Alstom S.A. (bis 1998 GEC Alsthom) mit Sitz in Saint-Ouen-sur-Seine ist ein französischer börsennotierter Konzern, der überwiegend in der Herstellung von Schienenfahrzeugen und -systemen tätig ist. Seit der Übernahme von Bombardier Transportation im Januar 2021 ist Alstom nach dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller CRRC das zweitgrößte Unternehmen der Bahntechnik weltweit.

Geschichte Ursprung Das Unternehmen entstand 1928 als Alsthom durch Fusion der 1872 gegründeten Société Alsacienne de Constructions Mécaniques und der 1893 gegründeten Compagnie Française Thomson-Houston in Belfort, einer Tochtergesellschaft der Thomson-Houston Electric Company. Der Name des Unternehmens in der ursprünglichen Schreibweise Alsthom ist ein Kofferwort aus beiden Firmennamen in der Umgangssprache, Alsacienne und Thomson.

Nach 1928 spezialisierte sich Belfort auf die Produktion von Elektrolokomotiven, in Mülhausen wurden dieselelektrische Lokomotiven produziert. Nach dem Krieg wurde die Produktion in Mülhausen nach und nach eingestellt, dafür wurde die Produktion in Belfort gesteigert, vor allem die Umstellung der französischen Eisenbahn von 1500 Volt Gleichstrom auf 25.000 Volt Wechselstrom führte zu reger Nachfrage. Auch im Export war Alsthom erfolgreich, in den 1960er Jahren war Alsthom der weltweit drittgrößte Hersteller von Diesel- und Elektrolokomotiven.

Mitte der 1960er Jahre konstruierte Alsthom als erstes französisches Unternehmen alkalische Brennstoffzellen. 1976 fusionierte Alsthom mit der Werft Chantiers de l’Atlantique zu Alsthom Atlantique und war in den 1980er Jahren unter dem Dach der staatlichen Compagnie générale d’électricité (später über Alcatel Alsthom in Alcatel umbenannt) der einzige französische Hersteller von Diesel- und Gaskraftwerken. 1988 wurden große Teile von Alsthom und der Sparte Power Systems der britischen General Electric Company (GEC) zu GEC-Alsthom zusammengelegt. 1994 übernahm GEC-Alsthom die Aktienmehrheit am Schienenfahrzeughersteller Linke-Hofmann-Busch (LHB) in Salzgitter, der danach als Alstom LHB firmierte und heute Alstom Transport Deutschland heißt. 1998 übernahm GEC-Alsthom die AEG Energietechnik. 1999 übernahm Alstom die Mehrheit am französischen Schienenfahrzeughersteller De Dietrich Ferroviaire.

Börsengang und Rettung durch den Staat Im Zuge des Börsengangs von Ende Juni 1998 wurde das Unternehmen von GEC Alsthom in Alstom umfirmiert.Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 9/1998, , S. 339. Im Zuge des Börsengangs wurde eine Sonderdividende von 7,9 Milliarden Francs (1,2 Milliarden €) an GEC und Alcatel-Alsthom ausgeschüttet. Im gleichen Jahr gliederten die GEC und die seit 1991 in Alcatel Alsthom umbenannte CGE die GEC-Alsthom aus und verkauften ihre Anteile schrittweise bis 2001. Die bis Anfang 2007 verwendete Schreibweise ALSTOM wurde eingeführt, gleichzeitig verschwand auch der Name Alsthom aus der Muttergesellschaft Alcatel. Heute wird die Schreibweise Alstom verwendet.

Aufgrund der immer weiter fortschreitenden Konzentration bei den Herstellern von Kraftwerksanlagen wurde mit der schweizerisch-schwedischen ABB im Jahr 1999 das Joint Venture ABB ALSTOM Power gegründet, das die Kraftwerkssparten beider Unternehmen umfasste. Im Jahr 2000 erwarb Alstom alle Anteile jener Gesellschaft von ABB, die diese aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bei den großen ABB-Gasturbinen verkaufen musste, um eine drohende Insolvenz abzuwenden, die durch technische Probleme und nachfolgende Vertragsstrafen ausgelöst wurde. Anschließend wurde der Kraftwerksbereich, der sich mit dem Zukauf von ABB praktisch verdoppelt hatte, wieder vollständig in den Konzern eingegliedert. Alstom erwarb mit dem Kraftwerksbereich das komplette ABB-Know-how und den Service der BBC/ABB-Flotte im Bereich der Dampfturbinen, Generatoren und Gasturbinen, aber auch alle finanziellen Risiken und Altlasten im Zusammenhang mit technischen Problemen der GT24/26-Gasturbinenreihe. 2004 ging man dabei von dadurch verursachten Verlusten in Höhe von 4,5 Mrd. Euro aus.Christian Huggenberg: Der tiefe Fall des Alstom-Konzerns. Handelszeitung, 26. Mai 2004.

Im Oktober 2000 übernahm das Unternehmen den italienischen Schienenfahrzeughersteller Fiat Ferroviaria. Für den 51-prozentigen Anteil bezahlte Alstom 147 Millionen Euro an Fiat und übernahm Schulden in Höhe von 45 Millionen Euro.Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2000, , S. 544. Im Jahr 2002 übte Alstom die im Jahr 2000 ausgehandelte Option zur Übernahme der restlichen 49 Prozent aus und übernahm damit die ehemalige Fiat Ferroviaria komplett. Das Unternehmen wurde in Alstom Ferroviaria umfirmiert.

Aufgrund der oben beschriebenen und weiteren Firmenzukäufe sowie der von der ehemaligen ABB-Kraftwerkesparte übernommenen Projektrisiken hatte Alstom zu Beginn des neuen Jahrtausends einen hohen Schuldenstand. So wurde im Jahr 2002 bei einem Umsatz von 21,35 Milliarden Euro ein Verlust von 1,35 Milliarden Euro verzeichnet.Meldung Alstom mit Milliarden-Verlust. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2003, , S. 312. Aufgrund erheblicher technischer Probleme beim Betrieb der noch von ABB entwickelten Gasturbinen, dem Platzen eines Kreuzfahrtschiff-Geschäfts sowie des weltweit rückläufigen Geschäfts mit Kraftwerksneuanlagen war es dem Konzern im Jahr 2003 nicht mehr möglich, alle Kredite zu bedienen. Um die Finanzsituation kurzfristig zu verbessern, wurden 2003 das Industrieturbinengeschäft der ehemaligen AEG an Siemens und das Energieübertragungsgeschäft an Areva verkauft. 2005 folgte das in ALSTOM Power Conversion zusammengefasste Antriebsgeschäft, das an die Beteiligungsgesellschaft Barclays Private Equity ging. ALSTOM Power Conversion wurde in Converteam umbenannt und 2011 vom General-Electric-Konzern zurückgekauft und in GE Power Conversion umgewandelt.

Mitte 2003 kündigte das Unternehmen an, seinen Produktionsstandort im britischen Washwood Heath zu schließen, nachdem keine neuen Aufträge mehr absehbar waren.Meldung Alstom schließt Produktionsstandort in England. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2003, , S. 366. Im September 2003 stimmten die Gläubigerbanken einem 3,2 Milliarden Euro umfassenden Rettungsplan für das Unternehmen zu. Neben 2,4 Milliarden Euro aus Bankenmitteln verpflichtete sich der französische Staat, 800 Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens beizutragen. Zuvor hatte die EU dem Plan der französischen Regierung zugestimmt.Alstoms Weg aus der Krise. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2003, , S. 511. Diese Staatshilfen bewahrten das Unternehmen vor der Insolvenz.Eurostar will Siemens-Zügen den Vorzug geben. In: Handelsblatt, Nr. 194, 2010, S. 25. Im Frühjahr 2004 kündigte das Unternehmen deutlich größere Restrukturierungskosten als zunächst geplant an; statt geschätzten 450 bis 500 Millionen sollten 650 Millionen Euro aufgewendet werden.Meldung Alstom-Sanierung wird teurer. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2004, , S. 223. Mitte 2004 billigte die EU-Kommission den Rettungsplan unter Auflagen. Demnach musste das Unternehmen binnen vier Jahren neue Partner für mehrere Sparten finden, die Staatsfinanzierung musste anschließend auslaufen. Im Gegenzug erhielt der französische Staat die Erlaubnis, dem Unternehmen 2,29 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen und dabei bis zu 31,5 Prozent des Aktienkapitals zu übernehmen. Am 9. Juli 2004 stimmte die Generalversammlung der Aktionäre diesem Plan zu.Meldung EU billigt Alstom-Rettungsplan. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2004, , S. 369.

Der Restrukturierung dienende Bankkredite wurden dabei durch den französischen Staat abgesichert. Diese Absicherung wurde anfangs von der Europäischen Kommission als wettbewerbsverzerrende staatliche Subvention angesehen. Solche Beihilfen sind nach EU-Wettbewerbsrecht ohne Zustimmung der EU-Kommission unzulässig. Deshalb fanden zahlreiche Gespräche zwischen der Europäischen Kommission, der französischen Regierung und Alstom über die Zukunft des Konzerns statt. Die EU-Kommission genehmigte die staatlichen Beihilfen am 7. Juli 2004. Im Gegenzug musste sich das Unternehmen Alstom für industrielle Partnerschaften öffnen, die wesentliche Teile der Alstom-Aktivitäten umfassen. Was die Wahl der industriellen Partner betrifft, machte die Kommission keine Vorgaben, allerdings galt für einen Einstieg staatlich kontrollierter Unternehmen ein Genehmigungsvorbehalt durch die EU-Kommission.

Restrukturierungen und Übernahme der Energiesparte durch General Electric mini|Alstom AGV mini|Alstom-Aptis-Batteriebus mit Allradlenkung 2006 übernahm Bouygues den vorher vom französischen Staat gehaltenen Aktienanteil von 21,03 %, stockte diesen Ende Juni 2007 auf 25,35 % auf und hielt 2013 29,4 % an Alstom. Bouygues wurde dadurch zum größten Aktionär. Alstom stellte am 5. Februar 2008 in La Rochelle mit dem AGV den völlig neu konzipierten Hochgeschwindigkeitszug der nächsten Generation vor.Christian Schubert: Der neue TGV heißt AGV. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 31 vom 6. Februar 2008, S. 14.Frankreich setzt neuen ICE-Konkurrenten auf die Schiene. (FAZ.NET-Video) Im Juni 2010 hat Alstom die 2004 an Areva abgetretene Energieübertragung, der unter Areva T&D (Areva Transmission et Distribution) firmierte, gemeinsam mit Schneider Electric zurückgekauft. Der Bereich Hochspannung verblieb bei Alstom und agiert fortan unter dem Namen Alstom Grid als neuer Geschäftsbereich.

Ende April 2014 wurden Pläne über den möglichen Verkauf des gesamten Energiegeschäfts mit den Sparten Power und Grid (die insgesamt 71 % des Konzernumsatzes darstellen) an den amerikanischen Konkurrenten General Electric bekannt, die jedoch von der französischen Regierung abgelehnt wurden; am Wochenende des 26. April berichtete die Presse von einer Gegen-Offerte von Siemens und einen Tag darauf über eine eventuelle Offerte des französischen Staates. Diese hätte die Offerte von Siemens nichtig werden lassen. Industrieminister Arnaud Montebourg erließ das sogenannte „Lex-Alstom“-Dekret, das die Übernahme französischer Konzerne durch ausländische Unternehmen erschweren sollte. Im November 2014 genehmigte die französische Regierung den Verkauf des Energiegeschäfts an General Electric. Der französische Staat übernahm von Bouygues „leihweise“ einen Anteil an Alstom von bis zu 20 % (Aktien die später an Bouygues zurückfallen sollten). Nach einer Prüfung durch europäischen Kartellbehörden wurde am 2. November 2015 die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric wirksam. Der Kraftwerkszubehörbereich Steam Auxiliary Components wurde im September 2014 als Arvos Group selbstständig.

Im November 2014 kaufte das Unternehmen den französischen Leit- und Sicherungstechnik-Hersteller Areva Command & Control. Anschließend erwarb das Unternehmen von Balfour Beatty einen 50-Prozent-Anteil an Signalling Solutions Ltd. Im November 2015 wurde außerdem die Akquisition von GE Signalling abgeschlossen; Alstom erwarb das Unternehmen für 700 Millionen US-Dollar und wurde damit nach eigenen Angaben der weltweit zweitgrößte Anbieter von Signaltechnik. Es beschäftigte in diesem Bereich Anfang 2016 rund 6000 Mitarbeiter.

Gescheiterte Zusammenlegung von Alstom mit Siemens Mobility Im September 2017 gaben Siemens und Alstom bekannt, dass Alstom den Kern einer zukünftigen Siemens Alstom bilden sollte, die durch Einbringung der Transportsparte von Siemens, Siemens Mobility, entstehen sollte; Siemens sollte durch Ausgabe neuer Alstom-Aktien an dem erweiterten Unternehmen knapp über 50 % erhalten.Alstom und Siemens: , gemeinsame Präsentation vom 27. September 2017 (englisch, pdf), abgerufen am 28. September 2017 Die Transaktionsstruktur wurde von den Akteuren als „Fusion unter Gleichen“ beschrieben.L’union Siemens Alstom est sur les rails lesechos.fr, abgerufen am 28. September 2017 (französisch)