mini|hochkant|Stich nach einer Zeichnung von Schreiner rahmenlos|zentriert|110px|klasse=skin-invert-image Johann Ludwig Christoph Wilhelm Döderlein, ab 1862 Ritter von Döderlein (* 19. Dezember 1791 in Jena; † 9. November 1863 in Erlangen; latinisierter Name: Ludovicus Doederlein), war ein deutscher klassischer Philologe.
Leben Döderlein entstammte einer alten Professoren- und Theologenfamilie. Er wurde als Sohn des Professors für protestantische Theologie Johann Christoph Döderlein (1746–1792) und dessen Ehefrau Rosine Eleonore, geb. von Eckardt (1770–1832), der Tochter des Professors der Rechte in Jena Johann Ludwig von Eckardt (1732–1800), am 19. Dezember 1791 in Jena geboren. Die Mutter heiratete nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes den Philosophen und Theologen Friedrich Immanuel Niethammer. Von 1804 bis 1810 besuchte er mit einer Unterbrechung von 1804 bis 1807, die er auf Veranlassung seines Stiefvaters am Progymnasium in Windsheim verbrachte, die Fürsten- und Landesschule Pforta, wo er trotz krankheitsbedingten vorzeitigen Ausscheidens das „Reifezeugnis für den Übertritt an die Universität“ erwarb.Vgl. J. Simon, Briefe des Gymnasiasten Ludwig Döderlein in Pforta (s. unten Literatur) S. 3; ebd. Nr. 69–76, s. 69–77. Danach studierte er 1810 bis 1811 als Schüler von Friedrich Thiersch am Lyzeum in München, 1811 bis 1813 bei Friedrich Creuzer in Heidelberg und ab 1813 in Erlangen Philologie. Dort wurde er 1814 mit der Schrift Specimen novae editionis tragoediarum Sophoclearum über Prinzipien einer neuen textkritischen Edition der Tragödien des Sophokles promoviert. 1815 habilitierte er sich mit der Schrift Oratio in Academiae Friderico-Alexandrinae solemnibus saecularibus ... an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er noch nach der Promotion seine Studien bei Friedrich August Wolf, August Boeckh und Philipp Buttmann vervollkommnet hatte, und erhielt im selben Jahr einen Ruf auf die Professur für klassische Philologie an der Bern. 1819 wurde er Rektor des Gymnasiums Fridericianum Erlangen und zweiter Professor für klassische Philologie ebenfalls in Erlangen. 1826 wurde er erster Professor der Philologie sowie Direktor des philologischen SeminarsOtto Stählin, 1928, S. 15. und 1827 auch Professor der Beredsamkeit.Olaf Willett, 2001, S. 259. 1854 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 69. Seit 1857 war er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1862 legte er sein Amt als Gymnasialdirektor nieder. Er war akademischer Lehrer von Iwan von Müller und Karl von Burger.
Er war Mitglied des Corps Saxonia Heidelberg.Kösener Korps-Listen 1910, 119a, 6.
Familie Ludwig Döderlein wurde geboren als Sohn des Rektors und Professors Johann Christoph Döderlein, der verstarb, als Ludwig ein Jahr alt war. Der Philosoph und Theologe Immanuel Niethammer wurde sein Stiefvater, als seine Mutter 1797 erneut heiratete.Otto Stählin, 1928, S. 43.
Ehrungen mini|Gedenktafel in der Erlanger Friedrichstraße 1862 wurde er ihm das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen, verbunden mit dem bayerischen Personenadel.Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 28. Bereits 1848 erhielt er das Ritterkreuz des Verdienstordens vom Heiligen MichaelHof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 46. und 1860 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 91. Im Innenstadtbereich von Erlangen wurde die Döderleinstraße nach ihm benannt.Straßen und Namen auf seniorennetz-erlangen.de (Information nicht mehr abrufbar; Stand: 5. Januar 2019). Außerdem erinnert eine Gedenktafel an seinem Wohnsitz in der Friedrichstraße 40 in Erlangen an ihn.
Schriften Briefe des Gymnasiasten Ludwig Döderlein in Pforta aus den Jahren 1807 - 1810. Hg. von Jakob Simon. In: Programm des k. humanistischen Gymnasiums Kaiserslautern für das Schuljahr 1889/1900, Kaiserslautern 1900, S. 3–77. online Oeffentliche Reden. Mit einem Anhang pädagogischer und philologischer Beiträge. Heyder & Zimmer, Erlangen/Frankfurt am main 1860. online De coena Nasidioni: Ad Horatii satiram 2, 8. Deichert, Erlangen 1855. (Digitalisat) Handbuch der lateinischen Synonymik. Vogel Verlag, Leipzig 1849. (Digitalisat) Reden und Aufsätze. Ein Beitrag zur Gymnasialpädagogik und Philologie, Bd. 1–2. Enke, Erlangen 1843–1847. online; Zweite Sammlung Oratio in Academiae Friderico-Alexandrinae solemnibus saecularibus. Bläsing/Deichert, Erlangen 1843. De Tacito: Transpositione verborum emendando scripsit. Bläsing/Deichert, Erlangen 1838. Fünfzig Themata disponiert f. d. Schulgebrauch. Bläsing/Deichert, Erlangen. Lateinische Synonyme und Etymologien: 6 Teile u. Beil. in 6 Bänden. 1826–1839. Nachdruck Scientia-Verlag, Aalen, ISBN 3-511-05530-X. Homerisches Glossarium. Enke, Erlangen 1850. (Digitalisat Band 1), (Band 2), (Band 3) Specimen novae editionis tragoediarum Sophoclearum. Hilpert in Kommission bei Seidel, Erlangen/Solisbaci (Sulzbach) 1814. (Digitalisat)
Literatur
Olaf Willett: Sozialgeschichte Erlanger Professoren 1743–1933. Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, ISBN 3-525-35161-5. Otto Stählin: Das Seminar für klassische Philologie an der Universität erlangen: Rede gehalten bei der Feier seines 150 Jährigen Bestehens, am 17. Dezember 1927. Verlag von Palm & Enke, 1928.
Iwan von Müller: Zum hundertjährigen Geburtstag Ludwigs von Döderlein. Festrede am 19. Dez. 1891 in der Aula der Universität. Junge, Erlangen 1892.
Weblinks
Ludwig von Döderlein im Internet Archive
Einzelnachweise
Kategorie:Altphilologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen) Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Träger des Verdienstordens der Bayerischen Krone (Ritter) Kategorie:Ritter III. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kategorie:Gymnasiallehrer (Deutschland) Kategorie:Schulleiter (Erlangen) Kategorie:Geboren 1791 Kategorie:Gestorben 1863 Kategorie:Mann