mini|296px|Erlenbach von Südosten
Erlenbach ist eine Weinbau-Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Heilbronn, die aus den beiden Ortsteilen Erlenbach und Binswangen besteht. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken und zur äußeren Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Erlenbach liegt am Fuße des 317 m hohen Kaybergs im unteren Sulmtal im Osten des Landkreises Heilbronn. Der Kayberg ist zugleich der höchste Punkt der Gemarkung; der mit 155 m tiefste Punkt befindet sich an der Sulm an der Gemarkungsgrenze zu Neckarsulm. Erlenbach hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Erlenbachs sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Heilbronn (Stadtkreis), Neckarsulm, Eberstadt und Weinsberg. Bis auf Heilbronn gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Mit Neckarsulm und Untereisesheim ist Erlenbach eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Gemeindegliederung Erlenbach besteht aus den ineinander übergehenden Ortsteilen Erlenbach (im Osten) und Binswangen (im Westen).Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 118–119
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Erlenbach.
Geschichte
Frühe Geschichte und Mittelalter Spuren menschlichen Lebens auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Erlenbach reichen mehrere Tausend Jahre in die Vergangenheit zurück. So konnten 1982 am „Ohrberg“ südlich der Ortschaft Tonscherben aus der Zeit der Bandkeramik (gegen 4000 v. Chr.) aufgefunden werden, welche auf eine erste bäuerliche Ansiedlung in der Jungsteinzeit hindeuten. Zudem gilt eine Besiedlung in der Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) durch einen nördlich des Ortes am Geißberg entdeckten Grabhügel und zahlreichen aus dieser Epoche stammenden Pfeilspitzen als gesichert. Die bis heute bestehenden Orte Erlenbach und Binswangen sind vermutlich beide in der früheren Ausbauzeit des Hochmittelalters entstanden. Im Falle Binswangens ist aufgrund der typischen Endung des Ortsnamens auf „-wangen“ allerdings auch eine Gründung in alemannischer Zeit naheliegend.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Erlenbach im Jahre 1130 im Hirsauer Codex. Anlass der Erwähnung war die Schenkung von Weinbergen in „Erlebach“ durch Konrad von Weinsberg an das Kloster Hirsau. Der Ortsname deutet auf ein von Erlenbäumen gesäumtes Fließgewässer hin. Binswangens erster urkundlicher Beleg datiert unter dem damals verwendeten Name „Binrzwange“ auf das Jahr 1176, als Papst Alexander III. dem Kloster Schöntal einen Schutzbrief ausstellte. Hier kann der Ortsname als Hinweis auf ein Binsenfeld verstanden werden. Beide Orte gehörten damals innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zur Herrschaft Scheuerberg, welche durch die Herren von Weinsberg verwaltet wurde. Erlenbach und Binswangen bildeten durch die gemeinsame Herrschaftszugehörigkeit und die benachbarte Lage zeitweise eine Markgenossenschaft, die sich u. a. in einem gemeinsamen Hochgericht und gemeinsamer Weidenutzung ausdrückte.
Eberhard von Weinsberg musste 1335 infolge seiner hohen Verschuldung die Herrschaft Scheuerberg inklusive der Dörfer Erlenbach und Binswangen an das Erzstift Mainz verkaufen, die das Gebiet anschließend nacheinander an die Herren von Hirschhorn (1344–1360), an die Ritterfamilie von Sickingen (1411–1440 und 1448–1484) und an die Ritterfamilie von Gemmingen (1440) verpfändete. Am 27. Mai 1484 schließlich kamen durch Gebietstausch beide Orte an den Deutschen Orden und unterstanden fortan dem Deutschmeister in Gundelsheim. Innerhalb des Deutschen Ordens wurden sie dem Verwaltungsbezirk „Ballei Franken“ zugerechnet, welche ab 1500 im Zuge der Reichsreform einen Teil des Fränkischen Reichskreises bildete. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieb dies unverändert.
Im ausgehenden Mittelalter besaßen das Stift Wimpfen, das Kloster Comburg, das Kloster Ebrach, das Kloster Gnadental, das Heilbronner Klarakloster, das Kloster Lichtenstern sowie das Kloster Schöntal Güter und Rechte in Erlenbach. Später kamen auch württembergische und limpurgische Rechte hinzu, während der Deutsche Orden den Ebracher Anteil am Zehnten sowie die Pfarrei erwarb. In Binswangen hatten das Kloster Schöntal, das Kloster Lichtenstern, die Heilbronner Klarissen sowie das Kloster Amorbach Besitz und Rechte.
Frühe Neuzeit mini|Ansicht Binswangens aus dem Jahr 1578
In den Jahren 1524/1525 kam es in Form von zahlreichen lokalen Bauernaufständen zum Deutschen Bauernkrieg, bei welchem sich auch einige Einwohner aus den Dörfern Erlenbach und Binswangen beteiligten. Erwähnenswert sind hierbei Hans und Balthasar Volz sowie Leonhard Ilsfelder aus Erlenbach, die sich als Anführer der Aufständischen hervortaten und bei Plünderungen mitwirkten. Nach der Niederschlagung der Aufstände 1525 wurden zur Strafe weite Teile beider Orte zerstört. Außerdem wurde das gemeinsame Hochgericht der Ortschaften aufgehoben und trotz Bitten mehrere Jahrzehnte später nicht wiederhergestellt.
Das Wüten der Pest Mitte der 1620er-Jahre forderte zahlreiche Todesopfer, für die 1626 eigens ein außerhalb gelegener Pestfriedhof errichtet wurde. Bei einem erneuten Ausbruch der Seuche 1635 war ebenfalls eine Anzahl an Pesttoten zu beklagen. Wenige Jahre später brachte der Dreißigjährige Krieg größeres Leid über die Bevölkerung, wobei als schwerwiegendstes Ereignis sicher das Niederbrennen von etwa der Hälfte der Gebäude Erlenbachs im Dezember 1642 durch schwedische und französisch-weimarische Truppen anzusehen ist.
19. und 20. Jahrhundert mini|Ansicht Erlenbachs aus dem Jahr 1578
Nach Auflösung des Deutschordensstaates kamen beide Orte 1805 an das Kurfürstentum bzw. (seit 1806) Königreich Württemberg und wurden dort dem Oberamt Neckarsulm zugeteilt. Nach dem Ende der Monarchie gehörte Erlenbacht zum Volksstaat Württemberg. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde das Oberamt Neckarsulm 1934 in Kreis Neckarsulm umbenannt.
Am 1. April 1935 wurden Binswangen und Erlenbach unter dem Namen Erlenbach zusammengeschlossen. Mit Auflösung des Kreises Neckarsulm kam die Gemeinde am 1. Oktober 1938 zum Landkreis Heilbronn. 1939 wurden 2137 Einwohner gezählt.Mitteilungen des Württ. Stat. Landesamtes Nr. 4/5 vom 10. Dezember 1940: Ergebnisse der Volks- und Berufszählung am 17. Mai 1939 Durch die aus Einwohnerwachstum resultierende Bautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind die beiden Teilorte inzwischen zusammengewachsen.
1945 bis 1952 befand sich die Gemeinde im Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 kam Erlenbach zum neuen Bundesland Baden-Württemberg.
Bevölkerung
Religionen mini|Katholisches Pfarrhaus in Erlenbach
Bedingt durch die einstige Zugehörigkeit zum Deutschen Orden sind die Einwohner Erlenbachs bis in die Gegenwart überwiegend katholisch. In Erlenbach bestand bereits im späten Mittelalter eine eigene Pfarrei. Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Bistum Würzburg, das Kirchenpatronat hatten die Herren von Weinsberg inne. Im Jahr 1331 stifteten diese die Pfarrei dem Zisterzienserkloster Ebrach im Steigerwald. Dieses wiederum verkaufte die Pfarrei mit Kirche und Pfarrhaus im Jahr 1661 an den Deutschen Orden. Binswangen zählte Anfang des 14. Jahrhunderts ebenfalls zum Bistum Würzburg, kam 1335 jedoch an das Erzbistum Mainz und von dort aus an den Deutschen Orden. Die Binswanger Pfarrei war ursprünglich Neckarsulm angegliedert, erhielt erst 1582 einen eigenen Pfarrer und wurde somit selbstständig.
Vom Deutschen Orden wurden die Gedanken der Reformation nicht umgesetzt. Im 16. Jahrhundert sollen sich einige Bewohner beider Dörfer der Wiedertäufer-Bewegung angeschlossen haben, was der katholischen Obrigkeit widerstrebte. Als aber 1537 ebendiese festgenommen werden sollte, konnten in keinem der Orte verdächtige Personen ausgemacht werden.
Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden die zwei Ortschaften noch ausschließlich aus katholischen Einwohnern. Die Volkszählung im Königreich Württemberg aus dem Jahre 1858 weist für Erlenbach 97,6 % Katholiken und einen geringen Anteil von nur 2,4 % Evangelischen aus. Die Beschreibung des Oberamts Neckarsulm, erschienen 1881, nennt für Erlenbach bei einer Zahl von 1154 Einwohnern nur 38 Evangelische, während der Rest der Bevölkerung katholischen Bekenntnisses war. Für Binswangen bietet sich ein ähnliches Bild – von den 609 Einwohnern hingen 18 dem evangelischen Glauben an, der Rest hingegen war katholisch. Diese Situation änderte sich Anfang des 20. Jahrhunderts nur geringfügig, als in Erlenbach 98,2 % Katholiken und 1,8 % Evangelische lebten. Die niedrige Anzahl an Evangelischen machte keine eigene Kirche erforderlich, stattdessen waren die Erlenbacher und Binswanger Protestanten als Filialisten der Stadtkirchengemeinde in Neckarsulm angegliedert.
mini|Evangelische Christuskirche (2012)
Erst in der Nachkriegszeit setzte ein Wandel in Bezug auf die Religionszugehörigkeiten ein. Sowohl Menschen aus dem größtenteils evangelisch geprägten Umland als auch aus anderen Teilen Deutschlands zogen zu und ließen die evangelische Gemeinde wachsen. In beiden Ortsteilen der Gemeinde wuchs so der Anteil der evangelischen Bevölkerung von 7,9 % (1950) über 11,5 % (1961) auf 14,3 % (1970). Ab Anfang der 1960er-Jahre liefen die Planungen zum Bau einer eigenen Kirche mit Gemeinderaum, am 11. Juli 1965 schließlich konnte die Christuskirche eingeweiht werden. Auch in der Folge wuchs die evangelische Gemeinde, 1985 bestand sie aus 950 und im Jahr 2004 bereits aus 1400 Menschen. Die Evangelische Christuskirchengemeinde Erlenbach bildet mit weiteren Kirchengemeinden die Gesamtkirchengemeinde Neckarsulm, welche innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg dem Kirchenbezirk Neuenstadt am Kocher zugeordnet ist.
In gleicher Zeit nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung von 91,8 % (1950) über 87,6 % (1961) auf 81,4 % (1970) ab. Die beiden Kirchengemeinden St. Michael Binswangen mit rund 730 Gläubigen und St. Martinus Erlenbach mit etwa 1440 Gläubigen bilden heute gemeinsam die katholische Seelsorgeeinheit „Unterm Kayberg“ und gehören innerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Dekanat Heilbronn-Neckarsulm.
Konfessionslose beziehungsweise Anhänger anderer Religionen machten 1950 0,3 %, im Jahr 1960 1 % und 1970 4,3 % aus. In jüngerer Zeit ließ sich außerdem die „Gemeinde Gottes“, eine evangelische Freikirche, im Ortsteil Binswangen nieder.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde Anton Vogt (1727–1784), Jesuit, Professor der Theologie in Mainz, Pfarrer und Urheber einiger philosophischer und theologischer Werke Damian von Mosthaf (1774–1851), Verwaltungsbeamter und Landtagsabgeordneter Berthold Bühl (1885–1968), Geistlicher des Franziskanerordens, Apostolischer Vikar und Administrator in Bolivien, Bischof von Oruro und Konzilsvater des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nach ihm ist das „Berthold-Bühl-Heim“ in Erlenbach benannt.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Erlenbach hat 14 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Die Wahlbeteiligung betrug 66,96 % (2019: 67,1 %).
Partei/Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019Wählervereinigung Erlenbach-Binswangen 56,18 % 8 49,5 %, 7 SitzeCDU 43,82 % 6 42,6 %, 6 SitzeSPD nicht angetreten 7,9 %, 1 Sitz
Bürgermeister