mini|hochkant=1.5|Blick von der Großen Steinernen Brücke auf den Kremlpalast mini|hochkant=1.5|Blick vom gegenüberliegenden Ufer der Moskwa
Der Große Kremlpalast (, transkribiert: Bolschoi Kremljowski dworez) im Herzen der russischen Hauptstadt Moskau stellt einen wichtigen Teil des architektonischen Ensembles des Moskauer Kremls dar. Er setzt sich aus mehreren Bauwerken verschiedener Stile zusammen, die vom 15. bis zum 19. Jahrhundert entstanden. Der zentrale Teil des Palastkomplexes entstand in den Jahren 1838–1849 nach einem Entwurf Konstantin Thons und diente ursprünglich als Moskauer Hauptresidenz des Zaren und seiner Familie. Heute gehört der Große Kremlpalast zum Dienstgebäudekomplex des Präsidenten Russlands.
Allgemeine Beschreibung Da das aus dem 19. Jahrhundert stammende zentrale Gebäude des Kremlpalastes bei dessen Errichtung an die vorher bereits bestehenden Gebäude des Terem-Palastes, des Facettenpalastes und der Goldenen Zarinnenkammer angebaut wurde, werden diese ebenfalls zum Komplex des Großen Kremlpalastes gezählt. Nicht unmittelbar an den Palast angebaut, jedoch mit ihm durch geschlossene Übergänge verbunden, sind darüber hinaus das benachbarte Gebäude der Rüstkammer und die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale.
mini|links|Der Große Kremlpalast auf dem Geländeplan des Kremls Im Ensemble des Moskauer Kremls nimmt der Große Kremlpalast, mit einer Fassadenlänge des zentralen Gebäudes von 125 Metern und einer Höhe bis zur Kuppel von 44 Metern, eine führende Stellung ein. Das Gebäude befindet sich im südlichen Teil des Kremlgeländes, nahe dem Abhang zum Moskwa-Ufer hin, und ist daher besonders gut von der Moskwa bzw. deren gegenüberliegendem Ufer aus zu sehen. Auch von der Großen Steinernen Brücke aus eröffnet sich eine repräsentative Aussicht auf den Kreml und den Großen Kremlpalast. Innerhalb des Kremlensembles befindet sich der Große Kremlpalast zwischen der Kremlmauer im Süden, dem Gebäude der Rüstkammer im Westen, dem ehemaligen Kongresspalast (heute offiziell: Staatlicher Kremlpalast) im Norden und dem Kathedralenplatz (mit der Erzengel-Michael-, der Mariä-Entschlafens- und der Verkündigungskathedrale) im Osten.
Das zentrale Palastgebäude erscheint von außen her dreistöckig, verfügt jedoch im Inneren über nur zwei Ebenen, da die fünf Paradesäle im zweiten Stockwerk bei einer Deckenhöhe von bis zu 18 Metern jeweils zwei übereinander liegende Fensterreihen aufweisen. Die Anzahl der Räumlichkeiten im Inneren des Kremlpalastes beläuft sich auf rund 700 mit einer Gesamtfläche von 24.000 m². Werden auch die anliegenden Gebäude des Terem-Palastes, des Facettenpalastes und der Goldenen Zarinnenkammer mitgezählt, so ergibt sich eine Gesamtfläche der Räumlichkeiten von knapp 35.000 m².
Während der Palast im 19. Jahrhundert als Zarenresidenz und unter anderem für feierliche Empfänge der Zarenfamilie bei deren Moskauer Aufenthalten diente, ist er heute Bestandteil des zum UNESCO-WelterbeSiehe auch: ICOMOS-Bericht vom 24. Oktober 1989 (überprüft am 14. Januar 2009; PDF; 722 kB) gehörenden Museumsensembles des Kremls, aber auch Teil der offiziellen Arbeitsresidenz des Präsidenten Russlands. Aus diesem Grund sind die Bauten (einschließlich des Terem- und des Facettenpalastes) grundsätzlich nicht öffentlich zugänglich; sie können aber im Rahmen einer Sonderführung für angemeldete Gruppen von innen besichtigt werden, die allerdings meist sehr teuer ist (je nach Gruppengröße etwa 850 bis 1000 Euro pro Besichtigungsrundgang (überprüft am 5. Mai 2018)).
Geschichte des Palastkomplexes Da sich der heutige Große Kremlpalast auf dem Gelände des Moskauer Kremls befindet, einer bereits seit dem 12. Jahrhundert bekannten ehemaligen Befestigungsanlage, standen an seiner Stelle noch weit vor dem 19. Jahrhundert repräsentative Bauwerke, darunter auch Wohngemächer der Großfürsten Moskowiens und Zaren Russlands.
Vorgängerbauten bis zum 17. Jahrhundert mini|Der hölzerne Moskauer Kreml im 14. Jahrhundert. Eine Zeichnung von Apollinari Wasnezow Die Beschreibungen der ersten Vorgängerbauten des heutigen Großen Kremlpalastes sind nicht überliefert; bekannt ist allerdings, dass ein erster Großfürstenpalast hier noch zu Zeiten Iwan Kalitas (frühes 14. Jahrhundert) stand.Romanjuk, S. 136. Dass die Residenzen der Herrscher über das Großfürstentum Moskau bzw. später das Zarentum Russland und das Russische Reich genau an dieser Stelle des Kremls standen, dürfte vor allem durch die äußerst repräsentative Lage des Grundstücks zu erklären sein: Das sich südlich hiervon erstreckende steile Ufer der Moskwa verlieh den Gebäuden, die damals vom Fluss aus weithin sichtbar waren, eine besondere Stellung unter allen Bauwerken der Festung.
Im frühen 15. Jahrhundert standen auf dem Grundstück unter anderem die Wohngemächer der Fürstin Sofia, Gattin des Großfürsten Wassili I. Letzterer ließ die Bauten um 1404 erweitern, wobei erstmals in der Moskauer Geschichte ein Haus mit Fassadenuhr entstand. Da nahezu alle nichtsakralen Gebäude Moskowiens damals aus Holz gebaut waren, stellten Feuersbrünste eine ständige Bedrohung dar. So gab es auch im Laufe des 15. Jahrhunderts im Kreml zahlreiche Großbrände, die dazu führten, dass die fürstlichen Gemächer teilweise oder ganz zerstört und nachher entweder wiederhergestellt oder neu errichtet wurden. Erst im Jahre 1487 entstand mit dem bis heute erhaltenen Facettenpalast eines der ersten steinernen Bauten des Kremls. Zugleich begann damit die Entstehung des heutigen Komplexes des Großen Kremlpalastes.
Nachdem im Jahre 1493 ein besonders verheerender Großbrand abermals einen Großteil des Kremls einschließlich der alten hölzernen Fürstengemächer verwüstete, begann die Errichtung des ersten steinernen Palastes, der den vor allem repräsentative Zwecke erfüllenden Facettenpalast als Hauptresidenz der Großfürsten ergänzen sollte. Mit der Ausführung der Arbeiten wurden Baumeister aus Italien beauftragt – ähnlich wie es auch beim Neubau der Mauern, der Türme und vieler anderer bis heute erhaltener Bauwerke des Kremls der Fall war. Speziell den Bau des Fürstenpalastes vertraute der damalige Großfürst Iwan III. „der Große“ dem Mailänder Baumeister Aloisio da Milano (in Russland damals als Alewis Frjasin bekanntWährend Alewis nichts anderes als die altrussische Entsprechung des Vornamen Alois (bzw. Aloisio) darstellt, war Frjasin () ein Pseudo-Familienname, der im damaligen Sprachgebrauch so viel wie „Italiener“ bedeutete und mit dem mehrere italienische Kremlbaumeister genannt wurden. Ihre richtigen Familiennamen wurden meist nicht mit Sicherheit überliefert; Karamsin und andere Historiker sprachen bei Alewis Frjasin von Aloisio da Milano bzw. bei Mark Frjasin von Marco Ruffo. Siehe auch: Slovo, 57/2008 (überprüft am 14. Januar 2009).) an. Die Errichtung begann 1499 und wurde 1508, somit erst nach dem Tod Iwan des III., vollendet. Im Gegensatz zu den früheren Holzbauten sollte der neue Palast von da an über 200 Jahre lang stehen. Im Laufe des 16. und des 17. Jahrhunderts wurde er mehrmals umgebaut und erweitert, wobei die bekannteste Erweiterung der 1636 fertiggestellte und bis heute erhaltene Terem-Palast darstellt.
Vorgängerbauten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Die Vorgängerbauten des Großen Kremlpalastes dienten den russischen Zaren noch bis Ende des 17. Jahrhunderts ganz oder teilweise als Residenz. Dies änderte sich um 1703 in der Herrschaftszeit Peter I. „des Großen“. Dieser gründete die neue russische Reichshauptstadt Sankt Petersburg und ließ den Zarensitz dorthin verlegen. Die alten Moskauer Gemächer wurden kaum noch ihrem ursprünglichen Zweck nach genutzt und verfielen mit der Zeit. Einige hölzerne Nebenbauten fielen einem erneuten Brand zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut, der Rest des Palastkomplexes wurde unter anderem als Verwaltungsgebäude genutzt.
mini|Rastrellis Palast in den 1760er-Jahren 1749 ließ Kaiserin Elisabeth einen Teil der alten Zarengemächer abtragen, um an ihrer Stelle einen repräsentativen Palast bauen zu lassen, der die neue Moskauer Hauptresidenz der russischen Kaiser werden sollte. Mit der Ausführung wurde der renommierte italienische Architekt Bartolomeo Francesco Rastrelli beauftragt. Das Gebäude wurde 1753 fertiggestellt und erhielt den Namen Winterpalast. Im gleichen Barock-Stil erbaute Rastrelli einige Jahre später auch den weitaus bekannteren Winterpalast in Sankt Petersburg, der von da an als Petersburger Kaiserresidenz diente. Im Krieg gegen Napoleon 1812 wurde der Moskauer Winterpalast zerstört und bis 1817 nach einem Entwurf des Baumeisters Wassili Stassow wiederhergestellt.
Ein Nachfolgebau für den zunehmend als veraltet angesehenen Palast Rastrellis wurde noch im späten 18. Jahrhundert unter Katharina II. „der Großen“ erwogen. Damals fertigten die beiden Architekten Wassili Baschenow und Matwei Kasakow ein Großprojekt für einen Palast an, der wesentlich größere Ausmaße annehmen sollte als das heutige Gebäude und dem mehrere alte Kremlbauten weichen sollten. Im Laufe der Zeit wurde das Projekt aber letztlich verworfen, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, aber auch weil das Vorhaben wegen seiner für den Kreml viel zu großen Ausmaße stark kritisiert wurde.
Die neue Zarenresidenz des 19. Jahrhunderts Erst Zar Nikolaus I. ließ in den 1830er-Jahren Rastrellis Palast abtragen, um an seiner Stelle eine neue Moskauer Zarenresidenz in einem dem Klassizismus angenäherten Stil errichten zu lassen, der im damaligen Russland als zeitgemäß galt. Der Entwurf des neuen Palastes stammte von Konstantin Thon, der für eine Reihe bekannter Moskauer Bauwerke des 19. Jahrhunderts (darunter die Christ-Erlöser-Kathedrale und das Empfangsgebäude des Nikolai-Bahnhofs) bekannt ist.
Die Bauarbeiten am zentralen Palastgebäude dauerten von Juni 1838 bis April 1849 und die Gesamtkosten des Projektes betrugen rund 12 Millionen Rubel. Im Ergebnis entstand der im Wesentlichen heute noch bestehende Komplex des Großen Kremlpalastes, der neben dem 1838–49 errichteten zentralen Palastgebäude die wesentlich älteren Nebenbauten des Facettenpalastes, des Terem-Palastes und der Goldenen Zarinnenkammer beinhaltet. Dabei wurden die beiden letzteren Gebäude nahezu vollständig vom dominierenden zentralen Teil umschlossen, so dass sie seitdem von außen kaum noch sichtbar sind. Dies sowie die Tatsache, dass der neue klassizistisch geprägte Prachtbau architektonisch einen deutlichen Kontrast zum bestehenden Ensemble des Kremls aufwies, das von altrussischer Baukunst der frühen Neuzeit dominiert wurde, brachte Konstantin Thon vielfach scharfe Kritik ein. In einem Moskau-Reiseführer von 1917 wurde das von seinen Ausmaßen her auffallend groß geratene Gebäude gar als Kaserne verschmäht.Romanjuk, S. 142.
Von seiner Fertigstellung bis zum Sturz des Zaren stellte der Große Kremlpalast einschließlich seiner älteren Anbauten die Residenz der russischen Monarchen in der damals zweitgrößten Stadt des Reiches dar. Hier wohnten Zaren samt Familie und Gefolge bei ihren Aufenthalten in Moskau, zudem wurden hier wichtige staatliche Zeremonien durchgeführt, beispielsweise Empfänge hoher ausländischer Staatsgäste oder Feierlichkeiten zur Zarenkrönung. Daneben war der Palast an Nichtfeiertagen auch für öffentliche Exkursionen zugänglich.Kiselëv, S. 114.
20. Jahrhundert und Gegenwart