Martin Fourcade (* 14. September 1988 in Céret) ist ein ehemaliger französischer Biathlet. Er gehört zu den erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten. Er wurde sechsmal Olympiasieger, 13-mal Weltmeister und siebenmal Gewinner der Weltcup-Gesamtwertung. Hinzu kommen 15 weitere WM-Medaillen und eine weitere olympische Medaille.
Herkunft, Kindheit und Privatleben Martin Fourcades Vater war ursprünglich Schwimmlehrer in Perpignan, zog aber dann in die Pyrenäen, um Bergführer zu werden. Von seinen Eltern übernahm Martin die Liebe zur Natur und zu Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Klettern und Mountainbiking.Martin Fourcade. In: Internationales Sportarchiv 40/2015 vom 29. September 2015, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 11/2017 (abgerufen via Munzinger Online).
Fourcade hat zwei Brüder, darunter Simon, der ebenfalls als Biathlet aktiv war. Beide besuchten das Pierre-de-Coubertin-Sportgymnasium in Font-Romeu, später die Gebirgs-Militärschule EMHM in Chamonix und wurden Mitglieder der französischen Armeeauswahl.
Martin Fourcade ist mit der Lehrerin Hélène liiert und lebt in Villard-de-Lans.Martin Fourcade: La star des JO réconciliée avec son frère, médaille d'or en vue bei purepeople.com, 7. Februar 2014 (abgerufen am 19. März 2017). Aus der Verbindung gingen zwei Töchter (geboren 2015 und 2017) und ein Sohn (geboren 2022) hervor. bei biathlon-news.de, 16. September 2015 (abgerufen am 19. März 2017).
Karriere Anfänge und erste Saison im Weltcup Nach dem Umzug der Familie in den Wintersportort La Llagonne (Département Pyrénées-Orientales), begann Fourcade dem Skilanglauf nachzugehen. Durch seinen Bruder Simon kam er 2002 zum Biathlon. Er startet für den Club Ski Nordique Villard de Lans und wird von Stéphane Bouthiaux trainiert. Seit 2002 gehört er dem französischen Nationalkader an und ab 2006 startete er in internationalen Juniorenwettbewerben. Erster Höhepunkt war die Teilnahme an den Juniorenweltmeisterschaften 2007 in Martell. Fourcade wurde Fünfter im Einzel sowie Neunter in Sprint und Verfolgung. Gekrönt wurden diese Leistungen durch den Gewinn der Bronzemedaille in der Staffel. Weitere gute Ergebnisse folgten ein Jahr später bei den nächsten Weltmeisterschaften in Ruhpolding. Dort wurde er Achter im Einzel, Zehnter in der Verfolgung, Elfter im Sprint und Fünfter mit der französischen Juniorenstaffel. Im Junioren-Europacup erreichte Fourcade bis 2008 vier Podiumsplatzierungen und gewann dabei ein Sprintrennen in Cesana San Sicario. Bei den Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften 2008 gewann er in Haute-Maurienne bei den Wettbewerben der Junioren mit den Skirollern Gold im Einzel, wurde Vierter in der Verfolgung und gewann mit der Mixed-Staffel Silber.
Recht erfolgreich verlief Fourcades erster Wettbewerb im Erwachsenenbereich. Bei den Biathlon-Europameisterschaften 2008 in Nové Město na Moravě wurde er 23. im Einzel, 18. im Sprint, Neunter der Verfolgung sowie Achter im Staffelwettbewerb. Sein Debüt im Biathlon-Weltcup gab Fourcade beim Finale der Saison 2007/08 am Holmenkollen in Oslo. Er wurde 61. im Sprint und verpasste eine erstmalige Teilnahme an der Verfolgung nur um einen Platz. Zur Saison 2008/09 wurde Fourcade in den französischen Weltcup-Kader aufgenommen, war aber zu Beginn nur im Biathlon-Europacup aktiv. Beim dritten Weltcup-Event der Saison in Hochfilzen erhielt er seine erste Bewährungschance und gewann als 36. im Einzel erste Weltcuppunkte. Im folgenden Sprintrennen kam er auf Rang zehn. Bis zum Saisonende landete Fourcade bei 13 weiteren Rennen unter den ersten 25 – das beste Ergebnis war dabei ein achter Platz in der Verfolgung bei den Weltmeisterschaften in Pyeongchang. Mit diesen konstanten Leistungen etablierte er sich im französischen Kader und beendete seine erste Weltcupsaison mit 345 Punkten auf Platz 24 – als zweitbester Franzose hinter seinem Bruder Simon.
Saison 2009/10 – Erste Weltcupsiege und Goldmedaille bei den Olympischen Spielen In der Saison 2009/10 gelang Fourcade der endgültige Durchbruch in die Weltspitze. Er wurde durchgehend im Weltcup eingesetzt und gehörte zu den Stammläufern der französischen Staffel. Schon beim Saisonauftakt in Östersund lief er mit Platz 7 und 8 in Einzel und Sprint zweimal in die Top Ten und gewann außerdem erstmals ein Staffelrennen. Rechtzeitig vor den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver steigerte er seine Leistungen weiter und erzielte in den fünf Rennen vor den Spielen immer eine Top-Ten-Platzierung. Die Olympischen Spiele begannen für Fourcade aber im Vergleich eher enttäuschend, da er weder in Sprint (Platz 35), Verfolgung (Platz 34) oder Einzel (Platz 14) eine herausragende Platzierung erreichte. Zum Abschluss der Einzelwettbewerbe feierte er dann aber doch noch seinen größten bisherigen Karriereerfolg, indem er im Massenstart die Goldmedaille gewann. Diese bekam er, aufgrund einer Dopingdisqualifikation des vor ihm liegenden Russen, erst 2026 in Antholz bei den Winterspielen Mailand Cortina 2026 verliehen. An diese Leistung knüpfte Fourcade nach Olympia weiter an, als er in Kontiolahti im Sprint als Dritter einen Podestplatz errang. In der Verfolgung schaffte er dann den Sprung nach ganz vorne und gewann das erste Weltcuprennen seiner Karriere. Bei der vorletzten Weltcup-Station am Osloer Holmenkollen legte er nach und siegte sowohl im Sprint als auch in der Verfolgung. Durch den Sieg im Jagdrennen verdrängte er in der Disziplinwertung des Verfolgungsweltcups den bis dahin führenden Simon Eder noch vom ersten Platz und sicherte sich die kleine Kristallkugel mit nur einem Punkt Vorsprung vor dem Österreicher. Im Gesamtweltcup erreichte er mit seinen drei Saisonsiegen und insgesamt fünf Podestplätzen 719 Punkte und damit Platz 5 in der Endabrechnung.
Saison 2010/11 – Erster Weltmeistertitel In der Saison 2010/11 machte Martin Fourcade einen weiteren Schritt nach vorne. Zum Saisonauftakt in Östersund fuhr der Franzose zwei dritte Plätze in Einzel und Sprint ein. Bis zu den Weltmeisterschaften in Chanty-Mansijsk folgten sieben weitere Podestplätze, darunter auch seine ersten beiden Siege im Massenstart. Bei den Weltmeisterschaften wurde Fourcade zu einem der bestimmenden Athleten und gewann insgesamt drei Medaillen. Eine Silbermedaille im Sprint und ein dritter Platz in der Mixed-Staffel wurden dabei von der ersten Goldmedaille seiner Karriere in der Verfolgung gekrönt. Zum Abschluss der Saison erreichte er noch einen weiteren Podestplatz beim Weltcupfinale in Oslo und erhöhte damit seine Ausbeute an Podiumsplätze in dieser Saison auf 12. Hinter Tarjei Bø und Emil Hegle Svendsen reichte dies mit 990 Punkten zum dritten Platz im Gesamtweltcup in seiner zweiten vollen Saison.
Saison 2011/12 – Erfolg im Gesamtweltcup und drei Goldmedaillen Seine bis dahin beste Saison erlebte Martin Fourcade 2011/12. Gleich zum Saisonauftakt in Östersund sicherte er sich zwei Siege in drei Rennen und übernahm somit auch das gelbe Trikot des Führenden im Gesamtweltcup. Im Laufe der Saison lieferte sich Fourcade einen Zweikampf mit dem Norweger Emil Hegle Svendsen um die Führung im Gesamtklassement. Nach dem Jahreswechsel musste Fourcade in Oberhof ein Rennen auslassen und verlor somit auch die Führung an Svendsen. Mit guten Ergebnissen bei den folgenden Weltcuprennen eroberte er das gelbe Trikot zurück und startete als einer der Mitfavoriten bei den Weltmeisterschaften 2012 in Ruhpolding, wo er jedoch zum Auftakt als Schlussläufer der Mixed-Staffel keine Medaille gewann. Zu Beginn der Einzelrennen gelang ihm der Sieg im Sprint vor seinem Dauerrivalen Svendsen. Somit ging er als Erster ins anschließende Verfolgungsrennen und gewann auch dort, diesmal vor dem Schweden Carl Johan Bergman, die Goldmedaille, nachdem er ihn auf der Schlussrunde hatte abhängen können. Im Einzelrennen landete Fourcade nur auf dem 25. Rang. In der darauffolgenden Staffel ging Fourcade in Führung liegend als Schlussläufer an den Start. Es kam erneut zum direkten Duell mit Emil Hegle Svendsen. Beim letzten Schießen musste er dreimal nachladen, während Svendsen ohne Fehlschuss blieb, für die norwegische Staffel die Führung übernahm und diese bis zum Ende vor Fourcade verteidigte. Beim abschließenden Massenstartrennen war Martin Fourcade trotz zweier Schießfehler zum dritten Mal bei den Titelkämpfen erfolgreich, nachdem er sich auf der Schlussrunde gegen den fehlerfrei gebliebenen Schweden Björn Ferry durchgesetzt hatte. Mit drei Gold- und einer Silbermedaille war er der erfolgreichste Athlet der Titelkämpfe. Zudem baute er die Führung im Gesamtklassement aus, da die Weltmeisterschaften auch für die Weltcupwertung mitzählten. Beim Saisonfinale im russischen Chanty-Mansijsk sicherte sich Fourcade mit zwei Siegen bereits frühzeitig den Sieg in der Gesamtwertung und entschied zugleich auch Sprint- und Verfolgungsweltcup für sich. Nach Patrice Bailly-Salins sowie dem vierfachen Sieger Raphaël Poirée ist Fourcade damit der dritte Franzose, der den Sieg im Gesamtweltcup erreichte.
Saison 2012/13 – Rekordsaison und zweiter Gewinn des Gesamtweltcups Die Saison 2012/13 begann für Fourcade mit zwei Siegen (im Einzel und in der Verfolgung) beim Weltcupauftakt in Östersund. Bis zum Jahresende holte er vier weitere Podestplätze in fünf Wettbewerben bei den Weltcups in Hochfilzen und Pokljuka und ging mit der Führung im Gesamtweltcup in das Jahr 2013. Dieses begann für Fourcade mit einer Schulterverletzung, die er sich bei der World Team Challenge zugezogen hatte. Aufgrund dieser Verletzung nahm er an den Rennen in Oberhof nur bedingt teil und erreichte keine Top-10-Plätze. Zurück auf die Siegesspur fand Fourcade eine Woche später beim Weltcup in Ruhpolding, wo er sowohl in Sprint und Massenstart als auch mit der Mannschaft in der Staffel erfolgreich war. Die Weltmeisterschaften in Nové Město na Moravě startete für Fourcade mit einer Silbermedaille in der Mixed-Staffel. Zwei Tage später freute er sich erneut über eine Silbermedaille, welche er im Sprint gewann. Bei der darauffolgenden Verfolgung erreichte er erneut den zweiten Rang, wobei er sich wie schon im Sprint dem Norweger Emil Hegle Svendsen denkbar knapp geschlagen geben musste. Wenige Tage später errang Fourcade seinen ersten Titel dieser Weltmeisterschaften durch einen Sieg im Einzel, womit er in seiner Karriere nun mindestens eine WM-Goldmedaille in allen vier Individualdisziplinen gewann. In der Herrenstaffel errang Fourcade mit seinen Teamkollegen erneut eine Silbermedaille. Im Massenstart, als letztem Event der Weltmeisterschaften, gewann Fourcade erstmals keine Medaille. Insgesamt war Fourcade der fünfterfolgreichste Biathlet der Weltmeisterschaften und der erfolgreichste Nichtnorweger.