mini|hochkant=1.5|Trierer Dom alt=|mini|Gesamtkomplex mit Liebfrauenkirche und Kreuzgang (Südansicht) mini|Trierer Dom, Luftaufnahme (2016) mini|Blick aus Richtung Norden mini|Trierer Dom bei Nacht vom Domfreihof mini|Trierer Dom und Liebfrauenkirche vom Domkreuzgang aus gesehen mini|Detail des Westwerks mini|Grundriss des Trierer Doms Die Hohe Domkirche St. Peter zu Trier ist die älteste Bischofskirche Deutschlands und die Mutterkirche des Bistums Trier. Mit einer Länge von 112,5 Metern und einer Breite von 41 Metern ist das Bauwerk das größte Kirchengebäude der Stadt Trier und ein bedeutendes Zeugnis abendländischer sakraler Baukunst, das seinem ursprünglichen Zweck als Bischofskirche ununterbrochen diente.

Seit 1986 ist der Trierer Dom Teil des UNESCO-Welterbes „Römische Denkmale, Dom St. Peter und Liebfrauenkirche in Trier“, des Weiteren ist er ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Geschichte Der Dom steht über den Resten eines repräsentativen römischen Wohnhauses. Im Zuge der von Kaiser Konstantin eingeleiteten konstantinischen Wende hin zum Christentum wurde zwischen 310 und 320, also in der Zeit Konstantins des Großen, eine Basilika errichtet, die unter Bischof Maximin (329–346) zu einer der größten Kirchenanlagen Europas mit vier Basiliken, einem Baptisterium und Nebengebäuden erweitert wurde. Um 340 entstand der sogenannte Quadratbau, der Kern des Domes mit vier monumentalen Säulen aus dem Odenwald.

Römische Zeit Als Kern der mittelalterlichen Siedlung geriet der Trierer Dom seit 1843 in das Interesse archäologischer Forschung. Größere Ausgrabungen fanden besonders nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums, Theodor Konrad Kempf, und seinem Nachfolger Winfried Weber bis 1981 statt. In den ältesten Schichten konnte ein vornehmes römisches Wohnquartier des 2. und 3. Jahrhunderts festgestellt werden. Dazu gehörte unter anderem ein reich mit Wand- und Deckenmalereien verzierter Prunksaal mit Kassettendecke.Erika Simon: Die konstantinischen Deckengemälde in Trier. (Trierer Beiträge zur Altertumskunde 3) Zabern, Mainz 1986, ISBN 3-8053-0903-1. Unter der heutigen Vierung des Doms sind Teile des Gebäudes konserviert, die rekonstruierten Fresken werden im Museum am Dom (ehemaliges Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum) ausgestellt. Die reiche Ausstattung hat dazu geführt, dass die Anlage teilweise auch einem spätantiken Palastbau zugeschrieben wird.

Die Wohnbebauung wurde im frühen 4. Jahrhundert abgerissen und planiert, um an ihrer Stelle eine Doppelkirchenanlage mit zwei nach Osten ausgerichteten, dreischiffigen Basiliken zu errichten, von denen besonders die zahlreichen Säulenstellungen nachgewiesen wurden. Die Säulen der Nordbasilika bestanden aus Odenwälder Granit,Präziser eigentlich Mela-Quarzdiorit, siehe Erwin Nickel: Odenwald. Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. Bornträger, Berlin/Stuttgart 1985 (Sammlung geologischer Führer 65) S. 20. worauf heute noch der vor dem Dom liegende Domstein hinweist. Eine dem Domstein sehr ähnliche Säule liegt in den spätrömischen Steinbrüchen am Felsenmeer bei Lautertal. Die Ausdehnung der beiden Kirchenanlagen einschließlich der Querbauten und Peristylhöfe ist nicht vollständig gesichert und lag vermutlich zwischen 40 (Nordbasilika) und 30 m (Südbasilika unter der heutigen Liebfrauenkirche) Breite bei einer Länge von je 150 m. Zwischen beiden Kirchen befand sich ein quadratisches Baptisterium, das heute im Pflaster des Domfreihofs markiert ist. Vor dem Chor der Nordbasilika wurden achteckige Gebäudereste freigelegt, die vom Ausgräber als „Herrenmemoria“ (Aufbewahrungsort für Reliquien) gedeutet wurde.

Im 5. Jahrhundert brannte der Dom nach einer Eroberung aus. Die großen Granitsäulen barsten und stürzten mit ihren Bögen ein. Nur die Außenmauern blieben stehen. Im 6. Jahrhundert konnte unter Bischof Nicetius der quadratische Bau, heute die Vierung, wieder hergestellt werden. In der Mitte dieses Baukörpers lag ein erhöhtes Podium, an den vier Ecken wurden als Ersatz für die durch den Brand geborstenen Granitsäulen wiederverwendete Säulen (Spolien) aus Kalkstein eingesetzt.F. Ronig, 2019, S. 5 Der Verzierung der Kapitelle nach könnten sie vom Tempel am Herrenbrünnchen stammen.Heinz Cüppers in: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. S. 593. Entlang der Windstraße an der Nordseite des Doms ist das zugehörige Ziegelmauerwerk noch bis auf eine Höhe von 30 m sichtbar.Zu den römischen Gebäuden unter dem Trierer Dom siehe Hans-Peter Kuhnen: Dom und Liebfrauen: Die Anfänge der Trierer Bischofskirche. In: H.-P. Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier. (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 40), Theiss, Stuttgart 2001, S. 114–121; Winfried Weber: Antike Kirche im Bereich von Dom und Liebfrauen. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. S. 633f.; Sabine Faust: Dom und Liebfrauen: Frühchristliche Kirchenanlage. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) Trier 2008, S. 44f. Die Kirchenanlage des 4. Jahrhunderts wurde also zuerst durch die Völkerwanderung zerstört, der Quadratbau und die nördliche Basilika aber wieder aufgebaut. Eine weitere Zerstörung geschah 882 während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden.

Mittelalter mini|Säule aus dem Mittelalter mit Weinrebenmotiv als Spolie Ab der Amtszeit des Bischofs Egbert wurde der Dom erweitert und neugestaltet. Da die Standsicherheit des Domes nicht mehr gegeben war ummantelte man die Vierungssäulen des 6. Jahrhunderts mit kreuzförmigen Pfeilern aus Quadern und römischen Ziegeln. Zu sehen ist noch eine Weinrebe, deren Stein neu verwendet wurde. Unter Egbert wurde auch begonnen den Quadratbau nach Westen durch eine dreischiffige Anlage zu erweitern.F. Ronig, 2019, S. 6

Ab 1037 wurde unter Erzbischof Poppo der Dom weiter nach Westen gebaut. Es entstand ein einmaliger Raum mit der Jochfolge: kurz-lang-kurz-lang-kurz, und die Maternuskrypta wurde vollendet.F. Ronig, 2019, S. 7 Die Westfassade ist ein typisches Beispiel der Baukunst unter den Saliern. Der Nikolausaltar des Westchors wurde 1121 geweiht. Unter ihm entstand in der gleichen Zeit die Krypta St. Blasius.F. Ronig, 2019, S. 10

Noch im 11. Jahrhundert wurde unter Erzbischof Eberhard der Nordturm und das Mittelschiff und unter Bischof Udo der Südturm vollendet.F. Ronig, 2019, S. 9

Am 1. Mai 1196 wurde unter Erzbischof Johann I. der neue Altar des erweiterten Ostchores geweiht und der „Heilige Rock“ in diesen übertragen.F. Ronig, 2019, S. 10 In dieser Zeit entstanden auch die Lettnerbauten im West- und Ostchor.F. Ronig, 2019, S. 14

Im 13. Jahrhundert erfolgte eine grundlegende Erneuerung im spätromanischen Stil („Rhein-Maas-Romanik“, beschrieben von Kubach und Verbeek), die das heutige innere Erscheinungsbild noch prägt. Sie betraf insbesondere die Einwölbung mit Kreuzrippengewölben, den Einbau von Emporen sowie die Neugestaltung des Ostchores.

Äußere Veränderungen brachte das ausgehende Mittelalter. Erzbischof Balduin von Luxemburg ließ um 1350 die beiden Osttürme erhöhen und Erzbischof Richard von Greiffenklau zu Vollrads nach 1512 den Südwestturm auf 76 Meter HöheWeltkulturerbe: Lebendige Geschichte: Der Trierer Dom - ein Paradies für Entdecker, Trierischer Volksfreund aufstocken, weil der Turm der Bürgerkirche St. Gangolf die Domtürme überragte.

Neuzeit mini|links|Der barocke Trierer Dom mit der Liebfrauenkirche um das Jahr 1800, Stadtmodell Trier, Stadtmuseum Simeonstift Trier 18. und 19. Jahrhundert Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die schon früher geplante Heiltumskapelle, zu der der monumentale Aufbau mit Pilgertreppen im Inneren des Ostchores gehört, angebaut. Dort wird der Heilige Rock aufbewahrt. Nach einem Brand des Dachstuhls am 17. August 1717 wurde der Dom von 1719 bis 1723 durch Johann Georg Judas umgestaltet und erhielt ein Querhaus, die Osttürme bekamen barocke Hauben.

Im 19. Jahrhundert folgten mehrere Restaurierungen, deren Ziel es war, das mittelalterliche Erscheinungsbild wiederherzustellen; so erhielten die Osttürme 1883 neugotische Hauben statt der barocken. Auch Teile der barocken Ausstattung wurden entfernt und durch neoromanische Stücke ersetzt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau Im Zweiten Weltkrieg wurde der aus Kordeler Sandstein bestehende Dom schwer beschädigt, konnte aber verhältnismäßig rasch wiederaufgebaut werden. Zerstört wurden vor allem große Teile des Kreuzganges, das Dach und Gewölbe der Heiltumskapelle sowie die Dächer der Westtürme. Die Gewölbe des Domes selbst blieben erhalten, sodass sich auch die Schäden an der Ausstattung in Grenzen hielten. Die bedeutendsten Altäre des Domes waren zudem durch Verkleidungen bzw. Ummauerung geschützt worden.

Die Kriegsschäden wurden teilweise eher provisorisch beseitigt, da insbesondere im Bereich des Hochaltars bereits seit Längerem Pläne zu einer Neugestaltung verfolgt wurden, die aber kriegsbedingt nicht umgesetzt werden konnten. Zudem zeigte sich Ende der 1950er-Jahre, dass offenbar erhebliche statische Schwierigkeiten bestanden, die sich mit einer lediglich oberflächlichen Instandsetzung nicht beheben ließen. Ursache waren die durch Senkung des Grundwasserspiegels verfaulten Eichenpfähle der Pfahlgründung des spätantiken Bauteils, aber auch die zahlreichen Umbauten späterer Jahrhunderte.

Nachdem ein Architektenwettbewerb veranstaltet worden war, wurde der Dom unter der Leitung der Architekten Gottfried Böhm und Nikolaus Rosiny grundlegend restauriert und am 1. Mai 1974 wieder eröffnet.Gottfried Böhm, Nikolaus Rosiny: Gedanken der Architekten zu den Umbau- und Renovierungsarbeiten an der Hohen Domkirche zu Trier. In: Der Trierer Dom (= Jahrbuch des Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 1978/1979), Neuss 1980, S. 441–446.

Die Restaurierung war vor allem durch die statischen Beeinträchtigungen notwendig geworden; ihr ging eine intensive Diskussion voraus, in der unter anderem erwogen wurde, das mittelalterliche Erscheinungsbild des Domes wiederherzustellen und große Teile der Ausstattung zu entfernen. Dies unterblieb jedoch, sodass die historisch gewachsene Gestalt des Domes weitgehend erhalten ist. Umstritten war das Entfernen des Innenputzes, allerdings lässt die heutige weitgehend steinsichtige Gestaltung die verschiedenen Bauphasen des Domes gut erkennen. Für den Einbau der Altarinsel der Künstlergemeinschaft Theo Heiermann, Elmar Hillebrand und Jochem Pechau aus dunkelgrauem Peperino aus Viterbo und Einlegearbeiten aus hellem Präonyx aus VolterraFranz Ronig: Vor 25 Jahren: Neueinweihung des Trierer Doms, Das Fest der Altarweihe am 1. Mai 1974 nach über zehnjähriger Restaurierung, Liturgische Neueinrichtung des Doms, http://paulinus.de/archiv/archiv/9918/bistuma2.htm, abgerufen am 15. Juli 2018. in der Vierung mussten neben den Ergänzungen des frühen 20. Jahrhunderts auch originale Teile des mittelalterlichen Lettners abgebaut werden (heute im Museum am Dom). Einige Ausstattungsstücke wurden versetzt, unter anderem das ehemalige Chorgitter (sog. Goldenes Tor), das heute in veränderter Form den Abschluss der Sakramentskapelle im nördlichen Seitenschiff bildet. Ebenso fanden die ehemals flankierenden Barockaltäre, die schon vor der Restaurierung nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort waren, einen neuen Platz im Westchor. In liturgischer, aber auch denkmalpflegerischer Hinsicht bedeutend war die Wiederherstellung der später vermauerten Durchblicksöffnung in die Heiltumskapelle, die den ursprünglichen Sinngehalt der Architektur wieder nachvollziehbar macht.

Eine erhebliche technische Leistung war die Stabilisierung des gesamten Gebäudes durch ein kompliziertes System von stählernen Zug- und Druckelementen, die zudem weitgehend unsichtbar eingebaut werden mussten, um das Erscheinungsbild der Architektur nicht zu beeinträchtigen.