mini|Mark Waschke (2023) Mark Waschke (* 10. März 1972 in Wattenscheid) ist ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- und Hörbuchsprecher.
Er erlangte zunächst durch sein langjähriges Engagement an der Schaubühne am Lehniner Platz Aufmerksamkeit. Der Durchbruch in Film und Fernsehen gelang ihm 2008 in der Hauptrolle als Senator Thomas Buddenbrook in Heinrich Breloers Literaturverfilmung Buddenbrooks. Bekannt wurde er einem breiteren Publikum vor allem als erster queerer Kriminalhauptkommissar Robert Karow der ARD-Krimireihe Tatort.
Leben Herkunft und Ausbildung Mark Waschke wurde 1972 als mittlerer von drei Söhnen einer Krankenschwester und eines Arztes im westfälischen Wattenscheid geboren. Als der Vater 1980„RADIO SALÜ“: Interview mit Schauspieler Mark Waschke beim Filmfestival Max Ophüls Preis vom 21. Januar 2019. Abgerufen am 10. Dezember 2019. eine Stelle am Knappschaftskrankenhaus Sulzbach bekam, zog die Familie nach Bildstock im Saarland.
Bereits im Alter von acht Jahren spielte Waschke im Kindertheaterkreis Neuweiler, später in der Amateur-Theatergruppe „Gruppe 63“, wo er bereits erste schauspielerische Erfahrungen sammelte., Saarbrücker Zeitung, 9. März 2010. In seiner Jugend war er in der Punk- und Hausbesetzerszene aktiv und sang in der Hardcore-Band „IGNAZ“.
Im Alter von 19 Jahren zog Waschke nach Berlin. Nach Abitur und Zivildienst begann er ein Philosophiestudium, brach es jedoch vorzeitig ab, um seiner Passion zum Schauspiel nachzugehen. Von 1995 bis 1999 nahm er schließlich sein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin auf. Er studierte in einem Jahrgang mit Lars Eidinger, Devid Striesow, Fritzi Haberlandt und Nina Hoss.Anna Kemper, Daniel Müller: Eine Klasse für sich. Gespräch mit Nina Hoss, Fritzi Haberlandt, Lars Eidinger und Mark Waschke. In: ZEITmagazin 7/2013, 7. Februar 2013, abgerufen am 6. November 2018.
Theater und Lesungen Von 1999 bis 2008 gehörte Waschke zum Ensemble der Schaubühne am Lehniner Platz. An der Schaubühne etablierte er sich zu einem der profiliertesten Protagonisten des zeitgenössischen Regietheaters. 2004 übernahm er an der Seite von Thomas Thieme und André Szymanski die Rolle des Karl Sonnenschein in Falk Richters Uraufführung Unter Eis. Er spielte zudem in Richters vieldiskutierten, gesellschaftskritischen Inszenierungen Trust (2009) und Protect Me (2010). Unter der Intendanz und Regie von Thomas Ostermeier übernahm er ebenfalls zahlreiche zentrale Rollen. So brillierte er 2014 als Ben Hubbard in Lillian Hellmans Drama Die kleinen Füchse neben Nina Kunzendorf und Ursina Lardi. 2015 stand er in der gefeierten Uraufführung von Yasmina Rezas Beziehungsdrama Bella Figura in der Rolle des Boris Amette auf der Bühne, wo er unter anderem mit Nina Hoss und Lore Stefanek zusammenspielte. Neben Großmeistern wie Luk Perceval öffnete sich Waschke auch moderneren, performativen Theaterformen. Zudem spielte er in der rasanten Pop-Revue Love hurts in Tinder Times unter der Regie von Patrick Wengenroth.
Abseits seiner Stammbühne feierte Waschke ebenfalls große Erfolge. In den Jahren 2002 bis 2005 trat er einmal im Monat bei Anja's Rock'n'Roll High School im ehemaligen Berliner Club White Trash mit einer Art Spoken-Word-Improvisation auf. 2006 spielte er am Deutschen Theater in Ödön von Horváths Klassiker Kasimir und Karoline unter der Regie des renommierten Filmregisseurs Andreas Dresen. 2009 übernahm er am Maxim-Gorki-Theater die Titelrolle des Prinzen Leonce in Georg Büchners Lustspiel Leonce und Lena, inszeniert von Jan Bosse. Eine intensive Auseinandersetzung mit postdramatischen Theaterformen markierte zudem die Produktion Shakespeares Last Play aus dem Jahr 2018. In Zusammenarbeit mit der international bekannten, irischen Theaterkompanie Dead Centre dekonstruierte Waschke zusammen mit Ensemblemitgliedern wie Regine Zimmermann und Moritz Gottwald das vermeintlich letzte, verloren gegangene Werk William Shakespeares. Das innovative Konzept beruhte darauf, dass die Darsteller live über Ohrhörer unvorhersehbare Regieanweisungen eingespielt bekamen, wodurch Waschke die Gratwanderung zwischen darstellerischer Kontrolle, Improvisation und der Demontage klassischer Theaterstrukturen auf offener Bühne vorführte.
In den darauffolgenden Jahren erweiterte Mark Waschke sein künstlerisches Spektrum an der Berliner Schaubühne sowie auf Gastspielbühnen zunehmend durch experimentelle Solo-Performances, spartenübergreifende Multimedia-Projekte und politisch-literarische Formate.
Im März 2019 feierte Waschke an der Schaubühne Premiere mit dem von ihm selbst konzipierten Soloabend Ich ist ein anderer dieses wir bin nicht eine Pfeife (Metaware). Inspiriert durch diskursive Formate wie die feministischen Lesungen von Carolin Emcke, entwickelte er das Projekt als eine offene Lecture-Performance. Auf der weitgehend leeren Bühne reflektierte er in Form eines theoriegesättigten, sprunghaften Monologs über Identitätskrisen in der digitalen Moderne, Code-Fragmente sowie persönliche Erlebnisse und stellte dabei die klassische vierte Wand zum Publikum sowie den Begriff des schauspielerischen Ichs zur Diskussion. Ab dem Jahr 2022 etablierte er gemeinsam mit dem Musiker Stefan Weinzierl und dem Visual Artist Rocco Helmchen die interdisziplinäre Bühnenproduktion Die Zeitmaschine, basierend auf dem dystopischen Science-Fiction-Klassiker von H. G. Wells, die an zahlreichen deutschen Spielstätten und Planetarien gastierte. In dieser synergetischen Live-Performance fungierte er als aufgewühlter, stimmlich wie physisch hochpräsent agierender Erzähler der utopischen Reise in das Jahr „802.701“.Die Inszenierung verzichtete auf ein traditionelles Theater-Ensemble und bettete Waschkes darstellerische Lesung stattdessen in einen dichten Klangteppich aus Live-Elektronik sowie raumgreifende 360-Grad-Videoprojektionen ein. In der Videoinstallation The Island von Hito Steyerl in der Fondazione Prada, Mailand spielte er die Rolle des „Gordon Flash“.
Parallel zu seinen festen Theaterinszenierungen etablierte Waschke regelmäßige literarisch-politische Leseabende, die im Spielplan der Schaubühne verankert sind. Unter Formaten wie „Mark Waschke nähert sich Thomas Mann“ rezitiert und seziert er die politischen Essays sowie die historischen Radio-Botschaften Manns aus der Zeit des Exils. Er bricht hierbei die historische Distanz der Texte auf, indem er in seinen rezitatorischen Kommentaren direkte Bezüge zu aktuellen gesellschaftspolitischen Krisen der Gegenwart und den Bedrohungen moderner Demokratien herstellt.
Film und Fernsehen In den Jahren 1997 bis 1998 war Waschke in der Sat.1-Krankenhausserie Für alle Fälle Stefanie in drei verschiedenen kleineren Rollen zu sehen. 1999 gastierte er, an der Seite von Ulrich Mühe, als junger Polizist in der ZDF-Krimiserie Der letzte Zeuge. Seit 2006 steht er, nachdem er zuvor schwerpunktmäßig am Theater wirkte, kontinuierlich in Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Sein Filmdebüt gab Waschke 2007 in Angela Schanelecs Filmdrama Nachmittag als Max, den neuen, jüngeren Geliebten der Theater-Schauspielerin Irene (gespielt von Schanelec selbst). Im Fernsehen war er in Stefan Krohmers Fernsehfilm Mitte 30 an der Seite von Anneke Kim Sarnau als gescheiterter Architekt Gerrit Frings zu sehen. Der Durchbruch in Film und Fernsehen gelang ihm 2008 in der Hauptrolle als Senator Thomas Buddenbrook in Heinrich Breloers Literaturverfilmung Buddenbrooks. Für seine darstellerische Leistung in Juraj Herz’ Kinofilm Habermann wurde Waschke mit dem Bayerischen Filmpreis 2009 als „bester Darsteller“ ausgezeichnet. Ebenfalls 2009 geriet er in Matti Geschonnecks zweiteiligem Thriller Entführt in der Rolle des Frank Bergmann in die Hände skrupelloser Entführer.
Gemeinsam mit seinen früheren Studienkolleginnen Hoss und Haberlandt war Waschke 2011 in Hendrik Handloegtens Kinofilm Fenster zum Sommer zu sehen. Im selben Jahr spielte er die Hauptrolle in dem Film Schilf von Claudia Lehmann. Erneut zusammen mit Nina Hoss trat er in dem Film Barbara von Christian Petzold auf. 2012 wurde er in Saarbrücken mit dem Franz-Hofer-Preis ausgezeichnet., Filmhaus Saarbrücken, abgerufen am 14. Januar 2016. 2013 erhielt er den Deutschen Schauspielerpreis für seine Nebenrolle in dem Filmdrama Der Brand von Brigitte Maria Bertele.
Seit 2015 verkörpert Waschke mit der fiktiven Figur Robert Karow den ersten queeren Kriminalhauptkommissar in der Berliner Ausgabe der ARD-Krimireihe Tatort. Bis 2022 spielte er an der Seite von Meret Becker; von 2023 bis 2026 bildete er zusammen mit Corinna Harfouch das Berliner Tatort-Duo. Von 2017 bis 2020 übernahm er in der Netflix-Serie Dark als Noah die Rolle des mysteriösen Pfarrers und Mitglieds der Geheimgesellschaft „Sic Mundus“.
Waschke wirkt zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, wie 2023 in Tim Dünschedes Die drei ??? – Erbe des Drachen als Henry Shaw.
Privates Mark Waschke ist seit 2002 mit der portugiesischen Künstlerin und Filmschaffenden Filipa César (* 1975) verheiratet. Der Ehe entstammen zwei Kinder, darunter die Schauspielerin Rosa César Waschke (* 2005). Im Februar 2021 outete er sich im SZ-Magazin im Rahmen der Initiative #actout zusammen mit 184 weiteren queeren Schauspielern. Er ernährt sich vegan und lebt mit seiner Familie in Berlin.
Theater 1999: Marius von Mayenburg: Feuergesicht, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie: Thomas Ostermeier 2000: Lars Norén: Personenkreis 3.1, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2000: Marius von Mayenburg: Parasiten, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2001: Georg Büchner: Dantons Tod, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2001: Biljana Srbljanovic: Supermarket, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2001: Roland Schimmelpfennig: Push up 1–3, Schaubühne Berlin, Regie: Ensemble 2002: William Shakespeare: Macbeth, Schaubühne Berlin, Regie: Christina Paulhofer 2002: Richard Dresser: Goldene Zeiten, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2002: Tankred Dorst: Merlin oder Das wüste Land, Schaubühne Berlin, Regie: Burkhard Kosminski 2002: Wenedikt Jerofejew: Die Walpurgisnacht oder Die Schritte des Komturs, Schaubühne Berlin, Regie: Árpád Schilling 2003: Caryl Churchill: Die Kopien, Schaubühne Berlin, Regie: James Macdonald 2003: Fausto Paravidino: Genua 01, Schaubühne Berlin, Regie: Wulf Twiehaus 2003: Peter und Luk Perceval: Andromache, Schaubühne Berlin, Regie: Luk Perceval 2004: Frank Wedekind: Lulu, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2004: Falk Richter: Das System 2: Unter Eis, Schaubühne Berlin, Regie: Falk Richter 2004: Sarah Kane: Gesäubert, Schaubühne Berlin, Regie: Benedict Andrews 2004: Anton Tschechow: Die Möwe, Schaubühne Berlin, Regie: Falk Richter 2005: William Shakespeare: Troilus und Cressida, Schaubühne Berlin, Regie: James Macdonald 2005: Marius von Mayenburg: Turista, Schaubühne Berlin, Regie: Luk Perceval 2005: Falk Richter: Die Verstörung, Schaubühne Berlin, Regie: Falk Richter 2006: Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline, Deutsches Theater Berlin, Regie: Andreas Dresen 2007: Tennessee Williams: Die Katze auf dem heißen Blechdach, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2008: Anton Tschechow: Der Kirschgarten, Schaubühne Berlin, Regie: Falk Richter 2009: Georg Büchner: Leonce und Lena, Maxim Gorki Theater Berlin und Schauspiel Köln, Regie: Jan Bosse 2014: Lillian Hellman: Die kleinen Füchse – The Little Foxes, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2015: Yasmina Reza: Bella Figura, Schaubühne Berlin, Regie: Thomas Ostermeier 2017–2019: Love Hurts In Tinder Times, Schaubühne Berlin, Realisation: Patrick Wengenroth 2018: William Shakespeare: Shakespeare’s Last Play, Schaubühne Berlin, Regie: Bush Moukarzel, Ben Kidd 2019: Ich ist ein Anderer dieses Wir bin nicht eine Pfeife (Metaware), Schaubühne Berlin, Realisation: Mark Waschke
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