mini|hochkant=0.6|Hermelin in der Heraldik
Der Artikel behandelt als Handelsware das Fell des Großen Wiesels (Hermelin) sowie das des Kleinen Wiesels (Wiesel).
Hermelinfell wurde seit dem frühesten Mittelalter als Bestandteil einer dem ritterlichen Stand und den Doktoren vorbehaltenen Kleidung verwendet. Das auch im übertragenen Sinn „reine Weiß“ des Hermelin-Winterfells hat dazu geführt, dass es durch Jahrhunderte als Symbol der Reinheit und Makellosigkeit ein Kennzeichen fürstlicher oder richterlicher Gewalt war. Bis heute ist der weiße Pelz mit den charakteristischen schwarzen Schwanztupfen Bestandteil manchen Krönungsornats.Paul Larisch: Hermelin: Reinheit und Gerechtigkeit. In: Die Kürschner und ihre Zeichen, 1928. Selbstverlag, Berlin.
In der Heraldik spielt das Hermelin eine wesentliche Rolle, siehe Hermelin (Heraldik). Aus Asien kommen gelegentlich Tafeln aus Gelbbauchwieselfellen als „Pineweasel“ (englisch, wörtlich „Kiefernwiesel“) in den Handel. Chinesisches Wiesel und Japanisches Wiesel sind zulässige Handelsnamen für das Fell des Kolinsky, siehe dazu Kolinskyfell.
Hermelin und Hermelinfell
mini|links|280px|Zwei Zunftwappen der Kürschner aus Schässburg/Siebenbürgen (18. Jahrhundert) mini|Papst Benedikt XVI. mit hermelinverbrämter Mozetta (2006) mini|Ein Hermelinfänger der Chanten (1790)
Das Hermelin oder Große Wiesel ist die am häufigsten verbreitete Wieselart. Es lebt in großen Teilen Eurasiens und in Nordamerika.
Der schlanke Körper hat eine Felllänge von 25 bis 32 cm, der Schweif ist 8 bis 10 cm lang. Die Schweifspitze des Großen Wiesel ist im Gegensatz zur Spitze des Kleinen Wiesels immer schwarz. Bei den europäisch-asiatischen Arten umfasst die Schweifspitze etwa ein Drittel der Schweiflänge, bei den nordamerikanischen Fellen ist sie erheblich kürzer. mini|hochkant|Felltafel einer seltener angebotenen Hermelin-Farbvariante Die Sommerfelle haben einen bräunlichen bis graurötlichen Rücken, die Seiten und der Kopf haben eine gelbliche bis reinweiße Unterwolle. Die Winterfelle sind weiß mit Schattierungen zwischen bläulichweiß und elfenbeinweiß. In den gemäßigten Zonen bleibt das Hermelin allerdings das ganze Jahr braun (Südengland, Irland, Südeuropa, südl. USA). Im Hohen Norden und im Hochgebirge behalten sie ihr Weiß, im Sommer ist es jedoch mehr grauweiß bis gelblichweiß.
In der Haarlänge und der Haarstärke sind die Unterschiede vom Sommer- zum Winterfell erheblich. Im Winter ist das Deckhaar 13 mm lang, im Sommer erreicht es dagegen nur eine Länge von 10 mm.
Der Haltbarkeitskoeffizient des Hermelinfells beträgt anhand allgemeiner Erfahrung 30 bis 40 Prozent. Eine andere Liste setzte die Haltbarkeit auf 32 bis 35 Prozent und ordnet sie an die 28. Stelle einer unvollständigen Haltbarkeitsskala ein,John C. Sachs: Furs and the Fur Trade, Sir Isaac Pitman & Sons Ltd., 3. Aufl., London 1933, S. 76–78, 137 (englisch) die traditionell mit dem als am haltbarsten angenommenen Fell des Seeotters beginnt, und hier mit dem Hasenfell auf der 41. Position endet. Eine amerikanische Studie ordnete das Hermelinfell anhand von mikroskopischen Haaruntersuchungen bei 25 Prozent ein.Redaktion: Die Haltbarkeit des Pelzhaares. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 26, Leipzig, 28. Juni 1940, S. 12. Primärquelle: American Fur Breeder, USA (Anmerkung: Alle Vergleiche setzen das Seeotterfell auf 100 Prozent). → Haltbarkeitsvergleich.
Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Hermelinhaar als fein eingestuft.
Im Rauchwarenhandel werden unterschieden:
Sommerfelle mit bräunlich- bis graurötlichem Rücken, Seiten und Kopf mit gelblich- bis reinweißer Unterwolle, Übergangsfelle, bei denen das braune Sommerhaar von mehr oder weniger weißen Flecken des Winterhaars unterbrochen wird (geflecktes oder getüpfeltes Wiesel), Winterfelle weiß mit Schattierungen zwischen bläulichweiß und elfenbeinweiß.
Die als „Grauspitzen“ gehandelten Felle fallen im Herbst an, sie haben ein weißes, mit graubraunen Grannen durchsetztes Unterhaar.
Vorkommen
Europäische Provenienzen mini|Links zwei Sommerhermelin-, rechts zwei Wieselfelle (Friesland, Niederlande, 1972) Europäische Hermelinfelle sind weniger weiß als die sibirischen Felle und gröber im Haar und gelten daher als weniger qualitativ. Hermelinfelle aus Nordschweden und Nordfinnland, etwa aus Karelien und Enari, entsprechen jedoch in der Qualität den russischen Fellen.
Russische Provenienzen
Der russische Handels-Standard unterscheidet 18 Provenienzen:Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89, 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt.
Beresowsky-Ischimsky Petschorsky Jenisseisky Baschkirien Zentral-Russland Petropawlowsky-Barabinsky Altaisky Lensky Ural Westliche Tobolsky Turuchansky Sabajkalski Kasachstan Tomsky Nördliche (Sewernij) Jakutsky Nord-Russland
Als beste sibirische Sorten gelten: Ischimsker, Barabinsker, Beresowsker, Petropawlowsker, Petschorer. Diese sind groß, silbrigweiß, rauch und seidig. Die Ishimsker, Petropawlowsker und Nordpetschorer sind besonders schön im Leder, dünn und geschmeidig. Die Nördlichen sind weniger seidig. Jakutski sind teilweise gelblich, sie werden rund abgezogen, unten geschlossen, mit dem Leder nach außen, lang und schmal, angeliefert. Jennisseisky und Daschkirien werden teilweise unten offen angeliefert, sie werden hauptsächlich gefärbt verwendet.
Bei Rohware, die mit der Lederseite nach außen angeliefert wird, können in der Übergangszeit angefallene Felle am glasigen Leder erkannt werden. Weist das Fell an der Schwanzwurzel bräunliche Spitzen auf, ist das Fell auf dem Rücken ebenfalls braunspitzig. Kahle und beschädigte Stellen erkennt man von der Lederseite aus deutlich: Werden die Felle gegen das Tageslicht gehalten, schimmern die Kahlstellen wie Fettflecken durch das Leder.
Um 1900 kamen noch rund eine Million Hermelinfelle aus Russland (ungefähr 525.000 lt. Larisch).Paul Larisch und Josef Schmid: Hermelin in Das Kürschner-Handwerk, Eigenverlag, Paris, III. Teil, III. Kapitel, Mai 1903, S. 38–39. Für das Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Aufkommen von 500.000 Pelzen geschätzt.Alexander Tuma: Pelzlexikon, XVIII. Band der Pelz- und Rauchwarenkunde, S. 101–102, Stichwort „Hermelin“, Verlag Alexander Tuma, 1949. 1986 wurden auf den Leningrader Auktionen 120.000, im Jahr darauf nur 92.000 Hermelinfelle angeboten.
Amerikanische Provenienzen Amerikanische Provenienzen sind oft größer, meist aber flacher und gröber im Haar als sibirische. Gelegentlich sind sie auch kurzhaariger (englische Bezeichnung: short-tailed weasel). Die Ursprungsgebiete sind: York Fort (etwa Alberta, Saskatchewan, Manitoba (YF), Nordwest (NW), Alaska, Fort George (Kanada) (FG), Eskimo-Bai (EB), Moose River (MR), Oberer See (LS), Kanada (CANA) und Neufundland (NF)).
mini|Kürschnersortiment schwarzgefärbter, amerikanischer Hermelinfelle. Nicht reinweiße Felle werden meist gefärbt (2012). Max Bachrach beschrieb die Qualitäten im Jahr 1950:Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. F Verlag Prentice-Hall, Inc., New York, 1936. S. 358–362 (englisch).
Noch 1859 wurden von der Hudson’s Bay Company nur 809 Hermelinfelle exportiert, bis Ende 1900 hielt sich die jährliche Zahl auf etwa 2000 bis 3000. 1903 stieg sie dann sehr schnell auf mehr als 33.000 Felle.
Geschichte und Nutzung
Siehe auch: → Über 8000 Bilder von Hermelinkleidung auf Wikipedia Commons (2024)
mini|links|hochkant=0.6|Erzherzogskrone Österreichs, die ranghöchste Krone mit Hermelinbesatz mini|links|Originaltext (ca. 1905): „Zum garnieren von Hermelin oder mit Hermelin besetzten Sachen, lassen sich gefällige Motife aus Hermelin herstellen. Fig. I zeigt eine Frange als Abschluss einer Etole. Es werden Streifen aus Hermelin der Länge nach geschnitten und rund, ungefähr eine Schweifstärke, über eine Schnur verzogen. Dann werden diese Schnüre nach einem Muster auf ein Brett gesteckt, mit Knoten aus Seiden oder Genillenpassementerie befestigt und als Abschluss Schweife angenäth. Diese Knoten aus schwarzer oder weisser Passementerie dienen um die zusammengehefteten Stellen zu bedecken und gleichzeitig als Zierde. Fig. 2 + 3 sind als Garnitur für die Brust von Etolen oder Mänteln gedacht. Die Herstellung ist dieselbe. Fig. 4 + 5 sind als Besätze für Kleider (Brautkleider, Ball u. s. w.) bestimmt. Die Einfasstreifen sind einfach Pelz, die Vergitterung rund verzogen gedacht.“
Bereits im Altertum war das Hermelinfell bekannt und begehrt. Die Griechen hielten das Hermelin für eine weiße Ratte und nannten es daher Armenische Ratte (französisch: le rat d'Armenie), woraus sich der Name Hermelin entwickelt haben soll. Die schönsten Felle kamen in früher Zeit von der Hochebene des Taurusgebirges, gemäß alter Tradition „Armenischer Taurus“ genannt. Im Thierlein Hermelingten sah man das Sinnbild der Keuschheit und des unbefleckten Gewissens. Man sagte ihm solche „Reinigkeit“ nach, dass es „lieber durch Feuer laufet als in etwas unreines“. Diese Vorstellungen haben wohl bewirkt, dass es jahrhundertelang nur zu Kleidung allerhöchster Würdenträger verwendet werden durfte, obwohl es viele weit kostbarere Felle gab und gibt. Hermelin gilt allgemein als Pelz der Kaiser und Könige.
Seit etwa dem 12. Jahrhundert war der Besitz und Gebrauch ausschließlich der Krone vorbehalten. Unsicher scheint, ob dabei ein Unterschied zwischen Hermelin und dem für gleiche Zwecke genutzten Fell des weißen Winterfells des nördlichen Wiesels gemacht wurde (englisch „meniver“), sehr wahrscheinlich nicht. Das allerdings kleinere Wieselfell kostete 1419 in England jedoch nur etwa ein Viertel eines Hermelinfells.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Oxford at the Clarendon Press, 1966. Mehrere Erwähnungen. Ein Zimmer Hermelinfelle kostete 15 s bis 18 s, Wiesel (minever) 3 s. 4 d. bis 4 s. 6 d. (P. R. O. (Public Record Office) Exchequer: King's Remembrancer, Custom Accounts, 407/I) (englisch). Der Fürstenmantel aus purpurrotem Samt ist ein mit Hermelin verbrämter und gefütterter Umhang, eine Form, die aus dem damals gebräuchlichen Mantel gehobener Stände hervorgegangen ist. Im frühen 14. Jahrhundert kommt der schulterbreite Pelzkragen hinzu.
Ebenfalls mit Hermelin besetzt ist er künftig bezeichnend für den Fürstenmantel, insbesondere als die breite Kragenform im 15. Jahrhundert aus der allgemeinen Mode wieder verschwunden ist. Ob es für diese Entwicklung ein Vorbild gibt, ist ungewiss. In der Forschung wird vermutet, das eventuell bei der Pariser Doktorenschaft modische Anleihen zu suchen seien. Dass für das Fürstenornat eventuell Anregungen aus der Gelehrtenkleidung genommen sein könnten, erscheint nicht abwegig, weil schon in den Handschriftenminiaturen durch die Ähnlichkeit ein Bezug zwischen Gelehrtenrobe und Herrscherornat hergestellt wird. Komplettiert wird der Ornat durch eine ebenfalls mit Hermelin verbrämte, oft an eine Krone erinnernde, Kappe. Beim fürstlichen Frauenmantel fehlt der große Hermelinkragen. Ähnlich dem Fürstenmantel ist der prächtige, pelzverbrämte Umhang der geistlichen und weltlichen Ritterorden, welcher in erster Linie von deren Großmeistern getragen wurde. An keinem Hof Europas, vielleicht der des russischen Zaren ausgenommen, wurde ein gleich großer Aufwand an kostbarem Pelzwerk betrieben wie am Haus Burgund. Selbst die Frauen trugen ganz mit Hermelin gefütterte Mäntel aus goldgemusterten Seidenstoffen, Hermelin war das bevorzugte Pelzwerk am Hof von Burgund.Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16. –18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 56 (→ Inhaltsverzeichnis). Primärquelle Friedrich Hottenroth: Handbuch der deutschen Tracht, Stuttgart o. J., S. 350f.
mini|Eduard VII. in Krönungsrobe