mini|Die Mehrzwecklandungsboote Flunder, Lachs und Stör bei einer Übung 1967 Die Amphibische Gruppe (AmphGrp) war ein Verband der Bundesmarine, in dem deren amphibische Kräfte zusammengefasst waren. Die Gruppe bestand von 1958 bis 1993.

Geschichte mini|Verschiedene Fahrzeuge der Amphibischen Gruppe: Im Vordergrund zwei MZL bei der Verladung von LARC V. Dahinter die Aufbauten eines Landungsunterstützungsschiffs Die Amphibische Gruppe wurde am 1. November 1958 in Wilhelmshaven als Kommando der Amphibischen Streitkräfte aufgestellt und dem Kommando der Flotte unterstellt. Der Kommandeur der Amphibischen Gruppe war ein Kapitän zur See. Ab 12. Februar 1963 führte der Kommandeur zusätzlich die Bezeichnung Inspizient der Amphibischen Transporttruppen, nachdem die vormaligen Küstenumschlagbataillone aus der Amphibischen Gruppe herausgelöst und dem Territorialheer unterstellt worden waren. Bei einer Restrukturierung der Flotte 1965 wurde die Amphibische Gruppe dem Marineabschnittskommando Nordsee unterstellt, das 1967 in die Marinedivision Nordsee überführt wurde. Am 30. November 1966 wurde die Bezeichnung in Amphibische Gruppe geändert, und am 1. Juli 1968 wurde der Stab der Amphibischen Gruppe nach Emden verlegt. Am 1. Oktober 1969 wurde die Amphibische Gruppe in Amphibische Transportgruppe umbenannt.

Ende 1969 gliederte sich die Amphibische Gruppe wie folgt: 1. Landungsgeschwader (Borkum) Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 2 (Emden) Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 4 (Großenbrode) Strandmeisterkompanie (Borkum) Kampfschwimmerkompanie (Eckernförde) 2. Landungsgeschwader (Geräteeinheit, im Frieden Teil der Reserveflottille in Wilhelmshaven)Egbert Thomer, Jürgen Rhades. Jahrbuch der Marine 1970, Fünfte Folge, S. 15; Bremen o. J.

Im Rahmen einer weiteren Reorganisation der Marine wurde die Amphibische Gruppe 1974 als Typkommando der amphibischen Kräfte der Marine wieder direkt dem Flottenkommando unterstellt. Am 7. März 1978 wurde die Verlegung des Stabes nach Kiel abgeschlossen und am 1. April 1978 wieder die alte Bezeichnung Amphibische Gruppe übernommen. Zugleich wurde der Stab der Landungsbootgruppe in den Stab der Amphibischen Gruppe eingegliedert.

Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und der sich daraus ergebenen neuen militärischen Lage in Europa wurden amphibische Kräfte der Marine für entbehrlich erachtet. Am 3. September 1993 wurde die Amphibische Gruppe aufgelöst.

Aufgaben Zu den vorgesehenen Aufgaben der Bundesmarine gehörte es, an der alliierten Verteidigung der deutschen Ostseeküste und der dänischen Inseln teilzunehmen und dazu beizutragen, feindlichen Seestreitkräften den Durchbruch aus der Ostsee in die Nordsee zu verwehren. Die Umschlagtruppen der Amphibischen Gruppe dienten dazu, den Nachschub für die alliierten Kräfte in Deutschland und die Versorgung der deutschen Bevölkerung auch beim Ausfall der Häfen sicherzustellen. Außerdem gab es beim Aufbau der Marine ab 1956 Überlegungen, die eigene Landfront durch eine alliierte Landung im Rücken des Gegners zu entlasten.Denkschrift des Konteradmirals a. D. Gerhard Wagner über den „Aufbau eines deutschen Marinekontingents im Rahmen deutscher Mitwirkung an der Verteidigung Europas“ vom 14. März 1951, sog. Wagner-Denkschrift Eine solche Landung sollte durch eigene amphibische Kräfte unterstützt werden. Die Befähigung zu eigenständigen Kampflandungen war jedoch nicht vorgesehen.Egbert Thomer, Jürgen Rhades;Jahrbuch der Marine 1966, 10 Jahre Bundesmarine; Bremen o. J.

In den 1960er Jahren zeigte sich, dass eine Landung gegen die starken Land- und Seestreitkräfte des Warschauer Pakts im Ostseeraum unrealistisch war. auf der offiziellen Homepage der Deutschen Marine Ab Ende der 1960er Jahre lag der Aufgabenschwerpunkt bei der Versorgung und dem Güterumschlag im Küstenbereich. Dementsprechend wurde das amphibische Potential verkleinert und auf die Mobilität eigener Truppen in der Insellandschaft der Ostseezugänge ausgerichtet. Zu den Aufgaben gehörten nunmehr hauptsächlich Truppentransporte und logistische Landungen. Die Fähigkeit für die Unterstützung von Kampflandungen wurde aufgegeben. Stattdessen sollten die Landungsboote nunmehr dafür eingesetzt werden, Seeminen zu legen. Wegen ihres geringen Tiefgangs waren sie besonders für das Legen von Antiinvasions-Minenfeldern dicht vor der Küste geeignet, die dazu dienten, gegnerische amphibische Landungen abzuwehren.Bernd-Michael Vangerow: Die Seemine – Ihr Einsatz unter dem Blickwinkel einer veränderten seestrategischen Lage. In: MarineForum. 9, 1996, S. 9 ff.

Organisation und unterstellte Verbände mini|Der Flottillenstander als Kommandozeichen des Kommandeurs der Amphibischen Gruppe mini|Taktisches Zeichen der Amphibischen Gruppe Dem Kommandeur der Amphibischen Gruppe unterstanden eine wechselnde Anzahl von schwimmenden und Landverbänden der Marine. Für seine Aufgabe stand ihm der Stab der AmphGrp zur Verfügung. Die Amphibische Gruppe war zeitweilig ein Großverband auf der Ebene einer Brigade, sonst ein Verband auf der Regimentsebene.

Kommandeure Nr. Dienstgrad Name Berufung Abberufung Bemerkungen 10 Fregattenkapitän M. H. Klein 1992 19939 Kapitän zur See Kurt Harald Jacobi 1986 19928 Kapitän zur See Uwe Büttner 1982 1986 7 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Werner Gies 1976 1982 6 Kapitän zur See Adolf Elf 1974 1976 5 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Adolf Graef 1970 1974 4 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Johann Janssen 1965 1970 1. Januar 1967 Umbenennung in Amphibische Gruppe 3 Kapitän zur See Adolf Piening 1963 1965 2 Kapitän zur See Erich Topp 1962 1963 später Stellvertreter des Inspekteurs der Marine 1 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Otto Kretschmer 1958 1962

Landungsbootgruppe

Die Landungsbootgruppe wurde am 1. Oktober 1965 als 1. Landungsgeschwader (1. LG) in Wilhelmshaven aufgestellt. Dem 1. Landungsgeschwader liefen 1966 zunächst zehn Mehrzwecklandungsboote der Barbe-Klasse zu. Nach Aufnahme der sechs Einheiten der Eidechse- und der Natter-Klasse des 2. Landungsgeschwaders verlegte das Geschwader am 1. Juli 1968 nach Borkum. Dort wurden diese größeren Einheiten zwischen 1969 und 1973 außer Dienst gestellt und wieder abgegeben. Dafür erhielt das Geschwader 1973 sieben weitere Boote der Barbe-Klasse aus der Reserveflottille.

Diese 17 Boote bildeten den Bestand des 1. Landungsgeschwaders bis zu dessen Außerdienststellung. Das Geschwader gliederte sich zunächst in drei (zu zweimal 6 und einmal 5 Booten), später in vier Divisionen (zu einmal 5 und dreimal 4 Booten). Der Divisionschef und Kommandant des jeweiligen Führerboots war ein Kapitänleutnant, die übrigen Boote wurden i. d. R. von Portepeeunteroffizieren geführt.

Im März 1977 wurde das 1. Landungsgeschwader in den Stützpunkt Kiel-Stickenhörn verlegt und am 8. März 1978 in Landungsbootgruppe umbenannt, deren Stab in den der AmphGrp integriert wurde.

2. Landungsgeschwader

Geschwadergeschichte mini|LSM-152 der U.S. Navy, ein Schwesterschiff der LSM des 2. LG Das 2. Landungsgeschwader (2. LG) wurde am 1. April 1958 in Borkum aufgestellt. Es unterstand zunächst bis zur Aufstellung des Kommandos der Amphibischen Streitkräfte dem Kommando der Zerstörer. Das 2. Landungsgeschwader erhielt 1958 aus Beständen der U.S. Navy vier Landungsboote und zwei Landungsunterstützungsschiffe der LSM-1/LSM(R)-Klasse. 1966 liefen dem 2. Landungsgeschwader zusätzlich fünf Mehrzwecklandungsboote der Barbe-Klasse zu. Am 31. März 1968 wurde das 2. Landungsgeschwader in den Reservestatus versetzt und gab seine größeren Einheiten an das 1. Landungsgeschwader ab.

Kommandeure

Korvettenkapitän Hartwig Looks: von April 1958 bis September 1958 mit der Aufstellung beauftragt Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Hartwig Looks: von September 1958 bis Januar 1961 Fregattenkapitän Johann Janssen: von Januar 1961 bis November 1961, anschließend Kommandeur des Seebataillons und später Kommandeur der Amphibischen Gruppe Fregattenkapitän Adolf Graef: von November 1961 bis März 1963, später Kommandeur der Amphibischen Gruppe Fregattenkapitän Adolf Elf: von April 1963 bis März 1965, später Kommandeur des Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 2 und Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Curt Jobst: von April 1965 bis März 1968

Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 2

Bataillonsgeschichte Das Amphibische Transport- und Umschlagbataillon 2 (AmphTrsp/UBtl 2) wurde am 1. April 1960 unter dem Namen Küstenumschlagbataillon 2 in Borkum aufgestellt und am 1. Oktober 1960 nach Emden verlegt.

Am 1. August 1961 wurde das Küstenumschlagbataillon 2 dem Befehlshaber Territorialkommando Nord und Deutschen Bevollmächtigten im Bereich NORTHAG (Northern Army Group Central Europe) im Territorialheer unterstellt, bestand aber fast ausschließlich aus Marinepersonal. Das Inspektionsrecht verblieb beim Kommandeur der Amphibischen Streitkräfte. Am 15. Januar 1963 wurde das Bataillon in Amphibisches Transportbataillon 2 umbenannt. Zu den Aufgaben des Bataillons gehörte unter anderem der Umschlag von Kraftstoffen aus Tankschiffen vor der offenen Küste und deren Abgabe an Feldpipelines oder andere Transportmittel. Dafür standen Schlauch- oder Rohrleitungen bis zu 6.500 Meter Länge zur Verfügung. Des Weiteren hatte das Bataillon die Aufgabe, einen Nothafen zu betreiben.Egbert Thomer/Jürgen Rhades; Jahrbuch der deutschen Marine 1971, 6. Folge; Bremen o. J.; S. 50ff „Landung im Morgengrauen“

Am 1. Juli 1968 wurde das Bataillon der Amphibischen Gruppe wieder in jeglicher Hinsicht unterstellt. Am 1. Oktober 1969 erhielt es die Bezeichnung Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 2. Ende 1975 wurde das Bataillon aufgelöst.

Kommandeure

Fregattenkapitän Georg Pinkepank: von April 1960 bis September 1964 Fregattenkapitän Hubertus Purkhold: von Oktober 1964 bis Januar 1966, ehemaliger Kommandeur des Seebataillons Korvettenkapitän Fritz Löhrl: von Februar 1966 bis Dezember 1969 Fregattenkapitän Kurt Lorenz: von Januar 1970 bis Mai 1970, ehemaliger Kommandeur des Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 4 und später Kommandeur der Marineküstendienstschule Fregattenkapitän Klaus Pfannmöller: von Mai 1970 bis Februar 1972 Fregattenkapitän Adolf Elf: von März 1972 bis September 1974, ehemaliger Kommandeur des 2. Landungsgeschwaders, anschließend Kommandeur der Amphibischen Gruppe und später Kommandeur der Marineküstendienstschule Fregattenkapitän Werner Sauer: von Oktober 1974 bis Dezember 1975, ehemaliger Kommandeur der Marineküstendienstschule

Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 4

Bataillonsgeschichte Das Amphibische Transport- und Umschlagbataillon 4 (AmphTrsp/UBtl 4) wurde am 1. Oktober 1962 als Küstenumschlag-Bataillon 4 in Emden aufgestellt und das Bataillon wurde am 15. Januar 1963 in Amphibisches Transportbataillon 4 umbenannt. Am 1. Oktober 1963 erfolgte die Verlegung des Bataillons nach Großenbrode. Am 30. September 1969 wurde das Bataillon außer Dienst gestellt und als Geräteeinheit mit dem Namen Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 4 bis zu seiner Auflösung am 30. September 1974 fortgeführt. Das Bataillon verfügte über Landungsboote der Klasse 521 und verschiedene Amphibienfahrzeuge.

Kommandeure

unbesetzt: von Oktober 1962 bis Mai 1963 Korvettenkapitän Herbert Semler: von Mai 1963 bis März 1964 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt, ehemaliger Kommandeur des Seebataillons Korvettenkapitän Herbert Semler: von April 1964 bis September 1965 Korvettenkapitän Günther Heinrich: von Oktober 1965 bis Juli 1967 Fregattenkapitän Kurt Lorenz: von Juli 1967 bis September 1969, später Kommandeur des Amphibisches Transport- und Umschlagbataillon 2 und Kommandeur der Marineküstendienstschule

Seebataillon

1958–1964