Die 290. Infanterie-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte
Aufstellung Die Division wurde am 6. Februar 1940 innerhalb der 8. Aufstellungswelle in Munster im Wehrkreis X (Hamburg) unter Hinzuziehung von drei Bataillone der 1. Aufstellungswelle, zwei der 2. Aufstellungswelle und einem Bataillon der 3. Aufstellungswelle aufgestellt. Bis Ende April 1940 erfolgte die Ausbildung der Division.
Westfeldzug Ab Mitte Mai nahm die Division im Rahmen des Westfeldzugs am Vormarsch durch Belgien nach Frankreich teil. Das Infanterie-Regiment 501 durchbrach im gleichen Monat die Weygand-Linie. Sie war maßgeblich an der Einnahme von Soissons beteiligt. In der Zeit von Mai bis Anfang Juni 1940 verlor die Division fast 1300 Soldaten.
Atlantikwall Ab Oktober 1940 bis Februar 1941 lag der Verband an der Atlantikküste.
Verlegung nach Ostpreußen Im März 1941 wurde die Division nach Ostpreußen verlegt und blieb dort bis Juli 1941.
Unternehmen Barbarossa Die Division unterstützte im Juni 1941 die 8. Panzer-Division bei der Einnahme von Jurbarkas. Bei der Einnahme von Dünaburg eingesetzt, der Schlacht um das Baltikum und der Schlacht an der Luga, verschob die Einheit bis in den Raum Sebesch. Anfang 1942 durchbrach eine sowjetische Großoffensive die Front der Division am südlichen Ufer des Ilmensees, wodurch die Bahnverbindung nach Schimsk, Ostaschkow im Bereich des II. Armeekorps unterbrochen wurde. Im Juni 1942 hatte die Division noch die Panzergruppe 4, später 4. Panzerarmee, am Memel-Übergang unterstützt. Ab August 1942 kam es zu ersten Kämpfen am Ilmensee.
Umgliederung Im Winter 1942/43 wurde die Division umgegliedert und jeweils ein Bataillon der Infanterie-Regimenter aufgelöst.
Demjansk Bis März 1942 folgten Kämpfe am Ilmensee und anschließend bis Februar 1943 der Einsatz im Kessel von Demjansk. Nach Räumung des Kessels von Demjansk im März 1943 bezog die fast vollständig aufgeriebene Division Stellungen im Raum Staraja Russa.
Auffrischung Anschließend folgte für zwei Monate zur Auffrischung die Verlegung in den Raum Dedowitschi (Dno).
Wieder der 16. Armee unterstellt, folgten von Juni bis November 1943 Kämpfe am Ladogasee mit der Teilnahme an der Dritten Ladoga-Schlacht von Juli bis September 1943. Im Dezember 1943 verlegte die Division in den Raum Newel an der Nahtstelle zur Heeresgruppe Mitte. Durch die erheblichen Verluste war die Division bis auf sechs Grenadier-Bataillone geschrumpft und hatte die Panzereinheiten zusammenlegen müssen. Dort kämpfte die Division bis Februar 1944 und kam über Idriza von März bis Juni 1944 in den Raum von Polozk. Ende Juni kam die Einheit bei der Kesselschlacht von Witebsk zum Einsatz.
Kurland Im September 1944 stand die Division in Lettland und wurde ab Oktober 1944 nach Kurland zurückgedrängt. Im Kurland-Kessel verblieb die Einheit bis Kriegsende, wurde fast vollständig aufgerieben.
Einen Teil des Divisionsfriedhofs in Džūkste (deutsch Siuxt) konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1996 restaurieren.Siuxt / Dzukste, abgerufen am 16. August 2024
Kapitulation Die Reste der Einheit gingen als Kampfgruppe 290 in sowjetische Kriegsgefangenschaft.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Neunter Band. Die Landstreitkräfte 281–370. Biblio-Verlag, Osnabrück 1974, ISBN 3-7648-0872-1, S. 27.
Gliederung und Unterstellung Bei ihrer Aufstellung bestand die 290. Infanterie-Division aus
dem Infanterie-Regiment 501 (drei Bataillone) mit Personal aus einem Bataillon des Infanterie-Regiments 208 (Koblenz) von der 79. Infanterie-Division und einem des infanterie-Regiments 469 (Hamburg) der 269. Infanterie-Division, dem Infanterie-Regiment 502 (drei Bataillone) mit Personal aus einem Bataillon des Infanterie-Regiments 220 (Rendsburg) von der 58. Infanterie-Division und einem des infanterie-Regiments 39 (Mülheim) der 26. Infanterie-Division, dem Infanterie-Regiment 503 (drei Bataillone) mit Personal aus dem Stab des Infanterie-Regiments 64 (Soest) und einem Bataillon des Infanterie-Regiments 64 (Bielefeld) von der 16. Infanterie-Division und einem des infanterie-Regiments 37 (Osnabrück) der 6. Infanterie-Division, dem Artillerie-Regiment 290 aus Abteilungsstäben der 6. Infanterie-Division und Divisionseinheiten 290.
Im Herbst 1944 wurde die Division erneut umgegliedert. Das Grenadier-Regiment 503 (das vormalige Infanterie-Regiment 503) wurde aufgelöst. Zusätzlich wurde ein Bataillon des Artillerie-Regiments 290 ebenfalls aufgelöst.
+Unterstellung und EinsatzräumeGeorg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Neunter Band. Die Landstreitkräfte 281–370. Biblio-Verlag, Osnabrück 1974, ISBN 3-7648-0872-1, S. 27 f.DatumKorpsArmeeHeeresgruppeEinsatzraum Mai 1940 – – OKHbei MünsterJuni 1940XVIII.9. ArmeeBFrankreichJuli/August 1940XI.4. ArmeeSeptember/Oktober 19406. ArmeeAtlantikküsteNovember 1940DDezember 1940 bis Februar 1941 XXV.März 1941z. b. V.18. ArmeeBOstpreußenApril 1941I.Mai 1941CJuni 1941NordJuli 1941LVI.4. PanzerarmeeSebeschAugust/Dezember 1941X.16. ArmeeIlmenseeJanuar bis März 1942April bis Dezember 1942II.DemjanskJanuar/Februar 1943März 1943X.Staraja RussaApril/Mai 1943 z. b. V. (Auffrischung)DnoJuni bis November 1943XXVI.16. ArmeeLadogaseeDezember 1943 bis Januar 1944 I. NewelFebruar 1944XXXXIII.IdrizaMärz/Juni 1944X.PolozkJuli/September 1944I.LettlandOktober 1944L.Kurland-KesselNovember 1944VI. SSDezember 1944XXXVIII.Januar 1945 L.Februar 1945I. 18. ArmeeKurlandMärz 1945II.
Kommandeure DatumDienstgradNameFebruar 1940Generalmajor/GeneralleutnantMax Dennerlein8. Juni 1940Generalmajor/GeneralleutnantTheodor Freiherr von Wrede19. September 1940GeneralmajorHelge Auleb (mit der Führung beauftragt)14. Oktober 1940GeneralleutnantTheodor Freiherr von Wrede1. Mai 1942Oberst/Generalmajor/GeneralleutnantKonrad-Oskar Heinrichs1. Februar 1944GeneralmajorGerhard HenkeJuni 1944OberstRudolf Goltzsch18. August 1944GeneralleutnantBruno Ortner (Vertretung für Oberst Hans-Joachim Baurmeister)19. September 1944Oberst/GeneralmajorHans-Joachim Baurmeister (mit der Führung beauftragt, ab November 1944 regulärer Kommandeur)25. April 1945GeneralmajorCarl Henke (bei Anreise tödlich verwundet)27. April 1945In einigen Quellen wird fälschlicherweise Alfred Hemmann als neuer Kommandeur angegeben. Er war aber ab August 1944 bis Kriegsende Kommandeur der 263. Infanterie-Division. GeneralleutnantBruno Ortner
Bekannte Divisionsangehörige
Hans Sottorf: von 1939 bis Juli 1941 Bataillonskommandeur im Infanterie-Regiments 502 Willy Johannmeyer: von 1939 bis April 1940 Führer des Nachrichtenzuges beim Infanterie-Regiment 503, anschließend Kompaniechef und später bis März 1944 Bataillonschef; für seinen Einsatz mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet Johannes Mayer: von Februar 1940 bis März 1942 Kommandeur des Infanterie-Regiments 501; für seinen Einsatz 1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet Günther Pröhl: erhielt als Führer der Panzer-Jäger-Abteilung 290 Anfang 1942 für seinen Einsatz das Ritterkreuz verliehen Diedrich Lilienthal: von Mitte 1941 bis zu seinem Tod im August 1944 in der 1. Kompanie der Panzerjäger-Abteilung 290; für seinen Einsatz 1943 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet Theobald Lieb: von Juni 1941 bis November 1941 stellvertretender Kommandeur der Division Heinrich Nickel: von September 1941 bis April 1943 Kommandeur des Infanterie-Regiments 502 Hinrich Warrelmann: von April 1943 bis November 1944 Kommandeur des Infanterie-Regiments 502; für seinen Einsatz mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet Lothar Freutel: von Oktober 1943 bis zu seinem Tod im Februar 1944 Kommandeur des Infanterie-Regiments 503
Literatur
Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Neunter Band. Die Landstreitkräfte 281–370. Biblio-Verlag, Osnabrück 1974, ISBN 3-7648-0872-1, S. 27–30.
Weblinks (PDF; 461 kB), Nafziger Collection, Combined Armed Research Library.
290. Infanterie-Division auf EHRI-Portal aus dem Bundesarchiv
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 1940 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Militär (Munster) Kategorie:Division der 8. Aufstellungswelle Kategorie:Infanteriedivision (Wehrmacht)