mini|240px|Codex Ebnerianus, Minuskel 105, 12. Jahrhundert, Johannes 1,5b–10

Die Minuskelhandschriften des Neuen Testaments entstanden größtenteils zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert. Ein Großteil wurde auf Pergament geschrieben, doch fand ab dem 12. Jahrhundert auch Papier Verwendung. Die Form jener Handschriften ist der Kodex. Sie wurden in kleinen kursiven griechischen Buchstaben, den Minuskeln, geschrieben. Über 80 Prozent der Handschriften bieten ausschließlich den Mehrheitstext, das heißt den byzantinischen Reichstext. Heute sind insgesamt 2911 Minuskelhandschriften mit Texten des Neuen Testaments bekannt.K. Aland / B. Aland, S. 140.

Die neutestamentlichen Manuskripte werden in vier Gruppen eingeteilt: Papyri, Majuskel- bzw. Unzialhandschriften, Minuskeln und Lektionare. Die Papyri des Neuen Testaments sind auf Papyrus geschrieben, sie sind im Allgemeinen älteren Ursprungs. Die Unzialhandschriften des Neuen Testaments unterscheiden sich von den Minuskeln durch die Form der Buchstaben. Sie sind geschrieben in Unzialen oder Majuskeln (d. h. fast nur Großbuchstaben) und ebenfalls in den meisten Fällen älter als die Minuskeln. Die Lektionare des Neuen Testaments sind zu einem geringen Teil in Unzialen, in den meisten Fällen aber in Minuskeln geschrieben und zumeist jüngeren Ursprungs. Sie haben keinen fortlaufenden Text, sondern bieten einzelne Abschnitte des Bibeltexts entsprechend der Verwendung im Gottesdienst.

Minuskelhandschriften können Kommentare und anderes Zusatzmaterial enthalten, zum Beispiel ein Prolegomena der vier Evangelien, das Epistula ad Carpianum, eine Liste der Siebzig Apostel, Kurzbiographien der Apostel oder eine Zusammenfassung der Missionsreisen des Paulus. Seit dem 9. Jahrhundert enthalten einige Manuskripte Hinweise auf das Datum und die Niederschrift der verschiedenen Bücher des Neuen Testaments. Manche Manuskripte informieren auch über den Namen ihres eigenen Schreibers sowie das Erstellungsdatum. Doch der Byzantiner Tradition folgend wird das Jahr vom damals angenommenen Datum der Erschaffung der Welt (5508 v. Chr.) gerechnet. Nur einige wenige Minuskeln beziehen sich auf die Geburt Christi. 2006 wurde die Minuskel 2427 als Fälschung des 19. Jahrhunderts identifiziert.

Klassifizierung und Ordnung der Minuskelhandschriften Für die gedruckten Ausgaben des neuen Testaments verwendete seit der Ausgabe des Erasmus jede Ausgabe ihre eigene Liste und ein eigenes Nummerierungssystem. Manuskripte hatten unterschiedliche Nummern in verschiedenen Ausgaben, oder eine Ausgabe konnte ein Manuskript unter verschiedenen Nummern führen. Dieses führte im Laufe der Zeit und mit der wachsenden Zahl von bekannten und verwendeten Handschriften zu immer mehr Aufwand und Verwirrung.

Gegen Anfang des 20. Jahrhunderts gab es durch Caspar René Gregory eine umfassende Reform der Handschriftenbezeichnung. Jedes Manuskript hat seither eine eigene und eindeutige Nummer, die in allen wissenschaftlichen Publikationen und Bibelausgaben verwendet wird. Dieses System wurde nochmals in einigen Details von Kurt Aland korrigiert, ergänzt und fortgesetzt, so dass die heutige Zählweise nach Gregory-Aland benannt ist. Neu gefundene Handschriften bekommen seither vom Institut für Neutestamentliche Textforschung (INTF) in Münster eine Nummer zugewiesen. Falls ein Fragment später einer bereits bekannten Handschrift zugeordnet werden kann, wird es dieser zugeordnet und die Nummer nicht mehr weiterverwendet. Zurzeit sind dort 2907 Minuskelhandschriften katalogisiert.

Liste der Minuskelhandschriften des Neuen Testaments Die Nummern (erste Spalte) folgen dem Standardsystem von Gregory und Aland. Paläographische Datierungen (Spalte „Alter“) wurden in der Regel auf ganze Jahrhunderte gerundet. Die Spalte „Inhalt“ bezieht sich im Allgemeinen nur auf Teile des Neuen Testaments (Evangelien, Apostelgeschichte, Paulusbriefe und so weiter). In einigen Fällen existiert nur noch ein Teil des Kodex, so dass nur noch einige Bücher, Kapitel oder gar nur Verse überlebten. Verlinkte Artikel, so sie existieren, beschreiben den Inhalt im Detail und die enthaltenen Verse. Das Zeichen † in der Spalte „Inhalt“ zeigt an, dass der Text nicht vollständig ist.