Bei der Untersuchung des Fundaments im Jahr 2006 stieß man auf keine Auffälligkeiten, die auf ein Sicherheitsrisiko hingewiesen hätten. Allerdings brachen in den letzten fünf Jahren mehrmals kleinere Steinblöcke aus dem Mauerwerk. Bereits vor Vollendung des Turmes wurden 1869 die Glocken, die 32 Jahre lang in einem hölzernen Glockenhaus auf dem Kirchplatz hingen, im neuen Turm installiert. 1872 wurde die erste Turmuhr aus Schmiedeeisen installiert, die bis 1926 die Zeit anzeigte. Ein Jahr später lieferte die Turmuhrenfabrik Georg Rammensee aus Gräfenberg ein neues Werk aus Gusseisen und erneuerte die Zifferblätter. Dieses Werk befindet sich noch heute im Turm, wurde aber mittlerweile mit einem Funkwerk ausgestattet. Die Kirche wurde 1960 erstmals renoviert, wobei die purpurnen Rosen der Deckenbemalung übertüncht wurden. Eine erneute Renovierung dauert seit 2006 an. Die Glocken der Stadtkirche, die während des Zweiten Weltkriegs zum Einschmelzen abgenommen worden waren, konnten nach dem Krieg auf dem Glockenfriedhof bei Hamburg ausfindig gemacht und zurückgeholt werden.

Der neugotische Altar und die Kanzel von Ferdinand Behringer wurden 1872 angeschafft. Der 1734 gefertigte Altar von Johann Gabriel Räntz, die Kanzel von 1723 des gleichen Meisters und die im 18. Jahrhundert erworbene Orgel waren verlorengegangen. Nennenswert sind der im 19. Jahrhundert angefertigte Taufengel aus Holz und der Holzengel am Chorbogen um 1733. Sein Gegenstück ging ebenfalls verloren. Ein hölzernes Wappenrelief des Markgrafen Georg Friedrich Karl zu Brandenburg-Bayreuth (1726–1735) war in der barocken Kirche von den beiden Engeln eingerahmt. Das Wappenrelief befindet sich jetzt über dem Haupteingang, flankiert von zwei Gedächtnistafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Ein Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1926 für die Toten des Ersten Weltkrieges, zu dem auch der jetzt an der linken Empore angebrachte Erzengel Michael gehörte, wurde nach 1945 durch diese Tafeln ersetzt.Arbeitskreis Stadtgeschichte: 700 Jahre Kirche in Münchberg (= Beiträge zur Münchberger Stadtgeschichte. Band 10). S. 31.

Die ehemalige Orgel war ein Werk der Firma Steinmeyer und wurde 1954 für die Lutherkirche Remscheid erbaut. Unter Beratung von Hans Klotz wurde sie 1974 nach Münchberg umgesetzt. 2012 wurde die Orgel anlässlich einer Kirchenrenovierung vollständig ausgebaut und eingelagert. Ursprünglich war eine Sanierung vorgesehen, nach mehreren Gutachten wurde jedoch beschlossen, das problematische Instrument aufzugeben und einen Neubau anzustreben. Dazu wurde u. a. ein Orgelförderverein gegründet. Als Interimsinstrument steht seitdem eine gebrauchte Digitalorgel (Rodgers Trillium) zur Verfügung. 2021 stand die viermanualige Beckerath-Orgel der Laeiszhalle Hamburg von 1950 wegen eines geplanten Neubaus zum Verkauf und Münchberg erhielt für einen symbolischen Preis den Zuschlag. Die Umsetzung und der Aufbau mit verschiedenen Modifikationen und Erweiterungen wurde bis 2025 durch die Fa. Beckerath durchgeführt. Neu gebaut wurden u. a. zwei Spieltische. Auch ein neues Gehäuse ist vonnöten, da das alte von Walcker in der Laeiszhalle verbleibt, um den erhaltenen Prospekt für eine entsprechende Rekonstruktion der Orgel nutzen zu können. Die Fertigstellung in Münchberg erfolgte im Oktober 2025.

Evangelisches Pfarrhaus mini|Evangelisches Pfarrhaus in Münchberg mini|Reste der Münchberger Stadtmauer Das Pfarrhaus am Kirchplatz wurde bereits 1570 über einem mittelalterlichen Kern errichtet. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde es erst 1654 notdürftig repariert und nach dem Brand von 1701 ebenfalls nur provisorisch wiederhergestellt; 1718 wurde es komplett renoviert. Von 1756 bis 1766 wurde der Ostflügel nach Norden und Osten vergrößert und der Südflügel in Stand gesetzt. 1919/20 erhielt es ein zweites Obergeschoss.MünchBürger e.V.: Historische Gebäude in Münchberg. S. 7.

An der ostseitigen Fassade befinden sich im Erdgeschoss fünf Bögen und in den Obergeschossen je zwölf Fenster. Da sich das Gebäude auf einem niedrigeren Niveau befindet als die Stadtkirche, ist vom Gotteshaus her ein direkter Zugang in das Obergeschoss möglich. Dieser Eingang wurde als Portalvorbau mit Flachgiebel und einem korbbogigen Fenster ausgeführt. Der Türstein ist ein abgerundeter Haustein und im Scheitelstein sind die Initialen FC (Friedrich Christian Markgraf von Brandenburg-Bayreuth) eingraviert. Im Obergeschoss befinden sich mehrere Räume mit gewölbter Decke. Der Nordwestteil enthält einen Kapitelsaal mit geschwungenem Rahmenschmuck aus Stuck, wie er auch in der östlichen Zimmerflucht zu finden ist. Die Decke des nördlichen Zimmers ist mit stuckiertem Blumenschmuck versehen. Daran schließt sich ein korbbogig geöffneter Alkoven mit einem Zimmer an. An der Fassade des Südflügels sind die Worte REPARIRT ANNO 1684 zu erkennen und unter dem Westteil befindet sich ein tonnengewölbter mittelalterlicher Keller. Der Ostflügel besitzt ein Mansarddach, der Südflügel ein abgewalmtes Dach. Im ganzen Haus befinden sich Kreuzgrat- und Tonnengewölbe. Im Untergeschoss sind Reste der in der Mitte des 18. Jahrhunderts abgerissenen Stadtmauer sichtbar.Tilmann Breuer: Landkreis Münchberg (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 13). S. 27.

Evangelisch-lutherische Friedhofskirche zur Himmelspforte mini|Friedhofskirche

In der Mitte des 16. Jahrhunderts verlegte man den Friedhof aus Angst vor Seuchen vor die Tore der Stadt. Die damals erbaute Kapelle wurde 1745 abgerissen und durch die heutige ersetzt. Im Jahre 1806 wurde die Kirche als Munitionsmagazin zweckentfremdet, sodass sie 1818 renoviert werden musste.MünchBürger e.V.: Historische Gebäude in Münchberg. S. 9.

Die Friedhofskirche steht im Südteil des Städtischen Friedhofs. Der Saalbau hat vier Achsen und ein 5/8-Schluss-Kreuzgratgewölbe sowie stichbogige Fenster. Das Dach über der verputzten und weiß gestrichenen Fassade ist abgewalmt und läuft auf einen in das Dach einschneidenden Turmaufbau zu, der aus einer geschwungenen Kuppel mit einer Laterne besteht.

Den Innenraum umlaufen an drei Seiten zweigeschossige Holzemporen im toskanischen Stil mit gedrehten Holzbalustern. Die 1748 gefertigte und 1926 erneuerte Stuckverzierung weist an einigen Stellen Puttenköpfe auf. Über dem Altar von 1749/50 befindet sich die Himmelspforte mit dem Auge Gottes, von der die Kirche ihren Namen hat. Die Orgel wurde 1861/1862 im Stil der Neurenaissance erbaut. Das Gestühl stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Holzfigur des Auferstandenen wird in das 17. Jahrhundert datiert. An der Außenseite der Kirche sind Epitaphien angebracht, deren Gegenstücke das Germanische Nationalmuseum Nürnberg besitzt. Sie stammen vom 16. bis 18. Jahrhundert. Die Butzenscheiben, die die Münchberger Handwerkskünste darstellten, wurden 1926 durch schlichte Scheiben ersetzt. An den Außenseiten befinden sich zahlreiche Grabdenkmäler des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Wunsiedler Marmor.Tilmann Breuer: Landkreis Münchberg (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 13). S. 25–26.Hans Mulzer: Der Landkreis Münchberg-kirchengeschichtliche gesehen (= Zwischen Waldstein und Döbraberg. Band 6). S. 64.

Katholisches Pfarrhaus mini|Katholisches Pfarrhaus in Münchberg Münchberg war über Jahrhunderte fast rein evangelisch und besaß deshalb auch kein katholisches Gotteshaus. Die wenigen Katholiken wurden in dieser Zeit von der Wallfahrtspfarrei Marienweiher betreut, was einen Fußmarsch von knapp drei Stunden zum Gottesdienstbesuch bedeutete. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bahnbau in Münchberg begonnen wurde, kamen auch mehr Katholiken in die Stadt, die 1893 den Katholischen Kirchenverein mit dem Ziel gründeten, in Münchberg eine Kirche zu errichten.MünchBürger e. V.: Historische Gebäude in Münchberg. S. 14.