mini|Benediktinerabtei St. Matthias mini|Benediktinerabtei St. Matthias, Luftaufnahme (2016) mini|Pfarrhaus mini|Kirchenschiff und Chor mini|Statue über dem Apostelgrab mini|Vorplatz und Fassade bei Nacht mini|Benediktinerabtei St. Matthias. Blick zum Chorhaupt mit den zwei Flankentürmen. Links erkennbar die gotische Marienkapelle mini|Sarkophag des Apostels Matthias Die Abtei St. Matthias ist ein Benediktinerkloster in Trier.
Die Kirche der Abtei, eine romanische Basilika, ist eine bedeutende Pilgerstätte der Matthiasbruderschaften. Hier wird seit dem 12. Jahrhundert das Grab des Apostels Matthias verehrt, nach dem die Abtei heute benannt ist. Ursprünglich war sie nach dem ersten Trierer Bischof, St. Eucharius, dessen Grab sich in der Krypta befindet, benannt. Die Abtei beherbergt das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden und nördlich der Alpen. Seit 1920 trägt die Kirche den Titel einer Basilica minor.
Geschichte Von den Anfängen bis zur Aufhebung mini|Die Sarkophage von Eucharius und Valerius in der Krypta der Abtei Bischof Cyrillus von Trier ließ im 5. Jahrhundert eine Grabstätte für die Gründerbischöfe der Trierer Kirche Eucharius und Valerius erbauen. Daraus ist die Abtei St. Matthias hervorgegangen. Um 977 übernahm das Kloster die Benediktsregel.
Seit dem 10. Jahrhundert werden hier die Gebeine der Begründer des Erzbistums Trier, der Bischöfe Eucharius und Valerius, aufbewahrt.
Im Jahre 1127 fand man bei Abrissarbeiten des Vorgängerbaus der Abtei menschliche Gebeine, die als die Reliquien des Heiligen Matthias angesehen wurden. Der Legende nach sollen die Gebeine des um das Jahr 63 n. Chr. an einem unbekannten Ort verstorbenen Apostels Matthias mehr als 250 Jahre nach seinem Tod im Auftrag der Kaiserin Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin I., in Palästina aufgefunden und nach Trier überführt worden sein. Die neue noch unvollendete Abteikirche wurde 1148 von Papst Eugen III. im Beisein von Bernhard von Clairvaux und zahlreichen Kardinälen geweiht.Paulus Gordan: St. Matthias zu Trier. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 238–240, hier S. 238. Daraufhin setzten große Pilgerströme zur Abtei ein. Seit 1283 ist ein Haus für Leprakranke bezeugt, das der Abtei unterstand und von ihr mitfinanziert wurde.
Reformbestrebungen infolge des Konzils von Basel führten unter dem vom Ortsbischof als Abt eingesetzten Kartäuser Johannes Rode zur geistlichen und ökonomischen Erneuerung. St. Matthias erwies sich als Vorbild für andere Klöster, die Begründung einer Kongregation um die Abtei scheiterte jedoch. So kam es bis 1458 zum Anschluss an die 1446 gegründete Bursfelder Kongregation. mini|Abbildung von St. Matthias auf dem Trierer Gerichtsbild von 1589 mini|Glocken der Abtei St. Matthias
Die Reformation hinterließ kaum Spuren. Kriege und Plünderungen, aber auch Konflikte mit Bischof oder Abt beeinträchtigten wiederholt die Entwicklung der Abtei. So wurde im Jahre 1783 der letzte Abt seines Amtes enthoben, bereits vor der eigentlichen Aufhebung der Abtei. Fortan lag die Leitung bei einem Prior. In den Wirren der französischen Revolution, die auch auf das Deutsche Reich übergriffen, verließ der Konvent zeitweise die Abtei. Von 1794 bis 1802 lebten die Brüder im Mattheiser Pfarrhaus. 1802 wurde das Kloster schließlich „unter die Hand der Nation gestellt“ und säkularisiert. Der Kaufmann Christoph Philipp Nell erwarb den Kreuzgang sowie anliegende Gebäude und nutzte sie als Wohnhaus und für landwirtschaftliche Zwecke. Damit konnte der Komplex erhalten werden; der Abtei blieb das Schicksal vieler anderer Klöster, der Abriss, erspart.
Abseits des Klosterkomplexes bestanden – insbesondere in Dörfern an der Mosel – viele Hofhäuser und landwirtschaftliche Gutsgebäude fort, die die wirtschaftliche Grundlage des Klosters vor der Säkularisation bildeten. Sie trugen oftmals die Bezeichnung „Mattheiser Hof“ oder einen anderen auf die Abtei verweisenden Namen. Ein besonderes großes Hofgut dieser Art war der über dem Dorf Merzlich (heute Konz-Karthaus) gelegene Roscheider Hof, der neben dem heutigen Teil des Ausstellungsgebäudes mit dem hinteren Innenhof des Volkskunde- und Freilichtmuseums Roscheider Hof in Konz erhalten blieb.
Neugründung und Gegenwart Nach mehreren Versuchen im 19. Jahrhundert, das Kloster neu zu beleben, zogen nach dem Ersten Weltkrieg Mönche aus der Abtei Seckau, die zur Beuroner Kongregation gehörte, in das Mattheiser Pfarrhaus. Am 22. Oktober 1922 wurde der Gebäudekomplex wieder zur Abtei geweiht, und die ersten Benediktinermönche konnten wieder einziehen. Sie schlossen sich der Beuroner Kongregation an. 1941 hob die nationalsozialistische Regierung den Konvent auf, und die Mönche gingen nach Maria Laach. Pater Maurus und Pater Martin wurden wegen „staatsgefährdenden Umganges mit Kriegsgefangenen“ sowie „staatsabträglicher Haltung“ in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Beide kehrten nach dem Krieg in die Abtei zurück und wirkten dort bis zu ihrem Lebensende.Willi Körtels: „Mahnmal Trier, Marus Münch“, abgerufen am 1. November 2024Willi Körtels: „Mahnmal Trier: Martin Schiffer“, abgerufen am 1. November 2024.
Nach der Rückkehr der Mönche 1945 kam es zu Konflikten wegen der nun vom Orden unabhängigen Pfarrei St. Matthias; für den Orden bedeutete die Pfarrseelsorge immer auch eine ökonomische Grundlage durch die damit verbundenen sicheren Einnahmen. Dem empfohlenen Umzug in die saarländische Tholey kamen einige Mönche nach, andere widersetzten sich. So teilte sich der Konvent. Die in St. Matthias verbliebenen Brüder wurden kongregationsfrei, was bis in die 1980er-Jahre hinein so bleiben sollte. Seit 1981 gehören sie der „Kongregation von der Verkündigung der seligen Jungfrau Maria (Congregatio Annuntiationis BMV)“ an.
Die Abtei ist seit 1991 mit dem 1972 wieder begründeten Priorat Kloster Huysburg in Sachsen-Anhalt verbunden. Im September 2004 schlossen sich die beiden Konvente zu einer Gemeinschaft zusammen.
Die Gemeinschaft in St. Matthias widmet sich heute auch der Pfarrseelsorge. 2007 gehörten ca. 10.000 Katholiken zur Pfarrei. Weitere Aufgaben sind die Krankenhausseelsorge und die Wallfahrtspastoral. Die Gemeinschaft nimmt Gäste auf und führt ökumenische Gespräche. Einzelne Brüder gehen weltlichen Arbeitsverhältnissen nach, etwa als Richter, Stadtplaner oder Lehrer. Ein weiterer Einsatz der Gemeinschaft gilt dem benachbarten Schammatdorf.
Von 1981 bis 2005 stand Ansgar Schmidt als Abt an der Spitze der Gemeinschaft. Nach seiner Wahl zum Abtpräses der Kongregation verzichtete er auf eine erneute Kandidatur. Im September wählte die Gemeinschaft Ignatius Maaß zu seinem Nachfolger. Der neue Abt ernannte Matthias Vogt zum neuen Prior. Die Abtsbenediktion vollzog am 22. Oktober 2005 Bischof Reinhard Marx von Trier.
Im Frühjahr 2011 ging Abt Ignatius Maaß mit der Mitteilung an die Öffentlichkeit, dass ein Pater der Abtei sich seit den 1970er-Jahren des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht habe. Abt Ignatius Maaß sprach in einem Interview von „schwerwiegenden Fällen“, die Opfer seien allesamt „unter vierzehn Jahren alt“ gewesen. Der zum Zeitpunkt der Bekanntgabe 78 Jahre alte Beschuldigte sei zum Zeitpunkt der Taten als Vikar in der Pfarrseelsorge an der Pfarrkirche St. Matthias eingesetzt gewesen und habe die Taten zugegeben. Er war nach Presseangaben eine bekannte Persönlichkeit in Trier und genoss allgemeine Wertschätzung. Der Abt untersagte ihm die Ausübung priesterlicher Aufgaben, die Opfer wurden finanziell entschädigt.Benediktiner machen Missbrauchsfälle öffentlich Frankfurter Rundschau, 22. Mai 2011.Friedhelm Knopp: Priester aus Trierer Kloster missbraucht jahrelang Jugendliche Trierischer Volksfreund, 22. Mai 2011.
Gegenwärtig (Stand: Dezember 2025) gehören dem Konvent nur noch 15 Mönche an, zehn davon leben in Trier und fünf auf der Huysburg.
„Schammatdorf“
Hier wird intergenerationelles (Generationen übergreifendes) sowie inklusives Wohnen und Leben verwirklicht. Unter anderem wohnt hier, in dem „Dorf in der Stadt“, die ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen.
Bauwerke und Kulturgüter Basilika mini|hochkant|Wilhelm von der Eifel: Kreuzfenster, Anfang 16. Jh. mini|„Gnadenkapelle“ im nördlichen Seitenschiff mini|hochkant|„Mattheiser Gnadenbild“ (um 1700) mini|hochkant|Basilika mit Friedhof, Blick von Nordwesten (Fritz Quant, 1916)
Die Basilika St. Matthias, die am 13. Januar 1148 geweiht wurde, vereint vier Funktionen. Sie ist Pfarrkirche der gleichnamigen Pfarrei, Mönchskirche der Benediktinergemeinschaft, Pilgerkirche mit dem Grab des Apostels Matthias und Grabkirche der ersten Trierer Bischöfe Eucharius und Valerius.
Papst Benedikt XV. erhob die Kirche am 20. März 1920 mit dem Apostolischen Schreiben Exstat in civitate Trevirorum in den Rang einer Basilica minor.
Der Kirchbau steht im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Pflege des Baudenkmals einerseits und Anpassung an die aktuellen Nutzungsanforderungen andererseits. So wurde im Zuge langwieriger Sanierungs- und Umbaumaßnahmen die Basilika grundlegend umgestaltet. Die Krypta wurde um zwei Joche auf ihr ursprüngliches Maß verlängert und mit neuen Zugängen versehen. Die Verehrungsstätte des Apostels Matthias sowie der Altarraum wurden den heutigen Anforderungen angepasst und durch neue Verkündigungs- und Zelebrationsorte gestalterisch aufgewertet. Der Mönchschor erhielt ein festes Chorgestühl. Zur besseren Erreichbarkeit der verschiedenen Ebenen wurde ein Aufzug eingebaut. Am 10. Dezember 2007 wurde im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamts mit Bischof Reinhard Marx der Schrein mit den Gebeinen des Apostels Matthias an seinen endgültigen Platz in der Krypta überführt. Am 24. Februar 2008, dem Matthiasfest, fand die feierliche Altarweihe statt.
Am 17. September 2008 stürzte die Benediktusglocke aus ihrer Halterung im Glockenstuhl, eine darunter hängende Glocke und eine Holztreppe wurden beschädigt.
Die 5 Glocken der Mattheiser Abtei wurden 1965 von der Glockengießerei Mabilon in Saarburg gegossen und bilden ein ausgefülltes Salve-Regina-Motiv in den Schlagtönen: c'-d'-e'-g'-a'
Die Glocke 1 heißt: Christus
Die Glocke 2 heißt: Maria
Die Glocke 3 heißt: Matthias
Die Glocke 4 heißt: Eucharius
Die Glocke 5 heißt: Benedikt
Neben dem fünfstimmigen Geläut gibt es noch eine Dachreiterglocke, die ebenfalls 1965 gegossen wurde.
Fenster Aus dem in den Jahren 1510–14 von Wilhelm von der Eifel geschaffenen Chorfensterzyklus ist nur die Kreuzigungsgruppe in der oberen Hälfte des mittleren Fensters erhalten geblieben. Die Restaurierung dieses Bestandes erfolgte in den Jahren 1990–93 in den Trierer Werkstätten für Glasgestaltung Binsfeld im Zusammenwirken mit den Glaswerkstätten der Kölner Dombauhütte und Ivo Rauch.
Im Jahr 1995 wurden die neuen, nicht figürlich gestalteten Glasamalereifelder in den drei Chorfenstern vollendet. In einem Auswahlverfahrens wählte die Bau- und Kunstkommission des Bistums Trier die Entwürfe des Diplom-Glasgestalters Günter Grohs aus Wernigerode zur Ausführung aus. Die Glasmalereien wurden von den Trierer Glas-Kunstwerkstätten Kaschenbach gefertigt und von innen vor der vorhandenen Schutzverglasung angebracht.
Nach der Renovierung der Krypta wurde Grohs mit dem Entwurf der zwei dortigen Fenster beauftragt, die wiederum bei Kaschenbach unter Mitwirkung des Künstlers hergestellt und im Jahr 2014 eingebaut werden konnten.
Orgel mini|hochkant|Orgel der Abteikirche. Unterhalb der Pfeifen sind die Türschweller zu sehen.