mini|Max Otte (2026)

Max Otte (* 7. Oktober 1964 als Matthias Otte in Plettenberg) ist ein deutsch-US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er ist als Fondsmanager tätig und veröffentlichte wirtschafts- und finanzpolitische Sachbücher.

Otte war Bundesvorsitzender des Vereins Werteunion. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch Publikationen und Voraussagen zur Finanzkrise sowie anschließende Medienpräsenz bekannt. Er war parteiloser Kandidat der AfD bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2022.

Leben Herkunft und frühe Jahre Matthias Otte wurde als Sohn von Lore Otte, geborene Hauter, und des Berufsschullehrers und Kommunalpolitikers Max Otte (1928–1983) geboren. Nach dem Tod seines Vaters nahm er dessen Vornamen Max an.

Im Jahr 1983 machte Otte sein Abitur in Plettenberg. Von 1983 bis 1989 studierte er Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Dieses Studium schloss er 1989 als Diplom-Volkswirt ab. Innerhalb des Studiums absolvierte er ein Auslandsjahr von 1986 bis 1987 als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung an der American University in Washington, D.C. Seinen zweiten Abschluss an der Princeton University in New Jersey (USA) als Master of Arts machte er 1991 in Public Affairs. In Princeton wurde er 1997 bei Aaron Friedberg mit der Arbeit A Rising Middle Power? – German Foreign Policy in Transformation promoviert.https://catalog.princeton.edu/catalog/1102344

Beruf mini|hochkant|Max Otte (2016) Otte war von 1989 bis 1994 als Berater für internationale Organisationen und den öffentlichen Sektor bei Kienbaum und Partner tätig und 1995 Mitarbeiter beim Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Von 1997 bis 1998 war er bei Arthur D. Little beschäftigt. Er beriet verschiedene Unternehmen und Organisationen, darunter die Münchener Rück, das Bundeswirtschaftsministerium und die Vereinten Nationen. Von 1998 bis 2000 war Otte Assistant Professor für internationale Wirtschaft und internationales Management am Department of International Relations der Boston University. Darüber hinaus war er von 2001 bis 2005 am Aufbau des Executive MBA-Program Business Integration an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beteiligt.

2001 wurde er verbeamteter Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms (C3-Stelle), wo er Marketing, International Business Studies sowie Finanzierung und Investition in den Fachbereichen Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft sowie Tourismus unterrichtete. Von 2011 bis 2016 war er als Professor für quantitative und qualitative Unternehmensanalyse und -diagnose an der Karl-Franzens-Universität Graz tätig. Vom Wintersemester 2011/2012 bis zum Wintersemester 2016/2017 hatte er außerdem regelmäßig Lehraufträge an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt im Studienbereich Wirtschaftswissenschaften inne. 2018 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Beamtenverhältnis aus.

Otte ist seit 2005 als Fondsmanager tätig.

Politik Otte war von 1991 bis 2022 Mitglied der CDU. Im Frühjahr 2017 wurde er Mitglied des Vereins Werteunion, die ihn am 29. Mai 2021 in Fulda als Nachfolger von Alexander Mitsch zu ihrem neuen Bundesvorsitzenden wählte. Ende Januar 2022 erklärte Otte, seinen Posten bei der Werteunion ruhen zu lassen und auch „alle anderen parteipolitischen Aktivitäten“ auszusetzen.

Im Januar 2022 wurde Otte von Mitgliedern der Bundesversammlung der AfD zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten benannt. Mit 140 Stimmen bekam er die zweitmeisten Stimmen bei der Wahl (Frank-Walter Steinmeier erhielt 1045). Otte erhielt somit zwar weniger Stimmen, als die AfD Wahlberechtigte an der Bundesversammlung anwesend hätte haben können, aber sieben Stimmen mehr, als tatsächlich AfD-Wahlberechtigte an der Versammlung teilnahmen.

Im Februar 2024 gab Otte seinen Austritt aus dem Verein Werteunion bekannt. Zuvor hatte er die fehlende Bündnisbereitschaft der Partei Werteunion mit der „größten freiheitlichen Partei in Deutschland, der AfD“ kritisiert.

Autor Otte ist Autor mehrerer Bücher. Er hat mehrere Bestseller verfasst, vor allem zu finanzpolitischen Themen. Seine ersten Bücher erschienen 1989. Zunächst publizierte er ausschließlich für den universitären Bereich, wie zur Makroökonomik oder Allgemeinen Wirtschaftspolitik. Sein erstes Buch außerhalb dieses Bereiches war das 1996 im Campus-Verlag erschienene Buch Amerika für Geschäftsleute: das Einmaleins der ungeschriebenen Regeln. 2006 veröffentlichte Otte das Buch Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten. Darin sagte er einen Zusammenbruch der Aktienmärkte voraus. Im Verlauf der Finanzkrise ab 2007 und damit einhergehender TV-Präsenz, machte ihn dies einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Es folgten Der Informationscrash und Stoppt das Euro-Desaster, in dem er sich kritisch mit der Eurokrise auseinandersetzte und forderte, Griechenland pleitegehen zu lassen. In seinem letzten Buch Auf der Suche nach dem verlorenen Deutschland schreibt er über seine Kindheit, seine Familie und über Flucht und Vertreibung in der Familie seines Vaters.

Privates Otte ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seit 2005 hat er neben der deutschen Staatsangehörigkeit auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Investmentfonds 2003 gründete er das Institut für Vermögensentwicklung (IFVE) als GmbH.Institut für Vermögensentwicklung GmbH: Über IFVE, abgerufen am 14. November 2022 Eine zwischenzeitlich in der Schweiz errichtete Aktiengesellschaft ist mittlerweile gelöscht.

Ende 2005 wurde Otte „für ein erstes Fondsprojekt der Banque SCS Alliance engagiert, den Pléiade Actions Privatinvestor“. Allerdings kam das Projekt nicht über die Startphase hinaus, so dass die Initiatoren die Bank verließen und Otte Anfang 2007 die Zusammenarbeit beendete. Im März 2008 wurde in Liechtenstein der Investmentfonds PI Global Value Fund aufgelegt, der nach der Strategie von Otte investiert. Dieser zweite Fonds erhielt im Jahr 2011 die Vertriebszulassung für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Im Juli 2013 folgte der Max Otte Vermögensbildungsfonds AMI, aufgelegt von Ampega Investment, ein Fonds ausschließlich für deutsche Anleger, da Otte laut Eigenangaben aufgrund seines Wohnsitzes in Köln und der verschärften Gesetzeslage seit der Finanzkrise den PI Global Value nicht mehr persönlich, sondern nur über seine Schweizer „Privatinvestor“-Verwaltungsgesellschaft beraten konnte. Ende 2016 initiierte Otte mit dem Max Otte Multiple Opportunities Fund einen alternativen Investmentfonds (AIF) für professionelle Investoren.

Die von Otte betreuten Fonds werden sehr unterschiedlich bewertet. Im Jahr 2016 wurden die von ihm beratenen Fonds durch das Analysehaus Morningstar als „abenteuerlich“ eingestuft. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisierte, Otte habe seine „Prominenz genutzt, um mit Aktienfonds Millionen einzusammeln“. Die Fonds schnitten im Vergleich zum Weltaktienindex MSCI World in den Jahren 2014–2016 deutlich schlechter ab. Laut Berechnungen von Morningstar gehöre vor allem der Fonds PI Global Value „zu den ganz großen Verlierern“. In der Vergleichsgruppe hätten sich 98 Prozent der Fonds besser entwickelt. Laut einem Bericht von Spiegel Online halbierte sich das von Otte verwaltete Fondskapital in der Folge bis Oktober 2016 von 300 Millionen Euro auf gut 150 Millionen Euro.

In einem Interview mit der WirtschaftsWoche wandte sich Otte gegen die Kritik an seinen Fonds, gestand aber auch Fehler ein. Der im März 2008 aufgelegte Fonds PI Global Value habe den MSCI über die gesamte Laufzeit „geschlagen“ und „gehöre damit zu den zehn bis 15 Prozent der Besten“. Allerdings sei der Verkauf von Goldminenaktien im Jahr 2015 „schlichtweg falsch“ gewesen. Er habe in den Jahren 2015 und 2016 tatsächlich „glücklos agiert“. Auch laut einem Bericht von Börse Online ist der „Vorwurf einer kontinuierlichen Underperformance“ der von Otte initiierten Fonds nicht gerechtfertigt. Der Fonds PI Global Value habe in seiner Gesamtlaufzeit bis Ende 2016 den DAX, EURO STOXX 50 wie auch den MSCI World geschlagen. Der Fonds habe in diesem Zeitraum eine Wertsteigerung von 87,43 Prozent verzeichnet, was einer jährlichen Rendite von 7,46 Prozent entsprach.

Im November 2017 wurde bekannt, dass Otte die Betreuung seiner Fonds aus der Schweiz nach Deutschland verlagert hatte. Dafür habe er eine entsprechende Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten.

2020 wurde diese auf eine Lizenz zur Portfolioverwaltung erweitert.

Positionen Finanzwirtschaft mini|Max Otte auf einem Fondskongress (2019)

2009 sprach sich Otte für eine Verstaatlichung der Bank Hypo Real Estate aus. Er sieht Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie andere genossenschaftlich organisierte Banken als Stabilitätsfaktor und als Weg zur Mittelstandsförderung an.

In einer Anhörung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages vertrat Otte 2010 die Auffassung, dass eine Finanztransaktionssteuer über reduzierte Portfolioumschichtungen zu sinkenden Gebühren für Geldanleger führen werde.

Otte bezeichnete den internationalen Finanzmarkt als Bedrohung für die Demokratie und zitierte in diesem Zusammenhang Simon Johnson, den früheren Chefvolkswirt des IWF „Die Finanzbranche hat die Politik gekapert.“

In der Geldpolitik der Notenbanken sieht Otte Planwirtschaft und zog Vergleiche zur Endphase der DDR.

Europäische Union Im April 2010 forderte Otte einen Austritt der am stärksten verschuldeten Staaten Europas aus der Eurozone. Im Jahre 2010 unterstützte er die Forderung, dass die Bundesregierung ungedeckte Leerverkäufe verbieten soll. Otte setzt sich für eine massive Regulierung der Finanzmärkte ein und fordert Regeln für die Eigenkapitalausstattung von Banken als Basis ihrer Haftung in einer Marktwirtschaft.

Bei der Europäischen Union bemängelte er ein Legitimationsdefizit.

Kapitalismuskritik Bei einer Veranstaltung der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation Attac kritisierte Otte im August 2017, die Politik habe vor der Kapitallobby kapituliert. Er beschrieb die herrschende Wirtschaftsordnung als „Beutekapitalismus“ zum Vorteil von Superreichen und forderte, Finanzeinkommen wie Arbeitseinkommen zu besteuern. Die herrschende Meinung vieler Wirtschaftswissenschaftler bezeichnete er als „Religion des Hyperkapitalismus“, die sich nur am Eigennutz orientiere.

In diesem Zusammenhang ist Ottes wohlwollende Meinung zu Oswald Spengler erwähnenswert. Er ist zusammen mit David Engels Mitbegründer der Oswald-Spengler-Gesellschaft.Thomas Assheuer: Ideen, die aus der Kälte kommen – Essay in Zeit online, 8. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.The Oswald Spengler Society

„Gemeinsame Erklärung 2018“ Im März 2018 gehörte Otte zu den Erstunterzeichnern der „Gemeinsamen Erklärung 2018“, eines Aufrufs deutscher Autoren, Publizisten, Künstler, Wissenschaftler und Politiker, der sich gegen eine „Beschädigung Deutschlands“ durch eine stattfindende „illegale Masseneinwanderung“ im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 richtet.

Kritik und Kontroversen Wirtschaftsprognosen In seinem Buch Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten sagte Otte 2006 voraus, die nächste Weltwirtschaftskrise stehe unmittelbar bevor: die Inflation werde auf zweistellige Raten steigen, US-Dollar würden „nur noch mittels staatlicher Genehmigung oder Zuteilung erhältlich sein“, Mieten würden für ganz normale Wohnungen auf 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter steigen und „immer weniger Menschen in Europa“ würden eine Arbeitsstelle haben. Nichts davon traf in den folgenden Jahren ein.Christian Jakob: Endzeit. Die neue Angst vor dem Weltuntergang und der Kampf um unsere Zukunft. Ch. Links Verlag, Berlin 2023, S. 154 f.