Die Stinkmorcheln (Phallus) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Stinkmorchelverwandten (Phallaceae).

Die Typusart ist die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus).

Merkmale Die Fruchtkörper der Stinkmorcheln sind zunächst kugelig bis eiförmig (sog. Hexenei mit einer häutigen äußeren und gallertartigen inneren Hülle), befinden sich unterirdisch und treten später durch das Wachstum halb aus dem Boden. Während der Reifung der Fruchtkörper reißt die Peridie auf, das unverzweigte, hohle und gekammerte Receptaculum, das an seinem Ende die feucht bleibende Gleba trägt, streckt sich. Die schleimige dunkelgrüne oder olivfarbene Gleba sitzt dem stielförmigen Receptaculum glockenförmig auf. Zwischen dem Hut und dem Stiel kann ein grobnetziger Schleier hervortreten, der aber nicht bei allen Arten der Gattung vorkommt.

Ökologie Die Arten der Gattung sind Bodensaprobionten oder Wurzelparasiten.

Gattungsinterne Systematik Im Jahre 1996 hat der Mykologe Hanns Kreisel einen Versuch zur Einteilung der Gattung unternommen:

Einteilung nach Kreisel1. Phallus subgenus Aporophallus Pileus glockenförmig, unperforiert, Oberfläche glatt. Kein Indusium. Receptaculum ohne Pigmente. Phallus subtilis

2. Phallus subgenus Itajahya Pileus glockenförmig oder perücken-ähnlich, mit flacher und kantiger Spitze, unperforiert. Kein Indusium. Receptaculum mit rosa Pigmenten oder ohne Pigmente. Phallus glutinolens Phallus galericulatus Phallus roseus

3. Phallus subgenus Endophallus Pileus glockenförmig, Spitze perforiert, Oberfläche netzförmig. Indusium rudimentär. Receptaculum mit basaler Scheibe, kaum hervortretend. Keine Pigmente. Phallus yunnanensis

4. Phallus subgenus Satyrus Kleine Arten mit Mutinus-Habitus. Pileus glockenförmig, spitz oder stumpf oder abgeschnitten, körnig oder faltig. Kein Indusium. Receptaculum mit gelben, orangen oder roten Pigmenten. Phallus rugulosus Phallus nanchangensis Phallus taibeiensis Phallus rubicundus Phallus novae-hollandiae Phallus caliendricus

5. Phallus subgenus Phallus Pileus glocken- bis kegelförmig mit perforierter Spitze. Indusium fehlend oder vorhanden. Pigmente rosa bis violett oder gelb/orange/rot oder fehlend.

5a. Phallus sect. Granophallus Pileus-Oberfläche körnig. Kein Indusium. Receptaculum mit basaler Scheibe. Rosane bis violette Pigmente im Myzel-Strang. Phallus ravenelii

5b. Phallus sect. Clautriavia Pileus-Oberfläche faltig. Indusium vorhanden oder fehlend. Volva kann mit stacheligen Erhebungen versehen sein. Receptaculum nicht pigmentiert. Phallus lauterbachii Phallus echinovolvatus Phallus merulinus

5c. Phallus sect. Flavophallus Pileus-Oberfläche netzartig. Indusium vorhanden oder fehlend. Gelbe, orange oder rote Pigmente in Receptaculum und/oder Indusium. Phallus flavocostatus Phallus tenuis Phallus formosanus Phallus callichrous Phallus multicolor Phallus cinnabarinus Phallus sp. (jetzt Phallus luteus)

5d. Phallus sect. Dictyophora Pileus-Oberfläche netzartig. Indusium fehlend oder vorhanden. Rosane oder violette Pigmente in Volva, Myzel-Strang und teilweise im Receptaculum. Phallus hadriani Phallus macrosporus Phallus duplicatus Phallus indusiatus Phallus indusiatus var. roseus Phallus rubrovolvatus

5e. Phallus sect. Phallus Pileus-Oberfläche netzartig. Indusium fehlend oder vorhanden. Receptaculum, Volva und Myzel-Strang pigmentlos. Phallus impudicus Phallus impudicus var. obliteratus Phallus impudicus var. pseudoduplicatus Phallus amurensis Phallus fragrans Phallus favosus Phallus moelleri

Arten 1996 erkannte Kreisel 33 Arten an. Demzufolge sind 3 Arten auf die Neue Welt und 18 auf die Alte Welt beschränkt, während 10 weitere in beiden Hemisphären zu finden sind. 2005 reduzierte der spanische Mykologe Francisco D. Calonge die Artenzahl auf 25. Die 2008 veröffentlichte 10. Auflage des Dictionary of the Fungi gibt nur eine Artenzahl von 18 an.Paul M. Kirk, Paul F. Cannon, David W. Minter, Joost A. Stalpers: Dictionary of the Fungi. 10. Auflage. Cabi Publishing, Wallingford, UK 2008, ISBN 978-0-85199-826-8, S. 520. Seitdem wurden einige Arten neu beschrieben. Nach einer 2009 erfolgten Einschätzung müsste sich die tatsächliche Zahl auf etwa 30 Arten belaufen.

Arten in Europa In Mitteleuropa kommen die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus) und die Dünen-Stinkmorchel (Phallus hadriani) vor. Ob die Europäische Schleierdame eine Form der Gemeinen Stinkmorchel ist, oder zur amerikanischen Art Phallus duplicatus gehört, ist in der Literatur umstritten. Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat Echte Schleierdame Phallus duplicatus Dünen-Stinkmorchel Phallus hadriani Gemeine Stinkmorchel Phallus impudicus Europäische Schleierdame Phallus impudicus var. pseudoduplicatus Prächtige Schleierdame Phallus multicolor Orangerote Stinkmorchel Phallus rubicundus

Arten weltweit Die aufgeführte Liste basiert auf der bereits erwähnten Studie von Calonge. Phallus favosus und Phallus fragrans wurden dort als zweifelhafte Arten genannt. Der 1995 beschriebene P. megacephalusM. Zang: Acta Micologica Sinica. 14(4), 1995, S. 251. wurde weder von Kreisel noch von Calonge erwähnt. P. galericulatus und P. roseus werden seit 2012 wieder zur Gattung Itajahya gerechnet.Tiara S. Cabral et al.: Abrachium, a new genus in the Clathraceae, and Itajahya reassessed. In: Mycotaxon. 119, 2012, S. 419–429. P. pygmaeus wurde im selben Jahr als Synonym von Xylophallus xylogenus erkannt.Larissa Trierveiler-Pereira et al.: Notes on Xylophallus xylogenus (Phallaceae, Agaricomycetes) based on Brazilian specimens. Mycotaxon. 120, 2012, S. 309–316. Nicht von Calonge aufgeführte Arten, die seitdem neu- oder wiederentdeckt wurden, sind mit entsprechenden Einzelnachweisen versehen. Stinkmorcheln (Phallus) weltweit Phallus anamudii Phallus atrovolvatus Phallus aurantiacus Phallus caliendricus Phallus calongei Phallus cinnabarinus Phallus coronatusYury A. Rebriev, Thi Ha Giang Pham, Alina V. Alexandrova: Phallus coronatus sp. nov. from Vietnam. Mycotaxon 127, 2014, S. 93–96. Phallus drewesii Phallus duplicatus Phallus echinovolvatus Phallus flavidus Phallus flavocostatus Phallus formosanus Phallus glutinolens Phallus granulosodenticulatusVagner G. Cortez, Iuri Baseia, Rosa Mara B. da Silveira: Two noteworthy Phallus from southern Brazil Mycoscience 52 (6) Phallus hadriani Phallus haitangensisHUILI LI, XUELAN MA, PETER E. MORTIMER, SAMANTHA C. KARUNARATHNA, JIANCHU XU & KEVIN D. HYDE: Phallus haitangensis, a new species of stinkhorn from Yunnan Province, China Phytotaxa 280 (2): 116–128Online Phallus impudicus Phallus indusiatus Phallus luteus Phallus macrosporus Phallus maderensis Phallus megacephalus Phallus mengsongensis Phallus merulinus Phallus minusculus Phallus multicolor Phallus nanchangensis Phallus ravenelii Phallus rubicundus Phallus rubrovolvatus Phallus serrata Phallus sulphureusT. R. Li, B. Song, B. Liu (2002). Three taxa of Phallaceae in HMAS, China. Fungal Diversity 11: 123-127. Phallus taibeiensis Phallus tenuis Phallus tenuissimus Phallus ultraduplicatusS. Adamčík, L. Cai, D. Chakraborty, X. H. Chen et al. 2015. Fungal Biodiversity Profiles 1-10. Cryptogamie Mycologie. 36 (2): S. 121-166

Namensherkunft Die wissenschaftliche Bezeichnung leitet sich von dem griechischen Wort phallos für männliches Glied ab und bezieht sich auf die Form des Fruchtkörpers.

Quellen Literatur German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.

Einzelnachweise Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).

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