Die 329. Infanterie-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ursprünglich wurde sie im Winter 1941 als eine von vier Sicherungs-Divisionen zur Unterdrückung von möglichen Aufständen in Deutschland (Unternehmen Walküre) aus Ersatz- und Ausbildungseinheiten aufgestellt.
Am 15. Dezember 1942 wurde der Verband in 329. Infanterie-Division umbenannt und wählte als Truppenkennzeichen einen von einem Blitzstrahl überlagerten Hammer. Ihr Spitzname wurde dementsprechend ebenfalls „Hammer“.
Geschichte
Aufstellung Die Division wurde im Dezember 1941 auf dem Truppenübungsplatz Groß Born aus Truppenteilen im Wehrkreis VI (Münster) aufgestellt.
Verlegung an die Ostfront Der Verband gelangte ab Februar 1942 in den Einsatz an der Ostfront.
Kessel von Cholm / IR 553 Das Infanterie-Regiment 553 wurde auf dem Marsch abgezweigt und per Lufttransport in den Kessel von Cholm zur Verstärkung der dort eingeschlossenen deutschen Truppen geflogen.
Die übrigen Teile der Division traten nach Eintreffen an der Front im Bereich der 16. Armee zum Unternehmen Brückenschlag an, dem Entsatzangriff der Stoßgruppe Seydlitz für die im Kessel von Demjansk eingeschlossenen II. und X. Armeekorps. Die Division wurde anschließend an verschiedenen Abschnitten des Frontvorsprungs eingesetzt. Im November 1942 wurde sie mit dem Grenadier-Regiment 553 wieder vereinigt. Nach Räumung der zur „Festung Demjansk“ erklärten Stadt Anfang 1943 nahm sie an den Abwehrkämpfen südlich des Ilmensees im Raum Staraja Russa teil. Im November 1943 wurde die Division in den Raum Newel verlegt, nachdem sowjetische Truppen hier die deutsche Front durchbrochen hatten. Zusammen mit der 81. Infanterie-Division sollte sie die abgerissene Verbindung zur Heeresgruppe Mitte wiederherstellen.
Panther-Stellung Im Februar 1944 begann der Rückzug auf die Panther-Stellung im Raum Pustoschka.
Die Rückzugskämpfe infolge der sowjetischen Operation Bagration führten die Division im Sommer 1944 über Sebesch, Ludza, Rēzekne, Ļaudona bis in den Raum Ērgļi, wo sie gegen die vorstoßenden sowjetischen Truppen im Rahmen des Unternehmens Doppelkopf einen letzten erfolgreichen Gegenangriff führte.
Kurland Über Jaunpils bezog die Division schließlich den Raum Auce (Autz) – Saldus (Frauenburg) im Kurland-Kessel.
Kapitulation Die Division kapitulierte als einer der wenigen noch kampffähigen Großverbände der Wehrmacht am 8. Mai 1945 als Teil der Heeresgruppe Kurland.
Unterstellung DatumKorpsArmeeHeeresgruppeDezember 1941 OKHJanuar 42 MarschverlegungNordMärz 42X.16. ArmeeJuli 42II.März 43X.April 43HöhneJuni 43X.Dezember 43VIII.April 44II.Juli 44X.August 4418. ArmeeOktober 44XXXVIII.Armeeabteilung GrasserNovember 44Armeeabteilung KleffelDezember 4416. ArmeeFebruar 45Kurland
Einsatzräume Im Einzelnen nahm die Division im Rahmen der Heeresgruppe Nord (später Heeresgruppe Kurland) an folgenden Operationen teilKlaus Pape, 329. Infanterie-Division: Cholm – Demjansk – Kurland, Scherzers Militaer-Verlag, ISBN 3-938845-10-4.:
ZeitraumBemerkungRaumDezember 1941BereitstellungGroß-BornFebruar 1942AnmarschBiałystok, Grodno, Vilnius, Dünaburg, Pskow, DnoFebruar bis November 1942nur Inf. Rgt. 553CholmMärz 1942Bereitstellungsraum „Stoßgruppe von Seydlitz“Sataroje, Sapoloseje, Dreckowo, Luchino, Tscherenzow, Zamoschze-Kalinow21. März 1942Angriff „Stoßgruppe von Seydlitz“Oschedsna, Tschuchnowo, Wystawka, Artemjewo25. März bis 18. April 1942Angriff „Stoßgruppe von Seydlitz“Potschze-Potschje, Ssokolowo, Lowatj-UferApril bis Juni 1942StellungsraumTjurikowo – Waretschtje – Kortschewka – Ilowez – Ssokolowo – Stiefelwald – Welikoj – Sselo – GoruschkaJuni/Juli bis November 1942StellungsraumSW StrelizySeptember 1942„Unternehmen Höcker“ (nur I.R. 551 und 552)Südl. Ssutschan-SumpfEnde September 1942„Unternehmen Michael“ (nur I./I.R. 551 und 10./A.R. 329)Südl. Frontabschnitt an Redja-LowatjMitte Oktober 1942„Unternehmen Puszta“Larinka-Höhengeländes bei StrelizyAb 12. November 1942VerlegungKoloma, Ignatizy, Demjansk, MamajewtschinaAb 18. November 1942 bis Februar 1943StellungsraumWelje-See – Dunajewschtschina – Issakowo – Suchaja – Wotischi – KirillowschtschinaAb 14. Februar 1943Räumung Brückenkopf DemjanskWiderstandslinien I – VIIIEnde Februar bis Mai 1943StellungsraumLowatj südostwärts Gluchaja Goruschka, Porussja bei Kriwawitzy, Karkatschewo, Ljachnowo, Redja bei Wjaski, Werewkino, Koslowoab 10. Mai 1943AuffrischungsraumWestl. des Ilmenseesab 24. Mai 1943StellungsraumStaraja Russa (ausschl.) – Schimskab November 1943RiegelstellungNewel, Enge zwischen Ruddo- und Uschtscho-Seeab 21. November 1943StellungsraumStraße Pustoschka – Newel von westlich Belonssowa – Nordwestrand Ruddo-See – Nordspitze Uschtscho-SeeMärz 1944„Pantherstellung“Welikaja-Mündung – Bystroje-See – Wald ostwärts Kotowa – Ostrand Worssina – l km ostwärts Norkino – Frolowo – Star. Pustoschka – Mitte Dolossy-See – Dolossy – Novosselje – Nesterowo – l km ostwärts RasgulinaJuli 1944„Reiherstellung“Rückzug beiderseits PustoschkaJuli 1944„Lettlandstellung“südlich Sebesch über Malkowo, Bhf. Sawarnja nach Osten vorbiegend, dann nach Norden verlaufend über Lewnowo und BorkiJuli 1944 Lagarinka-Sebesch – Nasarowo – Rubanowo – ostwärts Jeremkono – Grumady – südlich Kyskowo Sebesch, Ludza, Rēzekne, Ļaudona bis in den Raum ĒrgļiJuli 1944„Rosittenstellung“ĻaudonaAugust 1944Stellungsraumostwärts und südlich BērzauneAugust 1944StellungsraumVerlegung über Odziena über Irši in Raum Sausieja westlich Ērgļi, Brückenkopf an der OgreAugust 1944StellungsraumRaum Sausieja westlich Ērgļi, Brückenkopf an der OgreSeptember 1944Rückzug„Schwanenburgstellung“ – „Wendenstellung“ – „Segewoldstellung“ – „Tukkumstellung“Oktober 1944AuffrischungAuceNovember 1944Stellungsraum„Brunhildenstellung“November 1944SammelraumRaum Brocēni, nordostwärts FrauenburgNovember 1944Stellungsraumnordostwärts Ezere – südostwärts KursīšiFebruar 1945StellungsraumFrontverlängerung über Jegles hinaus nördlich Dangas bis in Höhe Pampaļibis 8. Mai 1945StellungsraumPlanki – Kini – Ratinieky Kesteri – nördlich Striki
Gliederung
Die Division führte im Zuge ihres Einsatzes zahlreiche Umgliederungen und Erweiterungen durch. Unter anderem wurden nach schweren Verlusten im September 1944 das Grenadier-Regiment 553 aufgelöst und stattdessen Teile der 21. Luftwaffen-Felddivision als „Luftwaffen-Regimentsgruppe 21“ eingegliedert. Bereits im Herbst 1943 war sie zu einer „Division neuer Art 44“ umgruppiert worden. Im Wesentlichen bildeten 1942–1945 folgende Verbände den Kern der Division:
Kampftruppen Infanterie-/Grenadier-Regiment 551 Infanterie-/Grenadier-Regiment 552 Infanterie-/Grenadier-Regiment 553, 1944 ersetzt durch Luftwaffen-Regimentsgruppe 21 Panzerabwehr-Abteilung 329 Schnelle Abteilung/Füsilier-Bataillon 329 Aufklärungsabteilung 329 Sturmgeschütz-Kompanie 329 (Sommer 1944) Kampfunterstützungstruppen Artillerie-Regiment 329 Pionier-Bataillon 329 Führungstruppen Nachrichten-Abteilung 329 Versorgungstruppen Feldersatz-Bataillon 329 Versorgungs-Rgt. 329
Kommandeure DienstgradNameDatumGeneralleutnantHelmuth Castorf30. Dezember 1941OberstBruno Hippler7. März 1942OberstJohannes Mayer22. März 1942GeneralleutnantPaul Winter9. August 1943GeneralleutnantJohannes MayerSeptember 1943Oberst d.R.Werner Schulze16. Juli 1944GeneralleutnantKonrad Menkel20. Oktober 1944Generalmajor d.R.Werner Schulze1. Januar 1945GeneralleutnantKonrad MenkelMai 1945
Träger des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes NameAuszeichnungDatumDienststellungBemerkungMayer, JohannesRitterkreuz13. September 1941Oberst, Kdr. I.R.501 Eichenlaub (453.)12. April 1944Generalleutnant, Kdr. 329. I.D. Schwerter (89.)23. August 1944Generalleutnant, Kdr. 329. I.D.Schulze, WernerRitterkreuz16. März 1942Major d.R., Btl. Kdr. I.R. 510 Eichenlaub (557.)23. August 1944Oberst d.R., Kdr.G.R. 551Klein, HermannRitterkreuz25. April 1944Oberleutnant d.R., Rgt.Adj. G.R. 551 Eichenlaub (567.)23. August 1944Hauptmann d.R.vermisst seit 18. August 1944Söchting, FritzRitterkreuz16. April 1943Gefreiter, 3./Schnelle Abt. 329Rinke, Karl-EberhardRitterkreuz28. April 1943Oberleutnant, Kp.Chef G.R. 552Schulz-Lepel, Karl-HeinzRitterkreuz13. September 1943Oberleutnant, Kp.Chef G.R. 552Drees, Karl-HeinzRitterkreuz25. Februar 1944Gefreiter, 14. (Pz.Jäg.)/G.R. 552Doering, ErnstRitterkreuz16. März 1944Rittmeister, Kdr. Füs. Btl. 329Müller, GünterRitterkreuz19. August 1944Hauptmann, Btl.Kdr. G.R. 551gefallen am 23. August 1944 bei Tukums/LettlandGranitza, BrunoRitterkreuz21. September 1944Hauptmann, Batteriechef A.R. 329am 8. Mai 1945 bei der Kapitulation bei Saldus-Goldingen/Lettland von den sowjetischen Truppen erschossenBeutner, ManfredRitterkreuz30. September 1944Major und Führer einer KampfgruppeJanz, SiegfriedRitterkreuz5. November 1944Obergefreiter und Gruppenführer 1./Jg.Rgt. 42 (L)Klos, OttoRitterkreuz9. Dezember 1944Hauptmann, Kdr.Füs.Btl. 329im Bereich der 21. Luftwaffen-FelddivisionPodrassa, ReinholdRitterkreuz31. Januar 1945Unteroffizier, Zugführer 3./G.R. 551Wiese, HubertRitterkreuz5. Mai 1945Oberst, Kdr. G.R. 552
Gedenken Das 1961 als Gedenkstätte gestaltete „Ehrenmal“ der Division befindet sich auf dem Waldfriedhof Lauheide bei Handorf zwischen Münster und Telgte. Die Anlage erhielt im Januar 2019 größere Beachtung, als rund 50 Neo-Nazis sie für ein „Heldengedenken“ nutzten. Als Reaktion erstattete die Stadt Münster Strafantrag und kündigte an, auch die auf dem Friedhof liegenden „Ehrengräber“ von NS-belasteten Personen wie Fritz Schmidt und Gerhard Glokke überprüfen zu wollen.
Literatur Haupt, Werner: Demjansk – Ein Bollwerk im Osten, Bad Nauheim 1963. Haupt, Werner: Heeresgruppe Nord, Bad Nauheim 1967. Haupt, Werner: Kurland 1944/45 – die vergessene Heeresgruppe, Friedberg 1979. Haupt, Werner: Leningrad, Wolchow, Kurland, 1976. Pape, Klaus: 329. Infanterie-Division: Cholm – Demjansk – Kurland, Scherzers Militaer-Verlag, ISBN 3-938845-10-4.
Weblinks 329. Infanterie-Division Kurland-Kessel 1944/1945, abgerufen am 21. Dezember 2008. (PDF; 461 kB), Nafziger Collection, Combined Armed Research Library.
Einzelnachweise
Kategorie:Infanteriedivision (Wehrmacht) Kategorie:Gegründet 1941 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Division der 17. Aufstellungswelle