mini|hochkant=1.1|KZ-Außenlager AllachBefreiung durch die US-Armee(Foto: Sidney Blau, 30. April 1945, United States Holocaust Memorial Museum)

Im KZ-Außenlagerkomplex München-Allach (BMW) mussten vom 22. Februar 1943 bis 30. April 1945 über 10.000 Gefangene für den Flugmotorenbau bei BMW arbeiten, mehr als 1000 starben. Der Komplex bestand aus dem BMW-Hauptlager im Münchener Stadtteil Allach, dem größten der 169 Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, und aus zwei weiteren Außenlagern. 1952 wurde auf der größten Fläche die Münchner Siedlung Ludwigsfeld errichtet, für die vom Grundstückseigentümer Hirmer-Gruppe beabsichtigte restliche Bebauung fanden ab 2016 vorbereitende Grabungen statt.

Entstehungshintergrund

Zusätzlich zum vorhandenen Werk in Moosach (München) nahm BMW für die kriegsnotwendige Dezentralisierung der Produktion im Mai 1942 das Werk in München-Allach an der Dachauer Straße in Betrieb, um den BMW-Flugzeugmotor 801 in den Hallen , und in großen Stückzahlen zu fertigen. Um die Produktion vor den zunehmenden Luftangriffen zu schützen, ließen BMW und SS 1944 zudem den errichten, 160 Meter lang, 125 Meter breit und 17 Meter hoch, mit 3,5 Meter dicken Wänden.Eva von Steinburg in Abendzeitung: Zu Besuch in Münchens KZ-Bunker: Codename „Walnuß“, 17. Oktober 2017.

Bereits Ende 1941 wurden für die Errichtung und Inbetriebnahme zivile Zwangsarbeiter eingesetzt. Wegen des generellen akuten Mangels an Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie wurden ab dem Frühjahr 1942 vermehrt KZ-Außenlager, in späteren NS-Dokumenten auch als „Arbeitslager“ bezeichnet, in der Nähe von Industriebetrieben errichtet. Häftlinge im KZ-Außenlager München-Allach wurden vor allem für BMW, jedoch auch für Dyckerhoff, Sager & Woerner, Theodor Kirsch & Söhne Sägemühle, Pumpel & Co Lochhausen, den Lochhausener Bunker- & Höhlenkomplex sowie die Organisation Todt (oft abgekürzt OT, O.T.) eingesetzt.Evelyn Zegenhagen in Encyclopedia of camps and ghettos, 1933–1945 / 1,A: Early camps, youth camps, and concentration camps and subcamps under the SS-Business Administration Main Office (WVHA), part A, Indiana Univ. Press, Bloomington 2009, 859 S., ISBN 978-0-253-35328-3, ISBN 978-0-253-35428-0, S. 516–518.

Gegen Kriegsende waren schließlich 17.000 KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene bei BMW in Allach eingesetzt. Auch BMW war bei ihrem massiven und frühzeitigen Einsatz skrupellos.

mini|hochkant=2|Karte mit KZ-Außenlager (rot), BMW Flugmotorenwerk (blau) und den zugehörigen Zwangsarbeiter- und Wohnlagern (braun).

Lager Die gesamten Lagerbereiche mit schließlich 31 Unterkunftsbaracken waren von einem elektrisch geladenen Zaun umgeben, mit Wachtürmen bewacht. Die befanden sich nördlich des KZ-Außenlagers.

Lagerführer des Außenlagerkomplexes Allach war von März 1943 bis Kriegsende SS-Obersturmführer Josef Jarolin, sein Stellvertreter SS-Hauptscharführer Sebastian Eberl. Zusammen übten sie eine brutale Willkürherrschaft aus. Todesfälle waren an der Tagesordnung, sowohl wegen der Grausamkeiten der SS als auch durch Mangelernährung, unzureichende sanitäre Einrichtungen und fehlende Hygiene. In Folge brachen Ruhr, Typhus, Tuberkulose und Krätze aus. Zudem erfolgten mehrere Hinrichtungen wegen Sabotage, Fluchtversuchen und Diebstahl von Essen. Allein die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen listet 50 Morde.Dachauer Archiv, Beleg Nr. DA-18442. Bericht der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg vom 23. Oktober 1975. Bis Februar 1945 stieg die Zahl der KZ-Häftlinge in diesem Außenlagerkomplex auf etwa 10.000.

Dieser Außenlagerkomplex war Zug um Zug Richtung Osten ergänzt worden und bestand schließlich aus drei KZ-Außenlagern sowie zugehörigen Fremd- und Zwangsarbeitslagern:

KZ-Außenlager München-Allach (BMW) Am 22. Februar 1943 begann der Bau des KZ-Außenlagers, ab März waren KZ-Häftlinge beteiligt,, Nr. 972, München-Allach, BMW, ab 22. Februar 1943 es diente als Hauptaußenlager des Lagerkomplexes. Dem Dachauer KZ-Inhaftierten Kupfer-Koberwitz zufolge waren bereits am 30. März 1943 etwa 600 Häftlinge im Lager für Bauarbeiten, z. B. Aushubarbeiten eingesetzt.Edgar Kupfer-Koberwitz: Die Mächtigen und die Hilflosen – als Häftling in Dachau – Wie es endete, Band II, Vorwerk, Stuttgart 1960, 263 S., , S. 131.

Das bestand zunächst aus 22 Holzbaracken, die aus ehemaligen Pferdeställen umgebaut waren. BMW setzte hier durchgehend auf den Barackentyp OKH 260/9 mit je 390 Quadratmetern. Jede dieser Baracken war 40,76 Meter lang, 9,56 Meter breit und hatte eine Höhe von vier Metern. Ursprünglich vorgesehen für je 168 Mann, wurden gegen Kriegsende bis zu 800 Gefangene darin untergebracht.Die Lagerarchitektur in: Webseite: Das KZ Außenlager Dachau-Allach – Daten und Fakten, online unter kz-dachau-allach.de. Abgerufen am 20. September 2020. Im Durchschnitt befanden sich im Lager 3500 bis 5000 Häftlinge. Die fensterlosen Baracken waren nicht mit Spinden bestückt, die Häftlinge nächtigten auf Strohsäcken in dreistöckigen Bettgestellen.K. A. Gross: Zweitausend Tage Dachau. Erlebnisse eines Christenmenschen unter Herrenmenschen und Herdenmenschen. Berichte und Tagebücher des Häftlings Nr. 16921. Zitiert nach Zdenek Zofka: Allach – Sklaven für BMW. Zur Geschichte eines Außenlagers des KZ Dachau. In: Dachauer Hefte 2, 1986, ISBN 978-3-948696-03-0, S. 140 f. Der Gefangene Otto Oertel, der als Blockältester vom Block I eingesetzt war, berichtete über die Schwierigkeit, angesichts der hygienischen Verhältnisse die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern.Otto Oertel: Als Gefangener der SS, Oldenburg 1990, ISBN 3-8142-0238-4

Ab dem 12. April 1943 starteten bei BMW zwei- bis sechswöchige Kurzlehrgänge für KZ-Häftlinge, anschließend kamen diese als Bohrer, Fräser, Drechsler und Schlosser zum Einsatz,Dachauer Archiv Beleg Nr. DA-24718: Zusammenfassender Entwicklungsbericht über den Arbeitseinsatz 1943–1944. Schriftlicher Bericht des SS-Obersturmführers Josef Jarolin. 1944 auch in der Motoreninstandsetzung, der Fräserei, Zylinderkopffertigung, der Galvanik, der Montage der Triebwerksverkleidungen und für Prüfaufgaben. Die Disziplinargewalt über sie oblag den Abteilungs- und Hallenmeistern von BMW.Constanze Werner: Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW: Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group, Oldenbourg Verlag, München 2006, ISBN 978-3-486-57792-1, S. 220, 222 BMW übernahm auch Verwaltungsaufgaben wie „Einstellungen“, Abteilungsschreibwesen und „Lohnbuchhaltung“ für die KZ-Häftlinge und gab diese erst im Januar 1945 an die SS dieses KZ-Außenlagers ab. Die zugehörige BMW-interne KZ-Häftlingskartei ist nicht erhalten geblieben.Constanze Werner: Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW: Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group, Oldenbourg Verlag, München 2006, ISBN 978-3-486-57792-1, S. 206

Ebenfalls für BMW arbeiten mussten die Häftlinge in den anderen Dachauer KZ-Außenlagern Blaichach, Kaufbeuren, Stephanskirchen, Trostberg sowie im Außenkommando in der Rohrwachtstraße in Dachau, in die 1942 ein Teil der Allacher Produktion ausgelagert worden war. Direkt zugearbeitet wurde aus dem KZ-Außenlager Kempten wie auch dem KZ Dachau, dem Innenkommando Präzifix.Constanze Werner: Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW: Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group, Oldenbourg Verlag, München 2006, ISBN 978-3-486-57792-1, S. 280 f.

KZ-Außenkommando München-Allach (Bombenräumkommando)

Zehn KZ-Häftlinge des Außenlagers München-Allach wurden unter dem falschen Versprechen, nach Beendigung ihrer Arbeit entlassen zu werden, zu einem Bombenräumkommando angeworben, untergebracht und meist eingesetzt im Münchner Hauptwerk „BMW I“.

mini|Video: Interview Henry Miller über das KZ-Außenlager „Allach“ (englisch, 1984, 15 min, United States Holocaust Memorial Museum)

KZ-Außenlager Karlsfeld (OT) Spätestens ab 11. Juli 1944 gab es östlich des ursprünglichen Außenlagers das eigenständige , als Abtrennung von Baracken des KZ-Außenlagers München-Allach (BMW), dem es unterstand. Von 17. Juli bis 20. August 1944 war Johann Kastner Lagerführer, er wurde dann ins KZ-Außenlager Kaufering XI – Landsberg-Stadtwaldhof versetzt. Nachfolger wurde SS-Hauptscharführer Leonhard Mayer, dieser wurde im Februar 1945 in den KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf versetzt.

In diesem Lager waren meist zwischen 1100 und 1350 hauptsächlich rumänische und ungarische Juden interniert. Sie mussten unter Überwachung durch die Organisation Todt (OT) arbeiten, an der Instandsetzung von Bombenschäden der Gleise im Bahnhofsbereich Karlsfeld, am härtesten jedoch beim BMW-Bunkerbau für Sager & Woerner, dem „Todeskommando“, dem Namen der anderen Firma nach auch als „Dyckerhoff-Kommando“ bezeichnet. Dort mussten die Häftlinge zum langen Anmarschweg täglich zwölf Stunden lang 50 Kilo schwere Zementsäcke schleppen und Kies herbeischaffen, wohl ähnlich der brutalisierten Zwangsarbeit an Bauprojekten der drei Großbunker im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering.

Gefangene wurden vorsätzlich und schonungslos ausgezehrt, viele starben bei den Arbeitseinsätzen und durch Misshandlungen der Wachmannschaften. „Der Lagerführer befahl dem Schmilovits 25 Stockhiebe zu geben. Die Exekution erfolgte vor allen angetretenen Lagerinsassen.“ „Mir ist bekannt, dass SS-Angehörige sich absprachen, einen Häftling zu erschießen, um 3 Tage Sonderurlaub zu bekommen.“ Die Toten wurden in das KZ Dachau überstellt, ebenso wie kranke Häftlinge. Im Herbst 1944 sollen arbeitsunfähige Gefangene zum Transport ins KZ Auschwitz selektiert worden sein, zur Vergasung, auch im Februar 1945. Stefan Lason, Außenlager-Hilfsschreiber, erklärte nach dem Krieg, die Todesstatistik sei vorsätzlich niedrig gehalten worden, indem viele Tote als nach Dachau versetzt geführt worden seien, diese Angabe deckt sich mit den Angaben des Zu- und Abgangsbuches des KZ Dachau. Die vollständige Zahl der Todesopfer dieses Lagers zu ermitteln, wird wohl nicht mehr möglich sein.

Bekannter Häftling war Max Mannheimer.

Kurz vor Kriegsende wurde dieses Lager um das erweitert, so ab 11. April 1945 mit Belegung durch 1000 Frauen aus dem KZ-Außenlager Geislingen des KZ Natzweiler-Struthof. Zudem wurde es schließlich völlig überbelegt, als Transportziel von Räumungen anderer KZ-Außenlager, wie am 20. April 1945 aus dem KZ-Außenlager Überlingen-Aufkirch.

Die Räumung des Außenlagers Karlsfeld erfolgte unter anderem am 25. April 1945 mit der Bahn nach Staltach (Iffeldorf), die KZ-Häftlinge wurden dort am 1. Mai von der US-Armee befreit.

KZ-Außenlager Rothschwaige Abgelegener, etwa vier Kilometer nordwestlich, befand sich das . Dieses Außenlager wird am 19. Juni 1944 erstmals erwähnt. Für den Juli 1944 gibt die Stärkemeldung 512 jüdische Häftlinge sowie 19 Funktionshäftlinge an. Es handelte sich vor allem um ein jeweils vier- bis sechswöchiges Durchgangslager meist für jüdische Häftlinge, die vom KZ Auschwitz in diesen Außenlagerkomplex mit schließlich etwa 40 Baracken überstellt wurden. So wurden im Juli 1944 für die Rüstungsindustrie 800 jüdische ungarische Häftlinge überstellt, die hier für den weiteren Einsatz geimpft und entlaust wurden, bei einem anderen Transport 1045 weibliche Sinti und Roma, diese jedoch als Zwischenstation auf dem Weg in das KZ Ravensbrück. Misshandlungen oder systematische Tötungen in diesem Lager wurden nicht überliefert. In den Stärkemeldungen vom November 1944 und April 1945 sind in diesem Lager keine Häftlinge mehr erwähnt. 2005 standen auf dem Gelände noch zwei verfallene Baracken, es wurde für die Unterbringung von Aussiedlern genutzt.

Weitere Lager des KZ-Außenlagerkomplexes Zudem gab es das .

Zugehörige Fremd- und Zwangsarbeitslager