mini|Alpiq-Gebäude (ehemaliger Atel-Hauptsitz) in Olten, 2010. Die Alpiq Holding AG ist ein international tätiger Schweizer Energiekonzern mit Sitz in Lausanne. Das Unternehmen ging aus dem Zusammenschluss der Atel Holding AG (Aare-Tessin AG für Elektrizität) und der EOS S.A. (Energie Ouest Suisse) hervor und nahm die operative Tätigkeit am 1. Februar 2009 auf.
Der Energiekonzern beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter, ist in den meisten Ländern Europas tätig und gilt als systemrelevant. Geschichte Das Unternehmen entstand im Februar 2009 aus dem Zusammenschluss der Energie Ouest Suisse (EOS) und der Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel).Sébastian Lavoyer. Im Hirn von Alpiq, wo Milliarden umgesetzt werden. In: Aargauer Zeitung, 4. Februar 2023.
Im Jahr 2011 betrug der Jahresverlust 1,3 Milliarden Franken. Im Zeitraum von 2012 bis 2016 ging der Umsatz des Unternehmens um mehr als die Hälfte zurück, und Alpiq machte weiterhin starke Verluste. Grund hierfür war, dass Alpiq keine Endkunden versorgt, sondern den erzeugten Strom im Grosshandel vertreibt, wo die erzielbaren Preise damals unter den Erzeugungskosten lagen. Weiterhin wurde Wasserkraft, im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien, nicht vom Staat unterstützt. Alpiq kündigte deswegen im März 2016 an, 49 % an den Wasserkraftwerken verkaufen zu wollen, jedoch fand sich kein Käufer.
Im März 2018 erwarb Bouygues für über 800 Millionen Schweizer Franken das Energiedienstleistungsgeschäft von Alpiq. Nach Uneinigkeiten über den endgültigen Anpassungsbetrag kam es zu einem Schiedsgerichtsverfahren. Dieses wurde 2020 beendet und Alpiq erstattete über 50 Millionen Schweizer Franken an Bouygues.
Bis zum Jahr 2019 besaß Alpiq auch zwei Kohlekraftwerke in Tschechien, bis diese Ende August 2019 an die Seven Energy Group des Investors Pavel Tykač übergingen, da Alpiq zunehmend in erneuerbare Energien investieren will. Alpiq versuchte die beiden Kraftwerke bereits seit 2012 zu veräussern, erhielt jedoch keine annehmbaren Angebote.
Auf der Medienkonferenz Anfang April 2019 wurde bekannt gegeben, dass die EDF ihre Alpiq-Anteile verkauft und die zuvor per September 2020 gekündigte Konsortialvereinbarung vorzeitig verlässt. Bis Ende Mai 2019 übernahmen die EOS Holding und Primeo Energie je die Hälfte des Aktienpakets, finanziert durch ein Pflichtwandeldarlehen der Credit-Suisse-Anlagestiftung CSA Energie-Infrastruktur Schweiz. Angestrebt wurde die Dekotierung der Alpiq-Aktien von der Six Swiss Exchange mittels Squeeze-out, sowie die Aufteilung des Alpiq-Aktienkapitals.Sven Millischer. Der Squeeze-out-Plan. In: Handelszeitung Nr. 15, 11. April 2019. Das Dekotierungsgesuch wurde am 26. November 2019 von der Six Exchange Regulation bewilligt und die Dekotierung auf den 17. Dezember 2019 festgesetzt. Am letzten Tag an der Börse lag der Kurs bei ungefähr 70 Schweizer Franken.
Seit Mitte der 2020er Jahre baut Alpiq ein Geschäft mit Batterie-Energiespeichersystemen auf. Im Oktober 2025 nahm das Unternehmen in Finnland seinen ersten eigenen Batteriespeicher in Betrieb, Anfang 2026 erwarb es eine weitere Anlage in Frankreich. Im Juli 2026 übernahm Alpiq 90 % am britischen Batteriespeicher-Entwickler und -Betreiber Harmony Energy. Unternehmen Die Alpiq Holding SA ist eine Aktiengesellschaft nach Schweizer Obligationenrecht (OR) mit Sitz in Lausanne. Sie ist als Betreiberin mehrerer Kraftwerke tätig in den Bereichen Energiegewinnung und Energiehandel.
Die Geschäftsbereiche der Alpiq Holding sind seit dem 1. Januar 2026 in Assets, Trading und Energy Solutions gegliedert. Der Bereich Assets umfasst den Betrieb der Kraftwerke und Speicheranlagen zur Stromerzeugung. Der Bereich Trading ist für den Handel auf dem europäischen Stromhandelsmarkt und die Optimierung der eigenen Kraftwerke zuständig. Der Bereich Energy Solutions umfasst Produkte und Dienstleistungen für Kunden, darunter die Direktvermarktung und Stromabnahmeverträge.
Geleitet wird die Alpiq Holding durch den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung. Der Verwaltungsrat ist verantwortlich für die Oberleitung und die strategische Ausrichtung der Alpiq Gruppe. Zum Verwaltungsrat gehören (Stand August 2026) Johannes Teyssen (Präsident), François Gabella (Vizepräsident), Adrian Honegger, Christian Plüss, Adèle Thorens Goumaz, Jørgen Kildahl und Ronald Trächsel. Weiterhin ist der Verwaltungsrat für die Aufsicht der Geschäftsleitung verantwortlich. Der Geschäftsleitung gehören (Stand August 2026) Antje Kanngiesser als Vorsitzende und interimistische Leiterin des Geschäftsbereichs Energy Solutions, Peter-Wim Gerssen als Finanzchef, Amédée Murisier als Leiter des Geschäftsbereichs Assets sowie Morgane Trieu Cuot als interimistische Leiterin des Geschäftsbereichs Trading an.
Standorte Alpiq ist in verschiedenen Ländern in Europa aktiv. Neben dem Stammsitz in der Schweiz betreibt das Unternehmen weitere Kraftwerke an mehreren Standorten in Italien, Spanien, Frankreich und Ungarn. Die verschiedenen Kernkraft- und Wasserkraftwerke befinden sich in der Schweiz, die Kraftwerke für neue erneuerbare Energien befinden sich in der Schweiz, Italien, Frankreich und Schweden. Alpiq ist in Italien, Spanien und Ungarn mit bis zu 100 % an Gas-Kombikraftwerken beteiligt. Weitere Niederlassungen befinden sich in Tschechien, Deutschland und in den nordischen Ländern.
Unternehmenszahlen Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete Alpiq einen Umsatz von rund 5,9 Milliarden Schweizer Franken und beschäftigte 1417 Mitarbeiter. Die folgende Tabelle zeigt Unternehmenszahlen gemäss IFRS von Alpiq für die Jahre 2016 bis 2025: + Unternehmenszahlen 2016 bis 2025 Jahr Umsatz (Mio. Schweizer Franken) Gew./Verl. (Mio. Schweizer Franken) Beschäftigte20164.412260142920175.5254150420185.186 −63154820194.099 −268122620203.905110125820217.177 −2711266202214.8611111180202383961336122120246.643943135020255.7491971417
Aktionariat Die Alpiq Holding AG verfügt über ein Aktienkapital von 331'103.64 Schweizer Franken, eingeteilt in 33'110'364 Namenaktien mit einem Nennwert von je 0.01 Schweizer Franken. Die drei Aktionärsgruppen EOS Holding SA, Schweizer Kraftwerksbeteiligungs-AG und das Konsortium der Schweizer Minderheitsaktionäre halten je ein Drittel der Alpiq-Aktien.
Anteile per 31. Dezember 2025: 33,33 % EOS Holding SA 33,33 % Schweizer Kraftwerksbeteiligungs-AG 19,91 % Primeo Energie Genossenschaft (vormals EBM, Genossenschaft Elektra Birseck) 6,44 % EBL (Genossenschaft Elektra Baselland) 2,12 % Eniwa Holding AG 1,79 % Aziende Industriali di Lugano (AIL) SA 1,12 % IBB Holding AG 1,00 % Regio Energie Solothurn 0,96 % WWZ AG.
Geschäftstätigkeit Die Alpiq Holding AG ist eine unabhängige Stromproduzentin und Energiehändlerin. Alpiq ist aktiv in den Geschäftsfeldern Energieerzeugung, Energiehandel und Dienstleistungen. Zu den Kunden zählen mittelständische Unternehmen, Grossbetriebe und öffentliche Institutionen.Alpiq zieht zwei Grossaufträge aus Deutschland an Land. In: Aargauer Zeitung, 24. November 2016. Im europäischen Energiehandel ist Alpiq an allen grossen Strombörsen und Handelsplattformen vertreten.
Zur Stromgewinnung nutzt Alpiq Wasserkraft, Kernenergie, Erdgas und neue erneuerbare Energiequellen wie Kleinwasser-, Wind- und Solarkraftwerke. Im Jahr 2025 verfügte Alpiq über eine Produktion von 14'860 Gigawattstunden (GWh), welche sich wie folgt zusammensetzte: 7001 GWh Wasserkraft (47 %) 4546 GWh Kernkraft (31 %) 2990 GWh konventionelle thermische Kraftwerke (20 %) 323 GWh Wind und Photovoltaik (2 %).
Kernkraftwerke Das Unternehmen ist an zwei Kernkraftwerken beteiligt. Alpiq hält eine 40-%-Beteiligung am schweizerischen Kernkraftwerk Gösgen (Leistung 1060 MW), dessen Geschäftsleitung sie zudem innehat. Am schweizerischen Kernkraftwerk Leibstadt (Leistung 1165 MW) hält sie 27,4 %. 2016 versuchte Alpiq, die Kernkraftwerke zu verkaufen, da die Produktionskosten der Kernkraftwerke über den damaligen Strompreisen lagen.
Wasserkraftwerke Alpiq betreibt und hält Beteiligungen an Speicher- und Flusskraftwerken in der Schweiz, dazu Kleinwasserkraftwerke in der Schweiz, Frankreich und Italien. Das in den Stauseen gespeicherte Wasser erlaubt die schnelle Erzeugung von Spitzenenergie in Zeiten starker Nachfrage. Die Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke können nach Bedarf eingesetzt werden und tragen zur Stabilität der Stromnetze bei, indem sie Strom liefern, wenn Sonne und Wind wenig Energie bereitstellen. Den Grundbedarf an Strom, der jeden Tag verbraucht wird, liefern Flusskraftwerke. Mit einem kleinen Gefälle wird mit der Kraft grosser Wassermengen in den Flusskraftwerken Bandenergie (Grundlast) erzeugt.
Die für die Schweiz wichtigsten Speicherkraftwerke sind die Anlagen Grande Dixence mit einer Leistung von über 2000 Megawatt, sowie Nant de Drance mit einer Leistung von 900 Megawatt. Nant de Drance gehört mit seiner Leistung von 900 Megawatt zu einem der leistungsstärksten Pumpspeicherwerke der Schweiz. An beiden Anlagen hält Alpiq Beteiligungen, 60 % am Speicherkraftwerk Grande Dixence und 39 % an der Anlage Nant de Drance.
Alpiq besitzt und betreibt zudem verschiedene Flusskraftwerke an der Aare in den Kantonen Solothurn, Bern, Aargau und Wallis. Das Laufkraftwerk bei Flumenthal weist eine Leistung von 27 Megawatt auf und erzeugt pro Jahr 146 Millionen Kilowattstunden Strom. Das Laufkraftwerk Gösgen bei Niedergösgen ist mit einer Jahresproduktion von rund 300 Millionen Kilowattstunden und einer Leistung von 51,3 Megawatt eines der grössten Laufkraftwerke an der Aare. Am 23. September 2020 erhielt das Kraftwerk rückwirkend per 1. Januar 2020 eine neue Konzession für 70 Jahre. Das Laufkraftwerk Ruppoldingen erzeugt mit 23 Megawatt Leistung pro Jahr 115 Millionen Kilowattstunden und ist mit dem Schweizer Ökostrom-Label naturemade star zertifiziert.Urs Huber. 6000 Kubikmeter Kies landen in der Aare. In: Aargauer Zeitung, 24. September 2021.
Alpiq ist an mehreren Ausbauprojekten in der Wasserkraft beteiligt. Die Grande Dixence SA, an der Alpiq 60 % hält, plant oberhalb von Zermatt den Mehrzweckspeicher Gornerli mit einem Stauvolumen von rund 120 Millionen Kubikmetern. Bei den Stauseen Moiry und Emosson sind Erhöhungen der Staumauern um 9 beziehungsweise 10 Meter projektiert, die die Speicherkapazität um insgesamt mehr als 165 Gigawattstunden vergrössern sollen. Im Februar 2026 erwarb Alpiq das Pumpspeicherprojekt Navaleo in Kastilien und León (Spanien) mit einer geplanten Leistung von 535 Megawatt.
Die Alpiq Holding betreibt folgende Speicherkraftwerke: + Speicherkraftwerke Anlage Standort Leistung MW Jahresproduktion GWh Beteiligung Blenio Kraftwerke Locarno TI, Schweiz 400 835 17 % Speicherkraftwerk Cleuson-Dixence (mit Anlage von Grande Dixence) Bieudron, Riddes VS, Schweiz, 2069 2000 72,7 % Speicherkraftwerk Emosson Martigny VS, Schweiz 420 850 50 % Speicherkraftwerk GougraAnniviers VS, Schweiz 168 643 54 % Engadiner Kraftwerke Zernez GR, Schweiz 410 1418 22 % Grande Dixence (mit Anlage von Cleuson-Dixence) Bieudron, Riddes VS, Schweiz, 2069 2000 60 % Kraftwerke Hinterrhein Sils, Thusis, Bärenburg, Ferrara, Schweiz 744 1368 9,3 % Forces Motrices Hongrin-Léman S.A. (FMHL) Veytaux VD, Schweiz 480 1000 39,3 % Maggia Kraftwerke Locarno TI, Schweiz 626 1265 12,5 % Kraftwerk Electra-Massa Bitsch VS, Schweiz 340 564 34,5 % Nant de Drance Finhaut VS, Schweiz 900 39 % Salanfe S.A. Vernayaz VS, Schweiz 70 110 100 % Simplon Speicherkraftwerke Gondo, Gabi, Tannuwald, Schweiz 80 258 81,97 % Speicherkraftwerke Zervreila Safien, Rothenbrunnen, Realta, Schweiz 266 550 21,6 % Neben den Speicherkraftwerken betreibt Alpiq zudem folgende Flusskraftwerke: