Slumdog Millionär (Originaltitel Slumdog Millionaire) ist ein mit acht Oscars ausgezeichneter britischer Kinofilm von Danny Boyle aus dem Jahr 2008. Er wurde von Fox Searchlight Pictures produziert und basiert auf dem 2005 erschienenen Roman Q & A (, deutsch: Fragen und Antworten) von Vikas Swarup, dessen Übersetzung unter dem deutschen Titel Rupien! Rupien! erschienen ist. Der Film kam am 12. November 2008 in die US-amerikanischen Kinos, es folgten am 5. Dezember 2008 der Kinostart in Italien, am 21. Januar 2009 in der Schweiz, am 19. März 2009 in Deutschland und am 20. März 2009 in Österreich.Starttermine laut Internet Movie Database
Handlung Der in Indien gedrehte Film erzählt von dem Tag im Leben des 18-jährigen Jamal Malik, an dem er den Hauptpreis – 20 Millionen indische Rupien – in der Fernsehsendung Who Wants to Be a Millionaire? gewinnt. Zu Beginn des Films wird die sich allen Beobachtern stellende Frage wie in einem Fernsehquiz eingeblendet: Original
Mumbai, 2006
Jamal Malik is one question away from winning 20 million rupees.
How did he do it?
A: He cheated B: He’s lucky C: He’s a genius D: It is written Übersetzung
Mumbai, 2006
Jamal Malik ist eine Frage davon entfernt, 20 Millionen Rupien zu gewinnen.
Wie hat er das gemacht?
A: Er hat betrogen B: Er hatte Glück C: Er ist ein Genie D: Es ist Schicksal
Der Film beginnt in einem Polizeirevier, in dem Jamal gefoltert wird. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits die vorletzte Quizfrage richtig beantwortet und wird verdächtigt, ein Betrüger zu sein. Der Polizeikommissar bezweifelt, dass ein ehemaliger Straßenjunge aus Mumbai so viele Fragen richtig beantworten könne. Für die Polizeibeamten sowie den Moderator der Show, Prem Kumar, besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei Jamal um einen Betrüger handeln müsse, zumal auch Kumar selbst aus den Slums stammt und sich hochkämpfen musste. In Rückblenden wird gezeigt, wie sich Kumar am Anfang seiner Show, ans Publikum gewendet, mehrfach über den Slumdog-Kandidaten lustig machte, der als einfacher Laufbursche das Quiz seiner Ansicht nach niemals meistern werde. Als sich die beiden in einer Werbepause auf der Toilette begegneten, hatte Prem keine Skrupel, Jamal sogar eine falsche Antwort zur vorletzten Quizfrage zukommen zu lassen. Doch Jamal erkannte die Falle und wählte die richtige Lösung. Kurz vor der letzten Frage ertönte das Signal zum Ende der Sendung, und vor den Türen des Studios wartete bereits die von Kumar benachrichtigte Polizei. Jamal wurde auf das Revier gebracht, dort gefoltert und verhört.
Als er wieder sprechen und erklären kann, weshalb er jede einzelne Quizfrage beantworten konnte, lässt sich der Kommissar von seiner Geschichte fesseln. In Rückblenden erfährt der Zuschauer nun von der Lebensgeschichte Jamals und seines Bruders Salim in Indien, vom Aufwachsen der Halbwaisen im Slum, dem gewaltsamen Tod der Mutter bei den antimuslimischen Pogromen um den Jahreswechsel 1992/93 und dem Zusammentreffen mit dem Waisenmädchen Latika. Jamal berichtet von der unfreiwilligen Zeit der drei Kinder in der kriminellen Bettelorganisation von Maman, der Flucht der Brüder, dem unsteten Leben als fliegende Händler in Zügen und als angebliche Fremdenführer am Taj Mahal, von der Ermordung Mamans und Befreiung Latikas und dem folgenden Bruch mit seinem Bruder bis zu dem jetzigen Leben als Teeservierer (Chai-Wallah) in einem Callcenter. Im Laufe dieser Ereignisse lernte er, sei es durch Zufall, sei es durch Schicksal, genau das, was er dann in der Fernsehshow gefragt wurde. Jede Quizfrage steht dabei für einen bestimmten Lebensabschnitt, und so erklärt sich auch, dass es Jamal gar nicht um Gelderwerb geht, sondern darum, durch den Fernsehauftritt seine Liebe Latika wiederzufinden, die er zuvor bereits mehrfach wieder verloren hatte.
Jamal ist über Nacht zum Medienstar geworden. Der Kommissar ist schließlich von der Unschuld Jamals überzeugt, lässt ihn rechtzeitig vor der entscheidenden Fernsehsendung frei und bringt ihn zum Studio. Sein Bruder Salim, der Jamal im Fernsehen sieht, bereut daraufhin seinen Lebenswandel als Handlanger des reichen Verbrechers Javed. Er verhilft Latika, die Javed inzwischen zu seiner Mätresse gemacht hat, zur Flucht und überlässt ihr sein Mobiltelefon und seinen Wagen, mit dem sie zur Show fahren will. Jamal kann indessen zunächst die letzte entscheidende Millionenfrage nach dem Namen des dritten Musketiers aus Die drei Musketiere nicht beantworten, denn sein Bruder und er haben in der Schule nur die Namen der ersten beiden Musketiere, Athos und Porthos, gelernt und sich gegenseitig gelegentlich so genannt. Er wählt daher den Telefonjoker und lässt die einzige Nummer anrufen, die er auswendig kennt – die seines Bruders. Latika, die sich in einem Stau auf den Straßen Mumbais befindet, sieht ihn in einem der zahllosen Fernsehgeräte im Schaufenster eines Fernsehfachgeschäfts und beantwortet seinen Anruf. Dass Latika lebt, bringt Jamal durcheinander, allerdings kann auch sie ihm nicht helfen. Jamal setzt alles auf eine Karte und entscheidet sich für die Antwort A, die besagt, dass der dritte Musketier auf den Namen Aramis hört – und hat damit die letzte Frage rein zufällig richtig beantwortet.
Zur gleichen Zeit will Javed sich an Salim für dessen Verrat rächen. Doch Salim erschießt seinen Boss und wird daraufhin – in einer Badewanne voller Geld liegend – von dessen Wachen getötet. Später in dieser Nacht treffen sich Jamal und Latika auf dem Victoria-Bahnhof von Mumbai und küssen sich. Das Bild wird angehalten und die Antwort auf die anfangs gestellte Frage eingeblendet: „D: Es ist Schicksal“.
Es folgt ein musikalisch-tänzerischer Abspann im typischen Bollywood-Stil.
Produktion Jamal K. Malik Dev Patel Julius Jellinek … Teenager Tanay Chheda … Kind Ayush Mahesh Khedekar Henry Ernst Salim K. Malik Madhur Mittal Leonhard Mahlich … Teenager Ashutosh Lobo Gajiwala Patrick Baehr … Kind Azharuddin Mohammed Ismail Lukas Schust Latika Freida Pinto Anna Grisebach … Teenager Tanvi Ganesh Lonkar … Kind Rubina Ali Prem Kumar Anil Kapoor Martin Umbach Polizeikommissar Irrfan Khan Olaf Reichmann Sergeant Srinivas Saurabh Shukla Tom Deininger Javed Mahesh Manjrekar Oliver Stritzel Maman Ankur Vikal Nicolas Böll Punnoose Tiger Tilo Schmitz
Entstehungsgeschichte Simon Beaufoy schrieb das Drehbuch zu Slumdog Millionär auf der Basis des Romans Rupien! Rupien! von Vikas Swarup (Originaltitel: Q & A). Der indische Schriftsteller wurde nach eigener Aussage durch einen Besuch einer der Lernstationen des Bildungsprojekts Hole in the Wall zu seinem Roman inspiriert.Oscar Favorite Slumdog Millionaire Inspired by NIIT’s »Hole in the Wall« Initiative, Reuters, Atlanta, 17. Februar 2009
Um das Drehbuch zu verbessern, reiste Beaufoy dreimal nach Indien und befragte Straßenkinder. Im Sommer 2006 boten die britischen Produktionsfirmen Celador Films und Film4 dem Filmregisseur Danny Boyle das Drehbuch an, der anfangs an dem Stoff aber nicht interessiert war., The Hollywood Reporter, Toronto, Peter Brunette, 10. September 2008 Boyle änderte seine Meinung, als er erfuhr, dass Beaufoy auch das Drehbuch zu einem seiner Lieblingsfilme Ganz oder gar nicht geschrieben hatte., Comingsoon.net, Max Evry, Ryan Rotten, 16. Juli 2007 Boyle war davon beeindruckt, wie Beaufoy verschiedene Erzählstränge aus Swarups Roman verknüpfte, und entschied sich dafür, den Film zu drehen. Die geplanten Produktionskosten lagen bei 15 Millionen US-Dollar, daher suchte Celador einen weiteren Finanzier. 20th Century Fox bot eine Beteiligung von zwei Millionen US-Dollar, Warner Independent Pictures fünf Millionen US-Dollar. Nach der Schließung von Warner Independent Pictures durch den Mutterkonzern Warner Bros. wurden die Distributionsrechte für Slumdog Millionär an Fox Searchlight verkauft. Warner und Fox Searchlight teilen sich Kosten und Einkünfte des Vertriebs.Golden Globes – A windfall for »Slumdog Millionaire«, Los Angeles Times, John Horn, 12. Dezember 2008
In einem Cameo ist Amitabh Bachchan zu sehen, der als einer der größten Stars der Hindi-Filmindustrie gilt und zwischen 2000 und 2002 sowie 2005 bis 2006 die indische Ausgabe von Who Wants to Be a Millionaire? moderierte.Hintergrundinformationen laut Internet Movie Database Von ihm erhält der junge Jamal das Autogramm.
Mercedes-Benz bat laut Danny Boyle darum, dass das Firmenlogo in den Szenen, die in den Slums spielen, nicht zu sehen sei, da das Unternehmen befürchtete, dies hätte negative Auswirkungen auf das Firmenimage.
Dreharbeiten Im September 2007 reiste das Filmteam nach Mumbai und begann, einheimische Schauspieler und Filmtechniker anzustellen. Boyle entschied sich auch, ein Drittel des Dialogs aus dem Englischen auf Hindi zu übersetzen, teilte aber der Filmproduktionsfirma mit, dass nur zehn Prozent des Dialogs auf Hindi seien. In der schließlich veröffentlichten Fassung sind etwa 20 % der Dialoge auf Hindi übersetzt worden. Drehorte waren unter anderem die Slums in Mumbai und der Stadtteil Juhu. Die Dreharbeiten begannen am 5. November 2007.Danny Boyle to direct »Slumdog«, Variety, Adam Dawtrey, 30. August 2007
Filmmusik Die Filmmusik wurde von überwiegend indischen Künstlern produziert. A. R. Rahman benötigte nur 20 Tage, um den kompletten Soundtrack zu komponieren. Er besteht aus 13 Musiktiteln und wurde am 13. Januar 2009 von Interscope Records veröffentlicht. Jai Ho, der letzte Musiktitel des Soundtracks und spätere Gewinner des Oscars für den besten Song, wurde ursprünglich für den 2008 erschienenen Film Yuvvraaj geschrieben. Dessen Regisseur Subhash Ghai verzichtete aber darauf, weil er das Lied als unpassend erachtete. Er erlaubte daher, es in Slumdog Millionär zu verwenden. Dort ist es während des Abspanns zu hören. Ursprünglich war hierfür der Musiktitel Aaj Ki Raat vorgesehen, der ebenfalls im Film zu hören und auf dem Soundtrack enthalten ist.
O… Saya – A. R. Rahman & M.I.A. Riots – A. R. Rahman Mausam & Escape – A. R. Rahman Paper Planes – M.I.A. Paper Planes DFA REMIX – M.I.A. Ringa Ringa – A. R. Rahman feat. Alka Yagnik & Ila Arun Liquid Dance – A. R. Rahman feat. Palakkad Sriram & Madhumitha Latika's Theme – A. R. Rahman feat. Suzanne Aaj Ki Raat – Sonu Nigam, Mahalaxmi Lyer & Alisha Chinoi Millionaire – A. R. Rahman feat. Madhumitha Gangsta Blues – A. R. Rahman feat. BlaaZe & Tanvi Shah Dreams on Fire – A. R. Rahman feat. Suzanne Jai Ho – A. R. Rahman feat. Sukhvinder Singh, Tanvi Shah & Mahalaxmi Iyer
Marketing und Veröffentlichung mini|hochkant|Freida Pinto und Dev Patel beim Toronto International Film Festival 2008
Im August 2007 erwarben Warner Independent Pictures die US-amerikanischen und Pathé die internationalen Vertriebsrechte an Slumdog Millionär. Warner Independent Pictures zweifelte jedoch an den kommerziellen Aussichten des Films und suchte daher ab August 2008 nach einem Käufer für die Filmrechte.Warners’ films: Movie overboard!, Los Angeles Times, Patrick Goldstein, James Rainey, 12. August 2008 Im selben Monat einigten sich Warner Independent Pictures und Fox Searchlight Pictures darauf, die Filmrechte hälftig zu teilen.Fox, WB to share »Slumdog« distribution, Variety, Mike Flaherty, 20. August 2008 Slumdog Millionär hatte auf dem Telluride Film Festival am 30. August 2008 seine Premiere und wurde von den Zuschauern positiv aufgenommen.Boyle film leads buzz at Telluride Film festival, Reuters, Telluride (Colorado), Christine Kearney, 1. September 2008 Der Film wurde am 7. September 2008 auch auf dem Toronto International Film Festival gezeigt, war ein Zuschauererfolg und gewann den People’s Choice Award., Chicago Tribune, Toronto, Michael Phillips, 8. September 2008, Indiewire, Toronto, Peter Knegt 13. September 2008