Hetjershausen () ist ein Ort in Südniedersachsen und westlicher Stadtbezirk von Göttingen. Es bildet zusammen mit Groß Ellershausen und Knutbühren eine Ortschaft im Sinne des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes. Hetjershausen hat zusammen mit dem Stadtbezirk Knutbühren 1316 Einwohner.

Geographie Geographische Lage Hetjershausen liegt am westlichen Rand des Grabenbruches des Leinetals und auf einem Bergrücken am Osthang der Dransfelder Hochebene. Südlich des Ortes befindet sich das Elstal, das Groß Ellershausen von Hetjershausen trennt, nördlich des Ortskerns ist der Börlberg mit dem Ortsteil Hasenwinkel durch den Hainholzgraben vom Hauptteil des Ortes getrennt. Nördlich des Börlbergs befindet sich das bewaldete Börltal, durch das der Flötengraben fließt. Etwa einen Kilometer östlich von Hetjershausen befindet sich in einem Wasserschutzgebiet Gronespring, die Quelle der Grone. Die höchste Erhebung in der Gemarkung Hetjershausen ist mit der Knutberg westlich des Ortes bei Knutbühren, der Ortskern liegt auf etwa .Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen: Topographische Karte 1:25000 Blatt 4425 Göttingen. 1. Auflage. Hannover 2002. ISBN 3-89435-427-5 mini|zentriert|hochkant=4|Blick vom Börlberg auf Hetjershausen

Geologie In der Gemarkung Hetjershausen stehen überwiegend Gesteine des Oberen Muschelkalks an, östlich des Ortes auch einige Tone und Sande des Unteren Keupers. Der Muschelkalk hat hier eine Mächtigkeit von etwa 200 bis 250 m über dem darunter befindlichen Buntsandstein.Walter Wasmann: 1000 Jahre Hetjershausen 990-1990. Verschönerungs- und Heimatverein Hetjershausen e. V., Göttingen 1989, S. 11 Weiter östlich am unteren Hang des Leinetals und in kleineren Inseln in der Ortslage sowie südlich und westlich davon finden sich Lagen des Pleistozän.Ulrich Nagel, Hans-Georg Wunderlich: Geologisches Blockbild der Umgebung von Göttingen. Kommissionsverlag Druckhaus Göttinger Tageblatt GmbH & Co., Göttingen 1976.

Der im Ortsbereich vorherrschende Bodentyp ist die Pararendzina. Im Börltal nördlich des Ortes und westlich ist Rendzina vorherrschend, östlich des Ortes im Leinetal Pseudogley-Parabraunerde. Eine Insellage von Regosol befindet sich unmittelbar östlich von Hetjershausen.

Nachbarorte Die Nachbarorte von Hetjershausen sind Groß Ellershausen etwa 1,5 km südlich, Knutbühren etwa 2,8 km westnordwestlich, Elliehausen 2,2 km nordnordöstlich und Grone 2,7 km östlich. Auch diese Orte sind Stadtteile von Göttingen. Die Gemarkung Hetjershausen grenzt außer an die genannten benachbarten Stadtbezirke im Westen an Ossenfeld im Stadtgebiet von Dransfeld, im Südwesten an Klein Wiershausen in der Gemeinde Rosdorf.

Name Die erste urkundliche Erwähnung führt als Ortsnamen Hatticheshuson an (im Jahr 990). Spätere Namensformen sind Hattingeshusen (1071), Hettikishuson (1170), Hettekeshusen (1318, 1416), Hetkeshusen (1506, 1568), Hetkershusen (1511, ähnlich 1575) und Het(t)gershausen (1625, 1784). Die hochdeutsche Endungsform -hausen anstelle des niederdeutschen -husen erscheint erstmals in der Mitte des 16. Jahrhunderts (1566: Hettkershausen) und ab dem 17. Jahrhundert häufiger.

Der Name „Hetjershausen“ ist zusammengesetzt aus der häufigen Ortsnamensendung -hausen und einem Personennamen, der sich aus den ersten schriftlichen Erwähnungen als Hat(t)ik(i) rekonstruieren lässt und auf den Personennamensstamm Hathu – zu altnordisch hǫð = Kampf – zurückgeführt werden kann.Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph: Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB), Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, , ISBN 3-89534-494-X, S. 203f.

Geschichte Seit wann Hetjershausen kontinuierlich besiedelt ist, ist unbekannt. Die erste überlieferte schriftliche Erwähnung des Ortes Hetjershausen stammt aus einer Urkunde Ottos III. vom August des Jahres 990. Darin überlässt der König auf Veranlassung seiner Mutter, der Kaiserin Theophanu, dem Stift Gandersheim, in dem seine Schwester Kanonissin war, 60 Hufen Landes in verschiedenen Dörfern, darunter als südlichster und letztgenannter Ort Hatticheshuson.Hans Goetting: Das reichsunmittelbare Kanonissenstift Gandersheim. Berlin (u. a.) 1973, S. 265. ISBN 3-11-004219-3 Zu dieser Zeit gab es also in Hetjershausen Reichsgut, von dem nach einer gefälschten Urkunde noch einmal im Jahre 1071 durch Heinrich IV. eine Schenkung an St. Valerius in Goslar erfolgte. Diese Besitzungen lassen sich möglicherweise dem Reichsgutkomplex in Grone zurechnen.Dietrich Denecke, Helga-Maria Kühn (Hrsg.): Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987. ISBN 3-525-36196-3, S. 19, 27. In Hetjershausen besaßen im Hochmittelalter außerdem die Herren von Plesse Besitztümer als Allod. Erwähnungen in Urkunden des Klosters Mariengarten zeigen, dass auch dieses Kloster von der Mitte des 14. bis ins 16. Jahrhundert in Hetjershausen Besitz hatte.Manfred von Boetticher: Urkundenbuch des Klosters Mariengarten. (Göttingen-Grubenhagener Urkundenbuch, 2. Abteilung). Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVII. Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter, Band 8. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1987. ISBN 3-7848-3017-X. Nr. 227, 348 und 349. S. 191, 310 und 311

Im 15. Jahrhundert waren die größten Höfe des Ortes im Besitz von Göttinger Bürgern,Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.1 Stadt Göttingen. Bearbeitet von Ilse Rüttgerodt-Riechmann, Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1982, ISBD 3-528-06203-7, S. 116. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 23. Juni 2022.) Hetjershausen gehörte zu dieser Zeit zum Amtsbezirk Harste. Im Zuge der Reformation trat der Ort 1536 zum evangelischen Glauben über.

Im Dreißigjährigen Krieg war das Dorf durch die Belagerungen von Göttingen schwer betroffen, einige Einwohner flüchteten nach Göttingen. 1626 wurde Hetjershausen mehrfach zu großen Teilen in Brand gesetzt. Im Jahre 1655 waren von den Hofstellen in Hetjershausen noch 13 bewohnte Häuser übrig, 16 waren Brandstellen. Hetjershausen erholte sich nur langsam, aus der Kopfsteuerliste des Amtes Harste von 1675 lässt sich eine Einwohnerzahl von 45 Personen ermitteln, davon waren 11 Kinder ab dem 12. Lebensjahr, und 14 Jahre später werden 89 Einwohner erwähnt, die „alle schlechter Condition“ seien. Der Siebenjährige Krieg brachte vor allem hohe wirtschaftliche Verluste und damit starke Verarmung durch Beschlagnahmungen von beweglichen Gütern und Lebens- und Futtermitteln sowie durch Kriegssteuern und Schuldeneintreibungen nach dem Krieg. Durch den Ausbau einer befestigten Poststraße von Göttingen nach Dransfeld in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Arbeitsplätze geschaffen und die westlich von Göttingen liegenden Dörfer erhielten eine bessere Verkehrsverbindung zur Stadt.

Nach der napoleonischen Eroberung 1807 gehörte Hetjershausen bis 1813 dem Département Leine des Königreichs Westphalen an und kam danach zum neu gegründeten Königreich Hannover. Durch eine neue Landeseinteilung wurde das Amt Harste aufgelöst, Hetjershausen kam 1822 zum Gericht Leineberg, dem späteren Amt Göttingen. Eine wesentliche Änderung ergab sich für die Landbevölkerung erst durch die Bauernbefreiung mit dem Erlass einer Ablösungsverordnung zur Aufhebung der grundherrlichen Lasten am 23. Juli 1833. In Hetjershausen wurde der Zehnt 1840 aufgehoben, die Ablösung erfolgte erst 1857. 1852 wurde die Landgemeinde-Ordnung im Königreich Hannover erlassen, nach der Hetjershausen einen Gemeindeausschuss aus 8 Personen erhielt. Von wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort war der Bau der Eisenbahnstrecke nach Hann. Münden, die 1856 fertiggestellt wurde und in direkter Nachbarschaft des Ortes vorbeiführte. Viele Einwohner von Hetjershausen fanden Arbeit bei den Bauarbeiten.

Durch eine neue Kreisordnung wurden 1885 die Amtsbezirke aufgehoben und der Landkreis Göttingen gegründet.

Die Einwohnerzahl blieb seit der Mitte dies 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg mit einigen Schwankungen bei etwa 250 bis 280. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden etwa 180 Flüchtlinge und Vertriebene in Hetjershausen aufgenommen, die Einwohnerzahl sank danach langsam wieder ab. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt wie Straßenbau, die Einrichtung einer Wasserversorgung 1952, einer Straßenbeleuchtung 1953 und der Ausbau der Kanalisation. Zum Beginn der 60er Jahre stieg die Bevölkerungszahl wieder an, und ab 1962 wurden die Neubaugebiete Schlehenring im Westen des Ortes und das nordwestlich vom Ort baulich getrennt liegende Baugebiet Hasenwinkel besiedelt. Gleichzeitig lösten sich viele der landwirtschaftlichen Betriebe auf, so dass sich Hetjershausen von einer landwirtschaftlich orientierten Dorfgemeinde zu einem vorwiegend dem Wohnen dienenden Ort für in Göttingen arbeitende Personen entwickelte. 1968 wurde zusammen mit Groß Ellershausen und Knutbühren eine neue Schule errichtet, die mit einem Sportgelände zwischen den Orten Hetjershausen und Groß Ellershausen liegt. Am 1. Januar 1973 wurde Hetjershausen in die Stadt Göttingen eingemeindet. Seit der Mitte der 90er Jahre ist wieder eine leichte Abnahme der Bevölkerung zu verzeichnen.

Politik mini|hochkant|Klotzbrunnen in Hetjershausen

Ortsrat Hetjershausen hat zusammen mit den Göttinger Stadtbezirken Groß Ellershausen und Knutbühren einen Ortsrat, der neun Mitglieder umfasst. Seit der Kommunalwahl 2021 ist dieser wie folgt besetzt:

Ortsbürgermeisterin der Ortschaft ist Frau Heidrun von der Heide (SPD).

Wappen Das Wappen von Hetjershausen zeigt einen silbernen Bockbrunnen mit blauem Himmel auf grünem Grund. Der Brunnen soll daran erinnern, dass Hetjershausen durch die Lage auf einem Bergrücken keine Wasserversorgung durch Quellen oder fließende Gewässer hatte und bis zum Bau einer zentralen Wasserversorgung in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf die Brunnen angewiesen war.

Sehenswürdigkeiten Kirche mini|hochkant|Turm der Marienkirche mini|hochkant|Marienkirche von Südosten