alt=Dr. Bodo Gorgaß|mini|Bodo Gorgaß, 2009

Bodo Gorgaß (* 19. Oktober 1940 in Wiesbaden) ist ein deutscher Anästhesist, Intensivmediziner und Notfallmediziner, Oberfeldarzt a. D. sowie Fachautor und freier Journalist.Bodo Gorgaß: Die ärztliche Notausrüstung für die Versorgung akut lebensbedrohter Patienten. In MED. MO. PHARM (Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten). Wiss. Verlag-Ges. Stuttgart 1978. Heft 7, S. 210–215. Er gilt als einer der bedeutenden PioniereLothar Langner, Hans-Ulrich Suckert: Luftrettung in Deutschland. W. Wolfsfellner MedizinVerlag, München 1992, ISBN 3-9802271-3-8, S. 56 (Der Erfolg hat viele Väter.) der Notfallmedizin und Luftrettung in Deutschland.„Selbstmitleid und Resignation überwinden“. Ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Rettungsdienst. Dr. Gorgaß im Gespräch. In: Rettungsdienst. Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin. 06/2007. Stumpf + Kossendey, Edewecht 2007, , S. 582–586. Er lebt in der „Gartenstadt“ Haan (Kreis Mettmann) und beschäftigt sich intensiv mit Fragen der Zeitgeschichte, arbeitet als freier Journalist, verfolgt nach wie vor die Entwicklung der Notfallmedizin.„Zu geringe Rechtssicherheit“. Rettungsdienst-Pionier fordert Nachbesserung des NotSanG. Dr. Gorgaß im Interview. In: Rettungsdienst. Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin. Nr. 3, 2020, S. 216–221.

Gorgaß ist insbesondere für seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Notfallmedizin und des Rettungswesens bekannt.

Leistungen Bodo Gorgaß leistete in den 1970er und 1980er Jahren wesentliche Beiträge zu Verbesserungen in der Notfallmedizin sowie zur medizinischen Ausstattung der eingesetzten Fahrzeuge und Hubschrauber. Er engagierte sich für die Qualifikation und den Sozialstatus des nichtärztlichen Personals im Rettungsdienst – das „Berufsbild Rettungssanitäter“,Bodo Gorgaß: Das Personal in Krankentransport und Rettungsdienst. Historische Vergleiche, gegenwärtige Problematik, Ausblicke. In: Der Rettungssanitäter. Heft 04, 1982. Stumpf & Kossendey, Edewecht 1982, S. 146–157. das heißt die Professionalisierung im RettungsdienstNils Kessel: Geschichte des Rettungsdienstes 1945–1990. Vom „Volk von Lebensrettern“ zum Berufsbild „Rettungsassistent/in“. Lang, Frankfurt am Main / Berlin/Bern/Brüssel / New York / Oxford 2008, ISBN 978-3-631-56910-8. gegen zum Teil erhebliche Widerstände unter anderem der Rettungsorganisationen als „samaritane Laienverbände“, der Berufsfeuerwehren, Kostenträger.

Kindheits-, Jugend-, Schulzeit Bodo Gorgaß kam im Jahr 1940 in Wiesbaden auf die Welt, erlebte Bunker- und Bombennächte in schwierigen Kriegszeiten und besuchte nach Kriegsende die Volksschule in Königshofen, danach das Dilthey-Gymnasium in Wiesbaden. 1962 machte er das Abitur.

Studium Nach einer zweijährigen Wehrdienstzeit studierte Gorgaß an der Universität Mainz Medizin. Hier kam es auch zu wegweisenden Kontakten mit Rudolf Frey, einem „Nestor“ der AnästhesieMichael Goerig, Jan-Peter Jantzen: Rudolf Frey – eine biografische Skizze aus Anlass seines 100. Geburtstags. In: Der Anaesthesist. 8/2017. Springer Medizin, Heidelberg 2017. und einem der bedeutendsten Notfallmediziner dieser Zeit, auf dessen Initiativen hin sich die Unfallrettung mit HubschraubernMartin Frey: Möglichkeiten und Grenzen der Luftrettung von Notfallpatienten. Universität Mainz, Fachbereich Medizin, Dissertation, Mainz 1976. und Notarztwagen neu formierte.Jörn Fries: Vor mehr als 50 Jahren. Rotes Kreuz testet Hubschrauber auch in Mainz. In: UM-Sicht. Das Magazin der Universitätsmedizin Mainz, März 2019. Gorgaß wechselte 1967 an die Universität Hamburg und machte 1969 das Staatsexamen. Am 22. April 1970 wurde ihm vom Fachbereich Medizin der Universität Hamburg Titel und Würde eines Doktors der Medizin verliehen.Bodo Gorgaß: Über die physiologische Variationsbreite der menschlichen Kopf- und Körperbehaarung. Universität Hamburg, Hochschulschrift, Fachbereich Medizin, Hamburg 1970.

Qualifikationen/Einsätze Gorgaß absolvierte die Facharztausbildung zum Anästhesisten 1970–1975 an der Universität Ulm und am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Als Notarzt flog er ca. 1500 Einsätze mit dem Ulmer SAR-Rettungshubschrauber Bell UH-1D in den frühen 1970er Jahren im 50-/80-/zum Teil 100-km-Einsatzradius um Ulm (der Münchner Rettungshubschrauber-Modellversuch strebte einen Einsatzradius von 50 km an). Gorgaß fuhr etwa 2800 Einsätze mit dem Ulmer Bundeswehr-Notarztwagen. Er leistete vielfältige Einsätze als Sanitätsoffizier in den 1970er Jahren bei NATO-Manövern in Nord-Norwegen und mehrfach in der Türkei. Im Jahr 1976 war er als Anästhesist tätig beim Katastropheneinsatz der Bundeswehr nach einem schweren Erdbeben mit über 5000 Opfern in der Provinz Van,Bodo Gorgaß, H. Böhm: Erfahrungen aus dem Erdbebeneinsatz der Bundeswehr in der Osttürkei. In: Notfallmedizin. 2/1978. Perimed Verlag, Erlangen 1978, ISSN 0341-2903, S. 72–81. im Osten der Türkei.Hans-Ulrich Suckert, Marco Quinzio: Luftrettung in Deutschland. Medizin, Technologie und Menschlichkeit – im Einsatz für das Leben. Hrsg. ´von Deutsche Rettungsflugwacht e.V. (Filderstadt). W. Wolfsfellner MedizinVerlag, München 1996, ISBN 3-9802271-5-4.

(Test-)Rettungszentrum Ulm Zusammen mit Friedrich Wilhelm Ahnefeld (dem „Papst der Notfallmedizin“)Holger Scholl: Handbuch Luftrettung. Organisation, Einsatz, Taktik und Technik. 2. Auflage. Stumpf + Kossendey, Edewecht 2018, ISBN 978-3-943174-93-9, S. 33–38. baute Gorgaß das 1971 gegründete Ulmer (Test-)Rettungszentrum des Bundeswehrkrankenhauses und der Universität Ulm auf, wo 1971 der erste Ulmer Notarztwagen und die – nach München – zweite für einen Dauereinsatz ausgelegte RettungshubschrauberstationGünther Frey, Lorenz Lampl, Karl Heinz Bock: Der Rettungshubschrauber – integrativer Bestandteil eines koordinierten Rettungswesens. Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Bundeswehrkrankenhaus, Ulm. In: Airmed ’85, Zürich. International Aeromedical Evacuation Congress. Schweizerische Rettungsflugwacht (REGA), Zürich 1987, S. 105. im zivilen Rettungsdienst in der Bundesrepublik Deutschland in Betrieb genommen wurde (System NAW, NEF, Rettungshubschrauber mit eigener Leitstellenstruktur).Benjamin Homberg: Wir fliegen damit Sie leben. 15 Jahre organisierte Luftrettung. EFB Verlag, Hanau 1985, ISBN 3-88776-022-0, bes.: (Test-)Rettungszentrum der Bundeswehr Ulm, S. 58, Literatur über Bodo Gorgaß S. 157.

alt=Gorgaß - Ahnefeld 1985|mini|Bodo Gorgaß und F. W. Ahnefeld, auf einem notfallmedizinischen Kongress 1985 Das (Test-)Rettungszentrum Ulm wurde eingerichtet, um zu prüfen, ob es für den Sanitätsdienst der Bundeswehr sinnvoll sein könnte, bei der Bewältigung der großen Anzahl von Unfallverletzten traumatologische Erfahrungen zu sammeln. Die RTH-Piloten sollten sich nicht nur bei Übungs- sondern auch echten Einsatzflügen bewähren. Das (Test-)Rettungszentrum wurde so ausgebaut, dass es vorbildlichen „Schulungscharakter“ für die gesamte Bundeswehr bekam und entscheidende Impulse für das gesamte deutsche Rettungswesen gab.Gerda Seepe: Bundesverdienstkreuz für Oberfeldarzt Dr. Gorgass. In: Südwest Presse. Ulm, 15. Oktober 1977. Gorgaß war in den Jahren 1973 bis 1979 Leiter des Ulmer (Test-)Rettungszentrums. 1978/79 entstanden durch seine Mitarbeit die ersten ADAC-Publikationen zur Luftrettung „Der Sanitäter im Luftrettungsdienst“ADAC e.V.: Der Sanitäter im Luftrettungsdienst. Hinweise für die Zusatzausbildung. Hrsg.: ADAC e. V., Hauptabt. Verkehr, Abt. Verkehrsmedizin. ADAC-Schriftenreihe Straßenverkehr, Nr. 22, München 1978. und „Der Arzt im Luftrettungsdienst“.ADAC e.V.: Der Arzt im Luftrettungsdienst. Merkblatt über die fachlichen Voraussetzungen mit Hinweisen für die spezielle Einweisung. 1. Auflage. Hrsg. ADAC e. V., Abt. Verkehrsmedizin München 09/1979. (Bearbeitung Hans Burghart, Bodo Gorgaß). Nachdem die notfallmedizinischen Erfahrungen in Ulm als äußerst positiv bewertet wurden, wurden in den nächsten Jahren weitere RTH-Standorte der Bundeswehr in Dienst gestellt: Hamburg, Koblenz, Würselen, Nürnberg, Rheine.Holger Scholl: Handbuch Luftrettung. Organisation, Einsatz, Taktik und Technik. 2. Auflage. Stumpf + Kossendey, Edewecht 2018, ISBN 978-3-943174-93-9, S. 100.

Zunehmend verstanden damals Behörden, Institutionen und Ministerien den Begriff „Test“ als Möglichkeit, sich mit unterschiedlichsten Fragestellungen an das Ulmer (Test)-Rettungszentrum zu wenden, so zum Beispiel ADAC,Gerhard Kugler: ADACOPTER-2, Erinnerungen. W. Wolfsfellner MedizinVerlag, München 2010, ISBN 978-3-933266-62-0, S. 143. DRK, für den Rettungsdienst zuständige Länderministerien (Bayern, Baden-Württemberg: Hubschrauber-Landeplätze an allen Krankenhäusern), Universitäten, Normenausschüsse, Gerätehersteller wie Hellige, Weinmann (Medumat, Combi-Bag, Ulmer Notfallkoffer),F. W. Ahnefeld, Wolfgang Dick, Bodo Gorgaß u. a.: Notfallkoffer. In: Notfallmedizin. 7/1981. Perimed Verlag, Erlangen 1981, , S. 38. Binz,Stiftung BINZ. Zehn Jahre im Dienst der Notfallmedizin. In: Notfallmedizin. 12/1997. Perimed Verlag, Erlangen 1997, , S. 544. Porsche (neue Kabine)F. W. Ahnefeld: Die Erstversorgung von Notfallpatienten – Fortschritte und Fehlentwicklungen. In: 10 Jahre Deutsche Rettungsflugwacht e. V., Deutsche Zentrale für 10 Jahre Luftrettung. Schriftenreihe der Deutschen Rettungsflugwacht e. V., Band 3. Filderstadt 1982. Zusammenstellung und Redaktion Peter Dürner, S. 20–25. usw. Diese InnovationsversucheBodo Gorgaß, Raimund Bardua: Die Rettungszentren der Bundeswehr. In: Handbuch des Rettungswesens, Erste Hilfe, Rettungsdienst und Krankentransport. V. d. Linnepe Verlag, Hagen, Ergänzungslieferung 3/Sept. 1992, Hauptabschnitt CI 6.3.1, ISBN 3-921297-13-3, S. 1–12. und sehr intensive Zusammenarbeit hielt auch noch lange an, als nach offensichtlicher Bewährungsproben die Vorsilbe (Test-) wegfiel.Holger Scholl: Handbuch Luftrettung. Organisation, Einsatz, Taktik und Technik. 2. Auflage. Stumpf + Kossendey, Edewecht 2018, ISBN 978-3-943174-93-9, S. 33–36. Die Wortbildung „Gorgaß-Ahnefeld“ steht bis heute als „Qualitätsmarke“, als Synonym für moderne Notfallmedizin.Der Spiegel: RETTUNGSDIENSTE. Irgendwie kneten. In den Krankenwagen der Rettungsdienste sitzen unzureichend ausgebildete Helfer. In vielen Fällen sind sie so hilflos wie ihre Patienten. Hamburg 26. April 1982, S. 83–87. (spiegel.de)

Vorträge Gorgaß hielt internationalHeinrich Klingshirn: Der lange Weg zu einem modernen Rettungswesen. Ausgewählte Vorträge 1980–2006. Mit einem Nachwort von Peter Sefrin. W. Wolfsfellner MedizinVerlag, München 2011, ISBN 978-3-933266-84-2. mehr als 150 notfallmedizinische Vorträge.Vgl. auch Bodo Gorgaß (Ulm), Hansjoachim Linde (Bonn): Untersuchungen über Transport- und Arbeitsraum sowie medizinische Ausstattung eines Rettungshubschraubers (RTH). Internationales Symposium Möglichkeiten des Helikopters und Flugzeugs im Rettungswesen/The Role of Helicopters and Aeroplanes in Search and Rescue. Hrsg. von Rudolf Frey, Institut für Anaesthesiologie der Universität, Mainz, 3.–5. Oktober 1972. Sammlung Kurzreferate, S. 27.

Vorträge in den USA waren von besonderer Bedeutung in der Hubschrauberrettung – zusammen mit G. Frey und W. Stotz (Ulm); Gerhard Kugler und Ingo Karger, ADAC e. V. (München): „Rescue Helicopters in Primary and Secondary Missions“, Aerospace Medical Panel specialists meeting, Fort Rucker Alabama 1978.AGARD: Operational Helicopter Aviation Medicine. Edited by Colonel S. C. Knapp, MC, Fort Rucker, Alabama. Hrsg.: AGARD ADVISORY GROUP FOR AEROSPACE RESEARCH AND DEVELOPMENT. CP-255. Neuilly Sur Seine, France 1. Dezember 1978, S. 600 (englisch, nato.int, downloadfähig als PDF, ca. 310 MB). AGARD Download Die Erfahrungen der deutschen Luftrettung fanden dort, im amerikanischen Ausbildungszentrum für Hubschrauberpiloten, und gerade in dieser Anfangszeit besondere Beachtung.Gerhard Kugler: ADACOPTER-2. Erinnerungen. W. Wolfsfellner MedizinVerlag, München 2010, ISBN 978-3-933266-62-0, (Kap. Kongress in Fort Rucker, Alabama, S. 185–188).

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