Wohnbach ist mit rund 1100 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Wölfersheim im hessischen Wetteraukreis.
Geographie Wohnbach liegt gut 2 km nördlich von Wölfersheim, dem größten Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde. Südlich der Ortslage erhebt sich der 198 Meter hohe Windmühlskopf. Der Waschbach nördlich des Dorfes entwässert die leicht nach Osten abfallende Gemarkung über Berstadt hin zur rund fünf Kilometer (Luftlinie) entfernt vorbeifließenden Horloff. Die Gemarkungsfläche beträgt 891 Hektar, davon sind 230 Hektar bewaldet (Stand: 1961).
Geschichte mini|Berstädter Straße
Mittelalter Wohnbach wurde erstmals am 12. Juni 771 im Lorscher Codex in einer Schenkung des Morico an das Kloster Lorsch als Wanabach (wanabach – leerer Bach) erwähnt. Das mittelhochdeutsche Grundwort „wan“ bedeutet leer. Der Name bildete sich analog des Ortsnamens von Wohnfeld.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 405 f.
Insgesamt sind neun Schenkungen in Wohnbach an das Kloster Lorsch zwischen 771 und 795/796 überliefert. Die Schenker entstammen alle den fränkischen Adelsfamilien der Etichonen und der Geroldonen. Im Raum Wohnbach, Obbornhofen und Bellersheim bestand ein Gebiet großer Lorscher Besitzungen mit einem zentralen Fronhof in Obbornhofen.Eugen Rieß. Kloster Lorsch. in: Eugen Rieß, Dieter Wolf: "Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 1: Alte Zeiten." Herausgegeben vom Arbeitskreis Dorferneuerung Wohnbach und der Gemeinde Wölfersheim. 2022. S. 32–60.
Das Historische Ortslexikon für Hessen gibt für 1017 die Namensform Wanebach an. Zu diesem Zeitpunkt schenkte der Kaiser Heinrich II. dem Kloster Michelsberg umfangreiches Reichsgut in der Wetterau, darunter auch in Wohnbach und Södel.Eugen Rieß: Das Kloster Michelsberg bei Bamberg. In: Eugen Rieß, Dieter Wolf: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 1: Alte Zeiten.“ S. 111–114. In Beuern, in Wohnbach, in Birklar und anderen Orten besaß das Kloster Arnsburg große Höfe neben großen Besitzzentren anderswo.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174–1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 191.
Am 11. November 1319 bekannte „Hermannus de Hergern“, Armiger, dass ihm sein Vater Cuno, Ritter von Gießen, den Zehnten von Wohnbach vererbt hatte, der ein Lehen der „de Hanoywe“ war.Eugen Rieß, Dieter Wolf: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Band 1: Alte Zeiten.“ Eugen Rieß: Adel und Patriziat. S. 113–156. S. 141.
Neuzeit Bei vielen Besitzwechseln im 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert wird der Ort von den jeweiligen Ortsherren geplündert. Immer wieder verpfändet die Herrschaft Solms-Lich Wohnbach wiederkäuflich. Schließlich gelingt es Solms-Laubach, das Dorf in seinen Besitz zu bringen und zum Unteramt Utphe zuzuschlagen. 1735/1736 rebellieren die Wohnbacher gegen eine massive Erhöhung der Monatsgelder durch Solms-Laubach. Mehrfach werden gräfliche Soldaten und Miliz mit Gewalt aus dem Ort vertrieben.Eugen Rieß. Die Rebellion von 1735/36. In: ders., Ortsgeschichte Wohnbach. Bd. 3, S. 5–109.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1970 den Zusammenschluss der Gemeinden Wohnbach, Melbach, Södel und Wölfersheim im Landkreis Friedberg zu einer Gemeinde mit dem Namen Wölfersheim.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Wohnbach angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Utphe ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Utphe (Patrimonialgericht: Standesherrliches Amt Utphe des Grafen Solms-Laubach) ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Laubach; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Laubach“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1971: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg, Gemeinde Wölfersheim ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg, Gemeinde Wölfersheim ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Gemeinde Wölfersheim
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Wohnbach ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Wohnbach zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Grafen zu Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Wohnbach zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Graf Otto II. 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben. Mit dem 1. November 1848 wurden Wohnbach an den Landgerichtsbezirk Hungen abgegeben.Bekanntmachung, verschiedene Veränderungen in der Bezirkseintheilung der Landgerichte Laubach, Hungen, Lich und Butzbach betreffend vom 5. Oktober 1848 (Hess. Reg.Bl. S. 366)
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Am 1. Juni 1934 wurde das Amtsgericht Hungen aufgelöst und Wohnbach dem Amtsgericht Friedberg zugeteilt.
Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:
Religion Seit 1621 waren Juden in Wohnbach nachweisbar.Eugen Rieß: Die Geschichte. (= 1200 Jahre Södel. Band 1). Rockenberg 2002, ISBN 3-923907-06-0, Kap. Die Södeler Münze, S. 121–124. Sie bildeten die Jüdische Gemeinde Obbornhofen, Bellersheim und Wohnbach. Einen ersten ev. Pfarrer in Wohnbach findet man bereits in der Zeit vor dem Interim. Heinrich Schmidt (Fabri) predigte seit 1543. Etwa zur gleichen Zeit, ca. 1535 bis 1555 gab es in der Gemeinde und anderen Orten der Wetterau Wiedertäufer.Eugen Rieß: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Band 2: Das Dorf im Wandel.“ S. 69, S. 107.
Wappen Das Wappen wurde am 9. April 1964 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.
Blasonierung: „Im geteilten Schild oben in Gold ein wachsender, rotbezungter und -bewehrter blauer Löwe, unten in Rot eine silberne Kirche.“
Das Wappen geht auf ein Gerichtssiegel aus dem 18. Jahrhundert zurück. Der obere Teil des Wappens zeigt mit dem halben Löwen ein Detail aus dem Wappen der Grafen von Solms. Die untere Hälfte zeigt die Kirche als Hinweis auf die mittelalterliche Kirche von Wohnbach, die auch ein Sankt Gotthardspatrozinium hatte; das Attribut dieses Heiligen ist ein Kirchenmodell. Dieses Patrozinium ist aber nur eine spätere Annahme. Ursprüngliche Kirchenpatronin war Maria.
Sehenswürdigkeiten
Das Wahrzeichen des Ortes ist das Alte Rathaus. Die Evangelische Kirche (Wohnbach) wurde 1621 neu gebaut. Sehenswert sind die historischen Felsenkeller, die Reste eines römischen Signalturms im Wohnbacher Wald, die Ruine einer römischen Villa rustica im Wohnbacher Hinterwald und ein „Schanzwerk“ mit Graben im Bergheimer Wald.
Verkehr und Infrastruktur In Wohnbach kreuzen sich die Landesstraßen L 3354, die zur Kerngemeinde führt und die L 3136, die den Ort nach Osten mit der Anschlussstelle Wölfersheim der Bundesautobahn 45 verbindet.
Der Haltepunkt Berstadt-Wohnbach lag an der Bahnstrecke Friedberg–Mücke. Der Güterverkehr endete am 31. Dezember 1997; der Personenverkehr endete am 4. April 2003. Seitdem wird die Strecke in diesem Bereich nicht mehr befahren. Im Zuge der Reaktivierung des Streckenabschnitts Södel–Hungen und Wiederaufnahme des Personenverkehrs ist für 2025 der Ausbau des Haltepunkts zu einem Kreuzungsbahnhof vorgesehen.
Wohnbach hat eine eigene Freiwillige Feuerwehr.
Es gibt in Wohnbach einen Fun- und Bolzplatz oberhalb der Turnhalle, einen Kindergarten „Pusteblume“ und den Fußballverein 1. FC 1963 Wohnbach.
Persönlichkeiten Johannes Moser Clemens Riedel Wilhelm Wagner (1848–1900), Mediziner
Literatur Theodor Bauer: „Erinnerungen.“ In: Eugen Rieß: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 3: Neuzeit.“ S. 301–306. Johannes Moser: „Über den Wohnbacher Friedensverein 1852/53.“ 5 Art. Hungener Landpost. Sept. u. Okt. 1909, vgl. auch Hess. Kirchenblatt März 1910. Ders.: „Wie es Wohnbach zu Ende des Siebenjährigen Krieges ergangen ist.“ In: FGBll 3 (1911). S. 141–149. Eugen Rieß, Dieter Wolf: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 1: Alte Zeiten.“ Herausgegeben vom Arbeitskreis Dorferneuerung Wohnbach und der Gemeinde Wölfersheim. 2022. Eugen Rieß: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 2: Das Dorf im Wandel.“ Eugen Rieß: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 3: Neuzeit.“