Sami Frey [sami fʁɛ] (geboren als Samuel Frei 13. Oktober 1937 in Paris) ist ein französischer Schauspieler.
Leben und Schaffen Freis Eltern waren jiddischsprachige Juden aus Polen. Sein Vater war Arbeiter in einer Gummifabrik und starb 1940 an den Fabrikationsdämpfen. Seine Mutter wurde 1942 von den Deutschen deportiert, und er wurde zunächst von seiner Großmutter versteckt und wuchs nach deren Deportation bei einer Tante in Rodez auf. Um sich nicht zu verraten, wurde ihm ein Sprechverbot auferlegt, und sein Name wurde in Camille Frey geändert. Später, nach der Befreiung Frankreichs, kehrte Frey nach Paris zurück und besuchte dort den renommierten Cours Simon, um Schauspieler zu werden. mini|hochkant|Sami Frey mit Brigitte Bardot, 1963
Im Jahr 1956 erhielt Frey in Die Wölfe von Robert Hossein seine erste größere Filmrolle, nachdem er ein Jahr zuvor, nur 17-jährig, eine winzige Rolle in dem Monumentalfilm Napoleon gehabt hatte. Bekannt wurde er als Liebhaber der von Brigitte Bardot verkörperten Hauptfigur in Henri-Georges Clouzots Die Wahrheit (1960); seine private Liebesaffaire mit Bardot verlieh ihm zusätzlich Aufmerksamkeit in den Medien. 1962 spielte er in Mittwoch zwischen 5 und 7 von Agnès Varda, einer prominenten Vertreterin der Nouvelle Vague.
In den 1960er und 1970er Jahren war Frey in vielen französischen Filmen in Haupt- und Nebenrollen zu sehen, darunter Die Tat der Thérèse D. (1962, nach François Mauriac) und Die Außenseiterbande (1964) von Jean-Luc Godard, wo er einen Möchtegern-Gangster in einer Ménage-à-trois mit Claude Brasseur und Anna Karina gab. Weitere Erfolge hatte er mit Claude Sautets César und Rosalie (1972) mit Yves Montand und Romy Schneider und mit der Komödie Warum nicht! (1977) von Coline Serreau, auch dies Dreiecksgeschichten, sowie in Kostümfilmen wie Angélique und der König in der beliebten Angélique-Reihe.
In den 1980er Jahren spielte er unter anderem den blinden Geliebten von Isabelle Adjani in Das Auge (1983) und das Beinahe-Opfer von Theresa Russell in Die schwarze Witwe (1987). Sein US-amerikanisches Filmdebüt gab er 1984 in Die Libelle.
In den 1990er Jahren trat er als Antonin Artaud in dem biografischen Spielfilm En compagnie d’Antonin Artaud (1993) und an der Seite von Sophie Marceau als Aramis unter der Regie von Bertrand Tavernier in D’Artagnans Tochter (1994) auf. Mit Marceau war er 2005 auch in dem Thriller Anthony Zimmer (Fluchtpunkt Nizza) von Jérôme Salle zu sehen.
Abseits der Kinoleinwand ist Frey in Frankreich vor allem als Bühnenschauspieler bekannt, der sowohl in klassischen wie in modernen Stücken, auf Theaterfestivals wie auf experimentellen Bühnen, überwiegend in Paris, aufgetreten ist. So spielte er 1962 in Im Dickicht der Städte von Bertolt Brecht im Théâtre des Champs-Élysées, 1963 unter der Regie von Jean-Louis Barrault in Der seidene Schuh von Paul Claudel am Théâtre de l’Odéon, 1966 in Jean Racines Bérénice am Théâtre National Populaire Villeurbanne, 1970 in Der Einäugige ist König von Carlos Fuentes auf dem Festival von Avignon und 1973 in Toller von Tankred Dorst in einer Inszenierung von Patrice Chéreau am TNP Villeurbanne. Im Jahr 1984 inszenierte er Betrogen von Harold Pinter am Théâtre des Célestins, 1988 Ich erinnere mich nach Georges Perec mit dem TNP Villeurbanne auf dem Festival von Avignon. Mit Jeanne Moreau las er 2007/2008 Quartett von Heiner Müller, wieder auf dem Festival von Avignon sowie im Théâtre de la Madeleine in Paris, und im Jahr 2021, allein, aus Ein Lebender geht vorbei von Claude Lanzmann im Théâtre de l’Atelier.
Nach kürzeren Liebesbeziehungen mit Pascale Audret und Brigitte Bardot Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre war Sami Frey etwa zwanzig Jahre der Lebenspartner der Schauspielerin Delphine Seyrig.
Filmografie (Auswahl)
Auszeichnungen 1993: Bayard d’Or in der Kategorie Bester Darsteller beim Festival International du Film Francophone de Namur (Belgien) für En compagnie d’Antonin Artaud 1998: Ritter der Ehrenlegion 2002: Commandeur des Ordre des Arts et des Lettres
Literatur Claude Lanzmann: Sami Frey (1962), in: Das Grab des göttlichen Tauchers. Ausgewählte Texte. Übersetzung Erich Wolfgang Skwara. Reinbek: Rowohlt, 2015, S. 103–115
Weblinks
Sami Frey auf allocine.fr (französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Mann