mini|hochkant|Undatierte Fotografie mini|hochkant|Carl Heymann, Lithografie von Theodor Mayerhofer
Carl Heymann, auch Karl Heymann (geboren am 6. Oktober 1854 in Filehne, Provinz Posen; gestorben am 6. Dezember 1922 in Haarlem, Niederlande) war ein deutscher Pianist, Komponist und Klavierlehrer, der lange Zeit in den Niederlanden lebte.
Leben Carl Heymann entstammte einer musikalischen Familie. Er wuchs als Sohn des jüdischen Oberkantors Isaac Heymann und der Rebecca Göttinger in Amsterdam auf, wo sein Vater seit 1856 tätig war. Auch seine drei jüngeren Schwestern waren bekannte Musikerinnen: Hanna (1870–1943) war ebenfalls Pianistin, Louise (1861–1942) und Sophie Heymann (1874–1943) waren Sopranistinnen. Hanna und Sophie Heymann wurden 1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet.
Schon mit elf Jahren trat Carl Heymann 1865 als Pianist in Amsterdam auf; zur selben Zeit war er am Kölner Konservatorium Schüler von Ferdinand Hiller und Friedrich Gernsheim.
In Berlin war er Privatschüler von Friedrich Kiel. Von dort aus unternahm er Konzertreisen, so 1871 nach Frankfurt am Main und 1872 nach Nord- und Mitteldeutschland; teilweise begleitete er dabei den Violinisten August Wilhelmj am Klavier. 1874 ließ er sich in Bingen nieder und übernahm dort im Dezember 1875 als Nachfolger von Willem de Haan die Leitung des Cäcilienvereins. Im April 1879 wechselte er für gut ein Jahr als Nachfolger Joseph Rubinsteins an Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt am Main. Dort zählte Edward MacDowell zu seinen Schülern.
Nach seiner Frankfurter Zeit lebte Heymann wieder in Bingen. In den Wintermonaten 1880/81 und 1881/82 führten ihn ausgedehnte Konzertreisen in zahlreiche deutsche Städte sowie in die Niederlande, nach Polen und nach Russland. Die Sommermonate dieser Jahre verbrachte er in Bingen, das er „gar zu lieb gewonnen“ hatte, „um hier seinem Compositionstalente nachzugehen“.Brief an Hiller 5. Apr. 1879; in: Signale für die musikalische Welt, Nr. 51, September 1881.
Nachdem er sich im Oktober 1882 zur Erholung in die Französische Schweiz begeben hatte, zwang eine psychische Erkrankung Heymann, seine Laufbahn als vielerorts bewunderter Konzertpianist aufzugeben. Sein Name schwand aus dem Bewusstsein der Musikwelt.
Ab 1884 lebte er zurückgezogen – teils in Heilanstalten – in Amsterdam. Dort starb Carl Heymann am 6. Dezember 1922 im Alter von 68 Jahren. Nachrufe erschienen unter anderem in Het VaderlandHet Vaderland, 8. Dezember 1922. und im Nieuw Israelietisch weekblad.„Carl Heymann z.g.“ In: Nieuw Israelietisch weekblad, 15. Dezember 1922, S. 10 (Digitalisat).
Würdigung Trotz mehrfacher Unterbrechung seiner frühen, steilen Karriere durch ein psychisches Leiden galt er als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Auch als Komponist trat er hervor.
Der Musikschriftsteller Josef Schrattenholz sah in Heymann einen „neuen Liszt“ und charakterisierte sein Spiel folgendermaßen: „Heymann als reproduzierender Künstler ist gleichzeitig auch in eminentem Sinne produktiv tätig, und gerade in der innigen Verschmelzung jener Doppeltätigkeit scheint mir das Geheimnis seiner Originalität und seines Erfolges zu liegen. Ein hervorragendes Kompositionstalent … ist ihm auch als Pianist nur förderlich.“Illustrirte Zeitung, 11. März 1882.
Kompositionen (Auswahl) Drei Stücke für Pianoforte (opus 2, Sulzer, 1871) Drei Lieder (opus 3, Schott, 1872) Defiliermarsch zur Erinnerung an der Feldzug 1870–1871 Drei Lieder (Neue Liebe, Mailied und An die blaue Himmelsdecke) Klavierkonzert Drei Streichquartette Pianoquartett Sonate für Klavier und Violine Gondoliera (opus 4, Sulzer, 1872) Im Frühling (opus 5.1, Luckhardt, 1881) Elfenspiel (opus 7, Simrock, 1881) Vier Fantasiestücke (opus 8, Senff, 1881) Mummenschanz Zum Abschied für Piano (Lichtenberger, 1878) Zwölf Lieder für dreistimmigen Frauenchor mit Clavierbegleitung (opus 9, Peters, Leipzig)
Verwechslung Carl Heymann wird in der Literatur und in Datenbanken häufig verwechselt mit Carl Heymann-Rheineck (1852–1924).
Literatur Peter Cahn: Das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt am Main (1878–1978). Kramer, Frankfurt am Main 1979.
Weblinks
Einzelnachweise
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