mini|St.-Johannis-Kirche Hirschlach

Hirschlach (fränkisch: HüaschlachR. Schuh: Gunzenhausen, S. 137. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „hüəšlåx“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Merkendorf im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Hirschlach hat eine Fläche von 6,251 km². Sie ist in 560 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 11.161,79 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Neuses und Triesdorf Bahnhof (zum Teil).

Geografie Das Kirchdorf liegt am nördlichen Rand des Naturschutzgebietes WiesmetH. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 125ff. und besteht aus einem älteren Unterdorf am Hang zu den Altmühlwiesen im Süden und einem jüngeren Oberdorf, das sich nach Norden anschließt.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 13. Etwa 1 km südlich fließt die Altmühl, dazwischen verläuft der Bankertsgraben. Er entspringt westlich von Hirschlach und mündet im Südosten in den Schlegelsbühlgraben, einen Seitenarm der Altmühl.

Die Kreisstraße AN 59 führt zur Staatsstraße 2411 bei Ornbau (1,5 km westlich) bzw. über Heglau zur Bundesstraße 13 (2,7 km östlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt an Neuses vorbei nach Triesdorf Bahnhof (2,7 km nördlich).

Geschichte In einer im 14. Jahrhundert kopierten Urkunde des bischöflichen Stuhls Eichstätt, die wohl 1208 anlässlich einer Visitation des Stiftes Herrieden durch den Eichstätter Bischof Hartwig dort entstand, wird in der Zeugenreihe ein „Hartwicus de Hirzlach“ als Eichstätter Ministeriale genannt.Michael Lefflad: Regesten der Bischöfe von Eichstätt. Von 741–1229. Programm, Bischöfliches Lyceum Eichstätt, 1870/71, S. 45, Nr. 353. Das Dorf Hirschlach hatten die Herren von Hirschlach, eine Nebenlinie der Herren von Hofstetten, als Eichstätter Lehensgut inne; ein Gerhart de „Hirzlachen“ erscheint bereits in einem Beleg aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts (Kopie des 13. Jahrhunderts). Ein Beleg von 1245 nennt einen Heinrich Schenk von „Hirzelach“, ein Beleg von 1248 bringt Heinricus und Cunradus „de Hirzelach“ als Eichstätter Ministerialen.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 137. Zwei weitere Angehörige des Geschlechtes sind als Äbte des Klosters Heilsbronn nachweisbar: Henricus de Hirzlach, 1282–1302 und 1306–1317 der 13. Abt des Klosters, und Friedericus de Hirschlag, 1335–1350 der 17. Heilsbronner Abt. 1294 sind die Brüder F. und C. von Hirschlach in einer Urkunde des Hartmann Rindsmaul für das Kloster Heilsbronn genannt.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 1, S. 279. Ihren Sitz, eine einfache Wehranlage in Form einer Wasserburg, hatten die Herren von Hirschlach südlich des heutigen Dorfrandes in der Flur „Im Burgstall“. 1530 starb das Geschlecht mit Carl Schenk von Hirschlach aus.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 16–21. Neben dem Ortsadel gab es in „Hirzlachn/Hirslachen“ (so in Urkunden von 1284 und 1312)H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 23.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 413. noch weitere Grundherren, nämlich die Herren von Muhr, die Eichstätter Ministerialen Schenken von Arberg (verwandt mit dem Hirschlacher Ortsadel),M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 1, S. 281. ein Konrad Lörer und einige Nürnberger Bürger; deren Höfe und Güter – 21 an der Zahl – gingen durch Verkauf oder durch Schenkung bis 1343H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 11. an das Kloster Heilsbronn über. So verkauften 1311 Ulrich und Sophia von Muhr ihre beiden Höfe an das Kloster.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 1, S. 205. Die Heilsbronner Besitzungen in „Hirzela“ bestätigte Papst Innozenz IV. 1249. 1333 bestätigte König Ludwig dem Kloster, dass seine Untertanen zu „Hirzlachen“ allein dem geistlichen (Kloster-)Gericht unterstehen. Die Herren von Hirschlach besaßen eine Burgkapelle, von der außer einem wieder aufgefundenen Taufstein nichts mehr vorhanden ist.

1447 wurde die heute evangelisch-lutherische St.-Johannis-Kirche errichtet. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und auch den Hirtenstab als Gewalt über den Dorfhirten und die Hutweiden hatte das Kloster Heilsbronn bis zu dessen Säkularisation im Zuge der Reformation 1529 inne.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 743. 1528 wurde im Markgrafentum Ansbach die Reformation eingeführt;H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 35. dies betraf in Hirschlach die heilsbronnischen Anwesen, während der grundherrlich eichstättische Hof, der dem bischöflichen Kastenamt Ornbau unterstand, davon unberührt blieb. 1569 wurden durch Brandstiftung neun Höfe (acht heilsbronnische und ein eichstättischer) zerstört; der Markgraf von Ansbach und der Eichstätter Bischof unterstützten mit Bauholz den Wiederaufbau.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Hirschlach 20 Mannschaften verzeichnet: 8 Höfe und 10 Güter unterstanden dem Verwalteramt Merkendorf, 1 Hof dem eichstättischen Kastenamt Ornbau. Außerdem gab es noch das Hirtenhaus und die Schmiede. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 15. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 730.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort verwüstet. 1635 waren von den 22 Höfen des Dorfes 12 verödet und zwei abgebrannt. Der Wiederaufbau zog sich über Jahre hin.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 12.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Hirschlach 22 Anwesen, eine Kirche und ein Schulhaus, ein Hirtenhaus und ein Wohnhaus. Das Hochgericht übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Verwalteramt Merkendorf. Grundherren waren das Verwalteramt Merkendorf (7 Höfe, 1 Halbhof, 11 Güter, 2 Häuser) und das Kastenamt Arberg-Ornbau (1 Hof).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 868f. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach. Zu dieser Zeit gab es 19 Untertansfamilien.Nach J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 2, Sp. 542, 20 Untertansfamilien.

1806 kam Hirschlach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Hirschlach gebildet, zu dem Heglau und Neuses gehörten. Die Ruralgemeinde Hirschlach entstand im Jahr 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 963. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Hirschlach. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden zwei Ruralgemeinden gebildet: Heglau; Hirschlach mit Neuses. Von 1857 bis 1862 gehörte Hirschlach zum Landgericht Gunzenhausen, ab 1862 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und ab 1865 zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gunzenhausen (1879 in Amtsgericht Gunzenhausen umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Band 2, S. 995f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,265 km².

1912 wurde die Gemeinde an das Stromnetz des Fränkischen Überlandwerkes angeschlossen. 1956 baute man in Hirschlach, 1970 in Neuses die Kanalisation. Unter ihrem letzten Bürgermeister Johann Reinwald wurde in der Gemeinde Hirschlach von 1966 bis 1970 die Flurbereinigung durchgeführt und in deren Rahmen für beide Orte Kläranlagen errichtet. 1972 wurde in Hirschlach der Friedhof erweitert, ein Leichenhaus sowie ein Feuerwehrhaus mit gemeindlicher Maschinenhalle gebaut. Drei Jahre später werden Hirschlach und Neuses an die Fernwasserleitung der Reckenberggruppe angeschlossen.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 33.

Seit 1972 gehört Hirschlach zum Landkreis Ansbach, ein Jahr später wurde es dem Amtsgericht Ansbach und dem Finanzamt Ansbach zugeordnet. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde sie am 1. Mai 1978 in die Stadt Merkendorf eingemeindet. H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 37.

Neben der St. Johannis-Kirche steht das ehemalige, 1975 von der Gemeinde an Privat verkaufte Schulhaus: Zwar besuchten seit 1937 die Hirschlacher Kinder die Schule in Merkendorf, aber aufgrund des Zuzuges von kinderreichen heimatvertriebenen Familien wurde 1948 die Hirschlacher Schule wieder eröffnet, bis sie 1969 endgültig aufgelöst wurde. Das Gemeindehaus und das ehemalige Hirtenhaus wurden abgebrochen. 2001 wurde als Wahrzeichen von Hirschlach durch Merkendorfs damaligen Bürgermeister Karl Huber ein bronzener Hirsch auf dem Platz unterhalb der Kirche aufgestellt.H. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 34. Von 2006 bis 2012 erfolgte eine Dorferneuerung in Hirschlach.

In Neuses gibt es eine von Privatleuten betriebene Biogasanlage und in Hirschlach neben einer kommerziellen BrennholzaufbereitungH. Walter: 800 Jahre Hirschlach Neuses 1208–2008, S. 89. ebenfalls eine private Biogasanlage.

Ein seit dem Jahr 1634 im Ort Uengershausen im Landkreis Würzburg ansässiges Bauerngeschlecht lässt sich mutmaßlich auf Hirschlach zurückverfolgen.

Kirchliche Verhältnisse