mini|Abiturprüfung 2006 in einem Stettiner Lyzeum Das Bildungssystem in Polen umfasst die Kindergärten (przedszkole), Grundschulen (szkoła podstawowa), weiterführenden Schulen sowie die Hochschulen. Zu den weiterführenden Schulen zählen die allgemeinbildenden Lyzeen (liceum ogólnokształcące), die Berufsoberschulen (technikum) sowie weitere berufsbildende Schulen. Die Organisation des Bildungssystems ist größtenteils durch das Ministerium für Bildung und Wissenschaft unter der aktuellen Ministerin Barbara Nowacka (Inicjatywa Polska) landesweit zentralisiert. Der letzte große Einschnitt bestand 2017 in der Rückkehr zur achtjährigen Grundschule durch die PIS-Regierung.

Schulbildung

Allgemeines Die Bildungspflicht der Kinder beginnt im Alter von sechs Jahren mit der Vorschule (zerówka, „Klasse Null“), darauf folgt die Einschulung mit sieben Jahren. Das polnische Schulsystem sieht bis in die 8. Klasse keine „vertikale Differenzierung“ vor, das heißt unterschiedlich begabte Kinder werden nicht auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt, sondern besuchen die für ihr Alter vorgesehene Schulstufe gemeinsam.

Das Schuljahr beginnt am 1. September und endet in der ersten Juni-Hälfte.

Weit verbreitet in Polen ist die berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung am Wochenende.

Notenskala Die Schulnoten in Polen haben einen Bereich von 6 bis 1. Dabei ist die 6 die beste und 1 die schlechteste Note. 6 – celująca (Ausgezeichnet) 5 – bardzo dobra (Sehr gut) 4 – dobra (Gut) 3 – dostateczna (Befriedigend) 2 – dopuszczająca (Ausreichend) 1 – niedostateczna (Ungenügend) Die 6 wird allerdings sehr selten nur in besonders ausgezeichneten Fällen an Schüler vergeben, die sich Kenntnisse über den Unterrichtsstoff hinaus aneignen und reproduzieren. Dies soll sie dazu anregen, selbstständig das erlernte Wissen durch Eigenstudium zu vertiefen, um sie so auf die universitäre Ausbildung vorzubereiten. Daher ist die Note nicht direkt mit einer 1 in Deutschland zu vergleichen.

Schulkosten und Privatschulen Das verpflichtende Vorschuljahr ist den Eltern für fünf Stunden täglich kostenlos, ebenso wie die staatlichen Schulen. Schulmittel, wie etwa Bücher, müssen aber privat getragen werden, auch Mahlzeiten und weiterführende Angebote sind kostenpflichtig.

Neben den staatlichen gibt es eine steigende Zahl von privaten Schulen, wozu die kirchlichen gehören, aber auch die Montessori und Freinet-Schulen, die ein besonderes Menschenbild vermitteln wollen. Diese dürfen keinen Gewinn erwirtschaften, und die laufenden Kosten der Schulen werden teilweise bis zu 100 % vom polnischen Staat getragen.

PISA-Studien, Bei den PISA-Studien konnte Polen vom Jahr 2000 bis 2010 seine Position vom Ende in das Mittelfeld verbessern. Im Jahre 2014 war das polnische Bildungssystem auf Platz 5 in Europa und auf Platz 10 in der Welt. Die Ergebnisse des Jahres 2019 bestätigten die Plätze in der weltweiten Spitzengruppe.

Fachunterricht: Fremdsprache, Religion, Geschichte Beachtlich sind die Erfolge in der Umstellung bei der ersten Fremdsprache von Russisch auf Englisch innerhalb einer Generation.

Der Religionsunterricht in Polen ist ein Wahlfach, an dem de facto fast alle teilnehmen, doch mit fallender Tendenz. Verantwortlich ist allein die Römisch-katholische Kirche. Der alternative Ethikunterricht wird kaum angeboten.

Im Geschichtsunterricht sorgte 2022 die vorläufige Absage an das Projekt Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch durch die aktuelle PIS-Regierung für Furore. Die Tendenz geht dahin, statt kritische Fähigkeiten im Umgang mit historischen Inhalten zu fördern mehr auf nationale Helden und Vorbilder zu setzen. Dieses Ziel liegt besonders der PIS am Herzen, die auch für eine Erhöhung der Stundenzahl gesorgt hat. Gegen ein heftig umstrittenes Gesetz des Ministers Czarnek („lex Czarnek“), das national-klerikale Inhalte für den Geschichtsunterricht (neuer Name Geschichte und Gegenwart) vorsah, legte Präsident Duda im Januar und Dezember 2022 sein Veto ein, weil es die Gesellschaft weiter spalte – wegen des Ukrainekriegs sei aber gesellschaftlicher Konsens erforderlich.

Deutschunterricht in Polen Deutsche sind in Polen eine anerkannte nationale Minderheit, die besonders im Raum Oppeln eine erhebliche Zahl von 140.000 Sprechern (nach anderen Quellen 300.000 mit deutscher Identität) erreicht. Die Schüler erhalten einen herkunftssprachlichen Unterricht, ebenso wie die Gruppen der Litauer oder Ukrainer. Die PIS-Regierung hat den Umfang von 2022/23 an auf eine Wochenstunde gekürzt (gegenüber bisher drei Wochenstunden). Sie wirft der Bundesrepublik vor, ihrerseits nicht genug für den Polnischunterricht in Deutschland zu tun. Zuständig sind in Deutschland aber die Bundesländer, die diesen Unterricht anbieten. Dahinter steckt auch die polnische Forderung, den in Deutschland lebenden Polen (1 Million Menschen, ohne zusammenhängendes Siedlungsgebiet) einen Minderheitsstatus zuzusprechen, wie es bereits umgekehrt der Fall ist. Der Europarat hat Polen für die Schulpolitik kritisiert.

Grundschule Mit der Bildungsreform von 2017 wurde die Primarstufe (szkoła podstawowa) mit der Sekundarstufe I (gimnazjum) zusammengelegt. Die nunmehr achtjährige Grundschule (szkoła podstawowa) erfüllt grundsätzlich die Schulpflicht.

Die Grundschule, deren Träger die Gemeinden sind, teilt sich in zwei Zyklen. Die ersten drei Klassen werden in Form des integrierten Fachunterrichts (Klassenlehrerprinzip) geführt, die weiteren Klassen nach dem Fachlehrerprinzip. Ab der fünften Klasse wird die erste obligatorische Fremdsprache, meistens Englisch, gelehrt. Eine Nichtversetzung ist in der Grundschule nicht vorgesehen. Der Abschluss der Grundschule erfolgt mit einer Prüfung, welche den Fähigkeits- und Kenntnisstand der Schüler zeigen soll.

Weiterführende Schulen mini|Das V Liceum Ogólnokształcące im. Stefana Żeromskiego w Gdańsku-Oliwie ist ein allgemeinbildendes Lyzeum in Danzig.

Nach einer bestanden Prüfung am Ende der Grundschule (8. Klasse) können die Schüler die Matura (matura) wahlweise an einem allgemeinbildenden Lyzeum (liceum) in der 12. Klasse, beziehungsweise einer Berufsoberschule (technikum) in der 13. Klasse, ablegen oder eine Berufsausbildung antreten.

Berufsbildende Schulen, welche direkt an die Grundschule angeschlossen werden, sind:

die dreijährigen berufsbildenden Schulen (trzyletnie szkoły specjalne) die Branchenschule I. Grades (branżowa szkoła I stopnia), an die die Branchenschule II. Grades (branżowa szkoła II stopnia) angeschlossen werden kann, dessen Abschluss wiederum zu einem Hochschulstudium berechtigt.

Darüber hinaus gibt es post-gymnasiale Schulen (szkoły policealne), welche sich an das allgemeinbildende Lyzeum anschließen und auf einen Beruf vorbereiten.

+ Schematische Darstellung des polnischen Schulsystem seit 2017Sekundarstufe II2 JahreSzkoły policealne (dt. post-gymnasiale Schulen)Szkoły branżowe II stopnia (dt. Branchenschule II. Grades) 18–20 Jahre (szkoły branżowe II st.)

19–21 Jahre (szkoły policealne) 3 Jahre, bzw.

4 Jahre (liceum)

5 Jahre (technikum)Liceum ogólnokształcące (dt. allgemeinbildendesLyzeum, entspricht dergymnasialen Oberstufe)Technikum (dt. etwa:Berufsoberschule)Szkoły branżowe I stopnia (dt. Branchenschule I. Grades)Trzyletnie szkoły specjalne (entspricht einerdreijährigen berufsbildenden Schule) 16–18 Jahre, bzw.

19 Jahre (liceum) 20 Jahre (technikum)Sekundarstufe I, Primarstufe8 Jahreszkoła podstawowa (dt. Grundschule)7–15 JahreVorschule1 Jahrzerówka (deutsch etwa: „Nullklasse“)6 JahreSchulstufeDauerSchultypAlter der Schüler

Hochschulbildung In Polen studieren fast zwei Millionen Studenten. Die Hochschulen sind von Anweisungen des Staates bezüglich ihrer Bildungsangebote seit 1990 weitgehend unabhängig. 2008 gab es in Polen 130 staatliche und 315 nichtstaatliche Hochschulen. Weiterhin gab es 78 Einrichtungen der Polska Akademia Nauk (Polnische Akademie der Wissenschaften) sowie etwa 200 selbständige Forschungseinrichtungen.

Die staatlichen Hochschulen haben seit den 1990er Jahren vermehrt Konkurrenz durch nichtstaatliche Hochschulen bekommen.Polen (Land), Enzyklopädie des europäischen Ostens

Hochschulabschlüsse licencjat (entspricht Bachelor) inżynier, inż. (entspricht ebenfalls Bachelor; nur in den Ingenieurwissenschaften) magister, mgr; mgr inż. (entspricht Master/Uni-Diplom; existiert als grundständiger Studiengang sowie aufbauend auf licencjat oder inżynier) lekarz, lek. (entspricht Arzt; 6 Jahre Studium, danach 13 Monate Postgraduierten-Praktikum – Staż podyplomowy lekarza, Staatsexamen)Ustawa z dnia 5 grudnia 1996 r. o zawodach lekarza i lekarza dentysty lekarz dentysta, lek. dent. (entspricht Zahnarzt) lekarz weterynarii, lek. wet. (entspricht Tierarzt) doktor doktor habilitowany (Habilitation; wird, anders als in vielen Ländern der BR Deutschland, als akademischer Grad angesehen.)

Magister Der polnische magister (Abkürzung mgr) entspricht dem deutschen Diplom, jedoch nicht exakt dem deutschen Magister mit Bezug auf die Studienstruktur, obwohl der Name identisch ist. Denn wie im deutschen Diplom- oder Masterstudium wird auch im polnischen Magister- oder Masterstudium meistens eine Fachrichtung präferiert, beim deutschen Magisterabschluss hingegen mehrere Fachrichtungen.

Es gibt sowohl grundständige als auch auf Abschlüssen der Bakkalaureatsebene (licencjat bzw. inżynier in den Ingenieurwissenschaften) aufbauende Magisterstudiengänge. Der Magister wird nach einer vier- bis fünfjährigen Regelstudienzeit vergeben, die mit einer magisterium genannten Abschlussarbeit beendet wird. In der Humanmedizin ersetzt der Abschluss lekarz den Magister, in der Tiermedizin heißt der entsprechende Abschluss lekarz weterynarii. In technischen Studiengängen wird der Grad magister durch den Zusatz inżynier (Ingenieur, abgekürzt mgr inż.) ergänzt.

Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen besteht ein Äquivalenzabkommen über die gegenseitige Anerkennung der Hochschulabschlüsse. In Warschau wurde dieses Abkommen am 23. Juli 1997 unterzeichnet und am selben Tag durch zwei zusätzliche Protokolle ergänzt. Das Abkommen trat am 14. Januar 1998 in Kraft. Vgl. BGBl. 1998 Teil II Nr. 20 vom 19. Juni 1998, S. 1011–1026. Die Ergänzung der Anlage 2 dieses Abkommens wurde im BGBl. 1999 Teil II Nr. 15 vom 25. Juni 1999, S. 471–472 veröffentlicht. Aus diesem Regierungsabkommen geht u. a. hervor, dass der polnische Magister-Abschluss dem deutschen Diplom-Abschluss an Universitäten entspricht. Analog ist der polnische magister inżynier zum deutschen Diplom-Ingenieur an Universitäten, Technischen Hochschulen oder Gesamthochschulen gleichwertig. Vgl. hierzu Deutsch-polnisches Abkommen über die Anerkennung von Gleichwertigkeiten im Hochschulbereich vom 14. Januar 1998 (PDF; 749 kB) und Ergänzung der Anlage 2 (PDF; 121 kB)

Doktorgrad In Polen ist ein drei- bis fünfjähriges Doktoratsstudium üblich, aber nicht zwingend. Rigorosum und öffentliche Verteidigung sind Pflicht. Den Promovierten wird der Doktorgrad doktor, abgekürzt: dr (vor dem Namen zu führen), zuerkannt. Der Doktorgrad enthält eine Angabe des absolvierten Fachgebietes, beispielsweise doktor nauk ekonomicznych (dt: Doktor der Wirtschaftswissenschaften).

Promotionsstudiengänge sind an Hochschulen, Instituten der polnischen Akademie der Wissenschaften sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen möglich. Das Promotionsrecht wird individuell an die Einrichtungen vergeben.

Hochschulen Das Studium an staatlichen Hochschulen in Polen ist in den Vollzeitstudiengängen grundsätzlich kostenlos. Berufsbegleitende Teilzeit-, Wochenend- und Fernstudiengänge als auch das Studium an nichtstaatlichen Hochschulen sind kostenpflichtig.

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