mini|Ein X2000 in ehemaliger Farbgebung (2005) SJ X2 ist eine Baureihe von Hochgeschwindigkeitszügen der schwedischen Staatsbahngesellschaft SJ AB. Die Züge sind allgemein unter dem geschützten Markennamen X2000 bekannt.
Geschichte Durch die im Vergleich zu Mitteleuropa gänzlich andere Siedlungsstruktur in Schweden bot es sich nicht an, kostspielige Hochgeschwindigkeitsstrecken zu bauen. Die hügelige und bergige Landschaft Schwedens würde Neubaustrecken zusätzlich verteuern. So hätte eine solche Neubaustrecke zwischen Stockholm und Göteborg, den zwei größten Städten Schwedens, inklusive der Fahrzeuge in den 1990er Jahren rund neun Milliarden schwedische Kronen gekostet.
Daher entschieden sich die Schwedischen Staatsbahnen (SJ) für einen Triebzug der Baureihe X2 mit Neigetechnik, mit dem bestehende Strecken schneller befahren werden können. Die Bezeichnung X2000 wurde als Produktname des Hochgeschwindigkeitsverkehrs gewählt. Sie wird in Schweden gleich verwendet wie die Bezeichnung ICE in Deutschland für den Hochgeschwindigkeitsverkehr der Deutschen Bahn.
Bis 1989 waren 20 Triebzüge bestellt. Die Züge sind vollklimatisiert und waren zu Beginn mit einem fest installierten Mobiltelefon ausgerüstet. Die vorgesehene fahrplanmäßige Höchstgeschwindigkeit lag bei 200 km/h, die Züge waren technisch für 210 km/h ausgelegt. Zehn der zwanzig Einheiten waren für die Strecke Stockholm–Göteborg bestimmt, weitere Garnituren sollten auf den Strecken Stockholm–Malmö und Stockholm–Östergötland eingesetzt werden. Die Züge wurden im Werk Västerås der ABB zu einem Stückpreis von 100 Millionen Schwedischen Kronen gebaut; die Entwicklung der Züge hatte bis 1989 zwei Milliarden Kronen gekostet.Meldung In Schweden bald Tempo 200. In: Die Bundesbahn. Nr. 12, 1989, S. 1116 f.
Mitte 1991 wurde eine von ABB zur Verfügung gestellte X-2000-Einheit im Netz der Deutschen Bundesbahn technisch erprobt. Die Probefahrten erfolgten auf der Strecke zwischen Trier und Saarbrücken sowie im Raum Stuttgart. Die DB rechnete auf etwa zehn deutschen Strecken mit wirtschaftlich sinnvollen Einsatzmöglichkeiten.Mit acht Grad Neigung in die Kurve. In: Die Bahn informiert. Heft 4/1991, September 1991, S. 15, .
Ein X2-Triebzug stellte mit 276 km/h einen Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge in Schweden auf. Dieser wurde am 26. Juli 2006 durch einen 281 km/h schnellen Regina-Triebzug überboten.
Betriebsbeginn 1990 und weitere Bestellungen Im September 1990 nahm die Gesellschaft den Betrieb auf der Strecke Stockholm–Göteborg auf. Die erste Serie von 20 Einheiten wurde bis 1994 ausgeliefert.Meldung Schwedische Staatsbahn bestellt 14 weitere ABB X2000. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Jahrgang 1993, Heft 3, S. 127 2006 verkehrten die X2 auf mehreren Strecken, zum Beispiel von Kopenhagen in Dänemark bis Härnösand in Nordschweden.
X2-2 Anfang 1993 bestellte das Unternehmen 14 Kurzzüge mit je einem Triebkopf, zwei Mittelwagen und einem Steuerwagen (Auftragsvolumen: 220 Millionen D-Mark) für den Einsatz auf der Kust till kust-bana Göteborg–Kalmar/Karlskrona, verbunden mit einer Option auf 15 weitere Garnituren. Die Baureihenbezeichnung X2-2 (X2 minus 2 wegen der beiden fehlenden Mittelwagen gegenüber der Langgarnitur) wurde nicht angeschrieben, die Züge erhielten zur Unterscheidung einen roten Streifen. Der Fernverkehr nahm jedoch stark zu und so wurden alle Züge auf den Hauptstrecken benötigt. Ende der 1990er Jahre wurden daher die X2-2-Züge mit zusätzlichen Mittelwagen auf die übliche Länge umgestellt.
Mitte der 1990er Jahre wurden einige Züge um einen siebenten Mittelwagen verstärkt. Heute verkehren die Garnituren als fünf- und sechsteilige Züge.
Ende 1995 bestellten die SJ sieben weitere X2-Triebköpfe sowie 28 Mittelwagen. Das Auftragsvolumen lag bei umgerechnet rund 200 Millionen D-Mark, die Auslieferung der ersten Fahrzeuge war für Juli 1996 geplant. Darüber hinaus bestand eine Option zur Lieferung von sechs zusätzlichen Zügen gleichen Typs sowie verschiedenen Varianten für den Auslandsverkehr.Meldung Schwedische Staatsbahnen ordern weitere X 2000-Hochgeschwindigkeitszüge (sic!). In: Eisenbahntechnische Rundschau. 45, Nr. 1/2, 1996, S. 4.
Einsatz im Ausland
Amtrak mini|X2000 während der Demonstrationstour durch Nordamerika im Mai 1993 Die amerikanische Eisenbahngesellschaft Amtrak suchte Anfang der 1990er Jahre Fahrzeuge für den Northeast Corridor zwischen Boston, MA und Washington, DC. Zur Erprobung und Demonstration wurde neben einem deutschen ICE 1 eine X2-Garnitur von den SJ ausgeliehen. Der Zug wurde einige Wochen im Reisezugverkehr an der Ostküste eingesetzt, bevor er auf einer Rundtour durch die USA der Bevölkerung vorgestellt wurde.
Unterwegs war eine Garnitur aus einem Triebkopf (X2 2013), drei Zwischenwagen erster Klasse (UA2 2718, UA2 2719 und UA2 2810), einem Bistrowagen (UAR2 2609) und einem Steuerwagen (UA2X 2511).https://railroads.dot.gov/sites/fra.dot.gov/files/fra_net/15225/PB93194645.pdf Da die Strecke von New Haven bis Boston zu der Zeit noch nicht elektrifiziert war, wurde der Zug in diesem Abschnitt mit zwei umlackierten RTL-Turboliner-Triebwagen gezogen respektive geschoben. Für die Rundtour durch die Vereinigten Staaten wurden dann hingegen zwei EMD F40PH zusammen mit einem Gepäckwagen eingesetzt.
NSB Norges Statsbaner BA liehen Ende 1996 gegen eine Gebühr von umgerechnet rund zwei Millionen D-Mark eine X2-Garnitur der SJ aus. Der Triebzug kam bis 21. Dezember auf der Strecke Oslo–Kristiansand zum Einsatz und legte dabei die 353 km lange Strecke in einer Fahrzeit von drei Stunden und 48 Minuten zurück. Bis dahin lag die Reisezeit bei vier Stunden und 24 Minuten. Die damaligen Planungen der NSB sahen vor, sechs oder sieben Neigezüge ab 1999 auf der Strecke im Regeldienst einzusetzen. Weitere Strecken waren geplant.Meldung X2000 in Norwegen und Schweden. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 45, Nr. 12, 1996, S. 741. Die NSB verwenden seit 1999 Neigezüge der Baureihe Type 73 im Regeldienst.
Linx mini|links|Linxtåg in Malmö C In den Jahren 2000 bis 2004 wurden siebenMeldung X2000 für Kopenhagen–Oslo. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2002, , S. 518. Einheiten (X2 2029–2031, 2034, 2035, 2038 und 2042) von der privaten Bahngesellschaft Linx betrieben. Diese setzte sie zwischen Oslo, Göteborg, Malmö und Kopenhagen ein. Linx war ein Joint-Venture zwischen den SJ und den Norges Statsbaner. Das vorzeitige Ende kam, als die SJ die Züge auf rentableren Verbindungen in Schweden einsetzen wollte. Ein weiterer Grund war ein spürbarer Fahrgastrückgang auf diesen Verbindungen, bedingt durch die Billigflugkonkurrenz.
CX2 mini|links|Der CX2 in China Ab Sommer 1998 sollte ein X 2 als erster Hochgeschwindigkeitszug in der Volksrepublik China verkehren. Dazu hatte der Hersteller eine Einheit (CX2 2088, UB2FK 2883–2886, UBS2FK 2922 und CUB2XFK 2545) auf eigene Rechnung gebaut und im Januar 1998 von Göteborg aus verschiffen lassen. Nach einer dreimonatigen Test- und Abnahmephase sollte der Zug zwei Jahre lang auf der Guangshen Railway zwischen Guangzhou und Hongkong verkehren. Eine Rückkehr des für das chinesische Bahnstromsystem angepassten Zuges galt Anfang 1998 als unwahrscheinlich.Meldung X 2000 nach China. In: Eisenbahn-Revue International, Ausgabe 3, 1998, , S. 105 Der Planverkehr unter der Bezeichnung Xinshisu dauerte bis 2007 an. Danach wurde die Einheit nach Sichuan überführt, dort jedoch wegen eines Erdbebens 2008 nicht mehr in Betrieb genommen. 2012 wurde der Zug von den SJ erworben und nach Schweden zurückgeführt. Dort wurden die Zwischenwagen der X2-Serie angepasst und in UA2 2883–2886 und UB2 2922 umgezeichnet. Der Triebkopf und der Steuerwagen wurden abgestellt und 2012 im Sveriges Järnvägsmuseum in Gävle der Öffentlichkeit präsentiert.
Geschwindigkeitserhöhung und Alternativen mini|Logo von Statens Järnvägar am Triebkopf eines X2 (2007) Für die Botniabanan wurde erwogen, die Höchstgeschwindigkeit der Triebzüge auf 250 km/h zu erhöhen. Nachdem Untersuchungen von Bombardier für die dazu notwendige Umrüstung Kosten in Höhe einer halben Milliarde Schwedischer Kronen (rund 53 Millionen Euro) ergeben hatte, wurde dieses Vorhaben Ende 2005 verworfen. Stattdessen sollten binnen fünf Jahren neue, für 250 km/h geeignete Triebzüge unter der Bezeichnung Gröna Tåget beschafft werden. Ein Kauf von ICE- oder TGV-Zügen wurde aufgrund des vergleichsweise großzügigen schwedischen Lichtraumprofils nicht weiter erwogen, um Komforteinbußen zu vermeiden.Meldung Keine Geschwindigkeitserhöhung für X 2000. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 1/2006, , S. 35.
Ausstattung mini|Innenraum eines Mittelwagens zweiter Klasse Der Zug besteht normalerweise aus einem Triebkopf mit vier bis fünf Mittel- und einem Steuerwagen. In einem der Mittelwagen befindet sich ein Zugrestaurant. Die Vielfachsteuerung ermöglicht, zwei Einheiten zu kuppeln. Damit entsteht ein Zug mit elf Wagen und zwei Triebköpfen. Übergangsmöglichkeiten zwischen beiden Einheiten gibt es jedoch nicht. Die Linx-Züge fuhren mit nur vier Mittelwagen.
Die fünfteiligen Einheiten bieten 261 Reisenden Platz, die sechsteiligen 309. Zwei weitere Plätze stehen für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. Der erste-Klasse-Anteil ist mit zwei Wagen ungewöhnlich hoch. Weil die Auslastung dem nicht entsprach und gleichzeitig die Nachfrage in der zweiten Klasse das Angebot überstieg, wurde der erste-Klasse-Bereich flexibel und ohne wagenbauliche Änderungen bis auf einen halben Wagen verkleinert. Die erste Klasse wird durch die im Fahrpreis enthaltene Verpflegung am Platz definiert. Allen Fahrgästen steht ein Bistro mit Selbstbedienung zur Verfügung, welches in der Hälfte des Wagens 4 jeder Garnitur untergebracht ist.
Anfang 2005 lief die erste Modernisierung der X-2000-Flotte an. Dabei erhielten die Züge einen neuen Anstrich sowie eine neue Inneneinrichtung. Der erste Zug wurde ab 16. Februar 2005 im Fahrgastbetrieb eingesetzt.Meldung Neu gestalteter X 2000. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2005, , S. 190. Bei unveränderter SitzplatzzahlMeldung Erfolgreiches Jahr für SJ. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 2/2006, , S. 87. wurden im Rahmen des Redesigns alle Züge mit WLAN ausgestattet und mit einer neuen Farbgebung in grau (zuvor weiß-blau) versehen. Es wurden außerdem Verstärker eingebaut, um den Empfang mit Mobiltelefonen zu verbessern.
Die Mitnahme von Fahrrädern ist in den X2 nicht zugelassen.
Technik mini|Ein X2 im Bahnhof Lund C Jeder Triebkopf besitzt vier Drehstrom-Asynchronmotoren. Die Steuerung erfolgt mittels GTO-Thyristoren mit einer Frequenz zwischen 0 und 120 Hz. Die maximale Achslast liegt bei 18,5 Tonnen.
Die Neigetechnik wird richtungsabhängig von einem Beschleunigungsmesser im führenden Fahrzeug gesteuert. Der Neigungswinkel ist abhängig von Geschwindigkeit und Bogenradius, er wird in jedem Wagen an den Drehgestellen gemessen und hydraulisch eingestellt. Die Neigung liegt bei maximal 6,5 Grad, die Neigungsänderung bei höchstens vier Grad pro Sekunde.Statens Järnvägar: Skönare resa med X2000. Werbebroschüre Bei Geschwindigkeiten unter 70 km/h ist die Neigetechnik nicht aktiv. Die Technik wird so eingeschränkt, dass ein Reisender auf einem Eckplatz des Wagens nie 30 cm höher oder tiefer als ein anderer im selben Wagen sitzt. Die Triebköpfe selbst verfügen über keine Neigetechnik. Ein besonderer Lokführersitz mit verstärktem Seitenhalt gleicht die erhöhte Seitenbeschleunigung aus.
Eine Besonderheit der Züge ist die radiale Einstellbarkeit der einzelnen Achsen in jedem Drehgestell. Auf den bogenreichen Strecken Schwedens kann sich so jede Achse einzeln der Strecke anpassen. Dadurch reduziert sich die Reibung erheblich, was zu Einsparungen beim Energieverbrauch und geringerem Materialverschleiß führt.