Zeiten des Aufruhrs ist ein britisch-amerikanischer Spielfilm von Sam Mendes aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch von Justin Haythe basiert auf Richard Yates’ gleichnamigen Roman.
Handlung Frank und April Wheeler lernen sich 1948 auf einer Feier kennen. Frank arbeitet zu dieser Zeit in einem Hafen, bekommt aber kurz darauf eine Stelle bei Knox Business Machines. April möchte eigentlich Schauspielerin werden, wird dann jedoch schwanger und die beiden heiraten. Kurz darauf ziehen sie von der Stadt in ein Einfamilienhaus an der in einer ruhigen Vorstadt gelegenen Revolutionary Road. Die Wheelers halten sich selbst für „anders“, für besonders, und werden auch von ihrem Umfeld so wahrgenommen.
Frank und April freunden sich mit ihrer Immobilienmaklerin Helen Givings, deren Mann Howard und den Nachbarn Milly und Shep Campbell, an. Nach außen wirken die beiden wie das perfekte Paar, tatsächlich aber kriselt es in der Ehe: April ist über ihren ausbleibenden Erfolg als Schauspielerin frustriert, Frank kämpft mit der Eintönigkeit seines Berufs. Davon gelangweilt verführt er an seinem 30. Geburtstag eine junge Mitarbeiterin aus der Firma. Gleichzeitig nimmt April Helens Bitte an, einmal ihren hochgebildeten Sohn John zu ihnen mitbringen zu können. Helen erhofft sich davon eine positive Wirkung auf John, der einige Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung verbracht hat.
Am Abend überraschen April und die beiden Kinder Frank mit einer kleinen Geburtstagsfeier. April, die von Franks Seitensprung nichts weiß, schlägt ihm dann überraschend vor, nach Paris zu ziehen, wo sie als Sekretärin so lang für die Familie sorgen könnte, bis Frank endlich seine wahre Bestimmung gefunden hat. Sie erhofft sich ein Ende der anhaltenden „hoffnungslosen Leere“ und schafft es schließlich, Frank, der schon einmal in Frankreich war und sich seither zurücksehnt, um sich wieder „richtig“ lebendig zu fühlen, nach kurzem Zweifel von dem Plan zu überzeugen.
In den folgenden Wochen erzählen die beiden ihren Freunden von dem Vorhaben, so auch Helen, Howard und John. Ausgerechnet letzterer ist es, der als einziger die Entscheidung und das Motiv der beiden nachvollziehen kann.
Während ihrer Umzugsvorbereitungen werden die beiden aber plötzlich zum Umdenken gezwungen: Frank bekommt eine vielversprechende Beförderung angeboten, April wird erneut schwanger. Als Frank herausfindet, dass seine Frau eine Abtreibung plant, kommt es zu einem heftigen Streit, aus dem das Publikum erfährt, dass die beiden ihr zweites Kind nur bekommen haben, um nach außen zu zeigen, dass das erste kein „Unfall“ war.
Am nächsten Tag nimmt Frank die Beförderung an und beginnt, sich mit seinem unspektakulären Leben abzufinden. Ein abendlicher Besuch in einer Jazzbar mit Shep und Milly Campbell endet damit, dass Frank Milly früher nach Hause bringt und April mit Shep länger in der Bar zurückbleibt. Sie erzählt ihm von ihrem Verdruss über die gescheiterten Umzugspläne und über ihr allgemein unerfülltes Leben. Dann haben die beiden Sex im Wagen. Shep gesteht April, sie insgeheim schon seit einiger Zeit zu lieben, sie weist ihn aber zurück und lässt sich von ihm einfach nach Hause bringen.
Am Tag darauf gesteht Frank April, sie mit jemand aus dem Büro betrogen zu haben. Zu seiner größten Verwunderung antwortet ihm April teilnahmslos, dass ihr das egal sei und sie für ihn nichts mehr empfinde. Als Helen mit ihrer Familie wenig später zum Abendessen kommt, erzählt Frank, dass sich ihre Pläne durch Aprils Schwangerschaft geändert haben. John wirft Frank unsanft vor, Aprils Hoffnungen zerstört zu haben, indem er sie geschwängert hat, und die Lage einfach zu akzeptieren. Helen geht gerade noch dazwischen, als Frank, von Johns Worten bis aufs Blut gereizt, auf diesen losgeht. Die drei Gäste verlassen hastig das Haus und es kommt erneut zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Frank und April, die danach das Haus verlässt und in ein kleines Waldstück flieht.
Frank verbringt die Nacht in einem betrunkenen Rausch. Am nächsten Morgen trifft er April zu seinem Erstaunen in der Küche, während sie das Frühstück zubereitet. Unsicher, wie er darauf reagieren soll, isst er mit seiner Frau und macht sich im Anschluss auf den Weg zur Arbeit. April geht danach ins Badezimmer und führt selbstständig die beabsichtigte Abtreibung durch. Als sie ihre schwere Blutung bemerkt, verständigt sie den Rettungsdienst.
Später, als April längst bewusstlos ist, trifft Frank völlig aufgelöst im Krankenhaus ein. In einem unbeachteten Moment bricht auch Shep Campbell, der April ja heimlich geliebt hat und Frank nun zur Seite steht, in Tränen aus. Kurz danach stirbt April am erlittenen Blutverlust. Frank, nun ein gebrochener Mann, zieht mit seinen Kindern zurück in die Stadt, verbringt jede freie Minute mit ihnen und fängt an, Computer zu verkaufen.
Einige Zeit später kauft ein anderes, junges Paar das alte Haus der Wheelers. Als Milly Campbell ihnen die Geschichte von April und Frank erzählt, steht Shep auf, geht weinend in den Garten, von wo aus er auf das alte Haus der Wheelers schauen kann, und bittet dann seine Frau, nie mehr über die ehemaligen Nachbarn zu sprechen.
Einige Jahre später erzählt Helen ihrem Mann Howard, das neue Paar sei wie geschaffen für das alte Haus von Frank und April. Als Howard den Namen Wheeler ausspricht, erklärt Helen ausschweifend, wieso sie die beiden eigentlich gar nicht mochte, doch ihr Mann stellt unbemerkt sein Hörgerät ab.
Produktion Der Regisseur John Frankenheimer erwog schon früh nach Erscheinen des Romans von Richard Yates eine Verfilmung, ohne sie aber zu verwirklichen. 1967 kaufte der Produzent Albert S. Ruddy die Rechte an der Verfilmung für 15.000 US-Dollar. Fünf Jahre später bot Yates an, ein Drehbuch für die Verfilmung zu schreiben, doch Ruddy lehnte dies zugunsten anderer Projekte ab und verkaufte die Rechte schließlich an den Schauspieler Patrick O’Neal. Yates las O’Neals Drehbuch und fand es „ätzend“ (“godawfull”), O’Neal lehnte jedoch ab, die Rechte wieder an Yates zu verkaufen. Yates starb 1992, O’Neal zwei Jahre darauf,Blake Bailey: Revolutionary Road – the Movie. Leonardo DiCaprio. Kate Winslet. Richard Yates’ dark novel is finally being made into a Hollywood movie. Auf: slate.com, 26. Juni 2007. und das Projekt befand sich in der Schwebe, bis David Thompson schließlich die Rechte für BBC Films erwarb.Pamela McClintock: DiCaprio, Winslet to star in ‘Road’. Duo together again for ‘Revolutionary’. In: Variety, 22. März 2007. Im März 2007 gründete BBC Films eine Partnerschaft mit DreamWorks, und die Rechte am weltweiten Verkauf des Films wurden Paramount, dem Besitzer von DreamWorks, überschrieben. Am 14. Februar 2008 berichtete The Hollywood Reporter, dass Paramount angekündigt habe, Paramount Vantage übernehme den Vertrieb von Zeiten des Aufruhrs.The Hollywood Reporter, 14. Februar 2008.
Beim Drehen des Films arbeitete Regisseur Sam Mendes erstmals mit seiner damaligen Ehefrau Kate Winslet zusammen, die bereits 1997 für Titanic mit Leonardo DiCaprio und Kathy Bates vor der Kamera gestanden hatte. Die Drehorte lagen in Connecticut und im Bundesstaat New York. Nach der Premiere am 15. Dezember 2008 in Los Angeles wurde Revolutionary Road ab dem 26. Dezember 2008 in den USA gezeigt, ab 15. Januar 2009 in Deutschland.
Zeiten des Aufruhrs wurde von der Motion Picture Association of America mit einer Bewertung R (Restricted) versehen, sodass in den Vereinigten Staaten Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen ansehen dürfen. Als Grund für diese Einordnung werden Sprache, sexuelle Inhalte und Nacktheit angegeben. Der Film spielte – bei 35 Millionen Dollar Produktionskosten – weltweit ca. 74 Millionen US-Dollar ein.Box Office Mojo
Rezeption
Zeiten des Aufruhrs erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes mehrheitlich positive Besprechungen und ordnet den Film damit als „Frisch“ ein. Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus.
Deutschsprachige Kritiken + Pressespiegel positiv Cinemaepd Filmepd Film Nr. 2/2009, S. 55, von Anke Sterneborg („kristallklarer Blick“ auf Gesellschaft, stechend aktuell, Winslet und DiCaprio spielen vielschichtig; )Kronen ZeitungKronen Zeitung vom 15. Jänner 2009, von Christina Krisch (Winslet und DiCaprio überzeugen, Film tranchiere den amerikanischen Traum scharf)Neue Zürcher ZeitungSternStern, Nr. 4/2009 vom 15. Januar 2009, S. 119, nicht gezeichnete Kurzkritik („meisterlich“)Süddeutsche ZeitungDer TagesspiegeltazDie Welt eher positiv Frankfurter RundschauDie Zeit negativ Die PresseDer Standard
Die Kritik sieht das Darstellerpaar aus Titanic (1997), Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, als Inbegriff des romantischen Paares,Dominik Kamalzadeh: Die Vorstadtneurotiker. In: Der Standard, 12. Januar 2009, S. 24. (desinteressierte Regie, gekünstelt wirkende Figuren, zu schicke Bilder) als „Filmliebespaar des ausgehenden Jahrhunderts“, das nun endgültig ins Unglück stürzt. Katja Lüthge: Erdrückend banale Existenz. In: Frankfurter Rundschau, 15. Januar 2009, S. 35. (hervorragende Schauspieler, aber die Regie überlagert ihr Wirken mit zu deutlichen Stilmitteln) Dieses Unglück sei die Normalität,Daniela Sannwald: Wenn die Liebe untergeht. In: Tagesspiegel, 15. Januar 2009, S. 27. („Meisterwerk“, Regie und Winslet hervorgehoben) und Zeiten des Aufruhrs eine kluge Antithese zu Titanic, wo die Liebe den Tod überwinde, während sie hier der alltäglichen Banalität unterliege.Jochen Schütze: (= Cinema Nr. 1/2009, S. 20f.; ein fast schon brutal intensives Kinoerlebnis, herausragende Darsteller) Man kann es als Erkundung verstehen, wie das Paar wohl gelebt hätte, wenn das Schiff nicht gesunken wäre, als ein „Augenreiben nach der exzessiven Titanic-Untergangsnacht“.Birgit Glombitza: Billige Zufriedenheit. In: taz, 15. Januar 2009, S. 17. (sehr positiv; treffende Inszenierung und Winslet mit Größe, DiCaprio bleibt verschwommen) Die taz findet das Drama über zwei Liebende, denen die Luft ausgeht, alarmierender als die Sirenen der Titanic. Seit ihrem damaligen Auftritt seien die Darsteller „enorm gereift“.Susanne Ostwald: Fenster zur Hölle. In: Neue Zürcher Zeitung, 15. Januar 2009, S. 45. (große Zustimmung; scharfe Dialoge und eindrückliche Winslet)
Während die Handlung in Titanic das Selbstbewusstsein der Winsletschen Figur bestärkte, würden hier die Träume entzaubert.Holger Kreitling: Der Triumph der Kate Winslet. In: Die Welt, 13. Januar 2009, S. 23.(„großartig“; zeigt soziale Ausweglosigkeit auf, starke Winslet) Die Liebe würde am Eis der kalten 1950er Jahre zerschellen, dargestellt als Periode gepflegter Oberflächlichkeit, hinter der depressive Leere steckte. Darin übertreffe der Film auch Dem Himmel so fern (2002). Auch Vergleiche mit Wer hat Angst vor Virginia Woolf? werden gezogen. Die Qualität des Films sei besonders der Romanvorlage zu verdanken. Er zeige „die ganze Enge einer auf Sicherheit ausgerichteten Gesellschaft“, in der die Menschen durch „Konformitätsdruck in eine erdrückend banale Existenz“ gezwungen würden. Schonungslos führe Zeiten des Aufruhrs das keimfreie DaseinFritz Göttler: Hoffnungslose Leere… wow! In: Süddeutsche Zeitung, 14. Januar 2009, S. 11. (Lob für Inszenierung und Winslet) einer Durchschnittsehe vor, die an ihrer Banalität zerbreche.Kati Thielitz: Trautes Heim, Krieg allein. In: Die Zeit, 15. Januar 2009, S. 44. („meisterhafter Untergang“; authentische Winslet, aber Inszenierung gemischt beurteilt) Die Produktion sei ein Zeichen für das Bedürfnis vieler Amerikaner nach Wahrhaftigkeit. Sie konfrontiere Zuschauer, die sich in einer ähnlichen Lebenslage befinden, mit entsetzlichen Wahrheiten und zwinge sie, sich der Frage nach dem eigenen Leben zu stellen.