Saarlouis ([], , []; zwischen 1793 und 1810 Sarre-Libre, von 1936 bis 1945 Saarlautern, ) ist mit rund 37.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt im Saarland. Die Stadt ist Verwaltungssitz des Landkreises Saarlouis und gilt als Schul- und Handelszentrum. Wirtschaftlicher Schwerpunkt ist die Automobilindustrie.
Geographie mini|Lage von Saarlouis an der mittleren Saar, Panoramakarte „Die Deutsche Saar“ zur Rückgliederung von Saarlouis an das Deutsche Reich 1935 Saarlouis liegt geographisch in einem Abschnitt des mittleren Saartales, in dem der Fluss durch Erosion des mürben Sandsteines und von Sanden des Mittleren Buntsandsteines an der Grenze des Saarländisch-Lothringischen Stufenlandes und des Saar-Nahe-Berglandes ein weiträumiges ovales Becken geschaffen hatte, das nach Osten in einer diluvialen Terrassentreppe ansteigt und im Westen von der markanten Schichtstufe des Oberen Buntsandsteines begrenzt wird. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Saarlouiser Beckens beträgt rund 15 km, die West-Ost-Ausdehnung weist 9 km auf. Der Große Markt mit der Ludwigskirche bildet in etwa das Zentrum des Saarlouiser Beckens und liegt ganz auf der Niederterrasse der Saar in einer Höhe von ca. 181 m über Normalhöhennull. Der Nivellierungspunkt am Kirchenportal, der in preußischer Zeit im Jahr 1894 nach der Schleifung der Festungsanlagen angebracht wurde, markiert eine Höhe von 180,82 m über NN. mini|Nivellierungspunkt an der Kirche St. Ludwig (Saarlouis) aus dem Jahr 1894; „TP“ bedeutet Triangulationspunkt
In dieses Ausraumbecken hatte sich die Saar um ca. 8–10 m tief eingeschnitten und später durch seitliche Ufererosion und Aufschüttung eine breite versumpfte Flussaue mit mehreren Flussarmen, Altwassern, Uferwällen und kleinen Becken geschaffen. Zur Zeit vor der Gründung der Stadt Saarlouis war das Gelände der heutigen Innenstadt von einem permanent nassen, zeitweilig auch überstauten, sumpfigen Bruchwald aus überwiegend Eichen und Erlen bewachsen. Diese natürliche Vegetation wurde durch künstlich angelegte Wiesen und Felder unterbrochen, die landwirtschaftlich genutzt wurden. Die Saar floss in mäandrierenden Schleifen durch das Tal. Bereits bei einer Wasserhöhe von 6,60 m über dem normalen Wasserstand standen die Gemarkungen der Lisdorfer Au und die der Fliesen unter Wasser.
Diese Geländekonstellation bot ausgezeichnete Bedingungen zum Bau einer Überschwemmungsfestung. Die ausgedehnte, leicht künstlich zu überschwemmende Talaue bot Schutz gegen unmittelbare Angriffe, während die umgebenden Höhenzüge so weit vom künftigen Stadtzentrum entfernt lagen, dass nach damaliger Militärtechnik kein Geschützfeuer von den Höhen in die Stadt hineingelenkt werden konnte. Durch das Gebiet führte entlang der Saar ein damals bedeutender Handelsweg, die Flandrisch-Lampartische Straße,Hans-Walter Herrmann: Die geopolitischen Rahmenbedingungen in der Frühzeit der Festungsstadt Saarlouis, in: Kurt Bohr und Benedikt Loew: Vauban – Baumeister, Offizier und Reformer – Festungen der Großregion als Erinnerungsorte, Erinnerungsorte – Ankerpunkte saarländischer Identität, Schriftenreihe der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik e. V., Saarbrücken 2001, S. 109–135. die man durch die Anlage der Festung kontrollieren konnte. Ebenso garantierte die Lage eine gute militärtechnische Verbindung ins französische Hinterland.Benedikt Loew: Ex Nihilo – Die Gründung der Festungsstadt Sarre-Louis, in: Kurt Bohr und Benedikt Loew: Vauban – Baumeister, Offizier und Reformer – Festungen der Großregion als Erinnerungsorte, Erinnerungsorte – Ankerpunkte saarländischer Identität, Schriftenreihe der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik e. V., Saarbrücken 2001, S. 136–175.
Die Saar sorgte im Laufe der Stadtgeschichte immer wieder für verheerende Überschwemmungen, die erst durch die Abtrennung des Flusses von der Innenstadt und seine Verlegung in Richtung des Ortes Roden verhindert werden konnten. Dadurch kam es allerdings im Gebiet des Stadtzentrums zu Grundwasserabsenkungen, die den Untergrund der Stadt aus Mergel, Ton und Sandmassen in seiner tragenden Struktur schwächten und Gebäude schädigten.Friedrich Fischer: Saarlouis – eine Synthese aus Natur und Geschichte, in: Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 60–61; Ludwig Karl Balzer: Saarlouis, Aktuelle und historische Berichte über die Stadt Saarlouis eingeschlossen alle sechs Stadtteile, Saarlouis 1964, S. 24–25.
Stadtgliederung Zu Saarlouis gehören die Stadtteile: Beaumarais (eingemeindet 1936) Fraulautern (eingemeindet 1936) Lisdorf (eingemeindet 1936) Neuforweiler (eingemeindet 1970) Picard (eingemeindet 1936) Roden (eingemeindet 1907) Steinrausch (seit 1972 ein eigener Stadtteil)
Nachbargemeinden Die Kreisstadt Saarlouis grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Gemeinden: Stadt Dillingen/Saar im Norden Gemeinde Saarwellingen im Nordosten Gemeinde Schwalbach im Osten Gemeinde Ensdorf im Osten Gemeinde Bous im Südosten Gemeinde Wadgassen im Süden Gemeinde Überherrn im Südwesten Gemeinde Wallerfangen im Westen
Die Kernstadt Saarlouis ist im Uhrzeigersinn von folgenden Stadtteilen umgeben: Roden, Fraulautern, Lisdorf, Picard und Beaumarais.
mini|Niederschläge pro Monat Klima Der Jahresniederschlag beträgt 717 mm. Der trockenste Monat ist der April. Am meisten regnet es im Dezember. 44 % der Messorte des Deutschen Wetterdienstes zeigen niedrigere Werte an; der Niederschlag liegt somit im mittleren Drittel. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Zehntel. In 1 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.
Geschichte Gründung mini|hochkant=1|„Plan de Sarlouis et de la Situation“, Karte der Festung und ihrer Umgebung um 1740 (Stadtarchiv Saarlouis) mini|hochkant=1|Infrastrukturelle Anbindung der Stadt Saarlouis über Postrouten im Jahr 1786 Das Herzogtum Lothringen war ab 1670 von Frankreich militärisch besetzt. Daran änderte auch der Friede von Nimwegen 1679 nichts. Ein Jahr später, 1680, ließ der französische König Ludwig XIV. (Louis XIV) zum Schutz der französischen Ostgrenze die Festungsstadt Saarlouis (ursprünglicher Name: Sarre-Louis) errichten. Ähnlich wie die Festungsstadt Metz den Übergang über die Mosel beherrschte, sicherte Saarlouis nun den Übergang über die Saar. Der französische Baumeister Sébastien Le Prestre de Vauban entwarf die Festungsstadt an der Saar symmetrisch in Sternform mit sechs Bastionen, die zur Aufstellung von Kanonen dienten. Die Pläne hierzu stammten von Thomas de Choisy. Ein wichtiges Element der Verteidigungsanlagen ist die Schleusenbrücke (frz. pont-écluse). Durch sie konnte im Verteidigungsfall nach dem Prinzip einer Überschwemmungsfestung die durch die Stadt fließende Saar mittels eingelegter Balken aufgestaut werden, um so das Umland zu überfluten. Dadurch sollte es einem Belagerer erschwert werden, Kanonen an die Stadt heranzubringen sowie Erdwerke und Laufgräben anzulegen.
Nach der Gründung der Stadt Saarlouis wurden die Einwohner der befestigten lothringischen Stadt Wallerfangen (franz. Vaudrevange) in den Jahren 1687/88 zwangsweise in die neue Stadt umgesiedelt. Im Zuge dessen wurden auch die meisten Gebäude in Wallerfangen abgetragen, um Baumaterial für die Häuser in Saarlouis zu gewinnen. Wallerfangen entwickelte sich zu einer aus wenigen Einzelgehöften bestehenden Siedlung zurück. Ursprünglich war von den Festungsbauingenieuren angedacht gewesen, Wallerfangen als Festung auszubauen, doch der nahegelegene Limberg hätte im Kriegsfall die Gefahr einer möglichen Beschießung der Stadt von oben ermöglicht. Somit wurde Wallerfangen als Festung aufgegeben und die neue Festung in ausreichender Beschussdistanz zum Limberg am heutigen Standort von Saarlouis angelegt.
Im Zusammenhang mit der Errichtung der Stadt entstanden im Umland einige neue Siedlungen, beispielsweise Beaumarais, Picard, Bourg-Dauphin (heute Neuforweiler) und Felsberg (Steinbrüche). Auch die Geschichte der Dillinger Hütte ist geprägt von der Entwicklung der Festung, insbesondere von dem Bedarf an Eisenwaren während des Aufbaus.
Die Stadt Saarlouis sollte fortan als Hauptstadt der neugeschaffenen Province de la Sarre (Saarprovinz) fungieren. Im Jahr 1683 verlieh Ludwig XIV. Saarlouis bei einem Besuch das Stadtwappen mit der aufgehenden Sonne und den drei bourbonischen Lilien. Der Wappenspruch lautet Dissipat Atque Fovet: Sie (die Sonne) zerstreut (die Wolken) und erwärmt (die Erde) oder im übertragenen Sinne: Sie (er) vertreibt (das Schlechte) und spendet Leben.
Das Baugelände der Festung Saarlouis war laut dem Lisdorfer Weistum von 1458 ursprünglich Besitz der Prämonstratenserabtei Wadgassen. Innerhalb des heutigen Innenstadtgebietes hatten zwar die Abtei Fraulautern und einige Bürger der damaligen Stadt Wallerfangen freie Güter, doch unterstanden diese der Oberherrlichkeit (nicht der Grundherrschaft) der Abtei Wadgassen. Wadgassen verfügte somit über die Hochgerichtsbarkeit, das Jagdrecht und andere Regalien. Mit dem Festungsbau musste Wadgassen das Gebiet an den französischen König abtreten.Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, Zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 288–291.
Siehe auch:
Festungsanlagen mini|Festung Saarlouis (ca. 1750) mini|Festung Saarlouis mit Aufmarschgebiet 1753 Die ehemalige Festung SaarlouisHistorische Karte als Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf bestimmt auch heute noch den sechseckigen Grundriss der Innenstadt. Neben den Bauwerken von Vauban finden sich auch noch einige Anlagen, die nach dem Abzug der Franzosen von den Preußen ab 1816 unter der Gesamtleitung des Generalmajors Gustav von Rauch, des Generalinspekteurs aller preußischen Festungen, angelegt wurden.
Ab 1887 wurde die Festung geschleift, dennoch finden sich im Norden der Innenstadt Wälle und Gräben der Festung. Die Wälle werden heute unter dem Namen Kasematten von der Gastronomie genutzt, während die wassergefüllten Gräben in die städtischen Grünanlagen integriert wurden. Auf der Vauban-Insel, einem ehemaligen Demi-lune, befinden sich heute die Denkmäler für Marschall Ney und den Soldaten Lacroix. Die Straße Fort Rauch erinnert an den Festungsausbau ab 1816 unter der Gesamtleitung des späteren preußischen Kriegsministers von Rauch.
Im Innenstadtbereich befinden sich eine Reihe von ehemaligen Kasernen, die heute unter anderem als Museum und Einkaufszentrum genutzt werden. Die sogenannte Vauban-Kaserne von 1680 ist die älteste ihrer Art.
Die ebenfalls von Vauban erbaute und im Elsass gelegene Festungsstadt Neuf-Brisach (Neubreisach) weist in Konstruktion und Lage hohe Ähnlichkeiten mit Saarlouis auf und ist bis heute größtenteils in ihrem Originalzustand erhalten.
Zwischen Lothringen und Frankreich Im Jahr 1697 erlangte Lothringen seine Souveränität zurück, Saarlouis blieb jedoch französische Exklave. Anlässlich des Todes des französischen Königs und Stadtgründers von Saarlouis, Ludwig XIV., am 1. September 1715 in Versailles, veranstaltete man in der Saarlouiser Pfarrkirche St. Ludwig am 1. Dezember des gleichen Jahres ein feierliches Seelenamt und ein vierzigtägiges Gebet für die Erlösung der Seele des verstorbenen Königs aus dem Fegefeuer.Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, Teil I, S. 47.