mini|269px|Gemarkung Burg im Südosten des Stadtgebiets mini|269px|Ortsteile von Burg Burg an der Wupper (abgekürzt Burg) ist ein Stadtteil der bergischen Großstadt Solingen und bildet zusammen mit dem Stadtteil Höhscheid den Stadtbezirk Burg/Höhscheid. Bis zur Gebietsreform von 1975 war Burg mit zuletzt rund 2000 Einwohnern eine der kleinsten Städte in Nordrhein-Westfalen.
Der Stadtteil besteht aus den beiden Ortsteilen Ober- und Unterburg. In Oberburg befindet sich die im 12. Jahrhundert erbaute bergische Herzogsresidenz Schloss Burg, die im Dreißigjährigen Krieg zu großen Teilen zerstört und zwischen 1890 und 1914 historisierend wiederaufgebaut wurde. Seither bildet sie die größte wiederhergestellte Burganlage Nordrhein-Westfalens.
Unterburg ist vor allem für seine geschlossene Bebauung mit Jahrhunderte alten Fachwerkhäusern bekannt. Des Weiteren gibt es dort neben der Obus-Drehscheibe auch die vorrangig touristisch frequentierte Seilbahn Burg, die beide Ortsteile miteinander verbindet.
Geographie Der Stadtteil Burg befindet sich im Nordwesten der Bergischen Hochflächen, am Übergang des Solinger Höhenrückens zum Remscheider Bergland, der durch das westliche Wupperengtal gebildet wird. Der Ortsteil Unterburg liegt an der Mündung des Eschbachs in die Wupper auf 98 bis 105 Metern über Normalhöhennull, Oberburg mit dem Schloss befindet sich auf einem Höhenzug etwa 100 Meter oberhalb der Wupper auf rund 180 bis 200 Metern über Normalhöhennull.Rheinischer Städteatlas Burg; Lfg. VIII Nr. 44, 1985; Bearbeiterin: Renate Gerling; Rheinland-Verlag Köln
Burg liegt etwa sechs Kilometer Luftlinie südöstlich der Innenstadt von Solingen, sechs Kilometer südwestlich von Remscheid sowie fünf Kilometer westlich von Wermelskirchen im Bergischen Land.
Geschichte Frühgeschichte mini|links|Schloss Burg
Das Bergische Land blieb aufgrund seiner dichten Wälder und seiner mitunter anspruchsvollen Topografie lange Zeit unbesiedelt, die Römer drangen seinerzeit nur bis Köln vor. Erst ab dem 7. Jahrhundert breiteten sich die Menschen auch in die schwieriger urbar zu machenden Gebiete jenseits des Rheins aus. Mit ihrer Ansiedelung gingen erste Klostergründungen einher und das Gebiet wurde nach und nach christianisiert.
Um die erste Jahrtausendwende gelangten in der Region die Herren von Berg zu einigem Wohlstand. Der spätere erste Graf von Berg war Adolf, der im Jahre 1056 als Vogt des Stiftes Gerresheim erwähnt wird. Sein Sohn, Adolf II. von Berg, der um das Jahr 1100 geboren wurde, regierte von 1115 bis 1160. Unter diesem wurde der alte Stammsitz der Grafen von Berg, die Burg Berge im Oberbergischen Land, im Jahre 1133 aufgegeben und den Zisterziensern überlassen. Die Herrscherfamilie zog in das weiter nördlich gelegene, neu errichtete Novo Monto, das heutige Schloss Burg, auf einer Anhöhe über einem Engtal der Wupper. Die Position des Schlosses im dicht bewaldeten Gebiet, hoch oben auf einem Felsen, wurde aus strategischen Gründen gewählt.
Siedlungsursprünge mini|Historische Abbildung der Freiheit Burg
Die Errichtung der Burg gilt als Ausgangspunkt der Siedlung Burg, die von ihr auch ihren Namen hat. Die Ursprünge der Besiedelung des Ortes werden auf das ausgehende 12. Jahrhundert geschätzt. Im Jahre 1170 gründete Graf Engelbert I. eine Kommende der Johanniter innerhalb des Schlosses. Noch vor 1200 wurde eine erste Kirche errichtet. Unter Graf Engelbert II. erfolgten zwischen 1218 und 1225 der Ausbau des Schlosses und der Bau der äußeren Burgmauer. Bereits im 13. Jahrhundert gab es eine herzogliche Kornmühle außerhalb des Schlosses.
Für das Jahr 1350 ist die Besiedelung am Steinweg nachweisbar, so dass die Burgmauern schon früh nicht mehr die Begrenzung des Ortes darstellen konnten. Burg bildete als Freiheit im Herzogtum Berg bereits eine eigene Verwaltung, der Ort Burg als Freiheit wurde erstmals 1363 urkundlich erwähnt. Die Grafen von Berg verlegten ihren Regierungssitz im 14. Jahrhundert nach Düsseldorf. Trotz der Verlegung nutzte die Herrscherfamilie das Schloss weiterhin häufig im 15. Jahrhundert und seltener im 16. Jahrhundert.
15. bis 18. Jahrhundert Infolge der Verlegung gab das Gefolge der Grafen von Berg am Ende des 14. Jahrhunderts und im 15. Jahrhundert seine Burglehen auf. Am Ende des 15. Jahrhunderts waren das Gebiet bis zur äußeren Burgmauer sowie Teile des heutigen Oberburgs an der Wermelskirchener Straße dünn besiedelt. Außerdem war die heutige Schlossbergstraße zu dieser Zeit bereits beiderseits locker bebaut. Die Besiedelung der Eschbachmündung und des Wupperübergangs im heutigen Unterburg fiel ebenfalls in diese Zeit. Die Siedlung dehnte sich danach kontinuierlich den Eschbach aufwärts aus.
Seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts sind in Burg praktizierte Gewerbe nachweisbar, darunter bereits das Tuchmachergewerbe als über die Jahrhunderte bedeutsamstes. Vor allem die Deckenmacher machten eine große Zahl aus. Auch der Fischerei an Wupper und Eschbach wurde nachgegangen.
Im Jahre 1530 und 1535 wurden das Schloss und die Kellnerei verpfändet, im 16. und 17. Jahrhundert fungierte die Burg als Sitz des Amtmanns und Kellners. Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg wechselnden Besatzungen unterworfen, bis sie und einige Nebengebäude schließlich im Jahre 1648 zerstört wurden. Es blieb jedoch bis 1807 Sitz des Kellners und Richters von Burg. Für die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ist die Bebauung der heutigen Müngstener Straße belegt, die Wasserkraft des Eschbach wurde ab der Mitte des 17. Jahrhunderts genutzt. Die gewerbliche Nutzung erfolgte durch Schleifkotten und Hammerwerke am Eschbach von der Mündung bis zum Kellershammer sowie am Wupperufer flussabwärts bis zur heutigen Kläranlage.
mini|Evangelische Kirche in Unterburg
Die Burger legten bereits früh Wert darauf, in der Oberburger Pfarrkirche St. Martinus die Religion ihrer Wahl praktizieren zu dürfen. Im Jahre 1553 konvertierte fast die gesamte Gemeinde zum lutherischen Glauben. Später nutzten Lutheraner und Katholiken das Gotteshaus abwechselnd. Über den Besitz an der Kirche wurde lange Jahre gestritten. Im 17. Jahrhundert spalteten sich die Lutheraner durch eine Gegenreformation in zwei Lager, wodurch der Streit noch beflügelt wurde. Durch die Zerstörung von St. Martinus im Dreißigjährigen Krieg kamen die Lutheraner zunächst in einem Wohnhaus an der heutigen Müngstener Straße unter, ehe sie zwischen 1732 und 1735 aus den Überresten der zerstörten Burg dort auch ihre erste eigene Kirche errichteten. Dieser Vorgang führte zur konfessionellen Spaltung des Ortes in das lutherische Unter- und das katholische Oberburg. Den Bau eines Turmes mit Glocken verhinderten die Katholiken zunächst, erst rund 50 Jahre später konnte der Kirchturm mit kurfürstlicher Erlaubnis gebaut werden.Als Unterburg eine Kirche bekam, Solinger Tageblatt vom 18. Juli 2016, S. 18 (Rückblick) Im Jahre 1653 wurden bei einem Stadtbrand in Unterburg 30 Häuser zerstört. 1740 bestand der gesamte Ort aus 200 alten Gebäuden. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fanden im Schloss Instandsetzungsarbeiten statt. Im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts stagnierte die Wirtschaft im Ort.
19. Jahrhundert Im Jahre 1808 wurden erneut acht Häuser in Unterburg durch einen Stadtbrand zerstört. Der Ausbau der Straßen in Burg sowie die erste Poststation fielen in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sogenannte Chaussee Burg–Solingen etwa, die heutige Burger Landstraße, wurde zwischen 1824 und 1825 gebaut. Eine Hausnummerierung wurde 1836 eingeführt.
Am 24. April 1806 gründeten die Franzosen nach ihrer Besetzung des Rheinlandes das Großherzogtum Berg, dem auch Burg angehörte. Neben der Modernisierung der Verwaltung brachte dies die Einteilung der Gebiete in Munizipalitäten (ab 1808 Mairies genannt) mit sich. Am 25. Oktober 1808 beantragte Burg, eine eigene Mairie bilden zu dürfen und damit nicht Wermelskirchen zugeordnet zu werden. Trotz der dazu eigentlich vorgeschriebenen Mindestzahl von 1500 Einwohnern – Burg hatte nur 1245 Einwohner – wurde dem Antrag dank eines positiven Gutachtens des Solinger Amtsverwalters Krey am 19. Dezember 1808 stattgegeben. Burg gehörte nun als eigene Mairie zum Kanton Wermelskirchen im Arrondissement Elberfeld.Bettina Severin Barboutie: Französische Herrschaftspolitik und Modernisierung: Verwaltungs- und Verfassungsreformen im Großherzogtum Berg (1806–1813). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008, ISBN 978-3-486-58294-9. Nach dem Rückzug Frankreichs im Jahre 1813 übernahm Preußen die Verwaltung des Großherzogtums. Aus der Mairie Burg wurde 1816 die Bürgermeisterei Burg, die dem Landkreis Solingen zugeordnet wurde. Am 30. Oktober 1819 wurde Burg dem aus dem Kanton Wermelskirchen hervorgegangenen Kreis Lennep zugeordnet.
Im 19. Jahrhundert waren im Schloss zeitgleich die Schule, eine Deckenfabrik und eine Wollspinnerei untergebracht. 1849 wurden Teile des Daches der Burg für den Bau des Landgerichts in Elberfeld verwendet. Am 18. August 1856 erhielt die Bürgermeisterei Burg nach der Rheinischen Städteordnung die Stadtrechte und wurde in diesem Zusammenhang in Burg an der Wupper umbenannt. Im Jahr 1850 und 1864 umfasste die Stadt Burg neben Unter- und Oberburg mit 1680 Einwohnern die folgenden Wohnplätze:
Angerscheid mit 13 Einwohnern Burgerhöh mit 9 Einwohnern Burgthal mit 36 Einwohnern Kellershammer mit 13 Einwohnern Wüsthoffs- oder Lindenbergshammer mit 8 Einwohnern Neuenhof mit 5 Einwohnern Neufabrick mit 17 Einwohnern Schwarzwaagerkotten (1864 abgebrannt)
mini|Das 1889 erbaute Rathaus
1887 gründete sich der Verein zur Erhaltung der Schloßruine zu Burg an der Wupper, der seit 1897 Schlossbauverein Burg an der Wupper heißt, mit der Zielsetzung, die Schlossruine wieder aufzubauen. 1889 wurde das Burger Rathaus an der Solinger Straße erbaut, einem Gebiet, das bis dato lediglich als Garten- und Weideland benutzt wurde. Im Jahre 1890 wurde im Eschbachtal die erste Schmalspurbahn in Betrieb genommen (Wermelskirchener-Burger Eisenbahn), die nach wenigen Jahren elektrifiziert wurde. Es handelt sich dabei um die Strecke Burg–Burgtal–Kellershammer–Talsperre.
20. Jahrhundert bis heute mini|Schloss Burg während des Wiederaufbaus (1897)
Zwischen 1887 und 1914 erfolgte der historisierende Wiederaufbau von Schloss Burg nach Plänen des Architekten Gerhard August Fischer. 1920 brannte das Schloss, der erneute Wiederaufbau erfolgte zwischen 1922 und 1927. Nachdem Preußen das Schloss im Jahre 1897 dem Kreis Lennep übertragen hatte, ging es nach dessen Auflösung zu 48 Prozent in den Besitz des 1929 an seiner Stelle gegründeten Rhein-Wupper-Kreises über, zu dem die Stadt Burg nunmehr gehörte. Die restlichen 52 Prozent verteilten sich auf die Stadt Remscheid mit 31 Prozent und die Stadt Wuppertal mit 21 Prozent. Im Jahre 1975 übernahm die Stadt Solingen die Anteile des aufgelösten Rhein-Wupper-Kreises.
Im Jahre 1908 fuhr die erste Straßenbahn zwischen Burg und der Krahenhöhe. Die Straßenbahn Burg–Kellershammer–Tyrol–Ehringhausen verkehrte ab 1925.
Im Zweiten Weltkrieg wurden in Burg 18 Gebäude komplett zerstört und 34 schwer beschädigt. In der Nachkriegszeit avancierte Burg an der Wupper zu einem bedeutenden Tourismusziel; die Burganlage selbst, wie auch die zahlreichen Cafés, Restaurants und Hotels in der Fachwerk- und Schieferkulisse des Ortes lockten viele Besucher an. Dieser Boom fand in den 1950er und 1960er Jahren seinen Höhepunkt.
Nach dem Jahr 1945 erfolgte die Bebauung beiderseits der Hasencleverstraße bis zur Kläranlage in Unterburg sowie in dem Gebiet um die Jugendherberge in Oberburg. Im Jahre 1968 gab es in Burg 340 Gebäude, davon entstammten 170 der Zeit vor 1900, 36 wurden zwischen 1901 und 1948 erbaut und 134 danach. Im Jahre 1970 bestand die Stadt Burg aus folgenden Wohnplätzen:
Burgerhöhe mit 6 Einwohnern Burgtal (Solingen) mit 23 Einwohnern Kellershammer mit 30 Einwohnern Neuwerk mit 24 Einwohnern Oberburg mit 623 Einwohnern Unterburg mit 1349 Einwohnern